UMUNDUM – “Haben Dynamik in Gang gesetzt“

Dipl.-Ing. Peter Umundum, Vorstandsdirektor Division Paket und Logistik, im  Interview mit CR Hans-Joachim Schlobach über Investitionen, Convenience und die Dynamik im Post-Business durch Smartphones, Digitalisierung und Co.

(Foto: RS Media World Archiv / Roland Ferrigato)
Peter Umundum: „Im vergangenen Jahr wurden 156,8 Millionen Pakete versandt. Das sind 3,7 Prozent mehr als im Jahr 2014.“ (Foto: RS Media World Archiv / Roland Ferrigato)

BLOGISTIC.NET: Herr DI Umundum. Die Post hat in den letzten Jahren erheblich in ihre Infrastruktur investiert. Wo liegen aus Ihrer Sicht die wichtigsten Meilensteine?
Umundum: Wir haben in den letzten Jahren sehr intensiv in den Ausbau unserer Logistikzentren investiert und tun das weiter. Dabei geben wir jedes Jahr rund 100 Millionen Euro aus. Der letzte große Meilenstein wurde hierbei in Allhaming gesetzt. Derzeit bereiten wir uns vor, in Villach einen neuen Standort in Betrieb zu nehmen und wir denken bereits darüber nach, Wien zu erweitern. Hier ist allerdings noch keine Entscheidung getroffen.

BLOGISTIC.NET: Warum investiert die Post so viel?
Umundum: Die Dynamik im Paketversand mit seinem enormen Wachstum in Österreich macht das notwendig. Im vergangenen Jahr wurden 156,8 Millionen Pakete versandt. Das sind 3,7 Prozent mehr als im Jahr 2014. Der Marktanteil der Österreichischen Post beträgt dabei 51 Prozent. Wir tragen also den Löwenanteil des Wachstums. Dabei kommt uns auch die Kooperation mit Hermes Logistik in Österreich zugute. Damit konnten wir nämlich unser gesamtes Partner-Netzwerk auf 3.600 Zugangspunkte österreichweit erweitern. Wir verstärken also unser B2C-Geschäft mit der Versandhandels-Partnerschaft mit Hermes, und zwar sowohl national als auch international. Das spielt vor allem auch für das Online-Geschäft eine Rolle.

BLOGISTIC.NET: Gerade im Versandhandel kommt es nicht nur auf die Belieferung der Kunden an, sondern vor allem auch auf das Retourenmanagement. Für KEP-Dienstleister ist das eine sehr große Herausforderung, weil kostenintensiv. Zumindest beim Zustellprozess könnte man Kosten einsparen, indem die Österreichische Post ihre Prozesse optimiert und nicht nur Pakete bringt, sondern auch gleich mitnimmt. Schon einmal daran gedacht?
Umundum: Ja, natürlich. Wir haben bereits automatisierte Lösungen für den normalen Paketversand, wie etwa unsere Empfangsboxen, die in ganz Österreich installiert sind. Diese Infrastrukturen wollen wir nun für den Versandhandel retourenfähig machen. Wir arbeiten zudem an einer Haustürlösung für Pakete, die wir ebenfalls für Retouren nutzen wollen. Dabei ist der Convenience- Gedanke eine treibende Kraft.

BLOGISTIC.NET: Der Anwender muss also künftig gar nicht mehr in die Shops hinein, um seine Retourware auf den Weg zu bringen? Das ist angenehm, denn wer steht schon gerne in der Schlange, wenn man nur Retourware anbringen möchte?
Umundum: In der Schlange stehen muss man schon jetzt nicht mehr in den Postfilialen, denn es gibt dort bereits automatisierte Lösungen, wie etwa die sogenannte Versandbox. Da muss der Anwender sein Paket nur entsprechend belabeln, die Retoure in die Versandbox hinein schieben und schon geht die Ware auf die Reise. Das geht auch an einem Sonntag im Selbstbedienungsbereich.

Jeder Kunde bekommt einen Tag vor der Lieferung entweder von uns oder von seinem Lieferanten ein Aviso, dass die Ware am nächsten Tag in einem bestimmten Zeitfenster zugestellt wird. Peter Umundum, Vorstandsdirektor KEP der Österreichischen Post

BLOGISTIC.NET: Wie groß ist denn das Netzwerk für solche Retouren?
Umundum: Wir haben derzeit 300 SB-Zonen installiert, dazu gibt es 14.000 Empfangsboxen, bis Ende diesen Jahres werden es 16.000 sein. Gleichzeitig bieten wir in unserem Netzwerk über 200 Abholstationen an, und, last but not least,  haben wir auch personell auf der letzten Meile investiert. Im Herbst 2015 haben wir nämlich die Zustellung am Samstag wieder in Betrieb genommen. Dies ist insbesondere für die Belieferung von Frischware wichtig, die online bestellt wurde. Jetzt stellt die Post also Montag bis Samstag zu.

