JUNGHEINRICH 2022 – Putin verhagelt Hamburger Gabelstapler-OEM das Business

Jungheinrich 2022 – Nach einem guten Geschäftsjahr in 2021 und einem passablen Start ins Jahr 2022 bringt der Vernichtungskrieg Wladimir Putins den Hamburger Spezialisten für Gabelstapler, Flurförderzeuge und Intralogistiklösungen, Jungheinrich, ins Schlingern. Die Gründe sind weniger Lieferkettenprobleme, sondern vor allem dramatisch steigende Rohstoffpreise in den Bereichen Stahl und Energie. Das sind einige Ergebnisse der gestrigen Bilanzpressekonferenz in Hamburg für das Jahr 2021 

Jungheinrich 2022 – L. Brzoska: “Auch dieser Krieg wird ein Ende finden und dann braucht es gute Fachkräfte, um den darauffolgenden Aufschwung mitnehmen zu können” (Foto: Jungheinrich / RS MEDIA WORLD Archiv)
Jungheinrich 2022 – L. Brzoska: “Auch dieser Krieg wird ein Ende finden und dann braucht es gute Fachkräfte, um den darauffolgenden Aufschwung mitnehmen zu können” (Foto: Jungheinrich / RS MEDIA WORLD Archiv)

Es hätte gestern eigentlich eine der nahezu gewöhnlichen Jahrespressekonferenzen von Jungheinrich werden können, zu der Vorstandschef Dr. Lars Brzoska die Journalisten aus dem deutschsprachigen Raum einlud. Denn das Jahr 2021 war, trotz anhaltender Coronapandemie und globaler Lieferketten, mal wieder ein Rekordjahr für den renommierten deutschen Hersteller von Gabelstaplern und Intralogistiklösungen; und das sowohl was die Auftragseingänge angeht als auch hinsichtlich des Umsatzes und des Gewinns. Zur Freude der Anleger soll darum die Dividende auf 0,68 (0,43) Euro je Vorzugsaktie und auf 0,66 (0,41) Euro je Stammaktie erhöht werden. „Wir sind mit dem Verlauf des Geschäftsjahres 2021 sehr zufrieden“, bestätigt auch L. Brzoska gegenüber den Medien.  

Trotz Corona Umsatzrekord in 2021 

Das können er und der Gesamtvorstand des Unternehmens auch sein, denn die bereits im Jahresverlauf angehobenen Zielkorridore für Auftragseingang und Umsatz konnten angesichts der anhaltenden sehr guten Nachfrage nach den Produkten und Dienstleistungen von Jungheinrich im vergangenen Jahr übertroffen. Der Auftragseingang erreichte dabei mit 4,87 Milliarden Euro einen Rekordwert. Auch der Konzernumsatz verzeichnete mit 4,24 Milliarden Euro einen historischen Spitzenwert. Abgesehen davon verbesserte sich das EBIT deutlich und übertraf mit 360 Millionen Euro den Wert von 2020 um satte 142 Millionen Euro. Das entspricht einer Steigerung von 65 Prozent. Sogar die EBIT-Rendite übertraf den Vorjahreswert erheblich und erhöhte sich auf 8,5 Prozent. Das EBT lag bei 349 Millionen Euro und die EBT-Rendite betrug 8,2 Prozent. „Wir sind in das Geschäftsjahr 2021 mit dem Anspruch gestartet, auch in der Pandemie profitabel zu wachsen und nachhaltig Werte zu schaffen. Das ist uns gelungen“, freut sich L. Brzoska. 

Jungheinrich 2022 – Entfernung vom Fünf-Milliarden-Umsatzziel  

Allerdings, und darüber können die erfreulichen Zahlen nicht hinwegtäuschen, sind “die Gelben” noch ein gewaltiges Stück von der Fünf-Milliarden-Euro Schallmauer entfernt, die bis 2025 erreichen wollen. Und sie dürften dieses Ziel bis dahin kaum erreichen. Der Grund dafür ist im Wesentlichen der Vernichtungskrieg, den der russische Staatschef W. Putin am 25. Februar 2022 gegen die Ukraine entfesselt hat und dessen Folgen. Dieser kostet dem Konzern rund 650,- Millionen Euro Umsatz, der in Russland und der Ukraine im vergangenen Jahr gemacht wurde. Dieser erschüttert zudem die gesamte Weltwirtschaft, und zwar nicht nur in Hinblick auf die Sanktionen, welche der freie Westen deswegen gegen Russland erhoben hat, sondern auch auf sämtliche Lieferketten rund um den Erdball, die sich nach Corona gerade etwas zu entspannen begannen. Der Krieg und seine Folgen bremst schon jetzt das in 2021 hohe Wachstum im für Jungheinrich wichtigen EU-Markt. Aber auch die Prognosen für den chinesischen Markt, auf dem Jungheinrich zuletzt erfolgreich agierte, wurden zuletzt nach unten korrigiert. So prognostizierte Goldman Sachs Mitte Januar 2022 für die VR China ein Gesamtjahreswachstum von 4,3 Prozent wegen der Probleme mit der Corona-Omikron-Variante. Der Krieg mit ungewissem Ausgang dürfte auch für das Wachstum des Landes eher nicht förderlich sein. 

