VERSORGUNGSCAMPUS – Gebündeltes Fulfillment bis ans Krankenbett

Versorgungscampus – 6.000 Tabletts mit individuellen Speisen pro Tag verlassen das Logistikzentrum in Pulheim. (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)
Versorgungscampus – 7.500 Tabletts mit individuellen Speisen pro Tag verlassen das Logistikzentrum in Pulheim. (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)

Der „Versorgungscampus Pulheim-Ost“ im nordrhein-westfälischen Pulheim etabliert sich seit Ende 2018 als Zentrum für die Healthcare-Versorgung umliegender Krankenhäuser, Seniorenheime, Kindergärten usw. Das Angebotsportfolio reicht dabei vom frisch zubereiteten, individuell portionierten Patienten-Menü über Speisen-Großgebinde bis hin zum täglichen Healthcare-Bedarf sowie der Aufbereitung und Lieferung von Operations-Bestecken. Betrieben wird der Campus vom Krankenhauslogistiker ProServ. Die Technik kommt vom österreichischen Intralogistik-Spezialisten Knapp.

Viele Prozesse müssen in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern, Seniorenheimen aber auch Kindergärten usw. nahtlos ineinandergreifen. Nur so lässt sich eine möglichst optimale Versorgung von Patienten, Gesundheitsteams und Kinder sicherstellen. Neben der umfassenden Erstversorgung, Beratung und Betreuung ist es dabei besonders wichtig, dass Patienten, Ärzte, Kinder bedarfs- und zeitgerecht mit Essen versorgt sind oder das richtige OP-Besteck zur Verfügung steht.

Viel Optimierungspotential in tertiären Dienstleistungen

Genau in diesen sogenannten tertiären Dienstleistungen steckt viel Potential zur Prozessoptimierung. Denn obwohl der Betrieb von Großküchen, die individuelle Portionierung von Speisen, die Sterilisierung von OP-Besteck, Lagerhaltung von Materialien usw. und die daran angeschlossene Distributionslogistik unterschiedlich erscheinen, lassen sich gerade hier Synergieeffekte generieren. Das Zauberwort heißt hierbei die intelligente Bündelung von Prozessen und eine konsequente Automatisierung, welche den Workflow der Mitarbeiter verbessern und die Qualität der Leistungen verbessern. Das führt zu einem Mehrwert für alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette: vom Rohstoff bis hin zum Krankenbett.

Kliniken unter Optimierungsdruck. Nötig sind solche (Intra-)Logistikkonzepte heute, weil insbesondere der Gesundheitssektor massiv in Bewegung geraten ist. So führt die demographische Entwicklung zu mehr Bedarfen an ärztlicher Betreuung. Pandemien wie Covid19 treiben diese Entwicklung weiter an. Die Effekte sind dabei vielfältig, weil die Ressourcen der Gesundheits- und Versorgungssysteme begrenzt sind: So sinkt etwa die Verweildauer in Krankenhäusern und stationären Gesundheitseinrichtungen erheblich. Gleichzeitig steigt mit zunehmender Lebenserwartung die Zahl der Patienten überproportional an. Und damit steigt auch der Bedarf an Personal sowie der Kostendruck. Hinzu kommen höchste Hygienelevels und Vorgaben, wie beispielsweise eine durchgängige Rückverfolgbarkeit. Sie sollen das Wohlergehen der Patienten sichern und zählen heute zu den zentralen Anforderungen im Gesundheitssektor.

Healthcare-Logistik – Entscheidende Faktoren Zeit und Qualität

Versorgungscampus - Sterilproduktion (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)
Versorgungscampus – Durch eine offenen „Reservebereich“ räumlich getrennt befindet sich die Sterilproduktion für OP-Besteck samt Packbereich. (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)

Mit diesen Entwicklungen und Anforderungen rückt die wirtschaftliche und individuelle Versorgung der Patienten in einen neuen Fokus. Daraus ergeben sich zahlreiche Fragestellungen. Healthcare-Logistiker müssen sich heute beispielsweise der Herausforderung stellen, eine steigende Anzahl an Patienten und immer mehr Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen effizient bei dauerhaft gleichbleibender Qualität zu versorgen. Gleichzeitig sind sie gefordert, rechtliche Anforderungen wie die durchgängige Rückverfolgbarkeit umsetzen. Da die direkte Versorgung von Menschen grundsätzlich höchste Hygienelevels erfordert, müssen diese dauerhaft gesichert sein. Und last but not least stellt sich die Frage, wie die Prozesse der tertiären Versorgung gestaltet sein müssen, damit sie wirtschaftlich sind und gleichzeitig maximaler Mehrwert für Patienten entsteht.

Bündelung von Prozessen mehrerer Business-Einheiten. Genau diesen zentralen Fragen mussten sich die Verantwortlichen von ProServ, die Intralogistikspezialisten von Knapp aus Hart bei Graz und die Logistikberater von Kolb Planung bei der Konzeptionierung des Versorgungscampus stellen. „Im Mittelpunkt des Ansatzes stand dabei die Neugestaltung der Prozesse zur tertiären Versorgung unter dem Motto: Professionalisierung durch Zentralisierung. Denn Medikamente, Stationsbedarf, Essen, steriles OP-Besteck und vieles mehr werden an einem Ort benötigt – nämlich in der jeweiligen Gesundheitseinrichtung. Wieso also nicht die logistischen Prozesse der Versorgungskette bündeln und die Gesundheitseinrichtungen zentral von einem Ort aus beliefern?“, erklärt Johannes Kompek, Senior Sales Engineer Healthcare Solutions bei Knapp bei einer Pressekonferenz Anfang Mai 2020.

