WIENER LOGISTIK-FORUM 2022 – Ukraine-Krieg beherrscht die Themen

W. Knezek, GB Frauenthal Service, VNL (Foto: RS MEDIA WORLD Archiv)
W. Knezek, GB Frauenthal Service und Vorstand im VNL freut sich, die Gäste zu einer unbeschwerten Veranstaltung begrüßen zu können. (Foto: RS MEDIA WORLD Archiv)

Nach längerer Pandemiepause war das Wiener Logistik-Forum 2022 des Verein Netzwerk Logistik, VNL, im Hauptgebäude der Österreichischen Post, hochkarätig besetzt. Das Themenspektrum umfasste dabei vor allem die Lieferketten, welche sowohl durch die Corona-Pandemie als auch den neuen Konfliktherd Ukraine erheblich gestört werden. Doch insgesamt war der Ukraine-Krieg beherrschendes Thema, auch bedingt durch den Vortrag von Prof. Gerhard Mangott, Politikwissenschaftler an der Uni Innsbruck. 

Der Ukraine-Krieg mit unmittelbaren Auswirkungen auf Lieferketten, die Folgen aus Sanktionen, Risiken bei Energieversorgung und Rohstoffen sowie die Verfügbarkeiten von Material und Transport. Das war das Themenspektrum, mit dem sich das Wiener Logistik-Forum 2022 nach mehrjähriger Pandemiepause befasste. Dabei interessierte faktisch alle Anwesenden (ca.150), wie weit sich die volatile Gemengelage auf die Gesamtkonjunktur auswirken würde und wo darin die Chancen liegen können?

Wiener Logistik-Forum 2022 – Stimmung verhalten optimistisch

Um es zusammenfassend zu analysieren, war die Stimmung eher optimistisch, dass insbesondere die Ukraine-Krise nicht zu einem Dauerkonflikt im Osten Europas auswachsen werde. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Österreichs Wirtschaft zwar die Folgen des Krieges und der Pandemie wegstecken würde können, wenn alle ihre Hausaufgaben machten und sich vor allem auf die langfristigen Themen konzentrieren. Diese werden vor allem vom Klimaschutz und der digitalen Transformation geprägt sowie vom möglichst umfassenden Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas.

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Kompletter Gasausstieg für Österreich illusorisch

Allerdings wird vor allem der Ausstieg aus dem Gas noch einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Ein Grund ist, dass der Umstieg auf alternative Energiequellen schon alleine aus Gründen des Fachkräftemangels nicht in der Geschwindigkeit abwickeln lässt. Mit anderen Worten: Es fehlen die Hände dazu. Auch dauern die Genehmigungsverfahren für Kraftwerke etwa aus Biogas bis hin zu Solaranlagen für die industrielle Nutzung viel zu lange. Selbst für die Erzeugung von sogenanntem „grünen Wasserstoff“, mit dem die Speicherung etwa durch Windkraft überschüssig erzeugter Energie möglich ist, benötigen die Baugenehmigungen mitunter bis zu einem halben Jahrzehnt, in Einzelfällen sogar noch länger. Dabei könnte auch Gas direkt aus Österreich verwendet werden, um CO2-neutral Wasserstoff zu erzeugen. Die Voraussetzungen in Österreich sind dafür gegeben, wie Siegfried Kiss, leitender Business-Development Manager bei der RAG Austria. Es bedarf aber vor allem des politischen Willens, die Chancen, die darin für Österreich steckten, auch tatsächlich zu nutzen. S. Kiss ist ausgewiesener Spezialist für Gas, erneuerbare Energien und deren Speicherung.

Prof. G. Mangott – „Sehe keinen Krieg der Autokratie gegen die Demokratie“

Als Highlight des Tages referierte der Politologe Prof. Gerhard Mangott über den Krieg in der Ukraine, dessen Entstehung und die Folgen desselben für Europa. Der vielgefragte Russland- und Putin-Experte der Universität Innsbruck stellte dabei mehrere Thesen auf, wie man diesen Krieg einordnen und wie der Konflikt enden könnte. Prof. G. Mangott geht davon aus, dass die Ukraine Territorien abgeben müsse, damit es zu einem stabilen Frieden käme. Er reduzierte diesen Konflikt auf eine Auseinandersetzung zwischen zwei Ländern und lehnte in seinem Beitrag die in der EU vertretene These ab, es gehe hier um einen Kampf der Demokratien gegen Autokratien.

Ukraine lässt niemanden kalt

Diese Thesen blieben im Plenum nicht unwidersprochen. So gab es den Einwand, dass W. Putin eine imperiale und faschistische Agenda verfolge, welche die Herstellung eines eurasischen Kontinents von Lissabon bis Wladiwostok zum Ziel hat, unter russischer Herrschaft. Diese Ziele lassen sich jedoch nur kriegerisch erreichen, weil sie im diametralen Gegensatz zu den Zielen der EU stehen. Und diese sind etwa im Vertrag von Lissabon verankert, inklusive eines umfassenden Menschenrechtskataloges.

Wiener Logistik-Forum 2022 – Logistik ist eine Querschnittsfunktion

Beim Wiener Logistik-Forum 2022 wurde einmal mehr deutlich, dass die Logistik eine Querschnittsfunktion ist, die von allen Bereichen der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik tangiert wird. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich die unterschiedlichsten Bereiche der Gesellschaft, also Menschen, Wirtschaft und Politik, miteinander verschränken müssen, damit ein Standort wettbewerbsfähig bleibt. Und die Logistik ist ihr jeweiliges Bindeglied.  Insgesamt war dieses Wiener Logistik-Forum 2022 daher eine der spannendsten Veranstaltungen der letzten zehn Jahre.

vnl.at

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