Die ATV Aichfeld Film- und Videoproduktion (A-TV) feiert heuer ihr 35-jähriges Firmenjubiläum. Ihr Gründer, Ing. Walter Winter, gilt dabei als einer der maßgeblichen Medienunternehmer:innen für das österreichische Privat- und Kabel-TV. Doch der 72-jährige Unternehmer denkt noch lange nicht ans Aufhören. Er will sein Unternehmen mit einem neuen Business-Konzept sowie neuen Leistungen und Services für die Herausforderungen des Medienwandels enkelfit machen. 

ÖLT Hajo Schlobach führt durch die Sendung rund um den größten Logistikevent in Österreich. (Foto: RS MEDIA WORLD archive)
ATV Aichfeld – „Wir bringen Sie auf Sendung“ (Foto: HJS MEDIA WORLD archive)

Als Ing. Walter Winter vor 35 Jahren sein Unternehmen, ATV Aichfeld Film- und Videoproduktion (A-TV), gründete, sah die Medienwelt in Österreich noch ganz anders aus. Sie wurde im Wesentlichen bestimmt vom ORF und von großen Print-Verlagen, die immer an eine der Parteien ÖVP, SPÖ und FPÖ angelehnt waren. Es gab zudem noch kein Internet und auch keine Social Media-Plattformen. Die mobile Telephonie steckte mit dem C-Netz in den Kinderschuhen und das erste Smartphone sollte noch 22 Jahre auf sich warten lassen. Überhaupt gab es nur einen Telekom-Anbieter: das Staatsunternehmen Österreichische Post. Und die lieferte nur begrenzt Anschlüsse für die Haushalte. Das sogenannte “Viertel-Telefon” war in dieser Zeit gang und gäbe. Die Einführung des digitalen Telefonsystems OES und die Umstellung des Telefonnetzes nahm gerade ihren Anfang.  

1985 – Als das Kabel-TV in Österreich begann 

1985 wurde auch die Verkabelung der Haushalte in Österreich für die ersten Kabel-TV Angebote und den Datentransfer vorbereitet und umgesetzt. W. Winter hat dies mit seinem Bruder in Wien und Umgebung als einer von mehreren Lösungsanbietern vorangetrieben. Über ihre Hardware hat die damalige “Telekabel” (später UPC) die ersten Kabel-TV-Angebote diverser TV-Anstalten verbreitet. Die Bundesländer sollten erst ab den 1990ern dazu kommen. 

ATV Aichfeld Vom Kabelnetz zur TV-Produktion  

In dieser Zeit erschien es W. Winter nahezu obligatorisch, sich nicht allein nur für Kabel TV zu interessieren, sondern auch mit der Film- und TV-Produktion zu befassen, welche über die Kabelnetze ausgespielt werden können. Allerdings stand dabei nicht die Gründung eines eigenständigen Medienunternehmens in seinem Fokus, sondern nach wie vor der Betrieb als Kabelnetzbetreiber. Denn für das Privatfernsehen, egal ob terrestrisch oder via Kabel, waren die rechtlichen Rahmenbedingungen noch gar nicht geschaffen. Erst 1990 sollte das ORF-Monopol in Österreich fallen. 

Privatfernsehen – Winter als Pionier dabei  

Ab 1985 arbeitete der steirische Medienunternehmer W. Winter an der Ausarbeitung der rechtlichen Rahmenbedingungen aktiv und maßgeblich mit. Denn er brachte nicht nur das Know-how für Kabelnetzwerke und ihren Betrieb mit, sondern auch für die Rechte und Pflichten von privaten Fernsehsendern. Daher wusste er schon damals genau Bescheid über die Needs und Wishes in diesen Bereichen. “Das war damals eine sehr spannende Zeit. Es herrschte eine große Aufbruchstimmung in der Branche. Alles schien möglich”, erinnert sich W. Winter im Gespräch. “Vor allem schien der politische Wille da zu sein, Privatfernsehen in Österreich voranzutreiben”, so der Medienunternehmen weiter. Freilich: die Liberalisierung des TV-Marktes war durch ein Gerichtsurteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) motiviert. Das Urteil zwang die österreichische Politik, ihre Blockade gegen das Privatfernsehen aufzugeben. Im Jahr 2001 wurde dann endlich das Privatfernsehgesetz vom Nationalrat ratifiziert. Das bedeutete die Zulassung bundesweiter analoger Frequenzen und regionaler terrestrischer Sender. 

ATV Aichfeld – Seit 2001 mit eigener Frequenz 

One Story–Multi Media - Aichfeld TV und RS Media Solutions legen ihr Medien-Know-how mit ihrer neuen Kooperation unter der gemeinsamen Dachmarke HJS MEDIA WORLD zusammen (Foto: Andreas Sattler / RS MEDIA WORLD Archiv)
ATV Aichfeld – Mit One Story–Multi Media macht W. Winter mit H. Schlobach zukunftsfit (Foto: Andreas Sattler / HJS MEDIA WORLD Archiv)

Eine der terrestrischen Sendefrequenzen kaufte sich W. Winter, die er bis heute in der Mürztal-Mur-Furche betreibt. Seither ist das Fernsehangebot von A-TV in dieser Region via DVBT zu empfangen. Heute kann man A-TV bei A1-Explorer auf Kanal 99 österreichweit empfangen. W. Walter erinnert sich: “Es herrschte eine euphorische Stimmung im Unternehmen, denn wir waren davon überzeugt, dass vor allem die Kommunen ihre Chancen nutzen, echtes Regionalfernsehen mit ihren eigenen Inhalten zu machen, ähnlich, wie das in den USA und anderen Ländern durchaus üblich ist.” 

