WELTKRISE – Rien ne vas plus oder derzeit geht nichts mehr

Weltkrise: Die Weltwirtschaft hängt am Tropf der Staaten (Foto: NicoLeHa/www.pixelio.de)
Weltkrise: Die Weltwirtschaft hängt wegen des Coronavirus am Tropf der Staaten (Foto: NicoLeHa/www.pixelio.de)

Das Coronavirus hat eine Weltkrise ausgelöst. Die Shut downs der Industrieländer und Schwellenländer sind flächendeckend. “Rien ne vas plus” ist daher derzeit vielfach angesagt. Betroffen sind nicht nur die Tourismusbranche und Gastronomie, sondern sämtliche Schlüsselbranchen wie etwa die Automotive-Branche, Maschinenbau, Baubranche und Logistik etc. Die Folgen sind kaum bezifferbar.

Das Coronavirus hat die Weltwirtschaft in der Hand. Nach und nach beginnen die Industriestaaten, ihre Ökonomien herunter zu fahren und sich abzuschotten. Obgleich der internationale Warenverkehr möglichst nicht behindert werden soll, stehen dennoch vielfach die Räder still. Das Wort Weltkrise macht die Runde.

Stopp im Autobau

Und in der Tat: Mittlerweile haben Weltkonzerne wie etwa der Volkswagen-Konzern, Mercedes, BMW aber auch die PSA-Gruppe usw. nahezu zur Gänze ihre Produktion in Europa eingestellt. Da die Branche sehr ausdifferenziert ist, hat dies erhebliche Folgen für die daran angeschlossene Zuliefererindustrie. Diese ist stark in Österreich vertreten. Am deutlichsten wird das etwa bei einem der größten Zulieferer der Welt, der gleichzeitig für die OEMs produziert: Magna. In Graz wurde jetzt für mehrere Wochen die Produktion ausgesetzt.

Mittlerweile haben Weltkonzerne wie etwa der Volkswagen-Konzern, Mercedes, BMW aber auch die PSA-Gruppe usw. nahezu zur Gänze ihre Produktion in Europa eingestellt.

Rückgang in der Investitionsgüterindustrie

Andere Branchen wie etwa die Investitionsgüter-Industrie hatten schon vor der Corona- Weltkrise mit weltweit sinkenden Umsätzen zu kämpfen. Jetzt werden viele laufende Aufträge “on hold” gestellt oder die Unternehmen verschieben ihre Investitionen auf unbestimmte Zeit. Zwar ist dort die Buchungslage so gut, dass die Unternehmen ihre Aufträge noch über das Jahr 2020 abarbeiten können. Das betrifft beispielsweise die Logistik-Automation. Doch rechnen Insider mit geringeren Auftragseingängen in den nächsten Jahren, aufgrund der durch das Coronavirus schwächeren Weltkonjunktur.

Branchen wie etwa die Investitionsgüter-Industrie hatten schon vor der Corona- Weltkrise mit weltweit sinkenden Umsätzen zu kämpfen.

Weltkrise: Totalausfall Tourismus

Weltkrise: Die Tourismusbranche hat einen Totalausfall (Foto: Andrea Damm / www.pixelio.de)
Weltkrise: Die Tourismusbranche hat einen Totalausfall. Weniger Umsatz geht nicht. (Foto: Andrea Damm / www.pixelio.de)

Zudem gerät die weltweit agierende Tourismusbranche unter Druck. Teilweise bis zu 100 Prozent Umsatzrückgänge sind keine Seltenheit, die nicht alleine durch die weltweiten behördlichen Beschränkungen der Reiseverkehre entstehen. Die Urlauber – völlig verunsichert – stornieren auch selbst ihre bereits gebuchten Reisen. Außerdem sind die weltweiten Messe- und Kongressmärkte zusammengebrochen, und mit ihnen der weltweite Kongresstourismus. Betroffen davon sind jedoch nicht alleine die Branchen selbst, sondern sämtliche Lieferanten, welche mit diesen Branchen verknüpft sind.

Die weltweit agierende Tourismusbranche gerät unter Druck. Teilweise bis zu 100 Prozent Umsatzrückgänge sind keine Seltenheit.