Jungheinrich 2022 – Lagerbestände schaffen Sicherheit 

Um der Lieferkettenproblematik entgegen zu wirken, hat Jungheinrich im vergangenen Jahr ein starkes Supply Chain-Regime aufgezogen und betreibt seither ein wirksames Lieferketten-Assembling. In diesem Zusammenhang wurden daher auch die Lager mit wichtigen Komponeten aufgefüllt, um die Materialversorgung der Produktion von Jungheinrich auch dauerhaft zu sichern. Auf diese Weise ist es dem Unternehmen gelungen, Produktionsstillstände in seinen Werken weitgehend zu verhindern. Und dank erfolgreicher Effizienzmaßnahmen und geeigneter preislicher Anpassungen konnten zudem Kostensteigerungen erfolgreich kompensiert werden. 

Stahlpreise explodieren 

Jungheinrich 2022 - Um der Lieferkettenproblematik entgegen zu wirken, hat Jungheinrich im vergangenen Jahr ein starkes Supply Chain-Regime aufgezogen und betreibt seither ein wirksames Lieferketten-Assembling. (Foto: Jungheinrich / RS MEDIA WORLD Archiv) (auf Foto klicken und Film zur Jungheinrich Produktion in Norderstedt ansehen.)
Jungheinrich 2022 – Um der Lieferkettenproblematik entgegen zu wirken, hat Jungheinrich im vergangenen Jahr ein starkes Supply Chain-Regime aufgezogen und betreibt seither ein wirksames Lieferketten-Assembling. (Foto: Jungheinrich / RS MEDIA WORLD Archiv) (auf Foto klicken und Film zur Jungheinrich Produktion in Norderstedt ansehen.)

Der Ukraine-Feldzug W. Putins veränderte die Situation insbesondere auf den Rohstoffmärkten dramatisch. Insbesondere im Bereich der für Jungheinrich wichtigen Stahlversorgung mit ihren speziellen Legierungen, ist der Nachschub teilweise völlig Unterbrochen. So wurde ein Stahlwerk in der Ukraine während der Kampfhandlungen zerstört. Gleichzeitig sind Stahllieferungen aus Russland derzeit nicht möglich. Das führt einerseits zu einer hohen Unsicherheit bei der Beschaffung und andererseits zu einer massiven Verteuerung von Stahl. Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges hat sich der Preis pro Tonne Bandstahl von rund 800,- Euro pro Tonne zum Ende des Jahres 2021 auf aktuell 1.425,- Euro (Stand 31. März 2022) nahezu verdoppelt. “Wir denken jedoch, dass wir uns bis Mitte dieses Jahres durchaus der 2.000,- Euro-Marke pro Tonne Stahl nähern, wenn der Krieg bis dahin weiter andauert oder weiter eskaliert”, so L. Brzoska auf Anfrage von blogistic.net . 

Jungheinrich 2022 – “Halten an Strategie 2025+ fest” 

Dennoch erwartet der Vorstand von Jungheinrich eine insgesamt gute Marktnachfrage und geht davon aus, dass der Konzern auch 2022 profitabel wachsen wird. Derzeit gehe man davon aus, dass der Auftragseingang leicht unter dem Niveau von 2021 liegen werde, ist in einer Ad hoc-Meldung des Konzerns vom 17. März zu lesen. “Der Konzernumsatz für 2022 wird aufgrund anhaltender Engpässe in den Lieferketten voraussichtlich leicht über dem Vorjahreswert liegen”, heißt es dort weiter. Allerdings relativiert man die eigenen Prognosen, weil weitere negative Effekte aus dem Krieg, derzeit nicht absehbar sind.  

Ausbau der Personalkapazitäten. “Trotzdem werden wir an unserer Strategie 2025+ weiterhin festhalten”, bekräftigt L. Brzoska die eigenen Pläne. So halte man 2022 am geplanten Ausbau der Personalkapazitäten fest, insbesondere in den strategischen Feldern Automatisierung, Digitalisierung, Energiesysteme, Effizienz, Global Footprint und Nachhaltigkeit. “Auch dieser Krieg wird ein Ende finden und dann braucht es gute Fachkräfte, um den darauffolgenden Aufschwung mitnehmen zu können”, so L. Brzoska abschließend.  

jungheinrich.com

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2 Kommentare

  1. Mein Onkel möchte gerne einen Gabelstapler mieten. Dabei ist es gut zu wissen, dass die Politik Russlands auch Auswirkungen auf dieses Business haben kann. Ich hoffe, dass er einen passenden Anbieter finden wird.

    1. Sehr geehrter Herr Becker.
      Danke für Ihr Posting. Die Stapler-Branche hat, wie viele andere Branchen auch, Lieferketten-Probleme. Diese schienen jedoch beinahe überwunden. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine stellt diese Branche vor allem vor Herausforderungen beim Bezug von Spezialstahlen, die in der Vergangenheit vielfach aus der Ukraine bezogen wurden. Die Lieferketten in die Ukraine sind derzeit unterbrochen bzw. wird im Land unter großen Schwierigkeiten und mit Unterbrechungen produziert, sodass es zu Verzögerungen in nachfolgenden Industrien kommen kann. Man muss sich eben auf etwas längere Lieferzeiten einstellen.

      Es gibt aber auch die Alternative, ein vom Hersteller überholtes Gebraucht-Gerät zu ordern. Diese sind zumeist nur ein paar Jahre alt, rundumerneuert und faktisch neuwertig.

      Mit freundlichen Grüßen,

      Ihre blogistic.net-Redaktion

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