CO2-NEUTRALITÄT – Best Practice im Online-Handel mit Unito

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie verändert sich das Konsumverhalten. (Foto: Tim Reckmann / www.pixelio.de)
Seit Ausbruch der Corona-Pandemie verändert sich das Konsumverhalten entscheidend. Die Tatsache, dass mehr denn je online gekauft wird, lässt die Sendungsmengen stark ansteigen. (Foto: Tim Reckmann / www.pixelio.de)

Die zur OTTO-Gruppe gehörende Unito garantiert seit 1. Jänner 2021 bei allen Bestellungen die CO2-Neutralität seiner Zustellungen in Österreich und strebt bis 2030 generelle Emissionsfreiheit an. Unterstützung bekommt der Online-Händler von der Österreichischen Post und Gebrüder Weiss. Die Logistiker sind das Rückgrat im Online-Handel für einen CO2-neutralen Transport bzw. eine emissionsfreie Zustellung. 

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie verändert sich das Konsumverhalten entscheidend. Die Tatsache, dass mehr denn je online gekauft wird, lässt die Sendungsmengen stark ansteigen. Alleine die Unito-Gruppe wickelte in 2020 rund 6,5 Millionen Sendungen ab. Dabei brachte das Weihnachtsgeschäft 2020 insbesondere die Logistik an seine Kapazitätsgrenzen. 30 Prozent mehr als im Vorjahr 2019 gingen dabei über den virtuellen Ladentisch. Die Österreichische Post, die zurzeit mehr als 700.000 Pakete pro Tag zustellt, war in dieser Zeit mit bis zu einer Million Warensendungen konfrontiert. Und Gebrüder Weiss lieferte im Vorjahr rund 540.000 Kühlschränke, Möbel etc. an die Haushalte in Österreich. Dass der E-Commerce Boom mit einem rasanten Wachstum der Energieverbräuche und damit mehr Emissionen verbunden ist, liegt auf der Hand.

Das Ziel heißt „Emissionsfreiheit“

Der Boom des Onlinehandels macht es daher für die Logistiker wichtiger denn je, Maßnahmen zu forcieren, welche die CO2-Emissionen massiv reduzieren. Die CO2-Neutralität ist dabei ein kurzfristiges Ziel, mittelfristig soll insbesondere bei der Zustellung die Emissionsfreiheit erreicht werden. Sie Österreichische Post plant dieses beispielsweise in Graz bis zum ende der laufenden Dekade an. Die Spedition Gebrüder Weiss setzt in diesem Zusammenhang insbesondere auf wasserstoff-betriebene Fahrzeuge, die, wenn möglich, mit “grünem Wasserstoff” betrieben werden sollen. „Der beste Klimaschutz ist, Treibhausgase im eigenen Unternehmen zu vermeiden und zu reduzieren. Da im Onlinehandel die Logistik ein entscheidender Faktor ist, kommt der Zusammenarbeit mit CO2-neutralen Dienstleistern große Bedeutung zu. Um mittelfristige Maßnahmen früher wirksam zu machen, werden nicht vermeidbare CO2-Emissionen vollständig kompensiert“, sagt hierzu Mag. Harald Gutschi, Sprecher der Unito-Geschäftsführung im Rahmen der heutigen Pressekonferenz.

H. Gutschi (Foto: Unito)
H. Gutschi: „Die Kunden haben zwar en hohes Bewusstsein für den Klimaschutz, wollen bei den Lieferungen jedoch keine Mehrkosten tragen.“ (Foto: Unito)

„Vermeiden, Reduzieren, Kompensieren“

Die Unito verfolgt nach eigenen Angaben die Strategie „Vermeiden, Reduzieren, Kompensieren“ bereits seit Jahren. So seien die gesamten CO2-Emissionen der Unternehmensgruppe bereits in den vergangenen zehn Jahren um 75 Prozent verringert worden. Das geschah durch Maßnahmen an den Standorten und im Bereich der Mitarbeiter*innen-Mobilität. Ein weiterer Schritt zur Umsetzung der Strategie wurde jetzt für den Österreichischen Markt gesetzt. Seit 1. Jänner 2021 werden alle Bestellungen bei den Marken OTTO Österreich, Universal, Quelle, Lascana CO2-neutral zugestellt, so der Anspruch. Für das Jahr 2021 rechnet man, auf diese Weise 1.476.000 kg C02 gegenüber 2020 ausgleichen zu können.

