WACHSTUM – Fakten versus Gefühl

(Foto: IKB-Gebäude, IKB)
Die Deutsche Wirtschaft schrumpft das erste Mal seit 2015. (Foto: IKB-Gebäude, IKB)

Die deutsche Konjunktur schwächelt, allerdings auf hohem Niveau. Eine Untersuchung der Deutschen Industriebank (IKB) weist ein Schrumpfen des BIB um 0,2 Prozent auf. Doch zeigt sich schon jetzt, dass dies nicht von Dauer sein dürfte. Das Wachstum dürfte sich bei 1,5 Prozent für 2018 einpendeln. (Ein Konjunkturbericht von Dr. Klaus Bauknecht*)

Die deutsche Wirtschaft schrumpft das erste Mal seit 2015. Das deutsche BIP weist im dritten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt ein Minuswachstum von 0,2 Prozent auf. Dieser Rückgang kommt nicht überraschend, denn er zeichnete sich aufgrund der Produktionsprobleme in der Automobilindustrie und den bereits bekannten BIP-Wachstumszahlen für die EuroZone (+ 0,2 Prozent im dritten Quartal) schon längere Zeit ab. Die Wachstumsraten für das erste (0,5 Prozent ) und das zweite Quartal (0,4 Prozent) von 2018 blieben unverändert. Da der Produktionsrückgang des dritten Quartals zum Teil im vierten Quartal wieder wettgemacht werden sollte, ist für das letzte Quartal 2018 wieder mit einem Wachstum zu rechnen. Für das gesamte Jahr 2018 ist allerdings nur noch von einem BIP-Wachstum von rund 1,5 Prozent auszugehen.

Die Einschätzung

Auf der Nachfrageseite waren es rückläufige Exporte sowie zunehmende Importe, die zu einem negativen Wachstumsbeitrag im Außenhandel geführt haben. Sie waren maßgeblich für den BIP-Rückgang im dritten Quartal verantwortlich. Auch hier schlägt sich der Produktionsrückgang in Folge der WLTP-Abgasumstellung in der Automobilindustrie nieder. Diese Umstellung erfolgte in der ganzen EU. Aber auch in China sind die Autoverkäufe zurückgegangen. Die Ursache hierfür liegt darin, dass die VR China die Finanzierungsangebote für Autos in Folge steigender Ausfälle deutlich eingeschränkt hat. Diese Entwicklung dürfte auch in den kommenden Monaten auf die Autonachfrage in China dämpfend wirken. Die Auswirkungen auf die deutsche Automobilindustrie sind jedoch überschaubar, da die deutschen Exporte vor allem das Premiumsegment in China bedienen. Und das ist weniger von Finanzierungsengpässen betroffen.

An der Einschätzung der Wachstumsdynamik hat sich nichts Fundamentales geändert.

Keine fundamentalen Änderungen.  Die BIP-Entwicklung im dritten Quartal hat zwar das Wachstum in diesem Jahr nach unten gezogen. An der Einschätzung der Wachstumsdynamik hat sich aber nichts Fundamentales geändert, da der Rückgang im dritten Quartal durch Sondereffekte zustande kam. Allerdings hat das Verarbeitende Gewerbe im Verlauf von 2018 keine bedeutenden Impulse erfahren. Doch nach dem deutlichen Produktionsanstieg im letzten Jahr ist dies, auch aufgrund des anhaltend hohen Niveaus der Auftragseingänge, nicht unbedingt als Indiz einer schwächelnden Wirtschaft zu sehen. Gleichwohl ist das aktuelle Jahr im Vergleich zu 2017 eine Enttäuschung. Denn die Wachstumsprognosen vom Jahresbeginn haben sich nicht bewahrheitet und Prognoseanpassungen kannten im Jahresverlauf nur eine Richtung, nach unten. Dies gilt für das Verarbeitende Gewerbe ebenso wie für das gesamtwirtschaftliche Wachstum und war bereits vor dem BIP-Rückgang im dritten Quartal von 2018 ersichtlich.

Dennoch positiver Ausblick

Volkswirtschaftliche Prognosen gleichen aktuell Wettervorhersagen, die zwischen eigentlichen und gefühlten Temperaturen unterscheiden. Gemessen am Produktionsniveau des Verarbeitenden Gewerbes und dem Wachstum wichtiger globaler Absatzmärkte sind die aktuelle Lage und der Ausblick für 2019 durchaus positiv zu sehen. Gefühlt ist die Lage nach dem Boom im letzten Jahr sowie angesichts der zahlreichen Risiken wie Brexit, Handelskonflikte und Volatilität der Schwellenländer um einiges negativer. Das rückläufige BIP im dritten Quartal hat das Gefühl einer Eintrübung weiter bekräftigt – zumindest in Deutschland. Dabei sind die fundamentalen Wachstumstreiber weiter in Takt, allen voran der private Konsum. Gleiches gilt für den Export, denn der Wachstumsausblick wichtiger Exportmärkte wie die USA, den Rest der EU oder China ist stabil und aufgrund aktueller Zahlen durchaus positiv. Auch beurteilt die Mehrheit der Unternehmer den wirtschaftlichen Ausblick weiterhin positiv, wie auch der Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen im dritten Quartal zeigt.

Aufholeffekte erkennbar. Der Rückgang des deutschen BIP im dritten Quartal ist nicht überraschend. Verantwortlich dafür waren insbesondere rückläufige Exporte in Folge von Produktionsproblemen in der Automobilindustrie sowie deutlich rückläufige Neuzulassungen in China. Frühindikatoren deuten dennoch auf Aufholeffekte im letzten Quartal 2018 hin bzw. auf einen stabilen Ausblick für das nächste Jahr. Allerdings kannten Prognoseanpassungen in diesem Jahr nur eine Richtung: nach unten. Auch die IKB reduziert ihre Wachstumserwartung für 2018 von 1,8 Prozent auf 1,5 Prozent und für 2019 von 1,7 Prozent auf 1,6 Prozent.

ikb.de

Dr. Klaus Bauknecht ist Chefvolkswirt bei der Deutschen Industriebank IKB

klausdieter.bauknecht@ikb.de

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