PHARMA-LOGISTICS – Versorgungs-Infrastruktur wird zukunftsfit

Pharma-Logistics -  M.v.Künsberg Sarre (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)
Pharma-Logistics – M.v.Künsberg Sarre: „Hinsichtlich der Prozesse in unserem Lager vertraue ich auf die Kernkompetenz unseres Automatisierungspartners. Idealerweise hat mein Partner eine Lösung parat, bevor ich mir selbst im Vorfeld überlegen muss, wie wir ein Problem lösen könnten.“ (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)

Pharma-Logistics – Mit sieben Niederlassungen in Österreich ist die Herba Chemosan Apotheker AG, kurz Herba, Österreichs größter Pharmagroßhändler und -dienstleister. Das Unternehmen mit Sitz in Wien versteht sich als Full Service Provider für Apotheken und gehört damit zur kritischen Versorgungs-Infrastruktur im Land. Es führt jedoch nicht nur Medikamente, Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel im Sortiment, sondern liefert auch alle zu einem Apotheken-Betrieb notwendigen Artikel an seine Kunden. Zukunftsfit wird der Pharma-Großhändler jetzt mit Technik aus Österreich.

Wenn die Logistik einmal nicht reibungslos funktioniert, kann das im Bereich der Pharma-Logistics durchaus Menschenleben gefährden. Deswegen zählt Österreichs größter Pharmagroßhändler, die Herba Chemosan Gruppe, zur kritischen Versorgungs-Infrastruktur. Das Unternehmen versorgt Österreichs Apotheken flächendeckend mit Medikamenten sowie Medizinprodukten. An acht Standorten in Österreich (Wien, Linz, Salzburg, Rum bei Innsbruck, Dornbirn, Graz, Klagenfurt, Gallspach in Oberösterreich) sowie je einem in Tschechien und der Schweiz sind rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Diese setzten im vergangenen Jahr rund 1,5 Milliarden Euro um. Der Großhändler teilt sich dabei operativ auf die beiden Unternehmenszweige Herba Chemosan Apotheker-AG (1,2 Milliarden Euro) und Sanova Pharma (290 Millionen Euro) auf.

Pharma-Logistics muss zukunftsfit sein

Pharma-Logistics - Altbestand (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)
Pharma-Logistics – Altbestand an Kommissionierautomaten und manuelle Kommissionierung. Im Zuge des Retrofittings im Rahmen des Erneuerungsprojekts wurden alle Prozesse im SAP® EWM integriert. (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)

Umso wichtiger ist es, dass sich die Pharma-Logistics des Unternehmens möglichst flexibel und effizient an die Bedürfnisse der Apotheken anpassen kann und gleichzeitig den Anforderungen von Megatrends wie etwa der digitalen Transformation dauerhaft Rechnung trägt. Das trägt nicht nur zur Fehlerfreiheit und Rückverfolgbarkeit der Chargen bei, sondern dient insbesondere der Sicherheit der Patienten. Gleichzeitig muss im Zeitalter des E-Commerce die Distribution samt Retourenmanagement effizient und kostengünstig betrieben werden können, obgleich die Anforderungen an das System stetig steigen.

Ständige Modernisierung seit 2018

Daher startete Herba Chemosan bereits im Jahr 2018 ein umfassendes Modernisierungs- und Erweiterungsprojekt für alle seine Standorte. Effizienter und kostengünstiger zu werden war dabei oberstes Ziel. Darüber hinaus galt es, das Netz der Medikamenten-Versorgung in Österreich weiter zu verbessern und den Standort in Wien zu stärken. Zu diesem Zeitpunkt gehörte das Unternehmen noch zum US-amerikanischen Phramakonzern McKesson. Seit diesem Jahr ist es zur Gänze in österreichischer Hand. Im Rahmen des Projektes entschieden sich die Verantwortlichen in Wien für eine grundlegende Umstrukturierung ihrer Distribution. Die Zentrale in Wien fungiert nun als Drehscheibe für Langsamdreher, während sich die Standorte in den Bundesländern auf die Lagerung der schnelldrehenden Artikel konzentrieren. Alle bestellten Langsamdreher werden daher in Wien kommissioniert und über Nacht an die Bundesländer ausgeliefert. Dadurch werden nicht nur die Regionallager entlastet, sondern es wird auch Platz für zusätzliche Automation geschaffen.

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Pharma Logistics – Technik aus der Steiermark

Pharma Logistics – M. Falkner (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)
Pharma Logistics – M. Dalkner: „Als Technologie-Partner stellen wir uns den Herausforderungen und leisten unseren Beitrag für eine Value Chain, auf die sich Kunden und Patienten verlassen können. (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)

