PMI SEPTEMBER 2022 – Trotz Rückgang kein Grund zur Panik

PMI September 2022 (Foto: Thommy Weiss / www.pixelio.de)
PMI September 2022 – Es gibt zwar noch lange keine Entwarnung beim Wirtschaftswachstum in der Eurozone, für eine Panik besteht jedoch längst kein Grund. So kann die Analyse lauten bei der Lektüre des jüngsten Einkaufsmanagerindex für die Eurozone. (Foto: Thommy Weiss / www.pixelio.de)

PMI September 2022 – Obgleich die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone, PMI, und Deutschland (EMI des BME) das zweite Mal in Folge leicht unter Wachstumsmarke von 50 Punkten liegen, dürfte die Talsohle mittlerweile erreicht sein. Auch gehen die Analysten von S & P Global davon aus, dass der Zenit bei der Teuerung erreicht ist. Trotz schwierigen internationalen Marktumfeldes dürfte es daher keinen Wachstumseinbruch wie zu Beginn der Pandemie in 2020 geben. Damals sackte der PMI auf unter 20 Punkte ab.

Es gibt zwar noch lange keine Entwarnung beim Wirtschaftswachstum in der Eurozone, für eine Panik besteht jedoch längst kein Grund. So kann die Analyse lauten bei der Lektüre der Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone, PMI September 2022, und Deutschland, EMI des BME. Denn trotz schwierigen Marktumfeldes, einerseits verursacht durch W. Putins Vernichtungskrieg gegen die Ukraine und dessen andauernden Machtspielchen am Gashahn von Nordstream 1 und dem Corona-bedingten weiteren Ausfall Chinas als Welt-Wachstumslokomotive, bewegt sich der PMI September mit 48,9 Punkten nur knapp unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten gegenüber 49,8 gegenüber dem Vormonat. Dabei ging die Wirtschaftsleistung in Deutschland mehr zurück als in den anderen EU-Staaten. Daher konnten die zuletzt starken Wachstumsimpulse etwa aus Italien (mit 49,6 in einem 2-Monats-Hoch) oder Irland (51,0) den deutschen Wachstumsausfall nicht kompensieren. Auch die Länder Frankreich oder Spanien lagen mit 50,4 bzw. 50,5 noch in der Wachstumszone und bewegten sich insgesamt auf Vor-Pandemie-Niveau.

PMI September 2022 – Deutschland mehr betroffen als andere

Wachstumsbremse Nummer eins war laut PMI September 2021 diesmal Deutschland, wo die Wirtschaft so stark schrumpfte wie zuletzt während der ersten Coronawelle. Rückläufig war die Wirtschaftsleistung ansonsten nur noch in Italien. Hier notierte der Index zum zweiten Mal hintereinander unter der neutralen 50er Marke. Allerdings nähert sich die Volkswirtschaft wieder der Wachstumsmarke. Zugelegt hat die Wirtschaftskraft hingegen in Frankreich, Spanien und Irland, allerdings mit den niedrigsten Steigerungsraten seit 17, 7 bzw. 18 Monaten.

Nach zwei Jahren Wachstum jetzt knapp unter „Wachstum“

Der saisonbereinigte S&P Global/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) für Deutschland bestätigte den PMI September 2022 und notierte im Berichtsmonat August bei 49,1 Punkten. Damit lag man marginal schlechter als im Juli 2022 (49,3). Zudem blieb der EMI September 2022 den zweiten Monat in Folge unter der psychologisch wichtigen Referenzlinie von 50,0, nachdem zuvor zwei Jahre Wachstum verzeichnet worden war. Viele Hersteller reagierten dabei auf den niedrigeren Auftragseingang und drosselten ihre Fertigung. Dies führte auch dazu, dass weniger Fachkräfte eingestellt wurden. Gleichzeitig führten die noch immer angespannten Lieferketten zu Verzögerungen. So schrumpfte die Produktion insgesamt abermals etwas, ebenso wie die Zahl der Neuaufträge.

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G. Ullah – Rohstoffknappheit führt zur Störung von Fertigungsprozessen

„Der EMI hat im August seinen Negativtrend fortgesetzt und ist weiter – wenn auch nur gering – unter die Schwelle von 50,0 gesunken“, betonte Gundula Ullah, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), letzte Woche in Eschborn. Offenbar führe die anhaltende Knappheit bei Rohstoffen und Produktionsmaterial bei einigen Unternehmen immer wieder zu empfindlichen Störungen ihrer Fertigungsprozesse. Gleichzeitig bleibe der Kostendruck in vielen Firmen aufgrund der steigenden Energiekosten hoch.

Gertrud R. Traud – Die nächsten Monate werden schwierig

„Der EMI signalisiert, dass die nächsten Monate in der deutschen Industrie schwierig werden: steigende Kosten, rückläufige Nachfrage – Stagflation wird Realität. Wir erwarten im dritten und im vierten Quartal einen Rückgang des Bruttosozialprodukts um 0,3 Prozent zum Vorquartal“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen die aktuellen Indizes. Damit ginge Deutschland in eine leichte Rezession. „Dies ist unser Basisszenario. Im Negativszenario mit einem kompletten Gas-Stopp wäre der Rückgang allerdings deutlicher ausgeprägter“, fügte die Helaba-Bankdirektorin in ihrem Statement hinzu.

