NEUE SEIDENSTRASSE – China und Russland im geostrategischen Wettbewerb

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Violeta Tcherecharska ist Consultant beim Logistikberater Xvise. (Foto: Xvise)

Die Seidenstraße, besser: die „Neue Seidenstraße“, auch unter den Namen „One Belt, One Road“ (OBOR) und „Belt and Road Initiative“ (BRI) bekannt, ist derzeit in aller Munde und stellt einen zentralen Baustein der chinesischen Globalisierungsstrategie dar, mit dem Ziel, China mit Europa enger zu vernetzen. Wie wird die Logistikwelt davon betroffen? Welche Rolle spielt dabei Russland?

Chinas Staatspräsident Xi Jinping hat die Initiative OBOR im September 2013 ins Leben gerufen und nannte sie das Projekt des Jahrhunderts, wobei er den Bezug zur historischen Seidenstraße herstellte. Diese war  vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 13. Jahrhundert n. Chr. die wichtigste Handelsverbindung auf dem eurasischen Kontinent. Fakt ist, dass China mittlerweile zum bedeutendsten Außenhandelspartner der EU28 – Länder angewachsen ist und trotz massiven Wachstums des Handelsvolumens in den letzten zehn Jahren eine weitere Verdoppelung bis 2030 prognostiziert wird. Geografisch spielt dabei eine wichtige Rolle, dass Zentral- und Westchina aufgeholt haben und der gesamte Warenverkehr nach Europa nicht nur durch Hubs in Ostchina wie Shanghai fließen soll. Es gibt zwar verschiedene bestehende See- und Landverbindungen, die unter BRI zusammengefasst werden, jedoch existieren keine fest abgesteckten Routen.

Seidenstraße: Drei bedeutende Routen

Die bedeutendsten Landkorridore zwischen China und Europa sind dabei die transibirische Route (von China via Vladivostok, Zabaykalsk oder die Mongolei durch Russland, Weißrussland, Ukraine in die EU), die kasachische Route (von China via Kasachstan, Russland, Weißrussland in die EU) und die Südroute (von China durch Kasachstan, Usbekisten, Turkmenistan, Aserbaidschan, Georgien und dann anschließend Richtung Europa via Türkei nach Bulgarien)

Auch Russland schläft nicht

Während viele China als größte Antriebskraft der neuen Seidenstraße sehen, wird Russland, seine geostrategische Lage und sein großes Interesse an dem Projekt oft übersehen. China fördert mit allen Mitteln die Südroute und die kasachische Route, um neue Absatzmärkte für ihre Waren zu erschließen. Somit versucht China unabhängiger von Russland auf dem Weg nach Europa zu werden. In der Zwischenzeit hat Russland jedoch seine strategische Lage erkannt und will selber vom gestiegenen Warentransport zwischen China und Europa profitieren. Im Zuge dessen hat Russland in die Infrastruktur von der Mongolei und die Modernisierung der Grenzübergänge Vladivostok und Zabaykalsk investiert, um seinen Teil vom Kuchen zu sichern.

Logistik profitiert vom Wettbewerb

Durch die BRI werden die Handelsbeziehungen zwischen China und Europa intensiviert und der Ausbau von logistischen Korridoren mit adäquater Infrastruktur gefördert. Auch die bestehenden Routen durch Russland werden ausgebaut. Vom Wettbewerb zwischen China und Russland profieren die Logistikanbieter und letztendlich auch deren Kunden. Im letzten Jahr haben alle Big Player in der Logistik eine Zugverbindung zwischen China und Europa in ihrem Portfolio aufgenommen.
Sind auch Ihre Augen nach Osten gerichtet und verfolgen Sie mit Spannung die weiteren Entwicklungen? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit!

Herzlichst

Ihre Violeta Tcherecharska
violeta.tcherecharska(at)xvise.com

xvise.com

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