SAME DAY – Lieferung am selben Tag

Mit seiner Marke „Same Day Logistics“ will der österreichische Branchenlogistiker Schachinger dem B2B-Markt von Salzburg bis Amstetten eine neue, auf regionale Bedürfnisse zugeschnittene Hochleistungslogistik verpassen. Damit sollen Industriekunden beispielsweise ihre Beschaffungslogistik für schwerere Waren optimieren können.

Same Day Delivery
Same Day Delivery ist nicht nur etwas für die KEP-Branche, sondern auch für schwerere Lasten. (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Just-in-time- und Just-in-sequence sind für Unternehmen etwa im Automotive-Bereich, im Maschinenbau und anderen Bereichen der Industrie nahezu State of the Art. Das Ziel der Unternehmen ist dabei, eigene Bestände teurer Produkte möglichst gering zu halten, um die daraus entstehende Kapitalbindung auf ein Minimum zu reduzieren. Aber auch bei Branchen wie der hochtechnisierten Landwirtschaft mit ihren teuren Erntemaschinen muss die Ersatzteilversorgung passen. Insbesondere in der Erntezeit, in der die wetterbedingten Zeitfenster oft sehr begrenzt sind, darf es keinen Stillstand durch technische Defekte geben.

Same Day: Zeit ist Geld

Obgleich die Bedürfnisse und Zielsetzungen in den verschiedenen Bereichen völlig unterschiedlich sind, haben sie alle einen gleichen Nenner: den Faktor Zeit. In der jüngsten Vergangenheit war dieser Faktor eine Spielwiese vor allem für KEP-Dienstleister (KEP = Kurier-Express-Paket) wie etwa für die zu den Speditionen Schachinger, Lagermax und Gebrüder Weiss gehörige DPD. Sie sind mit ihren Services in der Lage, kurze Zeitfenster für Lieferungen bis 30 Kilogramm Gewicht kostengünstig einzuhalten und auf die Masse hin ausgerichtet.

Regionalität zählt

Für die Same Day-Zustellungen mit Ladegut ab 50 Kilogramm Gewicht, die mitunter eine tiefe Integration in Supply Chains von Unternehmen erfordern, sind die Infrastrukturen solcher KEP-Dienstleister jedoch nur bedingt ausgelegt. Mit standardisierten Spezialbelieferungen unter Zeitdruck mit schwereren, nicht standardisierten Waren wie etwa Nockenwellen, Maschinenteile usw. direkt ans Band, sind KEP-Dienstleister überfordert. Damit will nun der oberösterreichische Logistikdienstleister Schachinger mit seiner Same Day Logistics punkten. Gleichzeitig bieten die Hörschinger damit einen Service an, der auf die industrielastige Wirtschaft der Region zwischen Salzburg und Amstetten zugeschnittenen ist. Welche Ziele die renommierte Spedition damit verfolgt, darüber sprach Roland Glöckl, der Geschäftsführer der neuen Business-Unit Schachinger parcel & more, mit CR Hans-Joachim Schlobach.

Roland Glöckl
Roland Glöckl, CEO Schachinger parcel & more (Foto: RS Media World Archiv)

BLOGISTIC.NET: Herr Glöckl, Ihr neuer Service „Same Day Logistics“ will nicht ins Massengeschäft der KEP-Dienstleister mit Endverbrauchern einsteigen, dafür aber Highend-KEP-Services für B2B-Kunden bieten…
Glöckl: Das ist exakt unsere Grundüberlegung, wobei zu betonen ist, dass wir bei diesen Services sendungsaffin sind und nicht nur paketaffin.

BLOGISTIC.NET: Was heißt das und wer soll Ihre neuen Logistik-Services künftig nutzen?
Glöckl: Sendungsaffin bedeutet, dass wir beispielsweise eben auch Sendungen über 100 Kilogramm Gewicht transportieren können. Diese Sendungen können gerne auch unverpackt sein. Wir wollen dabei Industriekunden, der Baubranche mit ihren Baumaschinen, der Landwirtschaft mit ihrem landwirtschaftlichen Gerät und dergleichen zwischen Salzburg und Amstetten eine regionale Logistikplattform anbieten, mit der sie sehr flexibel entweder ihre Lieferungen oder aber auch ihre Beschaffung abwickeln können.