Regional-TV – Kommunen nutzen ihre Chancen nicht 

Der österreichische Medienmacher sah sich aber schon bald von der Realität eingeholt. Gerade die Kommunen und ihre Entscheider sahen ihre Chancen zur Diversifizierung des Medienmarktes nicht. Heute dürften in vielen Gemeinden nicht einmal das Wissen über die Möglichkeiten existieren, eigenes Regional-TV zu produzieren. Es hat zumindest keine Priorität in der Kommunikationsarbeit österreichischer Gemeinden. “Dabei findet die Wertschöpfung in den jeweiligen Regionen statt. Und es sind die Region und ihre Akteure selbst, mit der sich Rezipienten identifizieren können”, weiß W. Winter aus 35 Jahren Erfahrung Privat-TV. Er ist daher überzeugt davon, dass genau das der Schlüssel für Medienvielfalt und Meinungsfreiheit ist. Man erreicht die Rezipient:innen direkt und unmittelbar.  

ATV Aichfeld wird zukunftsfit 

Das dürfte mit ein Grund sein, weswegen sich W. Winter mit seinem TV-Angebot immer auf die Regionalität konzentriert hat und sich hier ein Stammpublikum aufbauen konnte. Doch das ist dem Pionier der österreichischen Medienszene nicht genug. Er suchte nach Möglichkeiten, wie er sein Unternehmen, die A-TV, in die neue Medienwelt überführen könnte, die heute von Streaming-TV und Social Media sowie Web-Auftritten geprägt ist. “46 Prozent der Anwender in Österreich nutzen heute Streamingangebote für ihre Informationsbeschaffung mit steigender Tendenz”, weiß W. Winter. Gleichzeitig wollen sie jedoch nicht auf Lesestoff verzichten. Er muss nur digital sein. Mit anderen Worten: Es geht also nicht mehr um die lineare Verbreitung, sondern um die Multi-Linearität der Informationsangebote. Das bedeutet für ihn, dass Rezipient:innen überall dort das Informationsangebot der A-TV nutzen können müssen, wo sie sich gerade befinden. 

ATV Aichfeld und “One Story – Multi Media” 

Auf der Suche nach Lösungen begegnete er schließlich im Jahr 2023 dem Medienunternehmer HaJo Schlobach. Dieser ist 2021 an Covid19 erkrankt, was ihn schließlich zur mehrjährigen Aufgabe seiner unternehmerischen Tätigkeit zwang. “Diese Zeit nutzte ich, eine intensive Marktanalyse zu betreiben. Mein Ziel war dabei primär, mich darauf vorzubereiten, wie ein effizienter Wiedereinstieg ins Medienbusiness gelingen könnte”, erzählt HaJo Schlobach im Gespräch. Er ist schon seit seiner Jugendzeit ein Medienmacher und hat sich stets mit Journalismus, Medienqualität, dem Wandel des Medienbusiness und dessen kommerzieller Anpassung befasst. Und auch hier suchte er nach Möglichkeiten, wie man sich den Herausforderungen stellt, welche die Digitalisierung der Medienwelt mit all ihren Formaten sowie Social Media briungen. Heraus kam ein Konzept, dass er “One Story – Multi Media” nannte. Bei einem Privatgespräch stellte H. Schlobach “One Story – Multi Media” (TM) W. Winter vor. Es ist im Prinzip ein völlig neues unternehmerisches Businesskonzept, Medienhäuser erfolgreich zu betreiben, und zwar trotz der besonderen Herausforderungen, welche die neue, digitale Medienwelt für Unternehmer:innen bereithält. 

W. Winter – “Konzept hat mich begeistert” 

“Dieses Konzept hat mich begeistert”, erinnert sich der Pionier W. Winter, “denn es lässt sich nicht nur hervorragend auf die A-TV und seine Bedürfnisse adaptieren, sondern es bietet Zukunftsaussichten dafür, die A-TV zukunftsfit zu machen.“ Freilich: um “One Story – Multi Media” erfolgreich umsetzen zu können, bedarf es einiger Vorbereitungen. Diese beziehen sich insbesondere auf die eigene, gewohnte Denkweise von der Linearität hin zur Multilinearität. “Das Konzept fordert ein systemisches Denken aller Beteiligten im Unternehmen, auch des Vertriebs. Anzeigenkeiler sind fehl am Platz. Die abgestimmte Kommunikationsleistung über unsere TV-Formate, Medien, Web-Plattformen und Social Media steht dabei im Vordergrund. Und diese muss in einem guten journalistischen Umfeld stattfinden. Es ist ein Service, der viel Empathie, die gute Kenntnis der eigenen Möglichkeiten und gute Kenntnisse der eigenen Märkte erfordert”, erläutert W. Winter die Stoßrichtung von “One Story – Multi Media”. 

W. Winter – Einmal Pionier, immer Pionier  

Ob dieses Konzept die A-TV die nächsten 35 Jahre trägt, weiß heute niemand. Zu volatil sind die Märkte, auch das Medienbusiness. W. Winter ist jedoch davon überzeugt, sein Unternehmen damit nachhaltig zukunftsfit machen zu können. “Wenn ich mit Kennern der österreichischen Medienszene spreche, so ist man jedenfalls dort der Ansicht, dass dies ein Weg aus der Medienkrise sein kann. Es ist ein völlig neuer Ansatz, das Medienbusiness zu denken”, sagt W. Winter abschließend zur Zukunft der A-TV.

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