Versorgungscampus – Ausgeklügeltes Layout

Versorgungscampus - Hans. J. Peglow, Initiator der ProServ, war selbst Geschäftsführer einer Klinik. (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)
Hans. J. Peglow, Initiator der ProServ, war selbst Geschäftsführer einer Klinik. (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)

Die Basis des Versorgungscampus ist ein sogenanntes HACCP-Konzept. HACCP ist dabei ein Kürzel für „Hazard Analysis Critical Control Points“. Es meint die Gefahrenanalyse und Kontrolle kritischer Punkte – und zwar auf allen Stufen der Zubereitung, Verarbeitung, Herstellung, Verpackung, Lagerung, Beförderung, Verteilung, Behandlung und des Verkaufs von Lebensmitteln.

Bis zu 15.000 Speisen. So ein Konzept war in Pulheim notwendig, weil der Versorgungscampus zu einem wesentlichen Teil aus einer Großküche besteht. Hier werden derzeit täglich rund 7.500 Speisen (die Kapazität beträgt 15.000 Speisen) für zehn Krankenhäuser und Versorgungseinrichtungen im Umkreis von 150 Kilometer frisch produziert. Daran angeschlossen ist ein Tablettierbereich, in dem die individuellen Menüs für die Patienten genau bemessen zusammen gestellt werden.

Pufferlager. Am Kopf der Großküche wurde ein Pufferlager für die Ein- und Auslagerung von Frischwaren wie etwa Frischfleisch, Gemüse und andere Produkte eingerichtet, die für das Kochen der Menüs notwendig sind.

Sterilproduktion und Fastbox. Durch eine offenen „Reservebereich“ räumlich getrennt befindet sich im Versorgungscampus die Sterilproduktion für OP-Besteck samt Packbereich. Hinzu kommt ein Kommissionierbereich, genannt „Fastbox“, wo sämtliche Bestellungen der Großküche in dafür vorgesehene, steriliserte Boxen oder Großgebinde-Wagen sequenziert und für die Lieferung vorbereitet werden.

Fulfillment durch Shuttlesystem. Verbunden sind alle Bereiche des Campus durch ein temperaturgeführtes, automatisiertes Pufferlager. Es versorgt sämtliche Bereiche zentral mit der angeforderter Ware. Genau dieses Lager macht den Versorgungscampus zu etwas Besonderem. Das Herzstück der Automatisationslösung ist dabei eine Kombination aus einem OSR Shuttle-Lagersystem und schnellen Puffertürmen für die Sequenzierung. Erst die Puffertürme stellen dabei die korrekte Reihenfolge bei der Sequenzierung her. Diese ist zum Beispiel nötig, wenn die Speisetabletts in der Reihenfolge zusammen gestellt werden, in der Patienten im Krankenhaus mit ihren Speisen in ihren Zimmern beliefert werden.

Einfach, flexibel, voll rückverfolgbar

Durch die zentrale Abwicklung der tertiären Versorgung werden die Prozesse schlanker und vereinfacht. Die Nutzung von gemeinsamen Ressourcen wie etwa einem Fuhrpark bietet zusätzliche Synergieeffekte. Darüber hinaus kann die Belieferung der dezentralen Gesundheitseinrichtungen zeitgerecht, flexibel und bedarfsgerecht erfolgen: Dies ermöglicht einen Platzgewinn in den Gesundheitseinrichtungen. Gleichzeitig bleibt der Fokus immer auf dem Patienten, seiner Sicherheit und seinen individuellen Bedürfnissen, denn dank der zentralen Abwicklung sind alle Prozessschritte transparent rückverfolgbar. Auf diese Weise wird der Versorgungscampus zum intelligenten, logistischen Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Anforderungen des Gesundheitssektors. So schafft der Versorgungscampus Mehrwerte für Patienten und Gesundheitseinrichtungen.

Benchmark in der Healthcare-Versorgung

Versorgungscampus – Das Stammhaus von ProServ in Pulheim, NRW (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)
Versorgungscampus – Das Stammhaus von ProServ in Pulheim, NRW (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)

Der Versogungscampus Pulheim-Ost setzt somit ganz neue Maßstäbe in der Healthcare-Versorgung. Seit der Betriebsaufnahme im Dezember 2018 beliefert ProServ seine Klinikkunden mit fertig tablettierten Patientenessen: 6.000 Tabletts verlassen hier täglich – sortiert von den schnellen Fastboxen des OSR Shuttle Evo – das Haus. Darüber hinaus lassen zehn Kliniken ihre OP-Instrumente im Versorgungscampus aufbereiten. Seit mehr als 20 Jahren versorgt ProServ insgesamt 28 Kliniken und 50 Langzeiteinrichtungen sowie eine Vielzahl von anderen Organisationen im Gesundheits- und Sozialwesen mit allen Verbrauchsmaterialien.

Auch Kliniken stehen im Wettbewerb. Hans. J. Peglow, Initiator der ProServ, war selbst Geschäftsführer einer Klinik und erklärt abschließend die Bedeutung und Vorteile des Versorgungscampus für die Zukunft des Gesundheitswesens: „Die kostenoptimale und qualitätssichernde Leistungserbringung steht im Vordergrund des Klinikgeschehens. Überleben kann eine Klinik nur, wenn gesicherte Qualitätsstandards mit optimalen Kostenstrukturen einher gehen. Dies verlangt optimale Prozesse – nicht nur in der Arbeit am Patienten, sondern auch in wirklich alle Versorgungsprozessen. Der Versorgungscampus bietet somit eine herausragende Perspektive im Wettbewerb.“

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