CO2-Neutralität – Online leichter zu realisieren als mit stationärem Handel

Auf den ersten Blick mag Konsum im Internet durch die hohe Logistik-Komponente weit CO2-intensiver erscheinen als Kauf im Stationärhandel. Die Ergebnisse einer Studie des Deutschen Clean Tech Instituts belegen jedoch, dass Onlineshopping weniger klimaschädlich ist als oft angenommen. Ein konkretes Rechenbeispiel der Studie zeigt, dass beim stationären Kauf eines Artikels durchschnittlich 460 Gramm CO2 entstehen, beim Online-Konsum 300 Gramm CO2 – und somit 35 Prozent weniger CO2-Emissionen. Dies ergibt sich vor allem durch den verdichteten Transport der Sendungen durch Logistik-Dienstleister, die je Anfahrt stets mehrere Adressaten beliefern.

CO2-Neutralität schon seit 2011

In Sachen verdichtetem und klimafreundlichem Transport setzt der Online-Händler schon länger auf die Österreichische Post, Gebrüder Weiss, Hermes und die Schweizerische Post. Diese Unternehmen verfolgen eine Strategie der CO2-Neutralität bzw. wie die Österreichische Post, die Emissionsfreiheit auf der “letzten Meile”. „Seit 2011 stellen wir alle Briefe, Werbesendungen, Zeitschriften und Pakete in Österreich CO2-neutral zu. Bis 2030 wollen wir auf der letzten Meile sogar komplett CO2-frei sein“, so DI Dr. Georg Pölzl, Generaldirektor Österreichische Post, im Rahmen der heutigen Pressekonferenz. In konkrete Zahlen gegossen bedeutet das eine Senkung der CO2-Emissionen pro Sendung um rund 50,5 Prozent. „Das schaffen wir, indem wir Emissionen vermeiden, umweltfreundliche Energie erzeugen und aktuell nicht vermeidbare Emissionen mit Klimaschutzprojekten kompensieren. Geprüft und bestätigt wird uns das jährlich vom TÜV Austria“, so G. Pölz weiter.

G. Pölz (Foto: Österreichische Post)
G. Pölz: „Seit 2011 stellen wir alle Briefe, Werbesendungen, Zeitschriften und Pakete in Österreich CO2-neutral zu. Bis 2030 wollen wir auf der letzten Meile sogar komplett CO2-frei sein.“ (Foto: Österreichische Post)

E-Mobility als Zero-Emission-Schlüssel für letzter Meile

Großen Anteil and den Klimaschutzmaßnahmen der Post hat hierbei die eigene E-Flotte (wir berichteten auf blogistic.net). Mit mehr als 2100 Fahrzeugen stellen “die gelben Füchse” derzeit die größte E-Flotte Österreichs. Das Unternehmen gilt somit als ein Pionier der grünen Logistik in Österreich, denn bereits zwischen 1913 und 1985 betrieb die Österreichische Post elektrisch betriebene Fahrzeuge. Das Projekt wurde wegen zu hoher Kosten eingestellt. Aufgrund gestiegenem Umweltbewusstseins der Konsumenten kommt es 2012 jedoch zu einer Wiederbelebung der E-Flotte mit komplett neuen Fahrzeugen. Den Strom für den E-Fuhrpark liefern fünf eigene Photovoltaikanlagen. Weit mehr als die E-Historie beschäftigen die Österreichische Post aber elektrische Gegenwart und Zukunft: 225 E-Fahrzeuge machen aus Graz bereits 2021 die erste österreichische Stadt, in der auf der gesamten letzten Meile komplett emissionsfrei zugestellt wird. Bis 2030 erfolgt die Zustellung auf der letzten Meile generell zu 100 Prozent CO2-frei.

Reduktion des CO2-Abdrucks muss mehrschichtig passieren

Mit Gebrüder Weiss trägt ein weiterer Logistik-Dienstleister der Unito die Nachhaltigkeit in seiner DNA. „Unsere Kernkompetenz als Logistiker liegt darin, Transporte effizient zu bündeln, um den Einfluss auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten. Zudem setzen wir gezielte Maßnahmen, die unseren CO2-Fußabdruck weiter verringern“, sagt Dipl.-Bw. Jürgen Bauer, MBA, Mitglied der Geschäftsleitung bei Gebrüder Weiss. Das Logistik-Unternehmen verfolgt das Ziel, seinen CO2-Ausstoß jährlich um zehn Prozent zu reduzieren und bis 2030 CO2-neutral zu sein.

