PMI JANUAR 2024 – Schrumpfung der Eurozone verlangsamt sich

Offenbar schrumpft die Eurozone zwar immer noch in ihrer Gesamtheit, doch ist der Prozess stark eingebremst. Die Wirtschaft in Ländern wie Spanien oder Italien wächst sogar wieder. Insgesamt dürften daher die Entscheider in Industrie, Handel und Dienstleistungssektor wieder optimistischer in die Zukunft blicken. Das zeigt zumindest der PMI Januar 2024 des internationalen Marktforschungsinstituts S&P Global Market Intelligence und der Hamburg Commercial Bank. Für eine allgemeine Entwarnung dürfte es allerdings noch zu früh sein. 

PMI Januar 2024 – Die Aussichten für die Wirtschaft der Eurozone dürften sich in diesem Jahr etwas verbessern, so die Analysten von S&P Global. (Foto: Simone Peter / www.pixelio.de)
PMI Januar 2024 – Die Aussichten für die Wirtschaft der Eurozone dürften sich in diesem Jahr etwas verbessern, so die Analysten von S&P Global. (Foto: Simone Peter / www.pixelio.de)

Ob die wirtschaftliche Talsohle der Eurozone und EU durchschritten ist, das weiß bislang niemand. Doch dürfte es ein Silberstreif am Horizont geben. Das zeigt zumindest die aktuelle HCOB PMI -Umfrage der S&P Global Market Intelligence unter rund 5.000 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland. Nach diesem PMI Januar 2024 gab es im ersten Monat des Jahres 2024 zaghafte Anzeichen dafür, dass sich die wirtschaftliche Lage in der Eurozone wieder verbessert.  

PMI Januar 2024 zeigt schwächeren Schrumpfungsprozess 

Zwar kann auf den gesamten Wirtschaftsraum bezogen nicht von einem Wachstum gesprochen werden. Allerdings verlangsamten sich lt. PMI Januar 2023 die Rückgänge bei der Wirtschaftsleistung und Auftragseingängen in der Eurozone. Das führte letztlich auch zu den optimistischsten Geschäftsaussichten seit neun Monaten. Auch die Lage am Arbeitsmarkt hat sich nach zweimonatigem Rückgang Ende 2023 wieder stabilisiert. Selbst das insbesondere für Deutschland und Österreich so wichtige Exportneugeschäft wies im PMI Januar 2024 das niedrigste Minus seit April 2023 aus. Jedoch blieb der Inflationsdruck nach wie vor hoch, insbesondere bei den Verkaufs- bzw. Angebotspreisen für Güter und Dienstleistungen. Diese stiegen im Euroraum – genauso wie die Einkaufspreise – so stark wie zuletzt vor acht Monaten.  

Schwächster Rückgang seit einem halben Jahr 

Der finale saisonbereinigte HCOB Composite PMI Januar 2024 für die Eurozone stieg im Januar auf 47,9 Punkte von 47,6 im Dezember in Richtung der 50er-Marke. Diese Marke signalisiert Wachstum. Die Eurozone ist also noch weit entfernt von einem Wachstum, sie hat aber immerhin den schwächsten Wachstumsrückgang seit sechs Monaten zu verzeichnen. Detailergebnissen der aktuellen Umfrage zufolge machte die mit abgeschwächter Rate gesunkene Industrieproduktion den leicht beschleunigten Geschäftsrückgang im Servicesektor wett. (Anm.: Der Composite PMI Januar 2024 ist ein gewichteter Durchschnittswert aus dem HCOB Eurozone Index Industrieproduktion und dem HCOB Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit.) 

