DEMATIC – 200 Jahre Intralogistik made in Germany

Der Dematic steht heuer ein außergewöhnliches Jahr bevor. 2019 jährt sich nämlich die Gründung des international tätigen Intralogistik-Lösungsanbieters zum 200. Mal. Im Jahr 1819 hob Friedrich Wilhelm Harkort die Urahnin der Dematic, die „Mechanischen Werkstätten Harkort & Co. in Wetter an der Ruhr, aus der Taufe. Das Unternehmen setzte etliche Benchmarks, wie etwa die Erfindung des Shuttles, des Regalbediengerätes (RBG) usw. Und die in den 1920ern im Unternehmen entwickelte Hängesortertechnik erlebt derzeit, in Zeiten des E-Commerce, einen wahren Boom. (Eine Geschichte deutscher Intralogistik von CR Hans-Joachim Schlobach)

Dematic CEO Central Europa, Rainer Buchmann, im Gespräch mit CR HaJo Schlobach über 200 Jahre Dematic, die boomende Hängesorter-Technologie, E-Commerce, Industrie 4.0, Digitalisierung und seine Pläne in den nächsten Jahren.

Seit seiner Gründung ist die Unternehmensentwicklung von Dematic eng mit allen Industriellen Revolutionen verknüpft. Heute gehört die Dematic zu den führenden Anbietern von Automatisierungstechnologie, welche bis heute Benchmarks setzt. Dazu gehören etwa Entwicklungen wie das Shuttle, das erste Regalbediengerät (RBG) oder der erste Hängesorter etc.„Dematic blickt auf eine lange Tradition zurück. Durch unsere Innovationskraft haben wir die Geschichte der Intralogistik entscheidend geprägt. Diesen Anspruch stellen wir bis heute an uns“, sagt Rainer Buchmann, CEO Dematic Central Europe, gegenüber den Medien.

Vom Webstuhl zum Shuttle

Nachdem der erste mechanische Webstuhl 1784 die erste Phase der Industriellen Revolution einläutete, setzten auch die Mechanischen Werkstätten Harkort & Co. früh auf wasser- und dampfkraftbetriebene Produktionsanlagen. Schon 1819 entwickelte das Unter-nehmen den ersten dampfbetriebenen Kran und produzierte ab 1840 Hallenkräne in Serie.

Elektrizität schaffte neue Möglichkeiten. Mit der Einführung der Elektrizität als Antriebskraft begann 1870 die zweite Phase der Industriellen Revolution. Der Verbrennungsmotor löste die Dampfmaschine ab und die chemische Industrie sowie die Elektrotechnik entwickelten sich zu neuen Zugbranchen. Beeinflusst von den daraus resultierenden Möglichkeiten, gründete sich 1900 mit der Stöhr Elevatorenfabrik ein weiteres Vorläufer-Unternehmen, das auf Stetigförderer, Elevatoren und Becherwerke spezialisiert war. 1922 – etwa ein halbes Jahrhundert vor Beginn der dritten Industriellen Revolution – bauten die Automatisierer aus Wetter bereits ihr erstes fahrbares Förderband. Wenige Jahre später entwickelte man schon die erste hängende Fördertechnik: ein Fortschritt, der eine komplett neue und effektivere Raumnutzung in den Fabriken ermöglichte.

Das erste RBG der Welt. Ende der 1950er Jahre sorgte Stöhr mit dem weltweit ersten Regalbediengerät für einen Paradigmenwechsel in der Intralogistik. Schon drei Jahre später baute das Unternehmen für Bertelsmann das erste vollautomatische Lager. Von nun an konnten dort bis zu 15.000 Aufträge täglich verarbeitet werden. Während das Unternehmen

Der Schritt zum Lösungsanbieter

Das Jahr 1968 brachte eine weitere Zäsur der Automationsspezialisten. In diesem Jahr wurde die Stöhr Elevatorenfabrik in die Stöhr Förderanlagen Salzer GmbH umfirmiert. Somit änderte sich auch der Fokus des Untenrehmens von einem reinen Produktlieferant zu einem vollwertigen Lösungsanbieter. Ziel war es, Kunden Systeme für die kompletten Geschäftsprozesse zu liefern.

Die erste SPS. Den Startschuss zur dritten Industriellen Revolution gab die erste speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) mit dem Namen Modicon 084, die 1970 auf den Markt kam. Mit diesem Gerät ließen sich Maschinen und Anlagen erstmals digital steuern und regeln. Bis heute sind SPS in der Automatisierungstechnologie weit verbreitet.