Technologisch setzte man bei der Erweiterung des Distributionszentrums in Wien auf das Know-how des langjährigen Technologiepartners aus Österreich: vom österreichischen Marktführer in diesem Bereich, Knapp. „Hinsichtlich der Prozesse in unserem Lager vertraue ich auf die Kernkompetenz unseres Automatisierungspartners. Idealerweise hat mein Partner eine Lösung parat, bevor ich mir selbst im Vorfeld überlegen muss, wie wir ein Problem lösen könnten“, erläutert Maximilian von Künsberg Sarre, CFO & COO bei Herba im Gespräch die Gründe der Entscheidung für die Spezialisten von Knapp. Die Intralogistiklösung der Steirer für die gesamte Pharma-Logistics in Wien besteht heute aus einem vollautomatischem Distributionszentrum mit 25.000 Stellplätzen auf Basis des OSR Shuttle Evo. Hinzu kommt ein Zentralbandsystem zur vollautomatischen Kommissionierung von Medikamenten-Packungen. Es handelt sich dabei um ein innovatives Nachschub-Konzept, das just-in-time die richtigen Artikel zum Nachfüllen der Kommissionierautomaten direkt aus dem Shuttle-System bereitstellt. Zusätzlich besteht das System aus Ware-zur-Person-Arbeitsplätzen der Pick-it-Easy-Serie sowie ein Knapp-Store mit automatischer Ein- und Auslagerung für Retouren. Für die automatische Endkontrolle arbeitet ein sogenannter Itemizer. Für die Steuerung hinterlegt ist das Gesamtsystem mit einer Softwarelösung Knapp SAP® EWM, für das der Hightech-Konzern aus Hart bei Graz seit Jahren zertifiziert ist. „Als Technologie-Partner stellen wir uns den Herausforderungen und leisten unseren Beitrag für eine Value Chain, auf die sich Kunden und Patienten verlassen können. Wir setzen auf einen Mix aus etablierten Technologien und innovativen Ansätzen“, erklärt Matthias Dalkner, Vice President Healthcare Solutions die Lösung.

Gewachsene Strukturen effizient erweitern

Pharma-Logistics - Das Shuttle-System (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)
Pharma-Logistics – Das Shuttle-System versorgt die Pick-it-Easy-Arbeitsplätze mit Artikel zum Kommissionieren und schafft 25.000 zusätzliche Stellplätze. Ein innovatives Nachschub-Konzept stellt die richtigen Artikel zum Nachfüllen der Kommissionierautomaten direkt aus dem Shuttle-System bereit. (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)

Eine große Herausforderung lag bei der Umsetzung des Projekts darin, die Erweiterung der Anlage ohne Beeinträchtigung des täglichen Geschäfts bei laufendem Betrieb durchzuführen. Um Platz für zusätzliche Automat-Zeilen und die neuen Pick-it-Easy-Arbeitsplätze zu schaffen, wurde daher eine Bühne über eine bestehende Automat-Linie eingezogen.

OSR Shuttle-Lösung und Ware-zur-Person-Kommissionierung

Das OSR Shuttle mit zusätzlichen 25.000 Stellplätzen befindet sich hingegen in einem Zubau. Alles erfolgt hier vollautomatisch: Die Einlagerung ins Shuttle-System sowie die Versorgung der Arbeitsplätze Pick-it-Easy Health. Hier kann im Ware-zur-Person Verfahren ergonomisch und fehlerfrei kommissioniert werden.

Automatische Retouren-Abwicklung

Retouren, die bisher manuell bearbeitet werden mussten, werden mit einem KNAPP-Store abgewickelt. Das System erfasst Charge, Seriennummer und Haltbarkeitsdatum eines jeden eingelagerten Artikels und lagert die entsprechenden Artikel fristgerecht wieder aus.

Automatische Endkontrolle mit Itemizer

Pharma-Logistics - KNAPP-Itemizer (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)
Pharma-Logistics – Mit dem KNAPP-Itemizer kann die Herba rund 3.600 Artikel pro Stunde automatisch prüfen. Die händische Endkontrolle entfällt dadurch. (Foto: Knapp / RS MEDIA WORLD Archiv)

Zur automatischen Endkontrolle werden die Artikel in einem sogenannten Itemizer automatisch vereinzelt und durch einen Scantunnel geschleust. Dabei werden sämtliche Strich- und Matrixcodes jedes einzelnen Artikels erfasst, geprüft und die Artikel anschließend wieder sanft in den Auftragsbehälter eingeworfen. Mit dem Itemizer ist es möglich, rund 3.600 Artikel pro Stunde automatisch zu prüfen.

Effizienzboost der Pharma-Logistics

Die Effekte für den Herma-Standort in Wien sind durch die Investition in die Erweiterung und die Logistik-Automationslösung von Knapp sind bemerkenswert. So wurde damit einerseits der Anteil der vollautomatischen Kommissionierung von 40 Prozent auf 80 Prozent gesteigert. Gleichzeitig reduzierte sich der Anteil der manuellen Kommissionierung von 55 Prozent auf 17 Prozent. Auf diese Weise konnte der ohnehin niedrige Anteil an Fehlkommissionierungen auf nahezu Null reduziert werden. Die Erweiterung des Distributionsstandortes in Wien erhöhte dessen Lagerkapazität signifikant um 25.000 Stellplätze. Und last but not least wird heute nur noch ein Wareneingang für das gesamte Sortiment benötigt.

Knapp und Herma-Partnerschaft in Kürze

Kundenorientierung und das Streben nach Innovation verbindet den österreichischen Marktführer in Sachen Logistikautomation, Knapp, mit der Herba Chemosan Apotheker-AG. Die gemeinsame Geschichte begann dabei in den 1960ern als der Pharma-Großhändler Herba in Graz bei einem – in der Lagerautomatisierung gerade Fuß fassenden Familienunternehmen namens Knapp – Förderbänder beauftragte. Nach und nach wurden auch weitere Herba-Standorte in Österreich und die Zentrale in Wien mit Paternoster und Fördertechnik ausgestattet. Diese Partnerschaft besteht bis heute. Nach vielen erfolgreichen Einzelprojekten startete Herba 2014 mit den steirischen Spezialisten das erste umfassende Modernisierungsprojekt. 2018 erfolgte ein weiterer Schritt Richtung Zukunft. Alle österreichischen Herba-Standorte wurden daher im Zuge einer Neuorganisation der Distribution modernisiert und mit Technologien aus Hart bei Graz erweitert.

herba-chemosan.at | knapp.com

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