PMI JUNI 2021 – Wachstumsrekord wie seit 15 Jahren nicht

PMI Juni 2021 - Die Eurozone katapultiert sich aus der Coronakrise mit einem fulminanten Wirtschaftswachstum wie schon seit 15 Jahren nicht. (Foto: Dieter Schütz / www.pixelio.de)
PMI Juni 2021 – Die Eurozone katapultiert sich aus der Coronakrise mit einem fulminanten Wirtschaftswachstum wie schon seit 15 Jahren nicht. (Foto: Dieter Schütz / www.pixelio.de)

PMI Juni 2021 – Die Eurozone katapultiert sich aus der Coronakrise mit einem fulminanten Wirtschaftswachstum – und zwar sowohl im Industriesektor als auch bei den Service- und Dienstleistungen. Das zeigt der aktuelle IHS Markit Composite Index PMI Juni 2021, der im Juni bei 59,5 Punkten landete. Analysten gehen dabei von einer weiteren Steigerung in den nächsten Monaten aus. Die Wachstumsaussichten könnten jedoch durch die anhaltenden Corona-Probleme im süd-chinesischen Container-Hafen Yantian eingebremst werden (siehe auch Logistikindikator Mai 2021).

Der Industrie- und Dienstleistungssektor in der Eurozone schaut so optimistisch in die Zukunft wie seit 15 Jahren nicht. Das zeigt der PMI JUNI 2021, der mit 59,5 Punkten den höchsten Stand seit dem Boom-Jahr 2006 verzeichnet. Dabei dürfte das Wachstum stabil sein, denn es wird nicht alleine vom Export, sondern auch von der steigenden EU-Binnennachfrage befeuert. Die Erwartungen der Unternehmen sind daher so optimistisch wie seit 21 Jahren nicht. Dies bestätigt Chris Williams, Chefökonom bei IHS Markit: „Eine Welle des Optimismus, dass das Schlimmste der Coronapandemie hinter uns liegt, hat die Wachstumserwartungen der Unternehmen auf den höchsten Stand seit 21 Jahren steigen lassen, was ein gutes Zeichen dafür ist, dass der Aufschwung in den kommenden Monaten weiter an Stärke gewinnen wird.“

Getragen von Industrie- und Dienstleistungssektor

Das starke Wachstum betrifft dabei einerseits den Industriesektor, aber andererseits vor allem den Dienstleistungs- und Servicesektor. Zwar wurde die Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat Mai nur minimal stärker ausgeweitet und landete somit wieder beim Allzeithoch vom vergangenen März. Dafür liefen im Dienstleistungs- und Servicesektor im Juni die Geschäfte so gut wie zuletzt Mitte 2007. Mit aktuell 58,3 Punkten nach 55,2 im Mai kletterte der finale IHS Markit Eurozone Service-Index auf den höchsten Wert seit Juli 2007. Seit drei Monaten kennzeichnet auch dieser Index wieder Wachstum. liefen die Geschäfte der Dienstleister auch diesmal wieder erheblich besser als im Vormonat, allen voran in Irland und Spanien. Zurückzuführen war dies den Befragten in sämtlichen von der Umfrage erfassten Ländern zufolge vor allem auf die Lockerungen der Corona-Restriktionen. Dies trug auch dazu bei, dass die Dienstleister so viele Neu- und Folgeaufträge einsammelten wie seit Juli 2007 nicht mehr.

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Auftragseingang massiv gewachsen

PMI Juni 2021 - Aufgrund der anziehenden Binnen- und Exportnachfrage wies der Auftragseingang im Juni das höchste Plus seit 21 Jahren aus. (Foto: Schmuttel / www.pixelio.de)
PMI Juni 2021 – Aufgrund der anziehenden Binnen- und Exportnachfrage wies der Auftragseingang im Juni das höchste Plus seit 21 Jahren aus. (Foto: Schmuttel / www.pixelio.de)

Aufgrund der anziehenden Binnen- und Export[1]nachfrage wies lt. PMI Juni 2021 der Auftragseingang im Juni das höchste Plus seit 21 Jahren aus. Angeführt vom boomenden Industriesektor, legte das Exportneugeschäft insgesamt so stark zu wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung dieser Daten im September 2014. Folglich nahm der Auftragsbestand zum vierten Mal hintereinander und mit neuer Rekordrate seit der ersten Berechnung im November 2002 zu. Gleichzeitig verbesserten sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist auf den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung dieser Daten Mitte 2012.

Irland führt vor Deutschland

Irland blieb in der Composite-PMI-Rangliste trotz leichter Abschwächung gegenüber dem Rekordwert vom Mai Spitzenreiter. Beschleunigt hat sich das Wachstum in allen anderen von der Umfrage erfassten Ländern. Dabei wird das Wachstumsranking angeführt von Spanien, dessen Index auf den höchsten Wert seit Februar 2000 stieg, gefolgt von Deutschland, wo die Wirtschaftsleistung so kräftig zulegte wie seit über zehn Jahren nicht mehr wuchs. Und in Italien und Frankreich ging es mit der Wirtschaft so zügig bergauf wie zuletzt vor knapp dreieinhalb Jahren.

Wachstum treibt Kosten

Der Kostendruck bereitete den PMI Juni 2021 – Befragten jedoch weiter Sorgen: Die operativen Kosten stiegen so rasant wie zuletzt im September 2000. So führte der enorme Auftragseingang auch zum fünften Mal in Folge zu mehr Jobs. Im Juni fiel er dabei so kräftig aus wie seit Oktober 2018 nicht mehr. Der daraus resultierende Lohndruck auf die Unternehmen (Stichwort „Fachkräftemangel“), zusammen mit den generell steigenden Einkaufspreisen für Güter, Kraftstoffe und andere Rohstoffe, ließ die Kosten so stark steigen wie zuletzt im Juli 2008. Folglich wurden die Angebotspreise so kräftig angehoben wie seit Oktober 2000 nicht mehr. Dies sorgte dafür, dass die Verkaufspreise mit der höchsten Rate seit Beginn der Erhebung dieser Daten vor knapp 19 Jahren angehoben wurden.

Positive Geschäftsaussichten

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen dennoch so optimistisch aus wie zuletzt im August 2000. So waren die IHS Markit-Befragten zuversichtlich, dass sich die jüngste Geschäftsbelebung vor dem Hintergrund der nachlassenden negativen Auswirkungen der Pandemie auch in den kommenden zwölf Monaten fortsetzen wird.

China bereitet Sorgen

Getrübt könnte der Optimismus allerdings von der Entwicklung in China werden. Dort führt die Teilsperrung süd-chinesischer Container-Häfen, insbesondere des Hafens von Yantian, zu einem sich weiter ausweitenden Schiffs- und Containerstau. Dort ist Corona unter den Hafenarbeitern ausgebrochen, dessen Ende derzeit noch nicht absehbar ist. So berichtet etwa das Kieler Institut für Weltwirtschaft am vergangenen Montag, von einer ungewöhnlich hohen Anzahl wartender Containerschiffe. Die Auswirkungen des Staus auf die Weltwirtschaft werde derzeit so hoch eingeschätzt wie der Schiffsstau am Suezkanal im Frühjahr 2021. In Kreisen der Schifffahrtsindustrie wird das Problem in Yantian sogar als gravierender eingeschätzt. (siehe auch Logistikindikator Mai 2021 der BVL)

ihsmarkit.com


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