Der Weg über Mannesmann

Drei Jahre später revolutionierte Mannesmann, welche Stöhr Förderanlagen inzwischen übernommen hatte, mit dem weltweit ersten automatisierten Hochregallager die Bauweise von Distributionszentren. Mit diesen Lösungen stieg das Unternehmen ab 1990 zum Weltmarktführer in der Fördertechnik auf. Fünf Jahre später war Mannesmann Demag der weltweit erste Komplettanbieter in der Intralogistik.

Der Beginn von Industrie 4.0. Mit der Jahrtausendwende zeigten sich bereits die ersten Vorboten der vierten Industriellen Revolution. Nachdem die Telekom-Netwerke immer leistungsfähiger wurden, konnten völlig neue Lösungen entwickelt werden. So drängten sich etwa Cyberphysische Systeme systematisch in den Vordergrund. Diese sorgen seither für eine dezentrale und dynamische Steuerung und Vernetzung aller Komponenten über das Internet, mobile Computer und Cloud Computing.

Dematic ab 2005

Im Jahr 2005 hat sich die Dematic GmbH &Co. KG als eigenständiges Unternehmen gegründet. Seither krempelt der Intralogistikautomatisierer den Markt für automatische Kleinteilelager um und erfand, gemeinsam mit dem Fraunhofer IML in Dortmund das Dematic Multishuttle. Diese Technologie war eine Revolution in sich, weil sie die Leistung großer, automatisierter Lager nahezu unbegrenzt nach oben oder nach unten skalierbar machte. Das Lager konnte sich also schnell an sich verändernde Marktbedingungen und damit verbundenen Warenbewegungen anpassen. Ein großer Vorteil gegenüber den bis dahin marktbestimmenden RBGs. Auch kann damit vorhandener Lagerraum optimal genutzt werden.     

Keine Ablöse, sondern Erweiterung. Doch lösten die Shuttles vorherige Technologien keineswegs ab. Vielmehr können mit dieser Technologie andere Technologien optimal verknüpft werden. Logistik-Automationslösungen können damit heute viel besser an Kundenbedürfnisse nach Geschwindigkeit, Hochverfügbarkeit und Skalierbarkeit angepasst werden. Folgerichtig stellte Dematic im Jahr 2011 seine Innovationskraft erneut unter Beweis und präsentierte das Regalbediengerät RapidStore, die Kommissionierstation RapidPick, das Multishuttle Flex und die Warehouse Management Software DC Director. Leichter, schneller und noch stärker präsentierte sich die zweite Generation des Dematic Multishuttle, die 2012 eingeführt wurde.

Der erste Hängeförderer

200 Jahre Dematic (Foto: Dematic / RS Media World Archiv)
Dematic: Fashion und Hängeförderer gehören zusammen (Foto: Dematic / RS Media World Archiv)

Eine der bemerkenswertesten Innovationen von Dematic, die in Zeiten des E-Commerce ins Zentrum des Interesses geraten, ist die Hängesorter-Technologie. Auf der LogiMAT 2019 warteten einige Unternehmen mit Hängesortern auf. Nur wenige wissen jedoch, dass diese Technologie schon in den 1920ern bei der heutigen Dematic entwickelt wurde. Mit der als „Kreistransporteur“ benannten Lösung, revolutionierte man in dieser Zeit den innerbetrieblichen Materialfluss. Seine Hauptbestandteile waren eine Förderkette, Lastenträger, eine Förderbahn und der elektrische Antrieb.

Revolutionäres Raumnutzungsprinzip. Das Revolutionäre daran war, dass das System nicht nur an Wänden, sondern auch an der Decke befestigt werden konnte. Durch dieses Konstruktionsprinzip war eine völlig neue und effektivere Raumnutzung in den Fabriken möglich. Auch Höhenunterschiede konnte er elegant überwunden und getrennt liegende Räume verbunden werden. Transportiert wurden dabei Güter beliebiger Art mit einem Gewicht von bis zu 100 Kilogramm.

Universell einsetzbar. Kein Wunder, dass das System in zahlreichen Industriezweigen zum Einsatz kam. So zählten etwa renommierte Unternehmen wie die Gussstahlfabrik Krupp und die Waschmittelfabrik Henkel zum Kundenstamm. Aber auch in der Braubranche, in Zeitungsdruckereien sowie in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie beförderte der Kreistransporteur zuverlässig Waren. Einen für diese Zeit besonderen Anblick bot er beim Transport von Bananenstauden, die durch den hängenden Transport schneller und damit frischer den Endkonsumenten erreichten.

