PUTINS KRIEG – Angriff auf Sicherheitsordnung pusht neue Geldordnung

Putins Krieg – S. Kapsch: „Die Ankündigung Putins, den Krieg fortzusetzen, bringt viele europäische Aktienmärkte an den Rand eines Bärenmarktes.“ (Foto: Steiermärkische Sparkasse / RS MEDIA WORLD Archiv)
Putins Krieg – S. Kapsch: „Die Ankündigung Putins, den Krieg fortzusetzen, bringt viele europäische Aktienmärkte an den Rand eines Bärenmarktes.“ (Foto: Steiermärkische Sparkasse / RS MEDIA WORLD Archiv)

Putins Krieg – Durch seinen brutalen Angriffskrieg auf die Ukraine stellt der russische Staatschef Wladimir Putin nicht nur die internationale Sicherheitsarchitektur zur Disposition, sondern beschleunigt auch die Veränderungen in der Ordnung der Weltwirtschaft. Das hat auch Auswirkungen auf das Anlegergeschehen. (Ein Gastkommentar von Siglinde Kapsch und Alexander Eberan der Steiermärkischen Sparkasse)

Der russische Überfall auf die Ukraine ist ein historischer Angriff auf die internationale Sicherheitsordnung. Er verändert nicht nur Europas Energiearchitektur, sondern beschleunigt auch die Entstehung einer neuen Welt- und Wirtschaftsordnung. Die Finanzmärkte reagieren aktuell mit heftigen Turbulenzen. „Reale“ Werte im Portfoliomanagement in Form von Aktien und somit Beteiligungen an gut im Markt positionierten Unternehmen, sollten jetzt im Fokus stehen.

Der Bär ante portas

Finanzmarktteilnehmer und Vermögensverwalter sind trotz des großen menschlichen Leids, den Putins Krieg erzeugt, gezwungen, sich mit den ökonomischen und finanziellen Konsequenzen der Kampfhandlungen zu beschäftigen. Die hohe Inflation ist schon jetzt für Anleger und Sparer enorm schmerzhaft. Die Ankündigung Putins, den Krieg fortzusetzen, bringt viele europäische Aktienmärkte an den Rand eines Bärenmarktes, da die Konjunkturzuversicht der Börsianer dramatisch einbricht. Das zeigt sich am von der Investment-Beratungsfirma Sentix kürzlich veröffentlichten Gesamtindex zur Euro-Zone, der von 16,6 Zählern im Februar auf minus 7,0 Punkte im März und damit den niedrigsten Wert seit November 2020 gefallen ist. Währenddessen steigt der Schweizer Franken als Fluchtwährung in lichte Höhen. In der Nacht auf Montag notierte er kurzfristig unter Parität, also an der Schwelle, an der Franken und Euro den gleichen Wert aufweisen. Auch Rohstoffe wie Gold sowie speziell Erdöl und Erdgas legen deutlich zu. Ein Importstopp für Öl und Erdgas aus Russland, wie ihn die USA bereits beschlossen hat, sowie weitere, geplante Sanktionen auch von Seiten der EU treiben die Preise in ungeahnte Höhen. Zwischenzeitliche Korrekturen in die Gegenrichtung sind in stark volatilen Märkten an der Tagesordnung, doch ändert sich derzeit nichts am Gesamtbild. Erst wenn es nachhaltige Lösungen in Richtung teilweisem Ersatz für Erdöl und Erdgas, zumindest aus Russland, geben wird, ist mit einer Preisberuhigung zu rechnen.

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Putins Krieg – Drohende Stagflation

Innerhalb von zwei Jahren wurde die Weltwirtschaft mit zwei dramatischen Entwicklungen konfrontiert: erstens der Pandemie und zweitens dem geopolitischen Schock im Zuge der Russlandkrise, die wiederum einen Rohstoffpreisschock ausgelöst hat. Prominente Akteure wie der norwegische Staatsfonds und die Rating-Agentur Moody’s gehen davon aus, dass der Krieg ein gefürchtetes wirtschaftliches Szenario wahrscheinlich macht: das der Stagflation. Als historisches Beispiel für eine solche Phase gelten wiederum die 1970er Jahre. Der Begriff Stagflation beschreibt einen volkswirtschaftlichen Zustand, bei dem ein stagnierendes Wirtschaftswachstum in Kombination mit Inflation in ungewünschtem Ausmaß auftritt.

