PETER HANKE – „Hafen Wien hat ausgezeichnete Karten im Wettbewerb“

Im Hafen Wien (Foto: Steve Haider / RS Media World Archiv)
Der Hafen Wien ist ein quasi-quattromodales Logistik-Hub mitten in Wien. (Foto: Steve Haider / RS Media World Archiv)

Für Wiens Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke hat der Hafen Wien in der Coronakrise seine enorme Bedeutung für die Versorgung der Menschen in Wien und Österreich mit den Dingen des täglichen Lebens bewiesen. Er hat sich als gut funktionierendes quasi-quattromodales Logistik-Hub präsentiert, über das gerade während der Coronakrise mindestens so viele Güter umgeschlagen wurden wie im Jahr 2019. Dadurch stellt sich die Geschäftsentwicklung in vielen Sparten der Hafen Wien Gruppe erfreulich dar. Darum wird für die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit weiterhin kräftig in den Standort investiert. Durch das Interview führte Joachim Horvath.

D+B: Welchen Stellenwert besitzt die Stadt Wien, als Logistikdrehscheibe für den Wirtschaftsraum in Zentral- und Osteuropa?

Peter Hanke: Schon rein geografisch betrachtet ist die Stadt ein natürlicher Knotenpunkt in Mitteleuropa. Seit der Römerzeit ist der Standort an der Donau und zwischen Alpen und Karpatenbogen bestimmend für das wirtschaftliche, politische und kulturelle Leben in ganz Mitteleuropa. Diese zentrale Lage, diese Drehscheibenfunktion zwischen Ost und West bildet sich natürlich auch in dem Stellenwert ab, den Wien für die Logistik in diesem Großraum einnimmt. Mit den Häfen Freudenau, Albern und dem Ölhafen Lobau ist der Hafen Wien das größte Güterverkehrszentrum im Osten von Österreich. – Aber die Bedeutung des Hafen Wien reicht weit über die Ostregion hinaus. Mit seiner Lage an drei Ten-T-Korridoren ist er einer der wichtigsten Hinterland-Hubs Europas, vor allem für die großen Nordseehäfen und die adriatischen Häfen. Rund 2.000 Kilometer entfernt vom Schwarzen Meer und rund 1.500 Kilometer von der Nordsee fungiert der Hafen Wien als leistungsstarke Schnittstelle internationaler Handels- und Transportwege. Denn er hat im internationalen Vergleich eine optimale direkte Anbindung an die drei Verkehrsträger Schiff, Eisenbahn und Lkw und ist zudem ganz in der Nähe zum Flughafen Wien-Schwechat angesiedelt.

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D+B: Wie bewerten Sie eigentlich die Bedeutung der Logistik und der Logistikbranche für die Stadt Wien?

Hanke: Wien ist ein leistungsfähiger und international attraktiver Wirtschaftsstandort. In Wien sind etwa 40.000 Personen im Sektor Verkehr und Logistik beschäftigt, was den Sektor zu einem wichtigen Arbeitgeber macht. Insbesondere hat die Branche in den Zeiten des Lockdowns und direkt danach für alle Wienerinnen und Wiener sichtbar gemacht, welche Bedeutung sie für unsere Versorgung und damit unser tägliches Leben hat. Mit dem Hafen Wien besitzt die Stadt Wien nicht nur eines der wichtigsten und größten Logistikzentren an der Donau, sondern auch einen starken Partner sowie eine erstklassige Wirtschaftsdrehscheibe für die Unternehmen in Wien und Österreich.

Wien ist ein leistungsfähiger und international attraktiver Wirtschaftsstandort. In Wien sind etwa 40.000 Personen im Sektor Verkehr und Logistik beschäftigt, was den Sektor zu einem wichtigen Arbeitgeber macht.

Peter Hanke, Finanz- und Wirtschaftslandesrat Wien

D+B: Was sind aus ihrer Sicht die Alleinstellungsmerkmale der Logistikdrehscheibe Wien?