Baubranche steht

Aber auch die zweitgrößte Branche innerhalb der DACH-Region, die Bauwirtschaft, ist massiv durch behördliche Maßnahmen beeinträchtigt. Zwar gibt es keinen offiziellen Baustopp, die Unternehmen stoppen aber vielfach die Baustellen. So hat die Strabag sämtliche ihrer Baustellen in Österreich wegen der Corona-Krise geschlossen. Man könne den Mindestabstand zwischen Arbeitern nicht gewährleisten, außerdem sei die Lieferkette nicht sichergestellt, so der größte Baukonzern Österreichs in einer Stellungnahme. Alle 11.000 Mitarbeiter wurden beim Frühwarnsystem des AMS zur Kündigung angemeldet.

Die Strabag hat sämtliche ihrer Baustellen in Österreich wegen der Corona-Krise geschlossen. Man könne den Mindestabstand zwischen Arbeitern nicht gewährleisten, außerdem sei die Lieferkette nicht sichergestellt.

Handel stark eingebremst

Weltkrise: Der Handel ist flächendeckend eingeschränkt (Foto: R. Hermsdorf / www.pixelio.de)
Weltkrise: Der Handel ist flächendeckend eingeschränkt (Foto: R. Hermsdorf / www.pixelio.de)

Verschärft wird die Weltkrise noch zusätzlich durch die mittlerweile weltweit behördlich angeordneten Stopps im Textil-, Baustoff und Elektronikhandel. Lediglich er Handel von Produkten für den täglichen Bedarf, inkl. Tiernahrung usw. ist uneingeschränkt möglich. Dennoch warnt der deutsche Handelsverband vor einer regelrechten Insolvenzwelle und fordert die deutsche Bundesregierung auf, rasch Maßnahmen zur Rettung insbesondere kleiner und mittlerer Handelsunternehmen zu setzen. In einem Brief an Bundeskanzlerin Merkel schreiben HDE-Präsident Josef Sanktjohanser und Hauptgeschäftsführer Stefan Genth: “Tausende selbstständige Unternehmen und Millionen von Arbeitsplätzen werden durch den massiven Umsatzausfall vernichtet.” Betroffen seien vor allem viele kleine Textileinzelhändler, Schuh- und Sportgeschäfte, Elektronikläden, Parfümerien sowie Kaufhäuser. “Die verfügten Geschäftsschließungen führen bundesweit zu einem Umsatzausfall von ca. 1,15 Milliarden Euro pro Tag bzw. sieben Milliarden Euro pro Woche.” Auch in Österreich ist die Situation im Handel prekär. Hier rechnet man mit 700 Millionen Euro pro Woche, die dem Handel durch die Corona-Krise entgeht. Da hilft es auch wenig, dass Supermärkte, Apotheken und Banken geöffnet bleiben, um die Versorgung sicherzustellen.

Verschärft wird die Weltkrise noch zusätzlich durch die mittlerweile weltweit behördlich angeordneten Stopps im Textil-, Baustoff und Elektronikhandel.

Erste Großpleite in Modeindustrie

Das Virus forderte bereits ein erstes Opfer mit bekanntem Namen. So meldete die britische Modefirma Laura Ashley Konkurs an, wie die APA vermeldete. Das Label war wegen ihrer Blümchenmuster vor allem in den 70er und 80er Jahren beliebt. Es sei nicht gelungen, die nötigen Mittel zum Weiterbetrieb zu bekommen, teilte die Firma am vergangenen Dienstag mit. Daran sei die Coronavirus-Pandemie schuld. Laura Ashley hat 150 Geschäfte in Großbritannien. Die Firma war von der Waliserin Laura Ashley gegründet worden; es ging aber schon seit einigen Jahren bergab mit dem Unternehmen. Gefährdet sind nun 2.700 Arbeitsplätze.

Weltkrise: Supply Chains unterbrochen

Egal, welche Branche betroffen ist, Tatsache ist, die behördlichen Maßnahmen unterbrechen die weltweiten Supply Chains, ob es Ketten oder Netzwerke sind, ist einerlei. Das bedeutet, die Hautbelastung der Krise wird die Logistikbranche schultern üss. Sie ist, nach er Automobil- und der Baubranche die drittstärkste Branche jeder Ökonomie. Alleine in Deutschland setzt sie jährlich rund 270 Milliarden Euro um. Die Unterbrechungen der Wertschöpfungs- und Lieferketten reichen dabei vom Rohstoff bis zum Point of Sale.

