TRANSPORT – Laufen Transportkosten aus dem Ruder?

In vielen Unternehmen ist unklar, ob sie ihre Transportkosten steuern oder – umgekehrt – die Transportkosten sie.

Petra Dirscherl pixelio
Erst wer die Kostentreiber kennt, kann Maßnahmen setzen. | Foto: Petra Dirscherl / www.pixelio.de

Viele Zeichen deuten auf steigende Transportkosten hin. Kundenseitig sorgen kleinere Bestellgrößen, welche dafür häufiger und flexibler vorkommen, für steigende Kosten. Die Ölpreissituation am Rohstoffmarkt ist weiterhin angespannt und vielen Unternehmen haben mögliche kurzfristige Transportkosten-Anpassungen nicht budgetiert. Zudem stehen Mauterhöhungen in der Schweiz und Österreich an. Die Frage ist daher nicht ob, sondern wann diese Faktoren die Transportkosten der Unternehmen beeinflussen und wie diese darauf vorbereitet sind?

Kostentreiber erkennen und steuern

Werden Beschaffung und Bestände optimiert, spürt dies der Lieferant durch flexiblere, häufigere und kleinere Bestellungen mit einem resultierenden Anstieg der Transportkosten. Dies ist ein häufiges Phänomen von einseitigen Supply Chain Optimierungen, welches durch eine Sendungs-Strukturanalyse nachgewiesen werden kann. In der Praxis werden dadurch abhängig je Kunden jährlich steigende Transportkosten von drei Prozent bis 15 Prozent verursacht, welche mit dem Umsatz in Verhältnis gestellt werden müssen. Transparenz ermöglicht, die entstandenen Mehrkosten verursachergerecht zuzuweisen und beispielsweise durch Service-Level-Agreements zu steuern. Eine aufstrebende Art der unternehmensübergreifenden Kostenreduktion ist, den Bestellprozess mit guten Lieferanten so zu planen, dass die Regellaufzeit des Dienstleisters um einen Tag verlängert werden kann, was beispielsweise bei Lieferungen in Österreich eine Transportkostenreduktion um bis zu 25 Prozent zur Folge haben kann.

Dieselpreisvereinbarungen. Die niedrigen Ölpreise bieten derzeit vielen Logistik-Dienstleistern die Möglichkeit, ihren Kunden Dieselpreisvereinbarungen schmackhaft zu machen. Damit steigt teilweise die Innenfinanzierungskraft der Frächter und Speditionen. Aber das Risiko steigender Preis wird auf die Verlader abgewälzt. Im Gegensatz zu den Dienstleistern, sind die Meisten der Kunden nicht darauf vorbereitet und haben keine Möglichkeit, im Falle des Ölpreisanstiegs, die steigenden Kosten weiter zu verrechnen. Sie bleiben schlussendlich darauf sitzen. Besonders die anhaltende Dauer der niedrigen Preise veranlasst viele Unternehmen dies aus selbstverständlich zu sehen, anstatt mit entsprechenden Maßnahmen dem Kostenanstieg vorzubeugen. Sehr deutlich wird dies durch Geschäfte, welche erst durch die niedrigen Seetransport-Preise rentabel geworden sind. Es stellt sich vor allem die Frage nach der Entwicklung der Handelsbeziehungen, besonders wenn die Zeit der Überkapazitäten auf den Weltmeeren ein Ende hat. Genauso fatal wie es wäre diese Möglichkeiten nicht zu nützen ist es, wenn man sich auf den kommenden Anstieg der Kosten nicht vorbereitet und dadurch ganze Geschäftsbeziehungen ihrer Rentabilitätsgrundlage entzogen wird.

Mautkosten. Vom Schweizer Bundesrat wurde zum 01.01.2017 eine Abwertung der Euro-Emissionsklassen III bis V beschlossen, sowie ein Entfall der Rabatte für die Euro-Emissionsklasse VI. Die geänderten Abgaben wirken sich somit abhängig von der Fahrzeugart unterschiedlich aus und könnten einen Anstieg, um bis zu drei Prozent der Transportkoste in der Schweiz bedeuten. In Österreich wurde ebenfalls eine Änderung der Mautkosten zum 01.01.2017 angekündigt. Geplant wird eine Lärm- und Schadstoffausstoßorientierte Anpassung, welche tag- und nachtabhängig, sowie nach Euro-Emissionsklassen orientiert aufgeschlagen werden soll. Hierzu wurden bisher jedoch noch keine Details veröffentlicht, was den Unternehmen eine Planung deutlich erschwert. Etwas ist jedoch gewiss – jeder Dienstleister rechnet die LKW-Maut anders auf die Transportkosten auf.
Grundlegend gilt, die langfristige und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Logistik-Dienstleistern bietet die beste Basis, um ein optimales Preis- Leistungsverhältnis zu erreichen. Eine Ausschreibung ist nicht immer der beste Weg, um langfristig die Transportkosten im Griff zu haben. Bevor eine Ausschreibung überhaupt in Betracht gezogen wird, sollten zuerst die Transportkostentreiber erfasst und bewertet werden und anhand dessen eine zielgerichtete Steuerung durchgeführt werden.

Beste Grüße
Daniel Loacker

Daniel Loacker / xvise
Daniel Loacker ist Consultant bei Xvise (daniel.loacker(at)xvise.com)

 



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