Hanke: Der Hafen Wien punktet durch seine Trimodalität, also die perfekte Anbindung an die Straßen-, Schienen- und Wasserinfrastruktur. Dazu kommt, dass der Hafen Wien nur wenige Kilometer vom Flughafen Wien entfernt ist. Damit kann man ihn sogar als quasi ‚quattromodal‘ bezeichnen. Mit rund 100 angesiedelten Unternehmen und bis zu 5.000 Arbeitsplätzen am Standort ist der Hafen Wien ein wichtiger Arbeitgeber. Die Transportalternative Donau und die umfassenden Serviceangebote schaffen ein Angebot, das Jahr für Jahr mehr Zuspruch erfährt. Der Hafen Wien hat seine Position als nationale und internationale Warendrehscheibe an der Donau über die Jahre hin konsequent gestärkt und ausgebaut.

(v.l) Hanke und Gollowitzer (Foto: David Bohmann; RS Media World Archiv)
(v.l.) Wirtschaftsstadtrat P. Hanke und K. Gollowitzer (GF Wienholding) im Hafen Wien. (Foto: David Bohmann; RS Media World Archiv)

D+B: Der Hafen Wien wurde als Unternehmen der Wien Holding in den letzten Jahren massiv ausgebaut. Waas wurde genau gemacht und wo wurde investiert?

Peter Hanke: In den letzten zehn Jahren wurden in den Ausbau des Hafen Wien gemeinsam von Hafen Wien, Wien Holding, Stadt Wien und von externen PartnerInnen über 200 Millionen Euro investiert. Dabei wurden unter anderem neue Umschlagseinrichtungen und eine neue Straßen- und Schieneninfrastruktur errichtet. Investiert wurde auch in den Containerterminal, die Landgewinnung, den Hochwasserschutz und neue Immobilienprojekte auf dem Areal wie zum Beispiel das HQ7. Der Hafen Wien hat daher heute mehr Lager- und Stellflächen denn je. Im Hafen wurden auch die Flächen für das Autoterminal neu organisiert, die Lkw-Abfertigung durch digitale Systeme hochgerüstet und zahlreiche Unternehmen auf dem Areal angesiedelt.

D+B: Was sind die Pläne für die kommenden Jahre?

Hanke: Auch in die Zukunft wird kräftig investiert. Wir treiben den Hafenausbau konsequent voran. So bauen wir aktuell für den Hafen Albern ein modernes Hochwasserschutztor nach dem Vorbild des Hafen Freudenau und investieren dafür rund 22 Millionen Euro, gemeinsam mit dem Bund. Erst vor kurzem haben wir zudem eine neue Photovoltaikanlage auf einem bestehenden Gewerbegebäude im Hafen Wien-Areal HQ7 in Betrieb genommen. Ab sofort wird damit am Standort beinahe ein Fünftel des gesamten Strombedarfs aus Sonnenenergie vor Ort gedeckt. Das entspricht einer jährlichen Erzeugung von 290.000 Kilowattstunden (kWh).

In den letzten zehn Jahren wurden in den Ausbau des Hafen Wien gemeinsam von Hafen Wien, Wien Holding, Stadt Wien und von externen PartnerInnen über 200 Millionen Euro investiert.

Peter Hanke, Finanz- und Wirtschaftslandesrat Wien

D+B: Welche Rolle spielen eigentlich die Verkehrsträger Schiene und Wasserstraße für die Stadt Wien?

