Österreichs Logistik steht vor einer doppelten Herausforderung: Während internationale Lieferketten zunehmend unter Druck geraten, erfordern wachsende Städte und ambitionierte Klimaziele neue Lösungen für den Güterverkehr. Welche Weichen jetzt gestellt werden müssen, diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Logistik beim VNL-Logistik-Forum Wien 2026 Anfang Oktober.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie Österreich seine Position als wettbewerbsfähiger Wirtschafts- und Logistikstandort sichern kann. VNL-Präsident Franz Staberhofer machte deutlich, dass Logistik längst weit mehr ist als Transport und Lagerung. Sie sei eine zentrale Voraussetzung für die Versorgung von Unternehmen und Bevölkerung sowie für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Entscheidend seien nun konkrete Maßnahmen bei Infrastruktur, Energieversorgung und Investitionssicherheit.
VNL – Die österreichische Logistikstrategie
Ein Schwerpunkt beim VNL Logistik-Forum Wien 2026 war dabei die Umsetzung der österreichischen Logistikstandortstrategie. In einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde mit Bundesminister Peter Hanke, Beate Färber-Venz (Venz Logistik), Matthias Hofmann (Österreichische Post), FACC-CEO Robert Machtlinger und Franz Staberhofer standen insbesondere der Ausbau der Verkehrs- und Energieinfrastruktur, der Fahrermangel sowie langfristig verlässliche Rahmenbedingungen im Fokus. Hanke verwies auf den geplanten Ausbau von 1.300 Lkw-Ladepunkten entlang des hochrangigen Straßennetzes bis 2035. Sein Appell: Österreich müsse den Schritt von der Strategie zur konsequenten Umsetzung schaffen.
Innovation und Vernetzung sind die Schlüssel
Dass Innovation und Vernetzung dabei eine Schlüsselrolle spielen, betonte auch Barbara Potisk-Eibensteiner, CFO der Österreichischen Post. Digitalisierung ermögliche eine intelligentere Steuerung von Prozessen, einen effizienteren Ressourceneinsatz und neue Lösungen für Anwender und Gesellschaft. Gerade deshalb sei der Austausch unterschiedlicher Akteure unverzichtbar, um die Logistik von morgen gemeinsam zu gestalten.
VNL – Die Versorgung der Ballungsräume

Ein weiterer Fokus lag auf der Versorgung wachsender Ballungsräume. Wiens Planungsdirektor Thomas Madreiter präsentierte den neuen Masterplan Urbane Logistik. Bis 2053 wird die Bundeshauptstadt voraussichtlich auf rund 2,3 Millionen Einwohner wachsen, gleichzeitig strebt Wien Klimaneutralität bis 2040 an. Der Masterplan soll Wirtschaftsverkehr, Stadtentwicklung und Klimaschutz stärker verknüpfen. Vorgesehen sind unter anderem die frühzeitige Einbindung logistischer Anforderungen in die Stadtplanung, Zero-Emission-Zonen sowie Investitionen in Terminal-, Schienen- und Hafeninfrastruktur.
Wie Dekarbonisierung des Transports vorangeht
Wie die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs bereits heute funktioniert, zeigten mehrere Praxisbeispiele. So stellen dm und Quehenberger Logistics die Belieferung von 100 Märkten in Wien und Umgebung schrittweise auf zehn E-Lkw um. Dadurch sollen jährlich rund 389 Tonnen CO₂ eingespart werden. Schlager Transport Logistik wiederum hat mit seiner E-Lkw-Flotte bereits rund 1,75 Millionen vollelektrische Kilometer zurückgelegt und nach eigenen Angaben mehr als 410.000 Liter Diesel beziehungsweise 1.078 Tonnen CO₂ eingespart. Die Erfahrungen zeigen jedoch auch: Erfolgreiches E-Trucking erfordert ein Gesamtsystem aus Fahrzeugen, Ladeinfrastruktur, Energiemanagement und passenden betrieblichen Rahmenbedingungen.
Österreich und globale Tansportmärkte
Über die Landesgrenzen hinaus richtete Alexander Till von Hafen Hamburg Marketing den Blick auf die globalen Transportmärkte. Die zunehmende Konzentration in der Containerschifffahrt verändere die Machtverhältnisse entlang internationaler Lieferketten. Große Reedereien bauen ihren Einfluss auf Terminals und weitere Teile der Logistikkette kontinuierlich aus. Für europäische Unternehmen bedeutet das neue Abhängigkeiten und eine stärkere Notwendigkeit, ihre Lieferketten resilient zu gestalten.
VNL – Zukunft der Logistik mehr als nur Technik
Das VNL-Logistik-Forum machte damit deutlich: Die Zukunft der Logistik entscheidet sich nicht allein durch technologische Innovationen. Gefragt sind ebenso leistungsfähige Infrastruktur, verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Nur so kann Österreich den Spagat zwischen Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimazielen erfolgreich bewältigen.
VNL in Kürze
Der VNL (Verein Netzwerk Logistik) ist mit über 6.200 Mitgliedern und mehr als 600 Mitgliedsunternehmen das größte Wirtschaftsnetzwerk für Logistik und Supply Chain Management in Österreich. Der Verein bringt Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Technologiezentren und Logistikgesellschaften zusammen, stärkt Logistikkompetenz und unterstützt Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Versorgungssicherheit. Jährlich organisiert der VNL über 60 Logistikveranstaltungen und mehr als 50 Seminare. Er beteiligt sich an nationalen und internationalen Forschungsprojekten, berät institutionelle Akteure und ist Gründungsmitglied des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII). Zudem unterstützt der VNL die Dachmarke AUSTRIAN LOGISTICS.
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