Umfassendes Maßnahmenpaket. Gelingen soll das u.a. mit Photovoltaik-Anlagen auf Logistik-Terminals, einem eigenen Windpark, mit Schienentransport-Lösungen wie dem Ganzzug Orange Combi Cargo oder der Verwendung von Elektrostaplern. Da der Großteil der CO2-Emissionen in der Logistik-Branche noch immer beim Transport selbst entsteht, investiert man seit vielen Jahren in die Förderung alternativer Antriebe. Im Praxisalltag werden bereits Elektro- sowie mehrere Gas-Lkw eingesetzt. In der Schweiz fährt seit Ende Jänner 2021 der erste wasserstoffbetriebene Gebrüder Weiss-Lkw.

Diesel bleibt noch länger. Allerdings, schränkt J. Bauer ein, wird der Diesel-Betriebene Lkw noch lange Zeit das Rückgrat des effizienten und umweltschonenden Gütertransportes sein. Die derzeit nach den Euro-6-Normen laufenden Fahrzeuge seien neun Mal so effizient wie jeder Pkw, der auf den Straßen Europas rollt.

Emissionsausgleich. Neben diesen Maßnahmen bietet Gebrüder Weiss die Möglichkeit des Emissionsausgleichs. So realisiert der Logistiker für Unito seit Anfang 2021 österreichweit CO2-neutrale Transporte: Pro gefahrenem Kilometer ermittelt man den verbleibenden CO2-Ausstoß. Dieser wird durch finanzielle Unterstützung eines zertifizierten Klimaschutzprojekts nach augenblicklich höchsten Qualitätsstandards ausgeglichen. Im Falle der UNITO handelt es sich dabei um ein Energieeffizienz-Projekt in Ruanda.

J. Bauer  (Foto: GW-World)
J. Bauer: „CO2-Neutralität und Emissionsfreiheit sind zwei paar Stiefel. Emissionsfreiheit verursacht bis zu 50 Prozent an Mehrkosten.“ (Foto: GW-World)

Wer das bezahlen soll

Befragt nach der Weitergabe der Mehrkosten für die enormen Investitionen in die Infrastrukturen für die CO2-Neutralität bzw. Emissionsfreiheit im Transport und die „last Mile“ gibt es mehrere Antworten. So erklärt Postchef G. Pölzl, dass die CO2-Neutralität und Emissionsfreiheit auf der letzten Meile bereits eingepreist. Post-Kunden müssen sich daher bis auf weiteres auf keine Preiserhöhungen einstellen.

Kunden wollen keine Mehrkosten. Auch Unito-Sprecher H. Gutschi bestätigt, dass die CO2-Neutralität im Versand von Waren bereits eingepreist seien. Erfahrungen des Unternehmens hätten gezeigt, dass die Kunden zwar einerseits ein gesteigertes Bewusstsein der Kunden hinsichtlich umweltschonenden Online-Handels in den letzten Jahren gewachsen sei. So sei der Kauf von regionalen Produkten und das Umschwenken auf regionale Anbieter gewachsen. „Kunden wenden sich zum Teil von E-Commerce Giganten ab und suchen regionale Anbieter, welche im Inland ihre Steuern und Abgaben bezahlen“, sagt H. Gutschi dazu. H. Gutschi meint dabei Plattformen wie Alibaba aus China oder Amazon. Die Unito hat als europäischer Anbieter gegenüber diesen weltweit agierenden Unternehmen eine Unique Selling Proposition (USP), welche Kunden zunehmend wahrnehmen. Andererseits wollen Online-Kunden hinsichtlich des Versands und der Logistikkosten nicht mehr bezahlen. Diese Bereitschaft ist nicht vorhanden.

Emissionsfreiheit ist Projektgeschäft. Dies bestätigt auch J. Bauer hinsichtlich der CO2-Neutralität. „CO2-Neutralität und Emissionsfreiheit sind zwei paar Stiefel. Während die CO2-Neutralität in den Preisen inkludiert werden kann, verursacht die Emissionsfreiheit bis zu 50 Prozent an Mehrkosten.“ Daher seien dies kundenspezifische Projekte, die gemeinsam mit Kunden realisiert werden. Hier tragen die Kunden die Mehrkosten daher auch mit, so J. Bauer abschließend.

post.at

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unito.at


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