DB SCHENKER – Verkauf des deutschen Rail Cargo-Riesen wird realistisch

DB Schenker – Deutscher Bahn steht das Wasser Unterlippe-Oberkante. Mit dem Verkauf der Spedition kann sich die Staatsbahn zumindest teilsanieren. (Foto: RS MEDIA WORLD Archiv)
DB Schenker – Deutscher Bahn steht das Wasser Unterlippe-Oberkante. Mit dem Verkauf der Spedition kann sich die Staatsbahn zumindest teilsanieren. (Foto: RS MEDIA WORLD Archiv)

Die Gerüchte verdichten sich, dass die Rail Cargo-Sparte der Deutschen Bahn, DB Schenker, zum Verkauf steht. Wie einem Scheiben des deutschen Bundesministeriums für Finanzen an den Haushaltsausschuss des neu formierten Deutschen Bundestags zu entnehmen ist, wird zumindest ein Teilverkauf der internationalen Spedition als Möglichkeit angedacht. Der Hauptgrund dafür dürften die astronomischen Schulden in Milliardenhöhe sein, welche die Deutsche Bahn nicht nur in der Coronakrise angehäuft hat.

Die Diskussion um den Verkauf der Rail Cargo-Tochter der Deutschen Bahn, DB Schenker, flammt wieder neu auf. Die Gründe dafür sind laut einem Bericht des „Handelsblatt“ zufolge die hohe Verschuldung der Deutschen Bahn. Zudem werde zwar der Name DB Schenker im Koalitionsvertrag nicht genannt, heißt es da, die neue Ampelregierung sei sich aber einig, dass sich der Staatskonzern offenbar künftig stärker auf sein Kerngeschäft in Deutschland konzentrieren solle. Die Grünen und auch die FDP fordern zudem seit Langem einen Verkauf von DB-Töchtern und vor allem eine Herauslösung des Schienennetzes aus dem Konzern.

Schreiben an Haushaltsausschuss des Bundestages

Befeuert werden die Verkaufsgerüchte zudem durch ein Schreiben des deutschen Bundesministeriums für Finanzen an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages. Darin wird zumindest ein Teilverkauf der internationalen Spedition des Staatskonzerns als Möglichkeit angedacht. Konkret heißt es darin, „dass eine Komplett- oder Teilveräußerung beispielsweise der Schenker AG durchaus wieder aufgegriffen werden könnte.“

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Astronomische Verschuldung der Deutschen Bahn

Ein Grund für die Verkaufspläne ist die enorme Verschuldung der Deutschen Bahn, die während der Coronapandemie weiter zugenommen hat. Der DB-Umsatz sank in diesem Zeitraum um 10,2 Prozent auf 39,9 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebit lag 2020 bei einem Minus von 2,903 Milliarden Euro. Analysten gehen davon aus, dass auch das Jahr 2021 der Staatsbahn keine Entspannung an der Verschuldungsfront bringen dürfte. Die Netto Finanzschulden des Konzern könnten in diesem Jahr auf mehr als 22 Milliarden Euro wachsen (2019 lagen sie bei 19,5 Milliarden Euro). – Und das trotz großer Gewinne von DB Schenker im Jahr 2020, die sich auf 711 Millionen Euro beliefen. Gut möglich, dass die Spedition auch in 2021 als Profiteur aus der Pandemie hervorgeht und seine Gewinne weiter steigern kann.

DB Schenker – Zeitpunkt für Verkauf günstig

Der Zeitpunkt für einen Verkauf des Transportlogistikers könnte also nicht besser sein, um einen hohen Verkaufserlös erzielen zu können, ist von Szenekennern zu hören. Der Verkauf von DB Schenker könnte der Deutschen Bahn mindestens 15 Milliarden Euro in die Kassen spülen, vielleicht sogar mehr, analysiert das Handelsblatt. Als größter Interessent könnte sich wieder der dänische Logistikkonzern DSV erweisen. Noch im vergangenen August hatte DSV-Finanzvorstand Jens Lund erklärt, sein Unternehmen sei an DB Schenker interessiert und dass man die Konsolidierung der Branche fortsetzen wolle. „Wir halten die Augen offen, was auf dem Markt passiert, und es gibt mehrere Akteure, mit denen ein Zusammenschluss für uns sinnvoll wäre.“ Dazu gehöre DB Schenker, sagte er dem Online-Portal eurotransport. DSV ist nach dem Kauf der Panalpina (wir berichteten auf blogistic.net) weltweit zur Nummer drei aufgerückt, hinter Deutsche Post-DHL und Kühne + Nagel, gefolgt von DB Schenker auf dem vierten Platz. Würden beide Unternehmen fusionieren, wäre DSV die globale Nummer eins in der Speditionsbranche. Wie sich ein Verkauf auf die Österreich-Tochter auswirken wird, ist bis dato übrigens noch unklar.

DB Schenker – „Verkauf von Familiensilber“

Indessen rührt sich heftiger Widerstand an den kolportierten Verkaufsplänen der neuen Ampel-Koalition. Der scheidende Verkehrsminister Andreas Scheuer hält nichts vom „Verkauf des Familiensilbers“, wie er gegenüber den Medien der Funke-Gruppe sagt und er warnt: „Wer jetzt die Bahn zerschlagen will und sie damit im internationalen Wettbewerb schwächt, der gefährdet das Unternehmen und Interessen unseres Landes“.

Reform trotzdem notwendig. A. Scheuer wollte die Deutsche Bahn reformieren, sagt der CSU-Politiker gegenüber den Medien. Die Coronapandemie habe seine Reformpläne jedoch durchkreuzt. Die Notwendigkeit zu einer tiefgreifenden Reform der Deutschen Bahn ist auch nach dem Verkauf von DB Schenker nicht vom Tisch. Im Gegenteil. Auch wenn damit die Nettoschulden zu einem größeren Teil gedeckt werden können. Viel Zeit zur Reform kann damit daher nicht erkauft werden.

db-schenker.com

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