Die behördlichen Maßnahmen unterbrechen die weltweiten Supply Chains, ob es Ketten oder Netzwerke sind, ist einerlei.

Finanzkrise in Aussicht

Weltkrise: Die Banken könnten in Schieflage kommen (Foto: Lupo / www.pixelio.de)
Weltkrise: Die Banken könnten wegen vieler Insolvenzen und Kreditausfälle in Schieflage kommen (Foto: Lupo / www.pixelio.de)

“Dies ist keine Finanzkrise”, betonte der Konzernchef der Citi-Group, Michael Corbat, nach dem Corona-Gipfel im Weißen Haus am 9. März. “Die Banken und das Finanzsystem sind in starker Verfassung, und wir sind hier, um zu helfen.” Selbst die lange geplagten italienischen Banken zeigen sich in der Lage, mit Zinsmoratorien die vom Shut down getroffenen Schuldner vor der Corona-bedingten Pleite zu retten, so die Einschätzung von Finanzanalysten. Die Solidität der Banken selbst dürfte allerdings weltweit zum Thema werden, wenn massenhaft Kredite wegen Insolvenzen ausfallen. Das lässt sich jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht seriös einschätzen. Es wird sich jedoch ab der zweiten Jahreshälfte 2020 zeigen. Je länger also die Beschränkungen dauern und immer größere Wirtschaftseinheiten ausfallen, umso größer das Risiko für eine Finanzkrise und einer Verschärfung der Weltkrise.

Je länger also die Beschränkungen dauern und immer größere Wirtschaftseinheiten ausfallen, umso größer das Risiko für eine Finanzkrise und einer Verschärfung der Weltkrise.

Kampf gegen die Zeit. Die Regierungen der Industrienationen und Schwellenländer stehen daher unter einem enormen Zeitdruck – und zwar nicht nur in Hinblick auf die Bekämpfung des Coronavirus selbst, sondern auch in Hinblick auf die Auswirkungen des Shut downs der Ökonomien welche zum Schutz eines Teils der Bevölkerungen beschlossen wurden. Ziel der Maßnahmen ist es, den Pik der Infektionen möglichst spät und flach zu erreichen, um die jeweiligen Gesundheitssysteme nicht zu überlasten. Stattdessen werden hingegen die Sozialsysteme bis zum Zerreißen belastet. Die Regierungen der EU haben sich unisono von der “Schwarzen Null” in der Haushaltsplanung verabschiedet.

Billionen-Hilfe bereitgestellt. Die Staaten der Eurozone haben zudem bereits mehr als eine Billion Euro an Wirtschaftshilfen in Aussicht gestellt, davon 500 Millionen alleine durch Deutschland. Wie es in einer gemeinsamen Erklärung heißt, wurden etwa zehn Prozent der gemeinsamen Wirtschaftskraft in Form von Kreditgarantien oder gestundeten Steuerschulden an Liquiditätshilfen zugesagt. Hinzu kommt ein Prozent für direkte Finanzspritzen. Das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone liegt bei mehr als elf Billionen Euro.

Die Staaten der Eurozone haben bereits mehr als eine Billion Euro an Wirtschaftshilfen in Aussicht gestellt, davon 500 Millionen alleine durch Deutschland.

Der Blick nach Italien. Die Hilfsangebote dürften vor allem in Italien für Erleichterung sorgen. Das Land ist in großer Not. Italien hat derzeit die meisten Coronavirus-Infizierten außerhalb Chinas – und die italienische Wirtschaft war schon vor der Epidemie schwer angeschlagen.

Es geht um ihren Kopf. Daher freuen sich insbesondere Vertreter von Banken über das beherzte Vorgehen der Staaten. Geht es doch letztlich auch um das wachsende Risiko für faule Kredite und somit deren eigenen Fortbestand. Vor dem Hintergrund der Null-Zins-Politik der EZB benötigen Banken die Sicherheit durch die Staaten. So begrüßt auch Bank-Austria-Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer die verkündeten Hilfsmaßnahmen der Regierungen gegenüber der APA. “Alle Maßnahmen der österreichischen Regierung, der EZB, der US-Notenbank Fed und auch anderer europäischer Regierung werden uns helfen, das zu stabilisieren.” In “verrückten Zeiten” wie jetzt solle man nicht “Erbsenzählerei” betreiben. Wichtig sei es, der Wirtschaft wirklich Sicherheit zu geben, dass niemand nur wegen dieser Schließungen Jobs verliert.