Hanke: Wie bereits gesagt ist der Hafen Wien ein trimodaler Standort. Das bedeutet, er ist optimal angebunden an Schiene, Straße und Wasser. In jeder Kombination dieser Verkehrsträger können somit von hier aus Waren umgeschlagen werden. Genau das ist es, was den Hafen Wien so wichtig und stark macht. Das hat sich gerade in der Corona-Krise gezeigt. Der Hafen Wien konnte seine Stärken auch in Krisenzeiten ausspielen und brummt als Wirtschaftsmotor ganz kräftig. Er war nicht nur während des Lockdowns ununterbrochen in Betrieb, um die Stadt und das Umland zu versorgen, sondern er konnte auch wirtschaftlich weiterwachsen. In vielen Sparten konnten sogar Zuwächse im Vergleich zum Jahr 2019 erreicht werden, so zum Beispiel im Containerbereich. Es wurden mehr Container umgeschlagen und wir werden heuer die „magische Marke“ von 400.000 Containereinheiten erreichen. Auch die Zugverbindungen zu den europäischen Seehäfen wurden ausgeweitet und neue Sparten und Geschäftsfelder ausgebaut. So wie das Jahr 2020 bisher gelaufen ist, können wir also davon ausgehen, dass auch 2020 ein starkes wirtschaftliches Ergebnis erreicht wird.

Bericht über das neue Hochwassertor, das im Hafen Albern gebaut werden soll. (Wienholding-TV)

D+B: In welchem Bereich wird das in etwa liegen?

Peter Hanke: as wird in etwa auf dem Niveau des Jahres 2019 liegen. Damals haben wir einen Umsatz von rund 36 Millionen Euro und einen Gewinn von 3,6 Millionen Euro erwirtschaftet.

D+B: Sie sind Finanzstadtrat von Wien und somit für die Finanzen der Gemeinde zuständig. Welchen Bezug haben Sie zur Logistik im Allgemeinen und zur trimodalen Logistikdrehscheibe Hafen Wien im Speziellen?

Hanke: Als ehemaliger Geschäftsführer der Wien Holding war ich neben dem Geschäftsfeld Kultur auch für die Logistikbereiche in unserem Unternehmen verantwortlich. So habe ich schon seit vielen Jahren einen besonderen Bezug zu den Logistikbetrieben in Wien. Als Wirtschaftsstadtrat freut es mich sehr, dass der Hafen Wien als trimodale Logistikdrehscheibe weiterhin so erfolgreich wirtschaftet und einen ausgezeichneten Ruf im zentral- und osteuropäischen Wirtschaftsraum genießt.

D+B: Was meinen Sie: Wie wird sich Wien in den kommenden Jahren als Logistikstandort im Wettbewerb mit Städten wie Bratislava, Prag und Budapest positionieren?

Hanke: Natürlich gibt es einen starken Wettbewerb zwischen den europäischen Logistikstandorten. Dabei hat der Hafen Wien ausgezeichnete Karten – und er ist stark und erfolgreich positioniert. Wir rüsten den Hafen Wien schon seit vielen Jahren konsequent und nachhaltig für die Zukunft. So investieren wir in die Infrastruktur vor Ort, zum Beispiel in ein neues Hochwasserschutztor für den Hafen Albern. Wir optimieren konsequent unsere Abläufe im operativen Geschäft, auch mit digitalen Systemen und durch Automatisierung. Und wir haben durch entsprechende Maßnahmen, wie die Fusionierung von Teilgesellschaften, die Strukturen des Hafen Wien verschlankt und effizienter gestaltet. Verstärkt haben wir auch neue Geschäftssparten und Geschäftsmodelle entwickelt.
So wurde im Jahr 2020 das sogenannte Trailer-Geschäft neu aufgebaut. Dabei werden ganze Lkw-Sattelauflieger auf den Zug verladen und zu den Zieldestinationen transportiert.

D+B: Wie hat sich das Neugeschäft entwickelt?

Hanke: Das Geschäft hat sich ausgezeichnet entwickelt. Obwohl erst Mitte 2019 mit zwei Rundläufen (vier Züge) gestartet, verzeichnete die Route von und nach Rotterdam mit zwei weiteren Rundläufen (vier Zügen) mehr pro Woche, eine Steigerung von plus 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019. Somit hat sich das gesamte Trailer-Geschäft auf der Achse Wien-Rotterdam im zweiten Geschäftsjahr 2020 bereits verdoppelt.

D+B: Vielen Dank für das spannende Gespräch.

wien-holding.at


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