PMI OKTOBER 2021 – Deutschlands Wachstum wird hart eingebremst

PMI Oktober 2021 – Deutschlands Wirtschaft wird von äußeren Bedingungen hart eingebremst. Besonders betroffen ist die Automobilwirtschaft. (Foto: Rainer Sturm / www.pixelio.de)
PMI Oktober 2021 – Deutschlands Wirtschaft wird von äußeren Bedingungen hart eingebremst. Besonders betroffen ist die Automobilwirtschaft. (Foto: Rainer Sturm / www.pixelio.de)

Trotz hoher Auftragsbestände und Zunahme der Beschäftigung blicken Deutschlands Unternehmer mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Die Gründe liegen in den niedrigen Neuaufträgen, gepaart mit wachsendem Inflationsdruck und anhaltenden Lieferengpässen. Das ergab der PMI Oktober 2021 von IHS Markit. Dessen Index für die Industrieproduktion verzeichnet ein 16-Monate-Tief und landete bei nur noch 51,1 Punkten.

Die Lieferengpässe bei Elektronikteilen, Micro-Chips und anderen Halbfertigprodukten sowie die Rohstoffknappheit zeigen in Europas Wachstumslokomotive Deutschland massiv Wirkung. Betroffen davon war vor allem die Automobil-Industrie, die wegen unterbrochener Lieferketten mittlerweile verbreitet ihre Produktion drosselte und vielfach Kurzarbeit anmelden musste. Aber nicht alleine die Industrie war betroffen. Wie die aktuelle Umfrage weiter zeigt, sind auch die Dienstleister in zunehmendem Maße von Lieferproblemen in Mitleidenschaft gezogen. Innerhalb weniger Monate sackte laut PMI Oktober 2021 das Wirtschaftswachstum insbesondere in der Industrie von einem Allzeit-Rekord im Juli mit 65,9 Punkten auf ein 16-Monate-Tief von 51,1 Punkten ab. Auch der Service- und Dienstleistungssektor ließ erheblich Federn und landete bei 52,4 Punkten (Anm.: 50 Punkte ist die Wachstumsschwelle).

Fachkräftemangel bleibt flächendeckend

Positiv ist, dass sich dies bislang nicht auf die Beschäftigung ausgewirkt hat. Im Gegenteil. Die Unternehmen erweitern nach wie vor ihre Kapazitäten, um vor allem ihre Auftragsbestände abzuarbeiten, die nach wie vor zunehmen und daher sehr hoch sind. Sie dürften weit ins Jahr 2022 reichen. Der Stellenaufbau blieb somit nicht nur stark, sondern beschleunigte sich gegenüber September sogar nochmals, wenn auch nicht so stark wie in den Vormonaten. Ein Wehrmutstropfen ist dabei, dass mit dem Beschäftigungszuwachs der Fachkräftemangel in Industrie und Dienstleistungssektor weiter zunimmt. Dies könnte einerseits das Wachstum weiter bremsen und andererseits den Kostendruck in den Unternehmen weiter anheizen, so die Einschätzung bei IHS Markit in Deutschland. Dieser Trend dürfte noch bis Mitte 2022 anhalten. Erst dann könnte im Bereich der Fachkräfte eine Entspannung möglich sein, weil das Neugeschäft der deutschen Industrie rückläufig ist. Die Auftragsbestände nahmen zwar im Oktober abermals stark zu, aufgrund des verringerten Zuwachses beim Neugeschäft sank der entsprechende Index jedoch mit 52 Punkten auf ein Sieben-Monatstief.

Inflationsdruck ist enorm

Wirklich Besorgniserregend ist jedoch der enorme Inflationsdruck, der auf der Wirtschaft in allen Sektoren ruht und den mittlerweile die Endverbraucher deutlich spüren. Der PMI Oktober 2021 bestätigt ebenfalls, dass die Verkaufs- bzw. Angebotspreise für Güter- und Dienstleistungen im Oktober so rasant wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung dieser Daten im September 2002. Industrie und Dienstleistungsbranche vermeldeten hier neue Allzeithochs. Die Inflationsrate lag lt. Statista im September bei 4,1 Prozent und dürfte sich weiter auf sehr hohem Niveau bewegen. Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit, kommentiert das so: „Besorgniserregend ist, dass die Wachstumsverlangsamung mit einer erneuten Beschleunigung des Anstiegs der Einkaufs- und Verkaufspreise der Unternehmen zusammenfällt. Im Sommer schienen die Preisindizes der Umfrage ihren Höchststand erreicht zu haben. Aber der jüngste Anstieg der Energie- und Kraftstoffpreise hat dazu beigetragen, den Inflationsdruck weiter zu verstärken, so dass die Unternehmen die Verkaufspreise im Oktober mit Rekordrate anhoben, um die höheren Kosten zu decken.“

ihsmarkit.com

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