BOXBAY – Container-Hochregallösung gewinnt Deutschen Logistik-Preis 2022

Boxbay – Bis zu elf Container können in der Hochregallösung für Häfen vollelektrisch und CO2-neutral gestapelt werden. (Auf Foto Klicken und Fil dazu ansehen. (Foto: Boxbay / RS MEDIA WORLD Archiv)
Boxbay – Bis zu elf Container können in der Hochregallösung für Häfen vollelektrisch und CO2-neutral gestapelt werden. (Auf Foto Klicken und Film dazu ansehen.) (Foto: Boxbay / RS MEDIA WORLD Archiv)

Der Deutsche Logistik-Preis 2022 der Bundesvereinigung Logistik (BVL) geht an das Joint Venture zwischen DP World und der SMS Group: Boxbay. Es handelt sich dabei um eine emissionsfrei arbeitende Container-Storage-Lösung, welche den extremen Platzmangel für Container in Hochseehäfen dadurch löst, indem sie, ähnlich einem vollautomatischen Paletten-Hochregallager, im FiFo-System Container ein- und auslagert. Dabei können bis zu elf Container übereinander gelagert werden. Die Jury hat dabei einerseits die weltweite Relevanz der Innovation aus Deutschland für die Entspannung globaler Lieferkettenprobleme überzeugt. Andererseits liefert sie aber auch Antworten auf Nachhaltigkeitsfragen, insbesondere in Richtung Klimaschutz und Ressourcenknappheit.

90 Prozent des globalen Warenumschlags erfolgt heute über den Seeweg und der Großteil davon wird in Containern verschifft. Und weltweit stoßen Häfen an ihre Grenzen: Die Flächen reichen nicht aus, um das Wachstum des Warenverkehrs zur bewältigen, Durchlaufzeiten sind zu hoch, ebenso wie Lärm- und Lichtemissionen und die Energieverbräuche in den Terminals. Betroffen sind davon nahezu alle Häfen der Welt, welche die Containerschiffe, deren Dimensionen auch immer größer werden, anlaufen. Kähne mit 20.000 TEU sind keine Seltenheit mehr und die Reeder rufen nach immer größeren Einheiten. Jetzt gibt es eine Lösung, die all diese Probleme adressiert. Das Konzept Boxbay ist ein Joint Venture, das vom Anlagenbauer SMS Group gemeinsam mit dem Handelsunternehmen DP World entwickelt wurde. Das Hochregallager wurde ursprünglich von der SMS group-Tochter Amova für das Rund-um-die-Uhr-Handling von bis zu 50 Tonnen schweren Metallcoils in bis zu 50 Meter hohen Regalen entwickelt. Amova ist das erste Unternehmen, das diese bewährte Technologie auf die Hafenindustrie für Container übertragen hat. Dabei stand die Überlegung im Vordergrund, die Lagerkapazität eines Containerterminals auf gleicher Fläche zu verdreifachen und das aufwändige und unproduktive Umstapeln komplett zu vermeiden.

Boxbay – Stapelt elf Container übereinander 

Die Lösung Boxbay kommt also genau richtig in einer Zeit, in der aufgrund immer größerer Schiffe bei einem Hafenstop auch immer mehr Container gelöscht, zwischengelagert und wieder geladen werden müssen. Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Verweilzeit eines Containers auf den Terminals auch aufgrund der bekannten globalen Lieferkettenprobleme kontinuierlich gesteigert. Ein Effekt der Lieferkettenprobleme sind endlose Staus vor den Häfen auf See. Damit die Lieferketten robuster werden können, benötigen die Terminals daher eine größere Pufferkapazität, die auf den begrenzten Flächen mit herkömmlichen Prozessen meist nicht geschaffen werden kann. „Wenn wir auf die Geschichte des Containers zurückblicken, hat sich seit seiner Einführung 1956 nichts Wesentliches geändert“, sagt Carsten Heide, Leiter Projektmanagement beim SMS-Tochterunternehmen Amova. Das wie ein Hochregallager funktionierende Boxbay-Konzept für Container sämtlicher Standardmaße ändert die Prozesse auf den Terminals nun radikal: Zum einen können statt höchstens sechs Containern nun bis zu elf der Boxen übereinander gelagert werden. Vor allem aber liegen diese separat und nicht direkt aufeinander, so dass Umstapelungen komplett entfallen können. Die Container können an mehreren Seiten der Container-Storage-Lösung ein- und ausgelagert werden. Ein umlaufendes Transportsystem, welches die Gassen untereinander verbindet, schafft Flexibilität und Geschwindigkeit beim Umschlag.

