PMI DEZEMBER 2023 – Eurozone schrumpft weiter

Die Eurozone schwächelt weiter und setzt ihre Talfahrt weiter fort. Das ergab die von Finanzdienstleister S&P Global erstellte Vorabschätzung für den PMI Dezember 2023. Die Schrumpfung betrifft dabei sowohl die Industrie als auch den Servicesektor. Wie die Vorabschätzung außerdem ergab, werden einerseits die Auftragsbestände abgebaut und weniger Neugeschäft generiert, was andererseits zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Eurozone führt. Einen entscheidenden Boost könnte die Lockerung der Zinsschraube durch die EZB bringen.  

PMI Dezember 2023 - Die Wirtschaftsleitung der Eurozone ist so sehr geschrumpft wie seit elf Jahren nicht mehr. (Foto: Klaus-Uwe Gerhardt / www.pixelio.de)
PMI Dezember 2023 – Die Wirtschaftsleitung der Eurozone ist so sehr geschrumpft wie seit elf Jahren nicht mehr. (Foto: Klaus-Uwe Gerhardt / www.pixelio.de)

Der Dezember 2023 verheißt für den Januar 2023 nichts Gutes, denn die Wirtschaftsleitung der Eurozone ist so sehr geschrumpft wie seit elf Jahren nicht mehr. Dies ergab die aktuelle, von S&P Global erstellte HCOB- PMI®-Vorabschätzung für den PMI Dezember 2023. Dabei sind sowohl die Industrieproduktion als auch die Geschäftstätigkeit im Servicesektor geschrumpft. Gleichzeitig wies der Auftragseingang in beiden Sektoren erneut ein hohes Minus aus. Deshalb wurden auch die Auftragsbestände ein weiteres Mal abgebaut. Vor diesem Hintergrund sanken auch die Beschäftigtenzahlen, denn die Unternehmen mussten ihre Kapazitäten aufgrund der Auftragsflaute verstärkt einschränken. Auch dürften sich die Geschäftsaussichten für Dezember 2023 als auch die Folgemonate in 2024 nach Ansicht der Entscheider in Industrie und Dienstleistung weiter eintrüben. Zwar zeigt sich der Ausblick im Dezember gegenüber November leicht verbessert. Er ist jedoch abermals deutlich weniger optimistisch als im langjährigen Mittel. Zudem wurden lt. PMI Dezember 2023 – Vorabschätzung In der Industrie die Vormateriallager so rasant abgebaut wie seit 2009 nicht mehr. Einziger Lichtblick: Die Einkaufspreise stiegen deutlich weniger als die Monate zuvor, was allerdings die Verbraucherpreise kaum tangieren dürfte, denn der Anstieg der Verkaufspreise beschleunigte sich überdurchschnittlich.  

Frankreich und Deutschland ziehen Eurozone mit 

Gibt es positive Wachstumsraten in Deutschland und in Frankreich, dann geht es der Eurozone gut. Geht es Frankreich und Deutschland schlecht, geht es der Eurozone schlecht. Der Grund: Beide machen knapp die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone aus (Deutschland rund 28 Prozent, Frankreich rund 20 Prozent). Derzeit steckt vor allem Frankreich im Berichtsmonat PMI Dezember 2023 am tiefsten in der Krise. Hier schrumpfte die Wirtschaftsleistung wegen beschleunigter Rückgänge bei Industrieproduktion und Geschäftstätigkeit im Servicesektor so stark wie zuletzt im Mai 2013. Doch auch in Deutschland ging es mit beschleunigter Rate bergab. Auch hier sind die kommen Industrie und Servicesektor nicht vom Fleck. In den übrigen von der Umfrage erfassten Eurozone-Ländern fiel der fünfte Wachstumsrückgang in Folge im Vergleich zu Frankreich und Deutschland allerdings gedämpfter aus. Hier konnte ein moderates Geschäftswachstum vor allem im Servicesektor den gravierenden Rückgang der Industrieproduktion noch kompensieren. 

