KONJUNKTUR DEUTSCHLAND – Doppelwumms hält Inflation hoch 

Konjunktur Deutschland – Fiskalisches Gießkannenprinzip freut viele, ist aber wenig treffsicher und fördert die Inflation. (Foto: Rike / www.pixelio.de)
Konjunktur Deutschland – Fiskalisches Gießkannenprinzip freut viele, ist aber wenig treffsicher und fördert die Inflation. (Foto: Rike / www.pixelio.de)

Konjunktur Deutschland – Deutschland steckt nur in einer leichten Rezession und hält sich derzeit besser als erwartet. Dies dürfte sich auch 2023 kaum ändern. Die Volkswirte der Deutschen Bank rechnen mit einer Kontraktion des BIP im Jahr 2023 um 1,6 Prozent. Dafür dürfte die Inflation trotz bzw. wegen des fiskalpolitischen “Doppelwumms” im Gießkannenprinzip der deutschen Bundesregierung auf hohem Niveau bleiben. Auf der Strecke bleiben letztlich Haushalte mit niedrige Einkommen. 

Deutschland steckt, wie der gesamte Euroraum, in einer Rezession. Dieser schwächelt allerdings insgesamt nicht so sehr wie seine stärkste Ökonomie und kommt noch heuer auf ein Wachstum von 3,0 Prozent. Deutschland schafft 2022 gerade noch ein Plus von 1,4 Prozent. Das geht aus dem Konjunkturausblick von Deutsche Bank Research (DB Research) hervor. Deswegen sprechen die Volkswirte der größten Bank Deutschlands nicht von einem Konjunkturabsturz, sondern “bloß” von einer Rezession. Diese wird sich, so die Volkswirte weiter, auch im Jahr 2023 fortsetzen. Sie prognostizieren für das kommende Jahr eine “Kontraktion der Gesamtwirtschaft” von minus 1,6 Prozent. 

Konjunktur Deutschland – Das Schrumpfen des BIP hat viele Väter  

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zwar zeigt sich Deutschlands Industrie mit ihrem Auftragsbestand als sehr robust. Dieser sei, so die Analysten, fast so hoch wie im derzeitigen Spitzenjahr von 2019. Da es aber an den Auftragseingängen hapert, befindet sich Deutschlands Industrie 2023 in einem Gleitflug nach unten. Auch hat der Dienstleistungssektor, insbesondere die Tourismuswirtschaft und Gastronomie in diesem Sommer die Lücken der letzten Pandemiejahre weitgehend schließen können.  

Bauwirtschaft bremst Konjunktur ein 

Allerdings hat in der, nach der Automotive-Branche zweitstärksten Branche, der Bauwirtschaft, ein starker Schrumpfungsprozess wegen explodierender Baukosten eingesetzt. Insbesondere der private Wohnungsbau bekommt die wachsende Zurückhaltung der Hausbauer zu spüren. “Wir prognostizieren einen Rückgang der Bauinvestitionen um 1,7 Prozent im Jahr 2022 und um 4,3 Prozent im Jahr 2023. Die Investitionen werden in den Jahren 2022 und 2023 sowohl im Wohnungsbau als auch im gewerblichen Bereich zurückgehen”, heißt es in der Marktuntersuchung von DB Research. Diese Entwicklung dürfte dann zwar für Entspannung auf den Beschaffungsmärkten für Baustoffe führen, an den hohen Baukosten wird das jedoch nichts ändern. Im Gegenteil: Die Analysten rechnen vielmehr mit einem Steigen, einerseits wegen steigender Personalkosten und andererseits wegen des Fachkräftemangels. 

Konjunktur Deutschland – Verarbeitendes Gewerbe schrumpft 

Die Analysten der DB Research haben ihre Produktionsprognose für die Jahre 2022 und 2023 für das Verarbeitende Gewerbe aktualisiert, da die Produktionsdaten vom September überraschend gut ausgefallen sind. So habe es einen starken Anstieg der Inlandsproduktion in der Automobil- und Pharmaindustrie gegeben. Darüber hinaus hat sich das Risiko von Engpässen bei der physischen Gasversorgung erheblich verringert. Die Gasspeicher sind faktisch zu 100 Prozent gefüllt und der Winter ist bislang mild. Man gehe darum davon aus, dass die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe im Jahr 2022 um ein Prozent sinken wird (vorher minus zwei Prozent) und im Jahr 2023 um vier Prozent sinken wird (vorher minus fünf Prozent). 

