DROHNEN – UPS glaubt nicht an Lösung für die Masse

DROHNEN – UPS glaubt nicht an Lösung für die Masse
Drohnen: Bei UPS ist man von der Drohne für Massenauslieferungen nicht überzeugt. (Foto: UPS)

Ob die Drohne als Transportvehikel der KEP-Dienstleister in naher Zukunft taugt, darf bezweifelt werden. Auf dem World Economic Forum in Davos sieht UPS Vorstandschef David Abney deren Einsatz nur in zeitkritischen Spezialeinsätzen. Aber auch andere sehen vor allem im hinterherhinkenden 5G- und Fiberkabelnetz-Ausbau einen entscheidenden Hemmschuh. Denn die Kabel müssen die über 5G-Hubs empfangenen, riesigen Datenmengen verarbeiten, welche die Drohnen beim Fliegen erzeugen. 

 Anders als bei Amazon glaubt man beim führenden amerikanischen KEP-Dienstleister UPS nicht an den breiten Einsatz von Drohnen für die Paketzustellung. So äußerte sich UPS-Vorstandschef David Abney am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos eher skeptisch. Er glaube nicht, dass man künftig Consumer-Goods mit Drohnen liefern wird. Für ihn kommen sie nur als Lösung für zeitkritische Aufträge in Betracht. “Ich gehöre nicht zu denen, die glauben, dass künftig Hunderttausende Drohnen über unseren großen Städten schweben und Zahnpasta ausliefern”, so D. Abney. 

HealthCare als möglicher Einsatzbereich 

D. Abney sieht dabei etwa den Automotive- oder den Gesundheitssektor als möglichen Einsatzort. So werden ein und dieselben Fertigungslinien für die Produktion von unterschiedlichen Fahrzeugmarken und -typen genutzt, die gleichzeitig individuelle Kundenwünsche beinhalten. Eine Lagerhaltung von Sonderteilen für Einzelwünsche wäre auf Dauer viel zu kostspielig. Hier könnte die Drohnenbelieferung direkt bis an die Produktionskette helfen, kostbare Zeit zu sparen. Die Drohnenbelieferung etwa von Medikamenten bis in die privaten Haushalte oder in Krankenhäuser wäre eine weitere, zeitkritische Belieferungslösung und könnte Zustelldienste mit Pkw ablösen. Dass an der Drohnenbelieferung insbesondere in urbanen Gebieten ein hoher Bedarf besteht, weist jedoch auch der UPS-Boss nicht von der Hand. So sorgt der seit Jahren boomende Paketversand für Verkehrsprobleme im Verteilerverkehr. Seit einigen Jahren ist daher die Idee von Drohnenlieferungen für Privathaushalte ein Thema. Um die Abgasbelastung zu senken, setzen Experten derzeit jedoch vor allem auf elektrisch betriebene Lieferwagen. 

UPS ist in USA Vorreiter 

DROHNEN – UPS glaubt nicht an Lösung für die Masse
UPS02: Drohnen: Bis die Fluggeräte für die Logistik tauglich sind, bedarf es einer 5G Abdeckung und Steuerungsstandards. (Foto: UPS)

Tatsächlich hat sich UPS in den vergangenen Jahren verstärkt auf das Gesundheitswesen fokussiert und Lösungen erarbeitet, welche ein Same-Day-Delivering per Drohne möglich machen. So hat der KEP-Dienstleister im vergangenen Dezember erstmals verschreibungspflichtige Medikamente per Drohne direkt an Patienten in den USA verschickt. Die Auslieferung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsunternehmen CVS Pharmacy und in Abstimmung mit der US-Luftfahrtbehörde FAA. Ende September war UPS das erste Unternehmen, welches von der FAA eine sogenannte Part 135 Standard Zertifizierung erhalten hatte. Diese erlaubt kommerzielle Drohnenlieferungen in unbegrenztem Umfang an die Verbraucher. 

Überwachung aus der Ferne. Bei der Premiere flogen die Drohnen autonom und wurden von einem Piloten aus der Ferne überwacht. Per Seilwinde ließen die etwa sechs Meter über dem Boden schwebenden Drohnen dann die Paketlieferungen hinab. Eines der Pakete wurde an einen CVS-Kunden zugestellt, dessen eingeschränkte Mobilität ein persönliches Abholen der Ware in einer Filiale erschwert. 

5G-Breitband steckt in den Kinderschuhen 

DROHNEN – UPS glaubt nicht an Lösung für die Masse
Drohnen: Das dringend benötigte Medikament wird über ein Seil am Bestimmungsort abgeiefert. (Foto: UPS)

Um jedoch Drohnen selbst nur für Spezialeinsätze einsetzen zu können, ist es in Europa im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen noch ein langer weg. So kann die 5G Breitbandabdeckung für Mobilfunk in Deutschland nur als “rudimentär” bezeichnet werden, in manchen Teilen der Bundesrepublik gibt es sogar nicht einmal eine LTE-Abdeckung. 5G ist jedoch notwendig, um Drohnen der verschiedensten Anbieter wie etwa UPS, Amazon oder, in Österreich, die Österreichischen Post fliegen lassen zu können. Die Datenmenge, welche durch das autonome Fliegen und 3 D-Sicht entsteht, ist enorm und kann nur von 5G-Netzen verarbeitet werden. 

Österreich ist schneller. In Österreich kommt man beim 5G Ausbau rasch voran. Dabei tut sich die Deutsche Telekom, in Österreich als T Magenta bekannt, als Marktführer hervor und hat den österreichischen Platzhirsch, A1 (Ehemals Telekom Austria), auf Rang 2 verdrängt. Sie werden zudem als eines der ersten Telekom-Unternehmen in Österreich 5G-Bandbreiten anbieten, weil T-Magenta den Kabelnetzbetreiber UPC gekauft hat. UPC verfügt zumindest in den Ballungszentren wie etwa Wien über ein flächendeckenden Glasfasernetz, die Basis für 5G. Somit werden in Österreich wahrscheinlich früher als in Deutschland fliegen. 

Einheitliche Steuerungsstandards notwendig 

Neben dem Breitband-Mobilfunknetz bedarf es zudem einheitlicher Standards bei der Steuerung von Drohnen, damit Drohnenbetreiber wie etwa UPS, Amazon oder die Österreichische Post eine einheitliche Basis haben. 

World Economic Forum

UPS.com 

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