Österreichs Wirtschaftsbosse bleiben pessimistisch 

Die schlechte Wirtschaftslage in Frankreich und Deutschland ziehen auch Österreichs Wirtschaft mit. Die Alpenrepublik exportiert einen großen Teil seiner Produkte in diese Länder. Gleichzeitig kommen vor allem aus Deutschland die meisten Gäste für Österreichs Tourismuswirtschaft. Die Schwächephase der österreichischen Wirtschaft hält somit unvermindert an, wie aus dem aktuellen Konjunkturindikator der UniCredit Bank Austria hervorgeht. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator verharrte im November bei 3,7 Punkten. Damit setzt sich die konjunkturelle Bodenbildung zwar fort, doch ein Aufwärtstrend der österreichischen Wirtschaft ist vorerst weiterhin nicht in Sicht“, meint hierzu Stefan Bruckbauer, Chefökonom der größten Bank Österreichs. In keinem Bereich der österreichischen Wirtschaft sei derzeit ein stabiler Trend zu erkennen, der eine positive Richtung für die Gesamtwirtschaft vorgeben würde. „Während sich in der Bauwirtschaft der Pessimismus etwas abgebaut hat, trübte sich in der heimischen Industrie die Stimmung gegen Jahresende erneut ein, obwohl sich das globale Umfeld leicht verbesserte. Auf den Dienstleistungssektor wirkten sich die herausfordernden Vorgaben aus dem Produktionssektor wieder stärker negativ aus und sorgten für eine spürbare Stimmungsverschlechterung trotz abflauenden Gegenwinds des Verbrauchervertrauens“, so S. Bruckbauer in seiner Analyse.  

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PMI Dezember 2023 – Produktion schrumpft das siebte Mal in Folge 

PMI Dezember 2023 - Das Nebeneinander von sinkender Produktion und unveränderter Beschäftigung könnte jedoch auch auf eine Verschärfung der Produktivitätsprobleme hindeuten. (Foto: Klaus-Uwe Gerhardt / www.pixelio.de)
PMI Dezember 2023 – Das Nebeneinander von sinkender Produktion und unveränderter Beschäftigung könnte jedoch auch auf eine Verschärfung der Produktivitätsprobleme hindeuten. (Foto: Klaus-Uwe Gerhardt / www.pixelio.de)

Doch zu den Zahlen: Der saisonbereinigte HCOB Flash Eurozone Composite PMI Dezember 2023 signalisiert mit 47,0 Punkten nach 47,6 im November den siebten Monat in Folge einen Wachstumsrückgang. Damit ist die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2023 so stark geschrumpft wie seit dem Vergleichsquartal 2012 nicht mehr, lässt man die Monate während der ersten Corona-Lockdowns außer Betracht. Die aktuelle Vorabschätzung basiert dabei auf etwa 85 Prozent der regulären Umfragerückmeldungen. Das bedeutet, dass die Schwankungsbreite sehr gering ist und es bis Ende Dezember keine Veränderungen zu erwarten sind. 

Industrie legt wieder härtere Bremsung ein 

Laut PMI Dezember 2023 war der Bremsklotz im Dezember, wie auch in den Monaten zuvor, vor allem die Industrie. Doch diesmal ging es auch im Servicesektor beschleunigter Rate bergab. Es ist der neunte Rückgang der Industrieproduktion in Folge. Im Dezember beschleunigte er sich allerdings wieder – nach der leichten Verlangsamung im November. Er fiel allerdings nicht mehr ganz so stark aus wie in den vier Monaten vor Oktober. Die Geschäfte der Serviceanbieter schrumpften zum fünften Mal hintereinander. Hier kam es zum drittstärksten Rückgang seit den Lockdowns Anfang 2021, was durchaus zu erwarten war. 

PMI 2023 – Auftragslage verschlechterte sich 

Die Krise war erneut auf die sich verschlechternde Auftragslage zurückzuführen. So fiel der siebte Auftragsrückgang in Folge genauso stark aus wie im November, aber immerhin nicht ganz so gravierend wie in den drei Monaten zu Oktober. In der Industrie fiel der 20. Rückgang beim Neugeschäft trotz der zweiten Abschwächung hintereinander erneut überdurchschnittlich kräftig aus. Die Serviceanbieter beklagten hingegen den sechsten monatlichen Rückgang in Folge. Dieser war dabei einer der stärksten seit drei Jahren. 

Auftragsbestände bauen sich weiter ab 

Die Folge der Schrumpfung ist, dass sich die Auftragsbestände zum 17. Mal innerhalb der letzten 18 Monate reduzierten und sich der Abbau sogar noch etwas verstärkte. Vor allem in der Industrie schwanden die Auftragspolster in besonders hohem Tempo. Doch auch bei den Dienstleistern fiel die 6. Abnahme der unerledigten Aufträge in Folge so stark aus wie seit Februar 2021 nicht mehr. 

Beschäftigung, Lagerbestände und Einkaufsmengen gehen zurück 

Aufgrund nachfragebedingter Kapazitätseinschränkungen sanken die Beschäftigtenzahlen ein weiteres Mal, allerdings noch moderat. Der Grund dürfte der allgemeine Fachkräftemangel sein. Dieser veranlasst Unternehmen, Mitarbeiter nicht abzubauen, trotz schlechterer Auftragslage, um beim Wiederanziehen der Konjunktur entsprechend fit zu sein. “Die Beschäftigung schwankte in den letzten fünf Monaten lediglich geringfügig und blieb im Wesentlichen konstant” kommentiert dies Dr. Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank gegenüber den Medien und weiter: “Diese Stabilität ist für die Menschen beruhigend, denn sie gibt ihnen mehr Sicherheit über ihr Einkommen.” Das Nebeneinander von sinkender Produktion und unveränderter Beschäftigung könnte jedoch auch auf eine Verschärfung der Produktivitätsprobleme hindeuten. “Daher ist es gut möglich, dass der erwartete Rationalisierungseffekt, der typischerweise in Rezessionen die Grundlage für Produktivitätssteigerungen bildet, dieses Mal weitestgehend ausfällt. Dieser Faktor trägt dazu bei, dass wir für das kommende Jahr nur ein bescheidenes Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in der Eurozone erwarten, nach 0,5 Prozent in diesem Jahr”, so die Prognose von C. de la Rubia. 