BLOGISTIC.NET: Diese Dienste sind in ganz Europa aber schon seit vielen Jahren Standard. In Österreich wurde die Samstagszustellung in den 1970ern abgeschafft und seither durch arbeitsrechtliche Schranken verhindert…
Umundum: Richtig, aber wir haben uns im letzten Herbst mit der Gewerkschaft auf ein gutes Modell geeinigt. In diesem Zusammenhang haben wir vor über einem Jahr auch die Abendzustellung als einen Piloten im Großraum Linz auf den Weg gebracht. Wir bauen also unsere Same Day Delivery aus, diese Bestellungen erhalten Empfänger taggleich zwischen 17:00 und 21:00 an der Wohnungstür. U.a. damit erreichen wir Erst- Zustellquoten von weit über 90 Prozent,  in ländlichen Gebieten sind es nahezu 100 Pro zent.

BLOGISTIC.NET: Wie kommt denn dieser Unterschied zustande?
Umundum: Auf dem Land funktioniert einerseits noch die Nachbarschaftshilfe sehr gut. Andererseits kann die Lieferung auch beispielsweise in Garagen abgestellt werden. Die Hinterlegungsmöglichkeiten sind also ganz anders als in urbanen Gebieten. Am Land gibt es auch keine „Schlafburgen“ wie in der Stadt. Außerdem kann man mit unserer Post-App für Smartphones die Paketzustellung so steuern, dass man sie punktgenau bekommt.

BLOGISTIC.NET: Wie geht das?
Umundum: Jeder Kunde bekommt einen Tag vor der Lieferung entweder von uns oder von seinem Lieferanten ein Aviso, dass die Ware am nächsten Tag in einem bestimmten Zeitfenster zugestellt wird. Mit unserer Post-App für Smartphones kann der Anwender nun entweder den Lieferzeitpunkt verschieben und/oder bei Bedarf den Lieferort entsprechend ändern.

(Foto: RS Media World Archiv / Roland Ferrigato)
Peter Umundum: „Wir investieren in alternative Antriebskonzepte für die Zustellungen, wie etwa in E-Mobility. (Foto: RS Media World Archiv / Roland Ferrigato)

BLOGISTIC.NET: Damit ist der Covenience für den Kunden gedient, andererseits optimiert die Österreichische Post auf diese Weise aber auch ihre Prozesse. Wie macht sich das bemerkbar?
Umundum: Das macht sich einerseits natürlich durch sinkende Kosten bemerkbar, andererseits aber auch durch sinkende CO2-Emissionen, die unser System verursacht. Wir sind von über 100.000 Tonnen CO2 gekommen und liegen jetzt bei 70.000 Tonnen, Tendenz weiter sinkend.

BLOGISTIC.NET: Das erreicht die Post aber nicht alleine durch Prozessoptimierungen…
Umundum: Nein, natürlich nicht. Wir investieren zudem in alternative Antriebskonzepte für die Zustellungen, wie etwa in E-Mobility. Wir bauen sukzessive unsere E-Mobility-Flotten aus.

BLOGISTIC.NET: Wer ist der Treiber dieser Entwicklungen?
Umundum: Die Treiber dieser Entwicklungen sind einerseits der E-Commerce-Hype und die neuen Kommunikationsmöglichkeiten wie Smartphones sowie die Digitalisierung usw. Andererseits hat auch die Ökologisierung der Wirtschaft eine Dynamik in Gang gesetzt, die wir natürlich mit machen, indem wir unsere Infrastruktur daran anpassen. So schaffen wir es zum Beispiel, dass wir trotz wachsender Umschlagzahlen unsere CO2-Emissionen senken.

BLOGISTIC.NET: Sie sprachen von jährlichen Investitionssummen von rund 100 Millionen Euro. Auf der anderen Seite wollen Kunden jedoch für Leistungen immer weniger bezahlen. Hinzu kommt der steigende Wettbewerbsdruck, der durch den Einstieg der Deutschen Post in Österreich gewachsen ist. Die Schere zwischen erzielten Einnahmen und Kosten geht also beständig auseinander. Wie geht das zusammen?
Umundum: Wir standardisieren unsere Kernprozesse im System, wo es geht. Nur auf der ersten und auf der letzten Meile  dieser Prozesse differenzieren wir unsere Angebote aus. Die Effizienzsteigerungen bekommen wir also einerseits durch Standardisierung unserer Kernprozesse und durch die Mengendegression zustande.  Je mehr Menge wir also durch dieses System bringen, umso günstiger.

BLOGISTIC.NET: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

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