E-MOBILITY – 14.000 Ladestationen pro Woche sind nötig für Klimaziele der EU

E-Mobility - Infrastrukturausbau lässt zu wünschen übrig. (Foto: Rudolpho Duba / www.pixelio.de)
E-Mobility – Der Verband der europäischen Automobilhersteller, ACEA, hat ernsthafte Bedenken, dass die 27 EU-Nationen ihre Hausaufgaben im Bereich des Strom-Infrastrukturausbaus machen, um ihre selbst gesteckten Ziele im Bereich E-Mobilty zu erreichen. (Foto: Rudolpho Duba / www.pixelio.de)

Damit die 27 EU-Nationen ihre gesteckten „Fit-for-55“-Ziele im Individualverkehr und Straßengüterverkehr erreichen können, müssten pro Woche rund 14.000 öffentliche Ladepunkte installiert werden. Dies ergibt eine aktuelle Studie auf der Basis einer MC Kinsey-Analyse. Derzeit sind es lediglich rund 2.000. Der Verband der Europäischen Automobilhersteller (ACEA) fordert daher die EU-Mitglieder auf, ihre Anstrengungen im Infrastrukturausbau zu erhöhen, damit der Umstieg auf E-Mobility auch gelingt.

Die Automobilindustrie bringt bereits Hunderte Modelle emissionsarmer und emissionsfreier Fahrzeuge für die E-Mobility auf den Markt. Jetzt äußert der Verband der europäischen Automobilhersteller, ACEA, ernsthafte Bedenken, dass die 27 EU-Nationen ihre Hausaufgaben machen, um ihre selbst gesteckten Ziele zu erreichen: nämlich den Ausstieg aus den verbrennungsmotorisch angetriebenen Fahrzeugen in Richtung E-Mobility bis 2030. Der Grund für die Skepsis ist der schleppende Ausbau der Infrastruktur, die für das Laden und Betanken (grüner Wasserstoff in Brennstoffzellen) dieser Fahrzeuge erforderlich ist. Tatsächlich stieg der Absatz von elektrisch aufladbaren Autos in den letzten fünf Jahren um das 10-fache. Er erreichte im vergangenen Jahr in der EU rund 1,7 Millionen Einheiten. Das sind 18 Prozent des Gesamtmarktes. Die Zahl der öffentlichen Ladestationen in der EU stieg im gleichen Zeitraum jedoch nur um das 2,5-fache.

E-Mobility – 14.000 Ladestationen pro Woche notwendig

Laut einer neuen, branchenübergreifenden Studie, die auf einer Analyse von McKinsey basiert, wären bis 2030 EU-weit bis zu 6,8 Millionen öffentliche Ladepunkte erforderlich, um die vorgeschlagene CO2-Reduktion von 55 Prozent für Pkw und Lkw zu erreichen. Diese Zahl ist fast doppelt so hoch wie sie die Europäischen Kommission in ihrem Vorschlag zur Regulierung der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) nennt und über den derzeit im Europäischen Parlament und im Rat verhandelt wird. Die EU-Kommission und die EU-Länder müssen also noch deutlich nachlegen, wollen sie ihre selbst gesteckten Ziele auch tatsächlich erreichen.

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Ein langfristig angelegtes Rennen

„Der Übergang auf Zero Emission und E-Mobility ist ein langfristig angelegtes Rennen“, sagt hierzu Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender der BMW Group bei der ACEA. „Die größte Herausforderung besteht nun darin, alle Mitgliedstaaten davon zu überzeugen, das Tempo beim Ausbau der dafür erforderlichen Infrastruktur zu erhöhen. Wir brauchen unbedingt einen ehrgeizigen Abschluss des AFIR-Vorschlags, sowohl in Bezug auf seinen Zeitplan als auch auf die Ziele, die er für jedes EU-Land festlegt.“

E-Mobility – Staaten müssen mehr in Infrastruktur investieren

E-Mobility – Der Druck auf die Automobilindustrie, ab 2030 nur noch elektrisch angetriebene Modelle in den Markt zu bringen, könnte sich als politischer Bumerang für die Regierenden erweisen. (Foto: fotoART by Thommy Weiss / www.pixelio.de)
E-Mobility – Der Druck auf die Automobilindustrie, ab 2030 nur noch elektrisch angetriebene Modelle in den Markt zu bringen, könnte sich als politischer Bumerang für die Regierenden erweisen. (Foto: fotoART by Thommy Weiss / www.pixelio.de)

Der Druck auf die Automobilindustrie, ab 2030 nur noch elektrisch angetriebene Modelle (Pkw wie Lkw) in den Markt zu bringen, könnte sich somit als politischer Bumerang für die Regierenden erweisen. Denn um diesen für die Industrie wirtschaftlich zu gestalten und den Automobilstandort Europa zu sichern, bedarf es erheblicher Investitionen in das öffentliche Stromnetz. Doch machen diese nur einen Bruchteil der Gesamtinvestitionen in vergleichbare Infrastrukturprojekte aus. Gleichzeitig bringt das den Mitgliedstaaten der EU enorme Umweltvorteile. Tatsächlich werden in der aktuellen Studie die jährlichen Investitionskosten für die öffentliche Ladeinfrastruktur auf acht Milliarden Euro in der gesamten EU geschätzt. Das sind lediglich rund 16 Prozent der anstehenden Investitionen in 5G- und Glasfaser-Hochgeschwindigkeitsnetze für das Internet.

