POWER CHARGING-EXPERIMENT – Ringo spart Energie und CO2

Charging-Experiment – In Vingeanne-Jalancourt im Département Côte-d‘Or (Foto: Petra Bork /www.pixelio.de)
Charging-Experiment – In Vingeanne-Jalancourt im Département Côte-d‘Or (Foto: Petra Bork /www.pixelio.de)

Strom-Logistik – Ein groß angelegtes Power Charging-Experiment der beiden Konzerne RTE und Nidec Industrial Solutions in Frankreich soll die Entwicklung der Energienetze in Richtung Nachhaltigkeit voran bringen. Ziel des Stromlogistik-Projektes ist es, Energie-Überschüsse aus erneuerbarer Energie großflächig in großen Batteriespeichersystemen zu speichern, um diese bei Bedarfsspitzen an die Stromnetze wieder abzugeben. Das soll für eine Optimierung der Stromnetze sorgen und CO2-Emissionen erheblich senken.

Seit diesem Sommer hat RTE, der öffentliche Betreiber des französischen Stromnetzes in Frankreich, gemeinsam mit Nidec Industrial Solutions (NIS) den ersten Versuchsstandort für die automatisierte Steuerung der Stromspeicherung in großem Maßstab in Vingeanne-Jalancourt im Département Côte-d‘Or eingeweiht. Kaum mehr als ein Jahr nach Ankündigung des Experiments – des ersten weltweit dieser Art – testet nun RTE nun unter dem Label „Ringo“ die automatische Speicherung und Steuerung von Überschüssen erneuerbarer Stromquellen. Dieses Stromlogistik-Projekt könnte ein Durchbruch im Wandlungsprozess bei der Umstellung des (französischen) Stromsystems von umweltverschmutzenden zu nachhaltigen, erneuerbaren Energiequellen sein.

Power Charging-Experiment optimiert Energieströme

Nidec Industrial Solutions wurde dabei von RTE beauftragt, das erste Stromspeichersystem auf dem französischen Festland zu installieren, das die Verwaltung der Energieströme im Übertragungsnetz optimieren soll. Damit soll das Stromnetz optimaler ausgelastet und mit Hilfe von Batteriespeichersystemen diverse Engpässe in Zeiten von Spitzenbedarf vermieden werden. Dabei geht man davon aus, dass solche Batteriespeichersysteme zu einem wesentlichen Bestandteil moderner Stromnetze und zu Schlüsselelementen künftiger Energieversorgung werden. „Das Power Charging-Experiment, das wir mit RTE gestartet haben, ist ein wesentliches Element, mit dem Frankreich bis 2050 klimaneutralwerden will. Um dieses Ziel zu erreichen, muss einerseits mehr Strom erzeugt werden. Andererseits bedarf es einer besseren Energiesteuerung, indem man Produktion und Verbrauch moduliert. Mit Ringo wird nun möglich, das Wissen und Erfahrungen zu sammeln, die wir brauchen, um diese Herausforderung zu bewältigen“, sagt Dominique Llonch, CEO von Nidec ASI und Vorstandsvorsitzender von Nidec Industrial Solutions, gegenüber den Medien.

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Ohne Strom-Logistik verpufft die Energie einfach

Und in der Tat: Je nach Wetterbedingungen (hohe Sonneneinstrahlung und/oder starker Wind) kann die lokale Erzeugung von Sonnen- oder Windenergie erheblich ansteigen und die Förderkapazität des französischen Stromnetzes übersteigen. Das führt jedoch zu zum Teil zu erheblichen Verlusten der überschüssigen Energie. Das System Ringo ermöglicht es nun, diese überschüssige Energie zu speichern und sie dann wieder ins Stromnetz einzuspeisen, sobald Bedarf dafür besteht. Auf diese Weise wird nicht nur Energie gespeichert, sondern auch die Netze gleichmäßiger ausgelastet. Diese gleichmäßige Auslastung macht daher den Bau neuer Stromleitungen überflüssig. Gleichzeitig verhindert Ringo so die Produktion von CO2, weil während der Verbrauchsspitzen nicht auf umweltschädliche Energiequellen zurückgegriffen werden muss.

Power Charging-Experiment – Ringo ist intelligent

Ringo ist ein intelligentes System, heißt es in einer Pressemitteilung der beiden Konzerne. Zum ersten Mal weltweit wird nämlich ein Standort von Speicherbatterien aus der Ferne gesteuert. KI-Robots sammeln dabei in Realzeit Daten und bilden so die erste automatische Steuerung eines nationalen Energienetzes weltweit, heißt es weiter. Mit Hilfe der am Netz installierten Sensoren, die zu jedem Zeitpunkt die Elektronenströme messen, optimieren Algorithmen die Speicherung in Realzeit.

