PMI OKTOBER 2022 – Putins Krieg bremst Industriewachstum der EU weiter ein

PMI Oktober 2022 – T. Cocca: „Die massiven Stützungsmaßnahmen der Staaten nach dem Gießkannenprinzip helfen nicht, die Auswirkungen der hohen Inflation zu mildern, sondern befeuern sie vielmehr noch.“ (Foto: RS MEDIA WORLD Archiv)
PMI Oktober 2022 – T. Cocca: „Die massiven Stützungsmaßnahmen der Staaten nach dem Gießkannenprinzip helfen nicht, die Auswirkungen der hohen Inflation zu mildern, sondern befeuern sie vielmehr noch.“ (Foto: RS MEDIA WORLD Archiv)

PMI Oktober 2022 – Das Wachstum der Industrie in der Eurozone bremst sich weiter stark ein. Die Hauptgründe liegen dabei vor allem in den Auswirkungen des Angriffskrieges Putin-Russlands gegen die Ukraine. Hinzu kommen eine schwache EZB-Gelpolitik, die zu einem starken Inflationsdruck führt sowie noch immer anhaltende Lieferkettenprobleme. Dies ergab auch der aktuelle Einkaufsmanagerindex von S&P Global Market Intelligence (vormals IHS Markit) für die Euro-Zone über den vergangenen September. Dieser lag bei 48,4 Punkten, so tief wie seit 27 Monaten nicht mehr.

„Jeder von Ihnen hat in diesem Jahr bis jetzt rund 50.000,- Euro an Vermögenswerten verloren“, rechnete Dr. Teodoro D. Cocca, Professor für Asset Management an der Johannes-Kepler-Universität Linz dem versammelten Auditorium auf der Gala des Österreichischen Logistik-Tages des VNL in den Hallen der Linzer Kaufmannschaft vor. Und er sorgte damit für lautes Raunen. In seinen weiteren Ausführungen schlug er dann ein Rad um die Ursachen dafür, das über den Angriffskrieg Putins und dessen Spielereien am Gashahn, die Lieferkettenprobleme wegen der restriktiven Zero-Corona-Politik der VR China bis hin zu den Versäumnissen der Europäischen Zentralbank, EZB, reichte.

EZB hat richtigen Zeitpunkt verschlafen

Insbesondere die Geldpolitik der EZB machte T. Cocca jedoch für die starke Inflation und damit Vermögensverluste verantwortlich. Dieser belastet vor allem die unteren Einkommensbezieher, hat aber mittlerweile den Mittelstand erreicht. Seine Hauptkritik ist dabei, dass die europäischen Währungshüter viel zu spät die Zinsschraube drehten und damit viel zu spät den Pfad in Richtung Geldwertstabilität einschlugen. Vielmehr förderte die EZB sogar staatliche Schuldenpolitik von Staaten, welche sich weitere Schulden gar nicht leisten können, wie etwa Italien, aber auch Portugal, Spanien und Griechenland, indem sie ungebremst Staatsanleihen kaufte und immer weiter Geld in den Markt pumpte. Der Effekt sei ein erheblicher Wohlstandsverlust, so der Uni-Professor aus der Schweiz.

Die Schweizer machen’s besser

Mit einem Hinweis auf die Schweiz, welche mit ähnlichen Rahmenbedingungen bei der Energie konfrontiert ist und zu 100 Prozent die Sanktionen des Westens gegen die Russische Föderation mitträgt, verweist der Uni-Professor auf das Inflationsniveau der Eidgenossen hin. Dies liegt derzeit bei rund 3,5 Prozent. T. Cocca verwies jedoch mit Nachdruck darauf hin, dass die Schweizer einerseits schon bei den ersten Anzeichen von Inflation die Zinsschraube nach oben drehten und Unterstützungsleistungen gezielt setzten. Neben der weitgehenden Verhinderung von Vermögensverlusten haben sich die Eidgenossen damit ihre Kaufkraft sowie Kauflaune erhalten, welche sich auch in einem starken Franken manifestiert.

Gießkannenprinzip – Das Gegenteil von gut

Der Krieg Putin-Russlands gegen die Ukraine, die Energiekrise, die Lieferkettenprobleme und die Nachwirkungen der Coronakrise schlagen daher wegen der Geldpolitik der EZB erst Recht voll durch. Scheinbar paradoxerweise befeuert aber auch die seit 2020 sehr laxe Haushaltspolitik der EU-Staaten die Inflation weiter. „Die massiven Stützungsmaßnahmen der Staaten nach dem Gießkannenprinzip helfen nämlich nicht, die Auswirkungen der hohen Inflation zu mildern, sondern befeuern vielmehr die Inflation noch, weil auch von dieser Seite unkontrolliert und ungebremst Geld die Märkte flutet“, so T. Cocca. „Gut gemeint ist in der Geldpolitik eben noch immer das Gegenteil von gut“, so der Schweizer Professor in seinem Impulsvortrag gegenüber dem Auditorium in der Linzer Kaufmannschaft.