279.000 E-Mobility Ladepunkte für Lkw

Die Standorte, der Platz und die Leistungspegel, die für die Infrastruktur von Schwerlastfahrzeugen benötigt werden, unterscheiden sich dabei erheblich von denen für Pkw. Laut dem Forschungspapier werden Lkw bis 2030 279.000 E-Mobility Ladepunkte benötigen. Davon werden sich 84 Prozent in Flottenknotenpunkten befinden. Die verbleibenden E-Mobility Ladepunkte werden überwiegend öffentliche, schnelle Autobahn- (36.000) und öffentliche Nachtladepunkte (9.000) sein.

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E-Mobility und 5G gehen Hand in Hand

Dabei geht der Infrastrukturausbau im Bereich der Stromnetze Hand in Hand mit dem der Breitbandtechnologien. Denn einige Zukunftsvisionen im Bereich der E-Mobilitiy sind nur mit einer ausgebauten Breitband-Infrastruktur auf Glasfaserbasis zu verwirklichen. Dazu gehören etwa das autonome Fahren, aber auch Biling-Systeme, mit der die EU-weite Abrechnung an der Ladestation beim eigenen Stromanbieter möglich ist.

Breitbandausbau verläuft schleppend       

So, wie bei der Strom-Infrastruktur, sind die EU-Staaten auch bei der Breitband-Infrastruktur (5G und Glasfasernetze) säumig. So bewertet der EU-Rechnungshofs den 5G-Ausbau in Europa in seinem aktuellen Bericht kritisch. In vielen Ländern der europäischen Union bestehe eine mittlere bis niedrige Wahrscheinlichkeit, die gesteckten Ausbauziele bis Ende 2025 zu erreichen. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen alle städtischen Gebiete sowie alle Hauptverkehrswege mit dem 4G-Nachfolger ausgebaut sein, bis 2030 soll es ein flächendeckendes 5G-Netz geben.

Deutschland und Österreich nur im Mittelfeld

Keine Bedenken hat der EU-Rechnungshof, dass Dänemark und Frankreich die gesteckten Ausbauziele. Für Deutschland und Österreich sei die Wahrscheinlichkeit eher im Mittelfeld, die Ausbauziele zum angestrebten Zeitpunkt zu erreichen. Auch Finnland, Italien, Lettland, Luxemburg, Rumänien, Schweden, Spanien, Slowakei und Ungarn dürften gut im Rennen liegen. In Belgien, Bulgarien, Griechenland, Kroatien und Zypern wiederum sei laut Rechnungshof eher nicht zu rechnen, dass diese die Ausbauziele für 5G erreichen.

Über die EU-Automobilindustrie

12,7 Millionen Europäer arbeiten (direkt und indirekt) in der Automobilindustrie, was 6,6 Prozent aller Arbeitsplätze in der EU entspricht.
11,5 Prozent der Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe in der EU – rund 3,5 Millionen – entfallen auf den Automobilsektor.
Kraftfahrzeuge sind für Steuereinnahmen in Höhe von 398,4 Milliarden Euro für Regierungen in wichtigen europäischen Märkten verantwortlich.
Die Automobilindustrie erwirtschaftet für die EU einen Handelsüberschuss von 76,3 Milliarden Euro.
Der Umsatz der Automobilindustrie macht mehr als acht Prozent des BIP der EU aus.
Der Automobilsektor, der jährlich 58,8 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert, ist mit einem Anteil von 32 Prozent an den gesamten EU-Ausgaben der größte private Beitrag zur Innovation in Europa.
(Quelle: ACEA)
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ACEA in Kürze

Die European Automobile Manufacturers‘ Association (ACEA) vertritt die 16 größten europäischen Automobil-, Transporter-, Lkw- und Bushersteller: BMW Group, DAF Trucks, Daimler Truck, Ferrari, Ford of Europe, Honda Motor Europe, Hyundai Motor Europe, Iveco Group, Jaguar Land Rover, Mercedes-Benz, Renault Group, Stellantis, Toyota Motor Europe, Volkswagen Group, Volvo Cars und Volvo Group.

acea.auto

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