MERGERS-ACQUISITIONS-INDEX – Weltweiter Rückgang in Österreich kaum spürbar

Mergers-Acquisitions-Index – Weltmarkt stürmt an Österreich vorbei. (Foto: Janusz Klosowski / www.pixelio.de)
Mergers-Acquisitions-Index – Weltmarkt stürmt an Österreich vorbei. (Foto: Janusz Klosowski / www.pixelio.de)

Mergers-Acquisitions-Index – Der weltweite Rückgang bei Mergers & Acquisitions (M&A) in Industrie und Wirtschaft ist derweil in Österreich kaum spürbar. Sie blieben 2022 gegenüber 2021 mit einem homöopathischen Wachstum nahezu konstant. Ob das so bleibt, ist allerdings fraglich. Den Löwenanteil der Transaktionsvolumina lieferten gerade einmal die Top-5-Deals. Sie machten rund 70 Prozent der Firmenübernahmen aus. Ansonsten gingen die teilweise disruptiven Entwicklungen in der Weltwirtschaft in 2022 an Österreich fast spurlos vorbei. Das ergab die jüngste M&E-Untersuchung von EY Austria.      

Nach dem Ende der COVID-19-Restriktionen in vielen Teilen der Welt, sendeten im vergangenen Jahr starke M&A-Aktivitäten zunächst einmal positive Signale an die Weltwirtschaft. Allerdings hat die steigende Inflation die Entwicklung jäh gebremst. Diese wurde einerseits durch die anfänglich verfehlte Zinspolitik der Europäischen Zentral Bank (EZB) befeuert und durch die ungenaue finanzielle Förderpolitik der EU-Staaten im Gießkannenprinzip weiter verstärkt. Beide Maßnahmen erhöhten die Euro-Geldmenge teilweiswe nahezu unkontrolliert. Gleichzeitig führte die willkürliche Energiepolitik des faschistischen Diktators der Russischen Föderation, W. Putin, zu explodierenden Energiepreisen, welche die Inflationseffekte noch weiter dramatisierten. Die rückläufigen M&A-Zahlen reflektieren daher das allgemein gedämpfte Geschäftsklima, bringt es der jüngste Mergers-Acquisitions-Index der Berautugsagentur Ernst & Young (EY) auf den Punkt. Dieser Rückgang ist aber auch auf die geopolitischen Spannungen im Pazifik-Raum zurückzuführen. Exemplarisch dafür steht hier ein Rückgang der Deal-Aktivität von China nach Nordamerika um 62 Prozent. Davon war Österreich als kleines Land allerdings noch weitestgehend unberührt, denn die Alpenrepublik ist nur selten in interkontinentale Deals involviert. „Der heimische Deal-Markt hält sich deshalb insgesamt stabil: Die Anzahl der Übernahmen mit österreichischer Beteiligung ist 2022 im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht von 293 auf 297 gestiegen. Dies entspricht einem Anstieg um 1,4 Prozent“, heißt es im Mergers-Acquisitions-Index vom Januar 2022.  

E. Berchtold – „…Unternehmen sind unter Druck“ 

„Weltweit geht der M&A-Markt gerade, bedingt durch das wirtschaftlich herausfordernde Umfeld, stark zurück. In Österreich ist von diesem Abwärtstrend bisher aber wenig zu spüren. Der Markt hält sich hier konstant und konnte 2022 sogar eine leichte Steigerung verbuchen. Insgesamt nähern wir uns wieder langsam dem Vor-Corona-Niveau, wir gehen allerdings davon aus, dass sich das 2023 ändern wird und auch in Österreich die Deal-Aktivität etwas zurückgehen wird“, bestätigt so Eva-Maria Berchtold, Partnerin und Leiterin der Strategie- und Transaktionsberatung (Strategy and Transactions) bei EY Österreich, gegenüber den Medien und weiter: „Was wir aber auch hierzulande spüren, ist, dass 2022 einige Unternehmen finanziell unter Druck geraten sind, sodass wir 2023 weltweit auch in Österreich einen Anstieg an Deal-Aktivität im Distressed-Bereich erwarten. Zusätzlich könnte eine Neugewichtung des Portfolios durch die CEOs zum Verkauf von Non-Core Geschäftsbereichen führen.  