BLOGISTIC.NET: Was bedeutet Same Day in Ihrem Sprachgebrauch?
Glöckl: Same Day heißt bei uns: Morgens beauftragt, nachmittags bis 18 Uhr beliefert oder am Abend bestellt und am nächsten Morgen bzw. Vormittag geliefert.

BLOGISTIC.NET: Sie betonen das Wort „Überregionalität“. Warum?
Glöckl: Jede Region in Österreich hat ihre eigenen Anforderungen. Das hängt mit der jeweiligen wirtschaftlichen Struktur der Region zusammen. So sind im Osten Österreichs überwiegend der Handel und die Pharmaindustrie beheimatet, während Oberösterreich, Salzburg und die Steiermark sehr industrielastig sind, d.h. Automotive- und Maschinenbau, Stahlproduktion usw. Schachinger differenziert daher seine schon bekannte Branchenlogistik und schafft nun regionale Logistikplattformen, welche die spezifischen Wirtschaftsmärkte in den Regionen mit spezifischen Same Day-Services bedienen kann. Damit haben wir bereits Ende des letzten Jahres begonnen und für den Wiener Pharma-Markt unseren Medical-Logistic-Parcel-Service eingerichtet. Dabei handelt es sich um eine temperaturgeführte Logistik mit Klein-Lkw bis zu 3,5 Tonnen Nutzlast. Für Oberösterreich, wo mehrheitlich Industriekunden beheimatet sind, ist hingegen eine solche temperaturgeführte Logistik nicht notwendig. Natürlich denken wir auch über eine Ausweitung der Same Day Logistics auf die Verteilplattformen in Wien und Graz nach.

BLOGISTIC.NET: Wie hat man bei Schachinger festgestellt, dass gerade für solche Same-Day-Services ein Bedarf besteht?
Glöckl: Die Nachfrage nach zeitsensitiven Einzelbelieferungen ist in den letzten Jahren stark angewachsen. Das hängt damit zusammen, dass die Unternehmen immer weniger Ware vorrätig haben, dennoch aber die Produkte zur richtigen Zeit und in der richtigen Menge genau dann nutzen wollen, wenn der Bedarf dazu da ist. Gleichzeitig schreitet unter dem Schlagwort „Losgröße 1“ die Flexibilisierung der Produktion in den Unternehmen voran. Das bedeutet einerseits, dass Bestellungen immer kurzfristiger abgewickelt werden und sich andererseits die Lieferfenster verkleinern. Diese Effizienzsteigerungen haben klarerweise auch auf die Logistik Auswirkungen. Und wir haben mit unseren neuen Services eben darauf reagiert.

Die Nachfrage nach zeitsensitiven Einzelbelieferungen ist in den letzten Jahren stark angewachsen. Roland Glöckl, Schachinger parcel & more

BLOGISTIC.NET: Um das zu bewerkstelligen, müssen Sie sich als Logistiker aber auch in die Supply Chains der Unternehmen mehr und mehr integrieren…
Glöckl: Ja, deswegen muss man unsere Plattform-Logistik über den Tellerrand hinaus denken, nämlich von der Beschaffung hin bis zur Lieferung. So könnten Einkäufer ihre Beschaffungsprozesse auch über uns abwickeln. Sie müssen uns nur mitteilen, wo wir die Teile abholen und wohin wir diese dann anliefern dürfen.Solche Prozesse kann man auch entsprechend automatisieren.

BLOGISTIC.NET: Diese Plattform-Logistik könnte man aber auch für andere Branchen spielen. Bietet sich Ihre temperaturgeführte Pharma-Logistik, von der Sie vorhin sprachen, etwa auch für den Lebensmittelbereich an? In Hörsching ist ja zum Beispiel Metro angesiedelt.
Glöckl: Darüber gibt es ernsthafte Überlegungen, einen solchen temperaturgeführten Same-Day-Service für Frischwaren und Lebensmittel für die Gastronomie einzurichten. Insbesondere im E-Commerce-Zeitalter bietet sich so etwas an. Die Ware würde dann hier in Hörsching umgeschlagen und an die Gastronomie verteilt werden.

BLOGISTIC.NET: Vielen Dank für das Interview!

schachinger.com