ÖSTERREICHISCHE POST – Hitziger nimmt den Hut

Nach der geplatzten Kooperation mit der deutschen Fintech-Gruppe nimmt der Brief- und Filial-Vorstand der Österreichischen Post, Walter Hitziger, den Hut. Gleichzeitig strafft Vorstandschef Georg Pölzl die Organisation des Logistik-Konzerns. Das Scheitern des Deals schlägt sich in den Bilanzen des Jahres 2018 mit kolportierten 15 Millionen Euro negativ nieder.

Österreichische Post (Foto: W. Streitfelder)
Karten im Post-Vorstand werden neu gemischt. (Foto: W. Streitfelder)

Kehraus im Vorstand der Österreichischen Post. Der für die Briefsparte und das Filialgeschäft der „gelben Füchse“ zuständige Post-Vorstand, DI Walter Hitziger, räumt seinen Vorstandssessel zum 31.12.2018. Dem gingen heftige Diskussionen in einem Sonder-Aufsichtsrat am 15. Dezember um das missglückte Joint Venture mit der deutschen Fintech-Gruppe voraus. Über diese Gruppe wollte die Österreichische Post Finanzdienstleistungen anbieten, wenn die Zusammenarbeit mit der BAWAG beendet ist.

Hitziger: Es sah alles so gut aus

Die Kooperation mit der Fintech-Gruppe stellt sich nun als ziemliches finanzielles Fiasko heraus. Dabei sah noch im vergangenen September alles sehr gut aus. Man glaubte einen Kooperationspartner zu haben, mit dem man auch nach dem Ende der Kooperation mit der BAWAG Ende 2019, Finanzdienste anbieten kann. Damals wollte man hierfür gemeinsam mit der FinTech Group ein 50/50-Joint-Venture gründen. Die FinTech Group Bank AG sollte dabei ihre Niederlassung in Österreich inklusive der rund 30.000 Kunden in das Joint Venture einbringen.

Gescheitertes Joint-Venture. Die neue Joint-Venture-Gesellschaft sollte nach der Erteilung einer Banklizenz, die nie bei der Finanzaufsicht beantragt wurde, Bankdienstleistungen in Österreich erbringen und in den nächsten fünf Jahren mit einem Eigenkapital von über 200 Millionen Euro ausgestattet werden. Umgekehrt sollte die Joint-Venture-Gesellschaft einen Kooperationsvertrag mit der Österreichischen Post abschließen, in den das halbstaatliche Unternehmen ihre 433 eigenbetriebenen Post-Filialen und 1.351 Post-Partner einbringen wollte. Zusätzlich sollte ein IT-Kooperationsvertrag mit der FinTech Group AG abgeschlossen werden, welcher die Bank-IT-Dienstleistungen der FinTech Group AG über eine Laufzeit von zehn Jahren in einer Umsatzhöhe von mehr als 100 Millionen Euro umfasst. Im Rahmen dieses Joint Ventures hat sich die Österreichische Post mit sieben Prozent an der FinTech Group AG beteiligt und einen Sitz im Aufsichtsrat eingenommen. Kaufpreis: 35 Millionen Euro mit 1.225.761 Aktien.

Außer Spesen nichts gewesen

Der Deal ist jedoch schon im November, kurz nach seinem Abschluss, ohne Angabe näherer Gründe geplatzt und fällt nun der Österreichischen Post und Vorstand W. Hitziger auf die Füße. Denn kurz nach der Aufkündigung rasselte der Wert der Fintech-Aktien um rund neun Prozent in den Keller und hat sich bis heute nur teilweise erholt. Fakt ist, dass sich dieser Verlust mit rund 15 Millionen Euro in den Post-Bilanzen niederschlagen wird. Der Kurzausflug der Österreichischen Post in die Startup-Szene ist somit ein Fiasko.

Umbau im Vorstand

Am 15. Dezember fand daher ein Sonder-Aufsichtsrat statt, der teilweise heftig geführt wurde, wie Beobachter berichten. Das Ergebnis der Sitzung: W. Hitziger nimmt „einvernehmlich“ zum 31.12.2018 seinen Hut. Seine Agenden werden auf die drei übrigen Vorstände verteilt. Generaldirektor Georg Pölzl übernimmt das Geschäftsfeld Filialnetz. Gleichzeitig wird der Vorstand neu organisiert und gestrafft. Der zukünftige Generaldirektor Stellvertreter Walter Oblin übernimmt zusätzlich zu seinen bisherigen Agenden die Geschäftsfeldverantwortung für die Division Brief und Werbepost und die dazugehörigen Beteiligungen. Neben der Division Paket & Logistik übernimmt Vorstand Peter Umundum auch die Verantwortung für die Produktion beider Sparten Brief und Paket. „Mit der Neuverteilung der Geschäftsfelder in einem kleineren Vorstandsteam wird es gelingen, weitere Synergien zu heben und unseren Kunden ein umfangreiches Brief- und Paket-Produktportfolio mit einer Top-Qualität zu bieten“, ist Edith Hlawati, Vorsitzende des Aufsichtsrats, jedenfalls überzeugt.

Finanz-Dienstleistungen passée?

Wie geht es jedoch weiter bei den Finanzdienstleistungen der Österreichischen Post? – Das weiß so genau niemand. Fakt ist, dass man mit der Suche wieder ganz von vorne beginnen muss. Einige andere potenzielle Kooperationspartner wie beispielsweise die Volksbanken oder Santander haben einer Kooperation schon vor dem Fintech-Deal eine Absage erteilt.

post.at
fintechgroup.com

Verwandte Themen

Österreichische Post – Auf Spitzenzeiten vorbereitet
Last Mile – Autonomer Zustellrobot statt Postler
Versandhandel – Jako-o wählt Österreichische Post als Partner
Frischelogistik – Postler als Nahversorger