Kreisförderer verbinden Welten

200 Jahre Dematic (Foto: Dematic / RS Media World Archiv)
Dematic: Hängesorter und Fashion in den 1920ern (Foto: Dematic / RS Media World Archiv)

Nachdem das gesamte Werk von Stöhr im Zweiten Weltkrieg zerstört und anschließend wieder aufgebaut werden musste, entwickelte die Firma 1962 für Neckermann das erste vollautomatische Lager. Teil der Lösung waren auch zwei Kreisförderer, die die Kleidungsstücke an der Decke hängend beförderten. Sie umfassten 280 Lastenträger mit je 25 Sammelschalen. Ein echter Durchbruch, denn durch die neue Lösung konnten von nun an aus den 27.000 Artikeln täglich bis zu 150.000 Kundenaufträge zusam-mengestellt werden. Weitere Elemente der Automatisierungslösung waren zwei Schleppkreisförderer mit Zielsteuerung, die an den Lagerregalen ent-lang liefen. Die Aufträge, die die Kunden per Lochkarte aufgegeben hat-ten, wurden zunächst in eine Großrechenanlage eingelesen. Sie gab an-schließend aus, von wo die Ware genommen und wo sie hingelegt werden musste. Mitarbeiter an den Förderbändern pickten dann die Aufträge. Die Verpackung erfolgte abschließend automatisch.

Erste Schritte der Digitalisierung

Den ersten digitalen Schritt unternahm 1975 das Vorläuferunternehmen Mannesmann Demag, die mit der Elektrohängebahn DSB ein leistungsstarkes und automatisiertes Hängefördermittel auf den Markt brachte. Je nach Kundenanforderung förderte, verteilte, pufferte, lagerte oder führte es Güter zusammen. Befördert werden konnten Traglasten von bis zu 2.400 Kilogramm. Die Steuerung erfolgte mittels speicherprogrammierbarer Steuerungen (SPS), die es in den 1970er Jahren erstmals ermöglichten, Anlagen und Maschinen digital zu bedienen. Installiert war die Elekt-rohängeförderbahn beispielsweise in der Universitätsklinik Düsseldorf.

Seit Jahrzehnten implementiert

200 Jahre Dematic (Foto: Dematic / RS Media World Archiv)
Dematic: Hängesorter waren Teil des Wirtschaftswunders (Foto: Dematic / RS Media World Archiv)

Mit unterschiedlichen Lösungen prägt das Unternehmen bis heute die Entwicklung der Hängefördertechnik. Eine bewährte Lösung ist das automatische Hängewarenlager Garments on Hangers (GOH), das noch heute bei vielen Unternehmen im Einsatz ist. Die Anlage ermöglicht es, Hängeware automatisch zu lagern, zu transportieren und zu picken.

Hänger für den E-Commerce. War es um die Hängefördertechnik in den letzten Jahren eher ruhig geworden, erlebt diese Technologie mit dem E-Commerce einen wahren Boom. Deshalb brachte Dematic mit dem neuen Taschensortiersystem die nächste Generation der Hängefördertechnik auf den Markt. Die Anlage entpuppt sich als ideal für den Einsatz gerade im Fulfillment und in der Retourenbearbeitung. Gerade Unternehmen mit Online-Shops oder große E-Commerce-Distributeure setzen auf solche Technologien, weil sie arbeitsaufwändige Arbeitsschritte rasant verkürzen und so effizienter machen. Denn in dem automatisierten Hängesystem auf Rolladaptern lassen sich sowohl Hänge- und Liegeware als auch flach verpackte Gegenstände und Kartons sortieren und zwischenpuffern. Außerdem wird neben der automatischen Taschenbeladung jetzt auch die automatische Taschenentladung ermöglicht. Über einen innovativen und einzigartigen Öffnungs- und Schließmechanismus können die Taschen nun auch an jeder beliebigen Stelle des Systems geöffnet werden. Gegenüber einer manuellen Lösung lassen sich so die Taschenentladungen pro Stunde um das Sechsfache steigern.

Innovationen bestimmen

Heute gehört Dematic zu den führenden Anbietern integrierter Automatisierungstechnik, Software und Dienstleistungen zur Optimierung der Supply Chain. „Der größte der Erfolg unseres Unternehmens ist allerdings der Umstand, dass es uns zu jeder Zeit gelungen ist, den Markt innovativ mitzubestimmen und ebenso qualifizierte wie engagierte Mitarbeiter an uns zu binden. Ohne sie könnten wir in diesem Jahr nicht unser 200-jähri-ges Bestehen feiern“, sagt Buchmann. „Geprägt haben uns über all die Jahre hinweg unsere Unternehmenswerte Integrität, Kollaboration, Mut und Exzellenz.“

dematic.com

Verwandte Themen

DEMATIC – Taschensortierer erstmals live erleben 

DEMATIC – Branchenspezifische Automatisierungslösungen

DEMATIC – Integration von Egemin vollendet

TEN HOMPEL – „Fördertechnik wird überflussig“