Viel Wind um viel Strom

Der Standort in Vingeanne-Jalancourt, nordwestlich von Dijon im Département Côte-d’Or wurde für Ringo mit Bedacht gewählt. Denn hier weht viel Wind und daher wurden hier große Windparks errichtet. Hier wurde eine der Versuchsbatterien errichtet mit einer Speicherkapazität von 12 MW/24 MWh. Das entspricht der Energieerzeugung von fünf Windturbinen oder dem Verbrauch von rund 10.000 Einfamilien-Häusern. Die Arbeiten begannen im Januar 2020. Im Juli wurde das System in Betrieb genommen, trotz der Schwierigkeiten, welche auch Frankreich während der Coronapandemie erfassten. Das Charging-Experiment ist auf drei Jahre angelegt. Diese Zeit ist erforderlich, weil man sich in einem intensiven Lernprozess befindet, an dessen Ende die optimale Nutzung erneuerbarer Energie stehen soll.

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Power Management für optimale Netze

Nidec Industrial Solutions hat für das Charging-Experiment in Vingeanne-Jalancourt seine elektronischen Stromrichter und sein Power Management System (PMS) zur Verfügung gestellt, das die gespeicherte Energie ins Netz einspeist genau dann, wenn die Verbraucher sie benötigen. Die an das Netz angeschlossenen Batterien, mit denen der Energieüberschuss gespeichert wird, sind NMC-Lithiumbatterien (Nickel, Mangan, Kobalt), die im Vergleich zu anderen Li-Technologien eine wesentlich höhere Energiedichte aufweisen.

Frankreich und sein Energiehaushalt

Das Projekt Ringo kommt den Entwicklungszielen für erneuerbare Energien nach, die von der französischen Regierung festgelegt wurden. Sie sollen u.a. das Stromübertragungsnetz bis 2030 flexibler machen und es mit Stromspeicherlösungen in großflächigem Maßstab ergänzen.

Charging-Experiment – Nidec baut Lösungen auch für das Aufladen von Fahrzeugflotten. (Foto: Nidec / RS MEDIA WORLD Archiv)
Charging-Experiment – Nidec baut Lösungen auch für das Aufladen von Fahrzeugflotten. (Foto: Nidec / RS MEDIA WORLD Archiv)

Damit soll den Verbrauchern künftig der Zugang zu einer sicheren, sauberen und kostengünstigen Energieversorgung garantiert werden. Das Experiment der Stromspeicherung wurde von der französischen Energieregulierungsbehörde CRE genehmigt und umfasst eine Gesamtinvestition von 80 Millionen Euro.

Nidec in Kürze

Nidec Industrial Solutions (NIS) bietet ein umfassendes Portfolio an elektrischen Anlagen und vereint die Produkte und Dienstleistungen von Nidec ASI, Avtron Industrial Automation, Nidec Industrial Automation und Motortecnica miteinander. Das Unternehmen bietet weltweit Lösungen für ein breites Spektrum industrieller Anwendungen. Die Referenzmärkte sind Petrochemie, herkömmliche und erneuerbare Energie, Stahlindustrie, Schiffbau und Industrieautomation. Der Weltkonzern hat sich auf Sonderausführungen spezialisiert, wo Leistungsstärke und Spitzenleistungen gefragt sind: Elektromotoren und Generatoren mit bis zu 65 MW Leistung (87.000 PS); Wechselrichter und elektronische Stromrichter; Automatisierung und industrielle Prozesssoftware; Nachrüstung von Kraftwerken und Wasserkraftwerken; integrierte Systeme zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen und deren Einbindung in Stromnetzwerke. Nach der Übernahme der Geschäftsbereiche Motors, drives and electric power generation von Emerson Electric Co. hat Nidec ASI seine Industrie- und Handelstätigkeit durch die Aufnahme von Antrieben mit mittlerer und niedriger Leistung weiter verbessert. Dank den Übernahmen von Control Techniques und Lorey-Somer, die seit dem 1. Februar 2017 zur Gruppe Nidec Corporation gehören, bietet das Unternehmen optimierte Motorsteuerungstechnologien an und entwickelt Automatisierungslösungen.

rte-france.com

nidec.com

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