Boxbay – Erste Anlage in Dubai

Im Januar 2021 ging als Proof of Concept der Partner SMS Group und DP World eine erste Anlage im Hafen von Dubai in Betrieb. Bei einem vollständigen Ausbau der 230 Meter langen, 26 Meter breiten und 50 Meter hohen Pilotanlage lassen sich wasserseitig 500 Ein- und Auslagerungen pro Stunde sowie landseitig 300 Ein- und Auslagerungen pro Stunde realisieren. Die Kai-seitige Umschlagtechnologie mit den vorhandenen Containerbrücken kann dabei wie bisher weitergenutzt werden. Die Boxen werden anschließend von den im Terminal eingesetzten Transportsystemen übernommen und bis zur Aufnahmeposition des Boxbay-Lagers transportiert. Dort übernehmen leistungsfähige Regalbediengeräte die Container und transportieren sie über Gassen zu den Regallagerplätzen des Hochregals. Unter dem Lager befindet sich ein umlaufendes schienengebundenes Paletten-Transportsystem, das die Container zur landseitigen Lkw- oder Bahnübergabestation bringt oder sie abholt.

Boxbay – Emissionsfreies Container-Hochregallager 

Im Gegensatz zu vielen konventionellen Systemen wird Boxbay vollständig emissionsfrei mit elektrischer Energie betrieben und kann in Verbindung mit grünem Strom CO2-frei arbeiten. Das Dach der Anlage lässt sich optional mit einer großflächigen Photovoltaik-Anlage ausrüsten, die den Strom für den Betrieb der Anlage produziert oder sogar einen Energieüberschuss erwirtschaftet. Ebenso können vertikale Gärten an der Außenverkleidung die Luft reinigen und die Umgebungstemperatur senken. Durch die Kapazitätserweiterung ohne zusätzliche Flächen lassen sich zusätzliche Landerschließungen und schwerwiegende Eingriffe in Natur und Öko-System vermeiden.

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Was die Jury überzeugte

Das Sieger – Konzept überzeugte die Jury und setzte sich am Ende klar gegen die Mitbewerber durch. Die Jury-Vorsitzende Dr. Ursula Weidenfeld hob in ihrer Laudatio hervor, dass das Projekt neben der Innovation auch den neueren Kriterien für den Deutschen Logistik-Preis wie gesellschaftliche Relevanz und Verbesserung der Resilienz entspricht: „Beim Boxbay-Projekt ist es am offensichtlichsten: Wir sehen eine Verdichtung von Containerflächen auf ein Drittel, Lärm- und Lichtschutz, Stromerzeugung über den eigenen Bedarf hinaus, die Einbindung existierender Hafenumschlags-Technologien und den wahlfreien Zugriff auf jeden Container. Obwohl das System in Dubai noch eine Testanlage ist, erfüllt der gesamte Anlagenkomplex schon jetzt alle Kriterien und Ziele des Deutschen Logistik-Preises“, so U. Weidenfeld.

Weitere Finalisten Heureka und Volkswagen Group Components

Ebenfalls im Finale des Deutschen Logistik-Preises 2022 standen zwei Konzepte von Volkswagen Group Components in Braunschweig und Heureka Business Solutions in Mannheim. Bei VW geht es um die Produktion und Logistik der Batteriesysteme für E-Autos. Angefangen vom Transport per Bahn und E-LKW über das hoch automatisierte Materialfluss-System bis zu automatischen Verladungen zeigt sich hier ein beeindruckendes und innovatives Gesamtkonzept. Heureka bewarb sich mit einem neuen Konzept für die Healthcare-Logistik im Klinikum Mannheim. Die Bewerbung stellt die Optimierung der Intralogistik mithilfe künstlicher Intelligenz und eines digitalen Zwillings vor dem Hintergrund der besonderen Herausforderung eines großen Klinikbetriebs vor.

Boxbay in Kürze

Es handelt sich um ein internationales Joint Venture, das vom globalen Handelsunternehmen DP World und dem Industrietechnikspezialisten SMS group gegründet wurde. Die beiden Unternehmen sind Partner des Joint Ventures, in das sie ihr jeweiliges Know-how und ihre Expertise einbringen. Das Container Hochregallager-System wird weltweit vertrieben. Diese Intralogistik-Lösung wurde ursprünglich von der SMS group-Tochter Aova für das Rund-um-die-Uhr-Handling von bis zu 50 Tonnen schweren Metallcoils in bis zu 50 Meter hohen Regalen entwickelt. Amova ist das erste Unternehmen, das diese bewährte Technologie auf die Hafenindustrie überträgt.

boxbay.com | amova.eu | dpworld.com | sms-group.com | bvl.de

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