Alle Maßnahmen der österreichischen Regierung, der EZB, der US-Notenbank Fed und auch anderer europäischer Regierung werden uns helfen, das zu stabilisieren.

Stefan Bruckbauer, Chef-Volkswirt Bank Austria

EU in der Kritik. Bei den Hilfsmaßnahmen kritisieren dabei Rechtspopulisten wie etwa der österreichische Bundeskanzler die EU. Er moniert dabei vor allem deren angeblich geringen Zusammenhalt. Jedoch war selbst für aufmerksame Beobachter ein präventiv koordiniertes Vorgehen der österreichischen Regierung mit den Nachbarn kaum zu bemerken. Sämtliche Maßnahmen konzentrierten sich alleine auf den eigenen Zuständigkeitsbereich. Gleichzeitig kann die EU als Organisation ohnehin nur bedingt Hilfestellung in solchen Katastrophen-Situationen leisten. Nichtsdestotrotz hat die EU-Kommission unter Kommissionspräsidentin von der Leyen einen Krisenstab gebildet, der die Mitgliedsländer bei ihren Bemühungen, die Krise in den Griff zu bekommen, unterstützt. Insofern zeigt die Krise, dass die Nationalstaaten mehr Kompetenzen nach Brüssel abgeben müssten, um Ländern wie etwa Italien sich und umfassend Hilfe leisten zu können. Die Corona-Krise könnte daher Anlass dafür sein, die europäische Integration weiter voran zu treiben.   

Die EU-Kommission hat unter Kommissionspräsidentin von der Leyen einen Krisenstab gebildet, der die Mitgliedsländer bei ihren Bemühungen, die Krise in den Griff zu bekommen, unterstützt.

Corona: Eine Zäsur

Ob die von den EU-Mitgliedstaaten beschlossenen wirtschaftlichen Maßnahmen jedoch ausreichen werden, ist fraglich. Derzeit liefern Mediziner und Pflegepersonal nämlich noch immer einen Kampf gegen das Coronavirus bis zur völligen Erschöpfung und unter Einsatz der eigenen Gesundheit. Dabei steht Europa, das die VR China als Epizentrum der Krise abgelöst hat, erst am Anfang, so die Einschätzung von Virologen wie etwa vom Robert Koch Institut in Berlin. COVID 19 verbreitet sich, trotz der ergriffenen Maßnahmen, nach wie vor nahezu ungebremst. Die Infektionskurven verlaufen, außer in Italien, noch immer exponentiell. Ob und wann die Maßnahmen also greifen, ist erst in der nächsten Woche absehbar. Derzeit sind rund 200.000 Infizierte gemeldet, davon rund 82.000 bereits wieder gesund. Rund 8.000 Menschen sind an den Folgen der Erkrankung gestorben. In Europa sind rund 65.000 Menschen registriert davon sind mittlerweile und 8.000 Personen von der Krankheit geheilt.

Derzeit liefern Mediziner und Pflegepersonal nämlich noch immer einen Kampf gegen das Coronavirus bis zur völligen Erschöpfung und unter Einsatz der eigenen Gesundheit.

Weltkrise dauert länger als erhofft. Es ist daher schon jetzt absehbar, dass die Weltkrise wesentlich länger dauern wird, als erhofft. Genährt wird diese u.a. durch den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz Prognose durch die Tatsache, dass ein Ausbreiten des Virus so lange dauern wird, bis rund 70 Prozent der Menschen in Europa durch Ansteckung immunisiert sind oder ein Impfstoff entwickelt ist. Bei normalem Entwicklungsprozedere dauert dies jedoch noch mindestens ein Jahr. Daher dürfte es mindestens noch ein Jahr dauern, bis Normalität in den Alltag eintreten kann. Daher dürften daher die bereit gestellten Mittel kaum ausreichen, die Folgen der Pandemie auszugleichen. Analysten gehen daher davon aus, dass die Corona-Krise eine Zäsur in der Weltwirtschaft darstellt und die Welt komplett verändert. Wohin die Reise dabei gehen wird, ist nicht absehbar.

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