LOGISTIKINDIKATOR MAI 2021 – Wachsender Optimismus in der Branche

Logistikindikator Mai 2021 (Foto: ds / www.pixelio.de)
Logistikindikator Mai 2021 – Die Logistikwirtschaft nützt den Wind der gesamtwirtschaftlichen Erholung in Deutschland mit. (Foto: ds / www.pixelio.de)

Bei den deutschen Logistikern macht sich wieder Optimismus breit. Obgleich die Coronapandemie noch nicht zu Ende ist, setzte sich die Erholung des Geschäftsklimas in der Branche weiter fort. Dies ergab der aktuelle Logistikindikator Mai 2021 des ifo-Instituts, der regelmäßig im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik (BVL) in Deutschland erstellt wird. Die Ursachen dafür sind das anhaltende Wachstum der Industrie und die Wiederbelebung im Handel, Dienstleistungsbranchen und Tourismus. Der Optimismus könnte jedoch durch den Mega-Stau im Hafen Yantian (Süd-China) wegen Corona getrübt werden.

Die Erholung des Geschäftsklimas der deutschen Logistikwirtschaft setzte sich im zweiten Quartal 2021 fort. Der entsprechende Indikator lag im Mai bei 100,1 Punkten und damit deutlich über dem Vorkrisenniveau. Dies geht aus den monatlichen Erhebungen zum Logistikindikator Mai 2021 hervor, die das ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) im Rahmen seiner Konjunkturumfragen regelmäßig durchführt. Der zunehmende Optimismus machte sich nicht nur bei der Beurteilung der aktuellen Situation der Unternehmen bemerkbar, die erheblich positiver als noch im Vorquartal ausfiel. Auch für den weiteren Jahresverlauf erwarteten immer mehr Firmen einen günstigeren Geschäftsverlauf.

Logistikindikator Mai 2021 – Verbesserte Geschäftslage

Die Logistikdienstleister klagten kaum mehr über zu geringe Auftragsbestände und beurteilten die derzeitige Geschäftslage per Saldo gut. Die Geschäftsperspektiven klarten weiter auf, so dass nun mehrheitlich mit einem Beschäftigungsaufbau gerechnet wurde. Insgesamt verbesserte sich das Geschäftsklima spürbar und der Indikator drehte erstmal seit Mitte 2019 wieder in den positiven Bereich. In Handel und Industrie hat sich das Geschäftsklima deutlich aufgehellt. Der Hauptindikator legte beachtlich zu und notierte bei 102,5 Punkten. Dies war vor allem den positiven Urteilen über die derzeitigen Geschäfte zu verdanken, welche erheblich zunahmen.

Mit weiteren Zuwächsen wird gerechnet

Aber auch die Geschäftserwartungen fielen zuversichtlicher aus. In den kommenden Monaten rechneten die Firmen mit weiteren Geschäftszuwächsen. Preisplanungen sahen kräftige Steigerungen vor. Nachdem sich im Vorquartal vor allem die Industrie kräftig erholte, konnte nun der Handel aufholen. Im Zusammenhang mit den Corona-Öffnungsschritten herrschte besonders im Einzelhandel reger Optimismus. Der Großhandel konnte seine positiven Lageurteile ebenfalls ausbauen, aber in geringerem Ausmaß als der Einzelhandel.

Impfungen und Tests wirken positiv

Nachdem sich die deutsche Wirtschaft im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2020 zügig von der ersten Coronawelle erholt hatte, bekam sie Anfang dieses Jahres einen erneuten Dämpfer. Die zweite und dritte Coronawelle ließen das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2021 gegenüber dem vierten Quartal 2020 um 1,8 Prozent sinken. Besonders stark betroffen waren wiederum der Einzelhandel und kontaktintensive Dienstleistungsbranchen. Die Situation besserte sich mit dem raschen Rückgang der Neuinfektionszahlen. Die Ausweitung der Testmöglichkeiten und das Voranschreiten der Impfkampagne ermöglichten ein langsames Hochfahren des öffentlichen Lebens. Der Einzelhandel durfte vielerorts unter Auflagen öffnen, was sich auch in den Schätzungen des ifo Instituts zur Kurzarbeit widerspiegelte.

Kurzarbeit geht zurück. Die Zahl an Kurzarbeitern sank im Mai auf 227.000, von 427.000 im Januar. Im Gastgewerbe, das bisher nur in geringen Maßen öffnen durfte, fiel der Rückgang der Kurzarbeit mit 88.000 Beschäftigten hingegen schwächer aus (Mai: 489.000, Januar: 577.000). Auch gesamtwirtschaftlich sank die Kurzarbeit seit Anfang 2021 kontinuierlich, seit ihrem Hochpunkt im April vergangenen Jahres konnte sie sogar um über 40% reduziert werden. Die Belebung am Arbeitsmarkt spiegelt sich auch beim ifo Beschäftigungsbarometer wider, das im Mai auf seinen höchsten Stand seit Juni 2019 kletterte. Die deutschen Unternehmen planen vor allem in der Industrie und im Dienstleistungssektor neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen.

