RUSSLAND-KRIEG – Fahrermangel verschärft Lieferketten-Krise in Deutschland und Europa

Russland-Krieg (Foto: Andreas Hermsdorf / www.pixelio.de)
Russland-Krieg – 100.000 fehlende Trucker aus der Ukraine verschärfen die Situation auf dem Transportmarkt und bringen Lieferketten zum Zerreißen. (Foto: Andreas Hermsdorf / www.pixelio.de)

Russland-Krieg – Der Angriffskrieg Wladimir Putins auf die Ukraine dürfte die Lieferketten-Krise durch den Fahrermangel in Deutschland und Europa weiter verschärfen. Denn viele der rund 100.000 Fahrer bei Speditionen und Transportdienstleistern aus der Ukraine können deswegen ihre Arbeit nicht mehr verrichten. Das verschärft den ohnehin existierenden Fahrermangel in Europa so sehr, dass Lieferketten vielfach reißen können. Davor warnen jedenfalls der Europäische Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure (ELVIS) und der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft, BVMW.

Die Europäische Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure, ELVIS, und der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft, BVMW, schlagen Alarm. Sie sehen durch die Russland-Krise immense Probleme für die Logistikbranche in Deutschland und Europa aufziehen. Der Russland-Krieg gegen die Ukraine könnte nämlich den Fahrermangel in einem Ausmaß verschärfen, dem viele Lieferketten nicht standhalten werden. Es drohe ein Versorgungsengpass, der Industrie, Handel und Bevölkerung nachhaltig und empfindlich treffen könne, so die Verbände in einer gemeinsamen Presseaussendung. Die Spediteure und Logistik-Unternehmen seien daher dringend dazu aufgerufen, sich unverzüglich und bestmöglich auf die zu erwartenden Kapazitätsengpässe am Transportmarkt vorzubereiten.

Rückkehrpflicht verschärft Probleme zusätzlich

„Dass wir in Deutschland seit Jahren mit einem eklatanten Fahrermangel zu kämpfen haben, ist hinlänglich bekannt. Dennoch gibt es bis heute keine belastbaren Lösungskonzepte für dieses Problem“, sagt Nikolja Grabowski, Vorstand der ELVIS hierzu. Er verweist dabei auch auf die gesetzlichen Regelungen des Mobilitätspakets, insbesondere die Rückkehrpflicht der eingesetzten Fahrzeuge an den Ort der Niederlassung. Diese würden nun zusätzlich die Lage verschärfen.

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Osteuropäische Transportflotten führend

Laut Mauterhebung wickeln osteuropäische Transportflotten weite Teile des Lkw-Verkehrs in Deutschland ab. Welchen Anteil ukrainische Fahrer daran haben, lässt sich derzeit nicht genau beziffern, da das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) deren Fahrleistung nicht gesondert erfasst. Ermittelbar ist hingegen der Anteil polnischer Lkw an der Fahrleistung in Deutschland. In der BAG-Statistik wird dieser mit 17,5 Prozent ausgewiesen. Das entspricht gut der Hälfte aller in Deutschland von nicht-deutschen Unternehmen durchgeführten Transporte bedeutet.

Russland-Krieg – Es fehlen bald 100.000 ukrainische Fahrer

Branchenintern bekannt ist jedoch, dass sehr viele in Polen beschäftigte Fahrer aus der Ukraine stammen. Das Gros dieser Lkw-Fahrer kann oder will seinem Beruf in der jetzigen Situation nicht mehr nachgehen. Entweder, weil die Männer im Rahmen der von Präsident Selenskyj angeordneten allgemeinen Mobilmachung zur Verteidigung ihres Heimatlandes verpflichtet wurden, oder freiwillig zurückkehren, um ihre Familien zu unterstützen, sich in Sicherheit zu bringen. Klaus Meyer, Vorsitzender der Fachkommission Logistik und Mobilität im BVMW, warnt: „Wir reden hier von geschätzt 100.000 ukrainischen Fahrern, die sich aktuell allein in Polen aufhalten und den Transportunternehmen schon bald nicht mehr zur Verfügung stehen. Das käme einem Aderlass gleich, der sich kaum kompensieren ließe.“

Fahrermangel – Kontakt mit Auftraggebern aufnehmen

Der durch den Russland-Krieg akut entstehende zusätzliche Fahrermangel könnte dazu führen, dass Speditionen und Frächter nicht ihren termingebundenen Transportverpflichtungen nicht nachkommen können. ELVIS und BVMW appellieren daher an alle Spediteure und Transportdienstleister, den Kontakt zu ihren Auftraggebern und Subunternehmen schnellstmöglich zu intensivieren. Und sie sollen sich gleichzeitig auf die erwartbare Verknappung der Transportkapazitäten vorbereiten. Gefordert sei darüber hinaus die Politik, gemeinsam mit der Branche umgehend Lösungsansätze zu erörtern. Denkbar sei beispielsweise eine zeitlich befristete Aussetzung des Mobilitätspakets. N. Grabowski appelliert daher an den Gesetzgeber: „Ohne die Regelungen grundsätzlich in Frage zu stellen braucht die Transport- und Logistikbranche in Europa jetzt jede Möglichkeit, flexibel zu agieren, um ihren Versorgungsauftrag erfüllen zu können.“

elvis-ag.com

bvmw.de

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