Mangelnde Rohstoffe, steigende Inflation

Ein weiterer Preisauftrieb an den Rohstoffmärkten scheint unaufhaltbar und wird auch die Konsumenten treffen – und das zu einer Zeit, in der die Inflation bereits hoch ist. Die Teuerung ist in der Euro-Zone im Februar um 0,7 Prozentpunkte auf die Rekordhöhe von 5,8 Prozent gestiegen. Während Russland ein wichtiger Produzent von Metallen wie Aluminium, Palladium, Platin oder Kupfer ist, liefert die Ukraine Getreide, Düngemittel sowie andere Rohstoffe und Vorprodukte, die für den Weltmarkt sehr bedeutend sind.

Fortschreitende Deglobalisierung, kürzere Lieferketten

Putins Krieg – A. Eberan: „Der russische Angriff auf die Ukraine dämpft, verhindert aber nicht den Ausstieg aus der ultraexpansiven geldpolitischen Haltung.“ (Foto: Steiermärkische Sparkasse / RS MEDIA WORLD Archiv)
Putins Krieg – A. Eberan: „Der russische Angriff auf die Ukraine dämpft, verhindert aber nicht den Ausstieg aus der ultraexpansiven geldpolitischen Haltung.“ (Foto: Steiermärkische Sparkasse / RS MEDIA WORLD Archiv)

Viele Signale deuten darauf hin, dass die Globalisierung ihren Zenit überschritten hat, so die Anlageexperten der Steiermärkische Sparkasse Private Banking. Lieferketten, aber auch Technologien und Branchen, wie soziale Netzwerke, Onlinehandel, Energieversorgung und andere werden sich in Zukunft tendenziell regionalisieren. Die Kontrolle über Rohstoffe sowie die räumliche Nähe von Fertigung und Betrieb werden zukünftig wieder mehr zählen. Kürzere Lieferwege sichern regionale Arbeitsplätze, reduzieren Treibhausgasemissionen und stärken Prozesskontrollen. Der Ukraine-Konflikt verschärft somit den Prozess der fortschreitenden Deglobalisierung. Das neue geopolitische Szenario erzwingt den teuren Umbau von Wertschöpfungs- und Lieferketten. Produkte werden dadurch teurer, was zusätzlich die Inflation befördert. Die steigenden Preise dürften bei vielen Firmen für Margendruck sorgen. Dies belastet den Ausblick für die Unternehmensgewinne in diesem Jahr weiter und erhöht die generellen Risiken an vielen Aktienmärkten. Weiters dürfte der Ukraine-Krieg die Staatsausgaben in vielen Ländern weiter aufblähen. Die Finanzierung könne die Inflation weiter antreiben, zumal viele Staaten nach der Corona-Pandemie ohnehin stark überschuldet sind.

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Putins Krieg bringt Zentralbanken in ein Dilemma

Die Inflation und die Russlandkrise stürzen die Zentralbanken in ein neuerliches Dilemma. Der russische Angriff auf die Ukraine dämpft, verhindert aber nicht den Ausstieg aus der ultraexpansiven geldpolitischen Haltung, wobei die Wahrscheinlichkeit von überraschend restriktiven Schritten gesunken ist. Die zusätzliche Unsicherheit erhöht die Risikoaversion auf den Märkten. Im Einklang damit sind die Volatilitätsindizes und die Risikoprämien für Aktien, Anleihen und Wechselkurse angestiegen. Das drückt auf die Bewertungen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Es empfiehlt sich für den Anleger, in „reale Assets“ wie Aktien, Immobilien und Gold zu investieren, da höhere Kosten im Einkauf oder in der Produktion in Form von Preiserhöhungen an die Kunden weitergegeben werden können.

Steiermärkische Bank in Kürze

Die Steiermärkische Bank und Sparkassen AG wurde 1825 als Vereinssparkasse gegründet und war das erste Geldinstitut der Steiermark. Als Universalbank deckt sie alle Bankgeschäfte ab und bietet ein umfangreiches Service für Privatkunden, Klein- und Mittelbetriebe, Großunternehmen, institutionelle Kunden und die öffentliche Hand sowie Private Banking-Kunden. Seit vielen Jahren steht das Private Banking der Steiermärkischen Sparkasse für kompetente Geldveranlagung und Vermögensaufbau. Es bietet den Kundinnen und Kunden in diesem Bereich umfassende Beratungsleistungen inklusive modernster Vermögensverwaltung und Portfolio-Management an ihren Standorten sowohl in Graz und Wien-Innere Stadt an. Die Steiermärkische Sparkasse ist als größte Bundesländer-Sparkasse ein wichtiger Teil der österreichischen Sparkassengruppe und zudem Mitglied im Sparkassen Haftungsverbund.

sparkasse.at

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