AUSWEGER: „Wir können die Entwicklung vorantreiben.“

(Foto: Jan Gott / RS Media World)
A. Ausweger: „Wir sehen uns als Lösungsanbieter mit Komplettverantwortung.“ (Foto: Jan Gott / RS Media World)

Andreas Ausweger, CEO von Jungheinrich Austria, im Gespräch mit CR Hans-Joachim Schlobach über Veränderungen im Unternehmen, Mitarbeiter-Recruiting, die Dynamik des österreichischen Marktes und warum Jungheinrich selbst Li-Ionen-Batterietechnologien produziert.

blogistic.net: Herr Ausweger, im Jungheinrichvorstand gibt es einige Veränderungen. So wird etwa der bisherige Vertriebsvorstand Lars Brzoska der künftige Vorstandsvorsitzende des Konzerns und der ehemalige CEO von Jungheinrich Austria, Christian Erlach, ist nun Vertriebsvorstand. Das sind auch Signale an den Markt. Was steckt da dahinter?
Ausweger: Ich kann an dieser Stelle nicht über strategische Ziele des Vorstandes sprechen. Wir freuen uns aber sehr darüber, dass Christian Erlach jetzt im Vorstand sitzt. Das zeigt, dass er in seinen Regionen sehr gute Arbeit geleistet hat.

blogistic.net: Christian Erlach und Sie haben aber hier in Österreich die Entwicklung des Unternehmens vorangetrieben. Sie haben den Standort aufgestockt und erweitert. Es wurden Kompetenzen entwickelt, die von der Lagerautomation über Li-Knowhow bis hin zur Generalunternehmerschaft für Projekte und der Finanzierung reichen. Wo steht Jungheinrich Österreich jetzt?
Ausweger: Wir sehen uns als Lösungsanbieter mit Komplettverantwortung sowie als Innovationsführer und Nutzenmaximierer, der Problemlösungen in Rekordgeschwindigkeit verspricht. Daher war es wichtig, dies auch am Standort in Österreich zu zeigen. Wir haben daher nicht nur den Standort ausgebaut, sondern auch unseren Mitarbeiterstand erheblich erweitert. Wir beschäftigen mittlerweile über 300 Mitarbeiter und für das nächste Jahr sind bereits jetzt 40 weitere Fachkräfte eingeplant. Das ist eine große Herausforderung für uns, denn auch wir spüren den Fachkräftemangel. Wir müssen daher schauen, dass wir die richtigen Mitarbeiter bekommen, die wir entsprechend weiterbilden können. Und da wir faktisch ein Fullservice-Anbieter in der Intralogistik sind, benötigen wir nicht nur gelernte Techniker und IT-Fachleute, sondern eben auch Diplom-Ingenieure , Akademiker und Automatisierungsspezialisten für die Projektplanung und Umsetzung ganzer Logistik-Automatisierunsanlagen im großen Stil, bis hin zu Personen mit Finanzierungs-Knowhow. Wir wollen unseren Kunden das beste Intralogistik-Knowhow bieten. Das ist unsere Challenge.

blogistic.net: Wie rekrutieren Sie die Mitarbeiter?
Ausweger: Als Premium-Anbieter müssen Sie natürlich auch an ihrem Außenauftritt arbeiten. Gute Leute gehen mit einer Erwartungshaltung an Unternehmen auf Jobsuche und wenn Sie ein attraktiver Arbeitgeber für sie sein wollen, muss nicht nur das Umfeld stimmen, sondern auch die Leistung des Unternehmens mit entsprechenden Zukunftsperspektiven. Deswegen investieren wir auch sehr viel in die Mitarbeiter-Rekrutierung, um auf uns aufmerksam zu machen. Das Kommunikationsfeld reicht von den klassischen Medien bis zu Social Media.

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A. Ausweger: „Wir haben bei Li-Ionen-Technologien nicht nur einen Technologievorsprung, sondern können selbst die Entwicklungen in diesem Bereich weiter vorantreiben.“ (Foto: Jan Gott / RS Media World)

blogistic.net: Recruiting ist das Eine, Mitarbeiter zu halten ist das andere. Jungheinrich hat bekanntermaßen eine sehr geringe Mitarbeiterfluktuation. Aber auch hier stehen Sie als Premium-Anbieter unter Druck. Wie begegnen Sie diesem?
Ausweger: „Finden und binden“ heißt unser Recruiting-Projekt, das wir schon seit Jahren hier am Standort betreiben. Hier steht das Bemühen um den Mitarbeiter im Vordergrund. Dabei wollen wir ein Umfeld für den Mitarbeiter schaffen, in dem er sich wohl fühlt und ihm auch entsprechende Zukunftsperspektiven hier in Österreich aber auch im Jungheinrich-Konzern weltweit bietet. Die sehr niedrige Fluktuation und viele Bewerbungen pro offener Stelle sind für uns ein Zeichen, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.