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EZB und schlechte Haushaltsdisziplin beschleunigen Abwärtsspirale      

PMI Oktober 2022 – T. Cocca: „Gut gemeint ist in der Geldpolitik eben noch immer das Gegenteil von gut.“ (Foto: RS MEDIA WORLD Archiv)
PMI Oktober 2022 – T. Cocca: „Gut gemeint ist in der Geldpolitik eben noch immer das Gegenteil von gut.“ (Foto: RS MEDIA WORLD Archiv)

Für T. Cocca ist die hohe Inflation, die sowohl in Österreich als auch in Deutschland bei rund 10,5 Prozent liegt, daher auch ein Stück weit hausgemacht. Die Auswirkungen des Krieges Putin-Russlands gegen die Ukraine, der grassierende Energiekrieg, die mangelhafter Geldpolitik der EZB und die gut gemeinten staatlichen Maßnahmen gegen die Inflation haben jetzt und zeitversetzt erhebliche Auswirkungen auf die Produktion in der Eurozone. Dabei ist der Impact der Sanktionen gegenüber der Russischen Föderation auf das Gesamtbild eher marginal. Sie sind jedenfalls nicht verantwortlich für die beschleunigten Rückgänge bei Produktion und Auftragseingang, welche zu Wachstumseinbußen der Industrie in der Eurozone im September 2022 sorgten. Der Linzer Universitätsprofessor fordert daher einerseits von den Staaten vor allem die Rückkehr zu den Regularien der Eurozone wie den Stabilitätspakt, Schuldenbremse und eine strenge Haushaltsdisziplin ein. Andererseits müsse die EZB ihren vertraglichen Verpflichtungen wieder nachkommen und in erster Linie für Geldmengen- und Geldwertstabilität sorgen.

PMI Oktober 2022 – Die Finanzkrise 2009 lässt grüßen

Bekräftigt wird das vom aktuellen Einkaufsmanagerindex von S&P Global Market Intelligence (vormals IHS Markit), den PMI Oktober 2022 für die Eurozone. Er verzeichnet nämlich im September noch stärkere Wachstumseinbußen als einen Monat davor. Dabei wurde oftmals die Fertigung mangels Neuaufträgen zurückgefahren, vereinzelt auch infolge der hohen Energiepreise. „Dass die Nachfrage so deutlich einbrach, war laut Umfrageteilnehmern auf die hohe Inflation und die wirtschaftliche Unsicherheit zurückzuführen“, heißt es im PMI Oktober 2022. Infolgedessen sackten die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist auf den tiefsten Wert seit Mai 2020 ab. Deshalb wurden auch die Einkaufsmengen der Unternehmen vorsorglich reduziert. Entspannung dürfte auch hier wenig zu erwarten sein, denn derweil beschleunigt sich der Preisauftrieb. So zogen die Kosten für Strom und Gas im September weiter an. Da nützte es auch wenig, dass die die Materialengpässe leicht nachließen. Darum gab der Industrie-PMI binnen Monatsfrist um 1,2 Punkte auf 48,4 nach. Das ist der tiefste Wert seit Juni 2020. Lässt man jedoch die ersten pandemiebedingten Lockdowns außen vor, sind Nachfrage und Produktion so stark eingebrochen wie seit der globalen Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr.

Produktion in energieintensiven Industrien drosselt sich weiter

„Der Rückgang war in erster Linie auf die steigenden Lebenshaltungskosten zurückzuführen, die die Kaufkraft schmälerten und der Nachfrage schadeten. Doch auch die steigenden Energiepreise haben dafür gesorgt, dass die Produktion bei energieintensiven Industrieunternehmen zunehmend gedrosselt wird“, kommentiert Chris Williamson, Chief Business Economist bei S&P Global Market Intelligence, den PMI Oktober 2022. Und es dürfte noch schlimmer kommen, denn das Minus auch bei den Auftragseingängen ist deutlich stärker ausgefallen als der Produktionsrückgang. Folglich muss in den kommenden Monaten mit weiteren deutlichen Kürzungen in der Fertigung gerechnet werden, sofern die Nachfrage nicht wieder anzieht.

Ch. Williamson – Sorgen um Konjunkturaussichten werden sich vergrößern

Die Kombination aus steigenden Kosten und sinkender Nachfrage hat die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im September noch einmal kräftig einbrechen lassen, was wiederum dazu geführt hat, dass die Einkaufsmenge reduziert und weniger Neueinstellungen vorgenommen wurden, da sich die Unternehmen auf einen harten Winter vorbereiten. „Die fatale Kombination aus schrumpfendem Industriesektor und steigendem Inflationsdruck wird die Sorgen hinsichtlich der Konjunkturaussichten in der Eurozone darum noch weiter vergrößern“, prognostiziert daher Ch. Williamson abschließend die Entwicklung der Industrie in der Eurozone die nächsten Monate.

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