Siebenter Stellenabbau in Folge  

PMI Dezember 2023 - Der Anstieg der Einkaufspreise verlangsamte sich lt. PMI Dezember 2023 im Dezember weiter und fiel schwächer aus als in den zurückliegenden drei Monaten. Dennoch sind sie hoch. (Foto: Timo Klostermeier / www.pixelio.de)
PMI Dezember 2023 – Der Anstieg der Einkaufspreise verlangsamte sich lt. PMI Dezember 2023 im Dezember weiter und fiel schwächer aus als in den zurückliegenden drei Monaten. Dennoch sind sie hoch. (Foto: Timo Klostermeier / www.pixelio.de)

Ungeachtet dessen ist es der siebente Stellenabbau in Folge in der Industrie. Er gehört zudem zu den stärksten seit 2012 – wenn man die Pandemie-Monate außen vorlässt. Im Servicesektor sorgte die anhaltend gedämpfte Einstellungsbereitschaft dafür, dass dort die Beschäftigung nur leicht zunahm. Dies steht im Gegensatz zum starken Jobaufbau in diesem Sektor Anfang des Jahres 2023. Auch die Einkaufsmenge wurde lt. PMI Dezember 2023 reduziert, und zwar so kräftig wie selten zuvor seit der globalen Finanzkrise im Jahr 2008-2009. Deswegen sanken auch die Bestände an Vormaterialien so rasant wie zuletzt im November 2009. Die Fertigwarenlager nahmen ebenfalls ab, hauptsächlich aus Kostengründen mit Blick auf die schwachen Umsätze. Die rückläufige Nachfrage nach Produktionsmaterialien sorgte in weiterer Folge dafür, dass sich die Lieferzeiten zum elften Mal hintereinander verkürzten. 

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PMI Dezember 2023 – Einkaufspreise stiegen wenig, Verkaufspreise mehr  

Der Anstieg der Einkaufspreise verlangsamte sich lt. PMI Dezember 2023 im Dezember weiter und fiel schwächer aus als in den zurückliegenden drei Monaten. Damit lag die Teuerungsrate nur minimal über dem Langzeit-Durchschnittswert von vor der Pandemie. In der Industrie sanken die Einkaufspreise sogar den zehnten Monat in Folge und das sogar stärker als die Jahre bis zur globalen Finanzkrise 2008-2009. Auch im Servicesektor verlangsamte sich der Kostenauftrieb auf den niedrigsten Wert seit Juli. Er blieb aber im historischen Vergleich stark. Der Anstieg der Verkaufspreise beschleunigte sich hingegen auf den höchsten Wert seit Mai und fiel damit erneut überdurchschnittlich stark aus. In der Industrie sanken die Verkaufspreise allerdings zum achten Mal hintereinander, wenngleich nur minimal und mit der niedrigsten Rate seit Mai. Im Gegensatz dazu erhöhten die Serviceanbieter ihre Angebotspreise so stark wie zuletzt im Juli. 

PMI Dezember 2023 – EZB könnte Krise lockern 

Die Geschäftsaussichten dürften sich nach dem PMI Dezember 2023 auch in den nächsten Folgemonaten nicht wirklich erholen. Doch gehen Analysten davon aus, dass die Talsohle beim im Rückgang der Wirtschaft durchschritten sein dürfte. Als konjunkturbelebend könnte sich hierbei eine Lockerung der Zinsschraube durch die Europäische Zentralbank (EZB) erweisen. Diese verhindert derzeit viele Investitionen sowohl in der Bauwirtschaft als auch in der Industrie in der Eurozone. Auch bremsen hohe Zinsen die Kauflaune im privaten Sektor. Zudem sorgen die Krisen an den Grenzen zur EU und im Nahen Osten für weitere Verunsicherung. Ein Drehen der Zinsschraube der EZB nach unten könnte daher für einen Wachstumsschub in der Eurozone führen. Gleichzeitig könnte das die Verunsicherung lösen, weil dies ein Signal dafür wäre, dass die Wirtschaftskrise aufgrund der Inflation und hoher Energiepreise in der Eurozone vorbei wäre. 

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