blogistic.net: Kommen die Mitarbeiter alle aus Österreich?
Ausweger: Es ist wegen des Fachkräftemangels schwierig, alle Fachkräfte aus der Region zu bekommen. Es kommt dem Kunden und uns aber auch gar nicht auf die Nationalität an. Die Qualität muss stimmen. Um das zu erreichen, durchläuft jeder, der zu uns kommt, ein sehr getaktetes Ausbildungsprogramm für seinen Bereich. Das passiert in Österreich und in Deutschland.

blogistic.net: Für Ihr Ausbildungsprogramm haben Sie im vergangenen Jahr den Hermes-Preis der Logistik der WKO gewonnen. Gratulation…
Ausweger: Ja, auf dieses Ausbildungsprogramm sind wir sehr stolz und haben es deswegen bei der WKO eingereicht. Dass wir den Preis hier gewonnen haben, zeigt, dass wir mit unseren Ausbildungsbemühungen vorne mit dabei sind.

blogistic.net: Themenwechsel: Auch Logistiklösungen, die Jungheinrich anbietet, kommen ohne IT nicht aus. Darum haben Sie ja auch IT-Fachleute im Unternehmen. Das Zukunftsthema ist jedoch die „Digitalisierung“ im Zusammenhang mit Industrie 4.0. Wie geht man bei Jungheinrich Austria damit um?
Ausweger: Das Thema spielt natürlich eine wachsende Rolle für uns, allerdings wird dieses von Hamburg aus vorangetrieben. Dort haben wir eine Mannschaft, die sich ausschließlich damit befasst. Wenn also Unternehmen eine Digitalisierungslösung im Rahmen ihrer Logistikautomation benötigen, können wir darauf zurückgreifen. Wir sind darauf vorbereitet, obgleich der Markt in Österreich bei diesem Thema noch etwas zurückhaltend ist.

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A. Ausweger: „Die Blei-Säure-Batterie ist eine bewährte Technik und noch lange nicht ausgereizt. In vielen Bereichen wird sie jedoch von der Li-Ionen-Batterie wegen ihrer unbestrittenen Vorteile abgelöst.“ (Foto: Jan Gott / RS Media World)

blogistic.net: Wie entwickelt sich denn der österreichische Markt von der Logistik-Automationsseite?
Ausweger: Er ist dynamisch und reicht bei uns von Lösungen mit fahrerlosen Transportsystemen bis hin zu Vollautomatisierung von Lägern. Die Automatisierung hat den Mittelstand erreicht und hier wird auch investiert. Befeuert wird der Markt von der allgemein guten Konjunktur der österreichischen Industrie, die nach Möglichkeiten der Kosteneinsparungen sucht. Aber auch im Staplersegment spüren wir einen guten Rückenwind. Die Unternehmen erneuern ihre Flotten und selbst kleinere Unternehmen, die früher beispielsweise klassisch unsere Kunden im Gebrauchtstapler-Sektor waren, investieren in Neugeräte. Das hat auch Auswirkungen auf den Neugerätemarkt in Österreich. Lag dieser bis vor ein paar Jahren bei rund 6.000 Neugeräten, ist dieser nun auf weit über 9.000 Geräte gewachsen und dürfte sich dort einpendeln.

blogistic.net: Und was ist mit Ihrem Gebrauchtstapler-Business?
Ausweger: Das hat etwas nachgelassen, läuft aber dennoch gut.

blogistic.net: Kommen wir zur Antriebstechnik, insbesondere der Li-Ionentechnik. Die Blei-Säure-Batterie wird noch lange einen großen Marktanteil haben. Aber die Li-Ionen-Technologie ist im Vormarsch. Und gerade hier positioniert sich Jungheinrich als einziger der OEMs im Premium-Segment, der eine eigene Li-Ionen Batterieproduktion hat, zumindest in Europa. Warum geht man diesen Weg?
Ausweger: Die Blei-Säure-Batterie ist eine bewährte Technik und noch lange nicht ausgereizt. In vielen Bereichen wird sie jedoch von der Li-Ionen-Batterie wegen ihrer unbestrittenen Vorteile abgelöst. Jungheinrich setzt hier – anders als der Mitbewerb – nicht auf den Zukauf von Technologien, sondern auf Eigenproduktion und den Aufbau von Knowhow im Hause. Wir haben daher nicht nur die Eigenfertigung der Li-Ionen-Batterietechnologie im Haus, sondern die Fertigungstiefe erstreckt sich auch in die Ladetechnik und die Software. Somit hat der Anwender die Sicherheit, dass sein Stapler mit unserer Technologie am effizientesten betrieben wird. Gleichzeitig haben wir so nicht nur einen Technologievorsprung, sondern können selbst die Entwicklungen in diesem Bereich weiter vorantreiben – zum Nutzen der Anwender.

blogistic.net: Herr Ausweger, abschließend noch kurz ein Statement zu ihren operativen Zielen mit Jungheinrich für heuer und für das nächste Jahr.
Ausweger: Wir werden heuer gegenüber dem Vorjahr um rund 16 Prozent wachsen und im nächsten Jahr visieren wir auch wieder ein zweistelliges Wachstum an.

blogistic.net: Danke für das Gespräch.

jungheinrich.at