Mobilität nimmt wieder zu

Ähnlich positive Entwicklungen zeigen Frühindikatoren des Statistischen Bundesamtes. Mobilitätsdaten wiesen auf einen kontinuierlichen Anstieg der Beweglichkeit der Bevölkerung seit Jahresanfang hin, wenngleich die Indikatoren teilweise noch deutlich niedriger sind als im Sommer 2020. Auch der Transportindex, der die wirtschaftliche Aktivität anhand der Verkehrsleistung misst und den LKW-Maut-Fahrleistungsindex um weitere Verkehrsträger im Güterverkehr ergänzt, zeigte eine zunehmende gesamtwirtschaftliche Aktivität seit Jahresbeginn an. Der täglich verfügbare LKW-Maut-Fahrleistungsindex schwächte sich allerdings im Verlauf des Mais etwas ab. Hier dürften sich die Produktionsschwierigkeiten einiger Industriesparten bemerkbar machen, die im Zusammenhang mit Engpässen bei der Lieferung von Vorprodukten stehen. Dies gaben zuletzt immerhin 45% der vom ifo Institut befragten Industrieunternehmen an.

Deutsche Gesamtwirtschaft auf Erholungskurs

Insgesamt deuten die vorliegenden Frühindikatoren darauf hin, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft Fahrt aufnehmen dürfte. Nachdem große Teile des Verarbeitenden Gewerbes bereits im letzten Jahr boomten und ihre teils kräftigen Produktionsausweitungen in den kommenden Monaten vor dem Hintergrund der Lieferengpässe etwas drosseln dürften, profitieren nun vor allem der Einzelhandel, die Gastronomie und andere kontaktintensive Dienstleister vom Abflauen der Coronakrise.

Corona in China gefährdet Lieferketten

Der Optimismus der Logistikbranche könnte jedoch bald getrübt werden. Wegen des erneuten Auftretens des Coronavirus in der für Süd-China besonders wichtigen Produktions- und Exportregion Guangdong, legte die chinesische Regierung die Hälfte des Container-Hafens Yantian lahm. Der Hafen gilt als einer der wichtigsten Häfen für den Container-Seefrachtverkehr weltweit. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, haben bereits 84 Frachter vor dem Hafen die Anker geworfen. Das sei der größte Schiffsstau seit 2019.

Corona führt zu Restriktionen. Ende Mai seien 150 neue Coronafälle in der Provinz gemeldet worden. Die darauf folgenden Restriktionen führen nun zu starken Einschränkungen in gleich mehreren großen Häfen der Region. So gaben die Häfen Yantian, Shekou, Chiwan und Nansha kürzlich Mitteilungen heraus, welche es Frachtern untersagt, ohne vorherige Reservierung in die Häfen einzufahren.

Lieferketten angespannt. Befürchtet wird nun, dass dadurch der Aufschwung in Deutschland gefährdet wird. So bezeichnete Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, gegenüber FOCUS Online vom 22.06.2021, die Auswirkungen als „erheblich“. Die Ökonomen rechnen daher wegen des Staus mit einem Rückgang der Industrieproduktion im Mai gegenüber April 2021 von 2,7 Prozent. Auch für Juni seien die Prognosen nicht besser. Zudem sprechen große Reedereien mittlerweile Warnungen für weitere Lieferverzögerungen aus.

Logistikindikator Mai 2021 in Kürze
Der Logistik-Indikator wird vom ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. berechnet. Er geht aus den monatlichen Konjunkturumfragen für den Zeitraum ab 2005 hervor. Zur Ermittlung des Indikators werden mehr als 4.000 Antworten von Anbietern von Logistikleistungen (60 Prozent Güterverkehr (ohne Luftfracht); 40 Prozent Speditionen und Logistik) bzw. von Unternehmen aus den Bereichen des Verarbeitenden Gewerbes (66 Prozent) und des Handels (Großhandel: 17 Prozent, Einzelhandel: 17 Prozent) als Anwender von Logistikleistungen herangezogen. Der Gesamtindikator wird zu gleichen Teilen aus den Ergebnissen der Anbieter und der Anwender berechnet. Das Fragendesign zielt auf die konjunkturelle Beurteilung der aktuellen Geschäftssituation, den Entwicklungen in den letzten Monaten und den Erwartungen in den kommenden Monaten ab.

bvl.de


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