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Konjunktur Deutschland – “Doppelwumms” brachte nur Kurzzeiteffekte 

Konjunktur Deutschland – Die Hilfe bei den Energiekosten ist zwar richtig, aber nur, wenn sie sozial treffsicher ist. (Foto: fotoART by Thommy Weiss / www.pixelio.de)
Konjunktur Deutschland – Die Hilfe bei den Energiekosten ist zwar richtig, aber nur, wenn sie sozial treffsicher ist. (Foto: fotoART by Thommy Weiss / www.pixelio.de)

Obgleich sich also die deutsche Wirtschaft auf einem hohen Niveau konsolidiert, hat der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz im vergangenen September für viele überraschend den sogenannten “Doppelwumms” von 200 Milliarden Euro verkündet. Ziel ist es, vor allem die Haushalte, aber auch die Unternehmen, vor den explodierenden Energiepreisen zu schützen und deren Kaufkraft zu erhalten. Diese und andere fiskalischen Maßnahmen führten tatsächlich immerhin dazu, dass sich das BIP im dritten Quartal 2022 um 0,4 Prozent erhöhte und das BIP Deutschlands bis zum Jahresende sogar über dem des Spitzenjahres 2019 liegt. Ob dieser “Doppelwumms” allerdings mittel- und langfristig die Effekte für Deutschlands Volkswirtschaft bringt, die politisch erwünscht sind, ist jedoch fraglich.  

“Doppelwumms” heizt weiter die Inflation an  

So werden zwar bis zum Ende dieses Jahres rund 44,9 Milliarden Euro für Deutschlands Bundesbürger ausgegeben und für 2023 sind 88,2 Milliarden Euro eingeplant (für 2024 sind es 61,8 Milliarden Euro), damit beläuft sich die Entlastung jedoch nur auf knapp vier Prozent des nominalen verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte. Dies ist somit weniger als die Hälfte dessen, was sie durch die Inflation in diesem Jahr und im kommenden Jahr verlieren. Diese dürfte nämlich trotz “Doppelwumms” und verschiedener, in diesen Paketen enthaltenen inflationsdämpfenden Effekte wie etwa die Gas- und Strompreisbremse, im Jahr 2023 ebenfalls zwischen acht und neun Prozent liegen, so die Prognose der Analysten. Der Grund dafür ist, dass der Staat mit seinen breit gestreuten und wenig zielgenauen Geldausschüttungen auch die Geldmenge, die im Umlauf ist, massiv erhöht und somit Geldmarkt-politische Maßnahmen wie etwa Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank EZB konterkariert. Gleichzeitig facht der allgemeine Geldsegen die Inflation weiter an.  

Konjunktur Deutschland – “Doppelwumms” hilft niedrigen Einkommen mittelfristig nicht 

Warum ist das so? – Fakt ist, dass der Anstieg der Verbraucherpreise in den Jahren 2021 bis 2023 die reale Kaufkraft der deutschen Haushalte um etwa 20 Prozent verringern wird. Hinzu kommen die finanzpolitischen Maßnahmen der EZB mit der Erhöhung des Leitzinses. Zudem wachsen die Sorgen des Mittelstandes hinsichtlich der eigenen Zukunftsperspektiven und des eigenen Wohlstandes in der Pension. Im Normalfall bremsen diese Faktoren die Kauflust der Verbraucher und drücken die Sparquote nach oben. Die Menge des Geldes, die in Umlauf ist, verringert sich somit, was wiederum auch die Konjunktur etwas einbremst. Die Preisentwicklungen stabilisieren sich und die Inflation sinkt. Da große Teile der deutschen Staatshilfen jedoch breit gefächert sind und auch denen zugutekommen, die keine Hilfe benötigen, dürfte der “Doppelwumms” die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in einer Zeit anhaltender Angebotsengpässe weiter stärken, trotz gewachsener Sparquote. Der Effekt: Die wenig zielgenauen staatlichen Anti-Krisen-Maßnahmen heizen die inländische Inflationsdynamik weiter an. Auf der Strecke bleiben dabei die unteren Einkommen, denn diese haben gar keine Möglichkeiten mehr, Geld zu sparen.       

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