Ulrich Kater – Wir haben ein Nachfrageproblem  

„Wir haben inzwischen kein Angebotsproblem mehr, sondern ein Nachfrageproblem. Alles in allem verdichtet sich das Bild, dass Deutschland in eine milde Rezession rutschen wird“, bestätigte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, die Analyse von G. Traud.

H.-J. Büchner – Leichter Preisanstieg bis Ende 2022 noch zu erwarten

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise gab Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank gegenüber den Medien folgende Einschätzung ab: „Auch wenn es vor allem bei etlichen Stahlsorten und einigen anderen Rohstoffen im August 2002 zu einem weiteren Preisrückgang kam, setzte doch bei einigen anderen wie Kupfer oder Zink eine deutliche Belebung ein.“ Teilweise sei es zu einer Bodenbildung gekommen, auch weil die unverändert geringen Börsenbestände den Preisverfall begrenzen. Zudem sei bei vielen Rohstoffen noch immer keine Versorgungssicherheit gegeben. Unverändert belasten auch Transportprobleme. Daher sei insgesamt noch ein leichter Preisanstieg bis Jahresende zu erwarten.

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Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

PMI September 2022 - Die Weitergabe höherer Kosten durch die Hersteller führte im August zu einem erneut kräftigen Anstieg der Verkaufspreise. (Foto: Thommy Weiss / www.pixelio.de)
PMI September 2022 – Die Weitergabe höherer Kosten durch die Hersteller führte im August zu einem erneut kräftigen Anstieg der Verkaufspreise. (Foto: Thommy Weiss / www.pixelio.de)

Produktion

Der saisonbereinigte Teilindex Produktion notierte auch im August unter der Referenzlinie von 50 Punkten und signalisierte damit zum vierten Mal in den vergangenen fünf Monaten Schrumpfung, wobei sich die Rückgangsrate gegenüber Juli kaum änderte. Das größte Minus wurde im Vorleistungsgüterbereich verzeichnet. Wie schon in den vergangenen Monaten waren vor allem die Materialengpässe sowie die schleppende Nachfrage für das rückläufige Produktionsniveau verantwortlich.

Auftragseingang

Der Abwärtstrend beim Auftragseingang hält weiter an. So ging die Zahl der Neuaufträge zum fünften Mal in Folge zurück, wenngleich sich die Schrumpfungsrate gegenüber dem Vormonat abgeschwächt hat. Die massiven Preissteigerungen, die hohen Lagerbestände bei den Kunden sowie die Unsicherheit an den Märkten trugen laut EMI-Umfrageteilnehmern allesamt zum jüngsten Minus bei.

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Auftragseingang Export

Der seit Ende des ersten Quartals anhaltende Rückgang der Exportaufträge setzte sich auch im August fort. Zudem sank der entsprechende Teilindex weiter und notierte auf dem tiefsten Stand seit Juni 2020. Alle drei von der Umfrage erfassten Teilbereiche verbuchten weitere Einbußen.

Geschäftsaussichten

Zum wiederholten Mal bewerteten die Hersteller ihre Geschäftsaussichten mehrheitlich eher pessimistisch. Viele verwiesen in diesem Zusammenhang dabei auf den enormen Inflationsdruck, insbesondere aufgrund steigender Energiepreise. Dies könnte eventuell zu einer Rezession sowohl im Inland als auch weltweit führen. Obwohl sich der Teilindex gegenüber den beiden Vormonaten merklich verbessert hat – da einige Befragte von positiven Entwicklungen bei der Materialversorgung berichteten – rangierte er nach wie vor auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Beschäftigung

Der saisonbereinigte Teilindex Beschäftigung notierte komfortabel in der Wachstumszone und signalisierte damit abermals einen soliden Stellenzuwachs in der Industrie. Allerdings schwächte sich die Steigerungsrate den dritten Monat hintereinander ab und gab auf den niedrigsten Stand seit März nach.

Einkaufspreise

Die Inflationsrate der Einkaufspreise, rangierte auch im August deutlich über ihrem historischen Durchschnittswert. Preistreibend wirkten sich abermals in erster Linie das anhaltende – wenngleich nachlassende – Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage sowie die explodierenden Energiekosten aus. Allerdings sorgten die sinkende Nachfrage nach Vormaterialien und die damit verbundene Verbilligung einiger Rohstoffe dafür, dass die Steigerungsrate den vierten Monat in Folge nachgab und auf den niedrigsten Stand seit Januar 2021 zurückging.

Verkaufspreise

Die Weitergabe höherer Kosten durch die Hersteller führte im August zu einem erneut kräftigen Anstieg der Verkaufspreise. Nachdem die Teuerungsrate in den vergangenen drei Monaten vom Rekordhoch im April auf ein 15-Monatstief im Juli zurückgegangen war, zog sie nun wieder etwas an, was vor allem am markanten Anstieg im Konsumgüterbereich lag.

EMI und PMI in Kürze

Der S&P Global/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Er ist eine Momentaufnahme der Geschäftssituation im Verarbeitenden Gewerbe und ein gewichteter Durchschnitt der Messwerte für Neuaufträge, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten und Vormateriallager. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des BME. Er wird von S&P Global, einem börsennotierten US-amerikanischen Finanzdienstleistungskonzern, erstellt und beruht auf der Befragung von rund 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der Verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (S&P Global US Manufacturing PMI).

splobal.com | bme.de

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