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PMI Januar 2024 – Auf Länderebene uneinheitlich 

Auf Länderebene liefen die Entwicklungen jedoch deutlich auseinander. So verzeichneten die beiden südlichen Eurozonen-Länder Spanien und Italien im Januar ein leichtes Wachstum. Das bedeutete, dass der spanische Composite – PMI Januar 2024 immerhin auf ein 6-Monatshoch kam. Und der italienische Composite PMI Januar 2024 kletterte sogar auf ein 8-Monatshoch. Im Gegensatz dazu verschlechterte sich die Lage in Deutschland und Frankreich, wo die entsprechenden Composite PMIs gesunken sind. Allerdings: Sie hielten sich über den Vorjahrestiefs. „Im Dienstleistungssektor der Eurozone gibt es ein Nord-Süd-Gefälle, aber vielleicht nicht so, wie man es vielleicht erwarten würde”, kommentiert Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank die Situateion und weiter: “Entgegen der allgemeinen Ansicht, dass die südeuropäischen Länder das schwächste Glied der Währungsunion sind, entwickeln sich diese Volkswirtschaften derzeit relativ gut. Dieser positive Trend mildert den von Deutschland und Frankreich verursachten Rückgang der Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor der Eurozone ab.” Dank der Resilienz Italiens und Spaniens sinkt der PMI Januar 2024 für den Dienstleistungssektor nur geringfügig auf 48,4 und bleibt damit in der Nähe der expansiven Schwelle von 50. 

PMI Januar 2024 – Deutscher Export erholt sich etwas 

PMI Januar 2024 – Die Kaufkraft ist das fehlende Puzzel-Teil in der Eurozone. (Foto: Petra Bork / www.pixelio.de)
PMI Januar 2024 – Die Kaufkraft ist das fehlende Puzzel-Teil in der Eurozone. (Foto: Petra Bork / www.pixelio.de)

Wie bereits seit Juni 2023 wies der Auftragseingang insbesondere in Deutschland im Januar zwar erneut ein Minus aus. Doch dank abgeschwächter Schrumpfungsraten sowohl in der Industrie als auch im Servicesektor, fiel bei Europas Wirtschaftslokomotive das achte Auftragsminus in Folge insgesamt so niedrig aus wie zuletzt vor sieben Monaten. Auch der 23. Rückgang des Exportneugeschäfts in Folge war bei den Deutschen so schwach wie seit April 2023 nicht mehr.  

Lage am Arbeitsmarkt stabilisiert sich 

Aufgrund des verlangsamten Wachstums- und Auftragsrückgangs stabilisierte sich auch die Lage am europäischen Arbeitsmarkt. So blieben die Beschäftigtenzahlen im Januar weitgehend konstant, nachdem sie im November und Dezember gesunken waren. Folglich nahmen die Auftragsbestände zum 10. Mal hintereinander und auch erneut kräftig ab. Seit ihrem jüngsten Tief im September 2023 haben sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist kontinuierlich aufgehellt. Im Januar fielen sie sogar so optimistisch aus wie zuletzt vor neun Monaten, wie der PMI Januar 2024 zeigt. 

PMI Januar 2024 – Inflation sinkt, wenn auch moderat 

Wie der PMI Januar 2024 zeigt, verstärkte sich in der Eurozone der Preisdruck – abgesehen vom Preisauftrieb im Servicesektor. Der wies die höchste Rate seit acht Monaten auf. Der Index Einkaufspreise lag damit in etwa auf seinem Langzeit-Durchschnittswert, der HCOB Composite Index Verkaufspreise notierte hingegen deutlich über seinem langjährigen Mittel (51,4). “Es ist angesichts der PMI-Preisindizes somit nachvollziehbar, dass die Europäische Zentralbank EZB zögert, die Zinsen zu senken”, so C. de la Rubia gegenüber den Medien. Allerdings sei die EZB seiner Ansicht nach in einer schwierigen Situation, so der Volkswirt. Dies werde durch die jüngsten offiziellen BIP-Daten für das vierte Quartal 2023 unterstrichen, aus denen hervorgeht, dass die Wirtschaft nur knapp eine technische Rezession vermieden hat. 

spglobal.com | hcob-bank.de 

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