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R. Hufnagel – „Veränderungen hinterlassen Spuren“ 

„Überall stehen Unternehmensführungen durch die anhaltend hohe Inflation vor einer Vielzahl an Herausforderungen, wie die damit verbundenen stark gestiegen Lohn und Energiekosten. Diese makroökonomischen und geopolitischen Veränderungen werden Spuren in den Unternehmensergebnissen hinterlassen“, ist Robert Hufnagel, Partner und Leiter M&A Advisory bei EY Österreich überzeugt. Das führe auch zu Veränderungen bei M&A-Deals, ist der Manager überzeugt und er prognostieziert: „Für Käufer:innen wird es aufgrund dieses Umfelds in den kommenden Jahren deutlich schwerer werden, Übernahmekandidat:innen richtig zu bewerten. Gleichzeitig werden sich Verkäufer:innen schwerer tun, eine hohe Bewertung zu argumentieren.“ 

Mergers-Acquisitions-Index – Fünf Deals bestimmen österreichischen Markt 

Mergers-Acquisitions-Index – E.-M. Berchtold - “Weltweit geht der M&A-Markt gerade, bedingt durch das wirtschaftlich herausfordernde Umfeld, stark zurück. In Österreich ist von diesem Abwärtstrend bisher aber wenig zu spüren.” (Foto: EY / RS MEDIA WORLD Archiv)
Mergers-Acquisitions-Index – E.-M. Berchtold – “Weltweit geht der M&A-Markt gerade, bedingt durch das wirtschaftlich herausfordernde Umfeld, stark zurück. In Österreich ist von diesem Abwärtstrend bisher aber wenig zu spüren.” (Foto: EY / RS MEDIA WORLD Archiv)

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das Transaktionsvolumen in Österreich im Wesentlichen von den Top-5-Deals getrieben wurde. Diese machten rund 70 Prozent des Gesamtvolumens aus. Die restlichen 30 Prozent teilten sich auf insgesamt 24 weitere Deals auf. Die Top-five setzten sich dabei zusammen aus dem anteiligen Kauf von 12,7 Prozent der Immofinanz durch die CPI Property Group um 403,5 Millionen Euro und der Übernahme von Essentra Packaging durch Mayr-Melnhof Karton um umgerechnet 363,5 Millionen Euro. Hinzu kam der Kauf von 24,5 Prozent der S-Immo durch die Iimmofinanz um 337,5 Millionen Euro, die Übernahme eines diversen Portfolios von 53 Retail-Immobilien durch die Immofinanz um 324,2 Millionen Euro sowie der Kauf des „D90“ Hochhauses in der Brigittenau in Wien durch Greystar Real Estate Partners um 180 Millionen Euro. Nicht berücksichtigt im Mergers-Aquisitions-Index von EY Austria sind hingegen drei öffentliche Übernahmeangebote in Höhe von bis zu 1,1 Milliarden Euro, weil deren Ausgang noch nicht final feststeht. Darunter fallen auch die Übernahmepläne von XXXLutz am Online-Möbelhändler Home24. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass das Transaktionsvolumen nur jene Transaktionen mit einschließt, deren Wert bekanntgegeben wurde. 

Strategische Investor:innen geben unverändert den Ton an 

Die überwiegende Mehrheit der Transaktionen entfiel 2022 mit 286 Deals auf strategische Transaktionen – das entspricht einem erneuten Plus von zehn Transaktionen im Vergleich zum Vorjahr. Demgegenüber gab es lediglich elf Transaktionen durch Finanzinvestor:innen (Private Equity, „PE“ bzw. Venture Capital, „VC“) mit österreichischer Beteiligung. Im Vorjahr konnten hier noch 17 Deals verzeichnet werden. Im Gegensatz zum weltweiten Transaktionsmarkt spielt in Österreich privates Risikokapital damit unverändert eine untergeordnete Rolle.  

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Mergers-Acquisitions-Index – Österreicher:innen kaufen vermehrt im Ausland 

Der österreichische M&A-Markt erfährt zudem eine steigende Internationalisierung, denn Deals innerhalb Österreichs sind weiter rückläufig und 2022 um 12,5 Prozent gesunken. Ausländische Investor:innen waren 2022 im Gegenzug erneut in Österreich aktiv: Die Anzahl der Transaktionen stabilisierte sich im Bereich „Inbound“ nach einem außerordentlichen starken Vorjahr bei 115 Deals – ein Minus von 13,5 Prozent. Österreichische Investor:innen kündigten 2022 zur Verfolgung ihrer internationalen Wachstumsziele 133 M&A-Transaktionen an. Damit gab es deutlich mehr Übernahmen von ausländischen Unternehmen („Outbound“) als im Vorjahr (plus 27,9 Prozent). 31,3 Prozent aller Käufe von österreichischen Unternehmen durch ausländische Investor:innen – dies entspricht 36 Deals – gingen 2022 auf das Konto von deutschen Investor:innen. Deutschland verteidigt somit den ersten Rang als stärkstes Herkunftsland inländischer Investitionen und bleibt gleichzeitig beliebtestes Zielland für einheimische Invests mit 27,8 Prozent. 

Industrie- sowie Immobiliensektor im M&A-Fokus 

Mergers-Acquisitions-Index – R. Hufnagel - “Diese makroökonomischen und geopolitischen Veränderungen werden Spuren in den Unternehmensergebnissen hinterlassen." (Foto: EY / RS MEDIA WORLD Archiv)
Mergers-Acquisitions-Index – R. Hufnagel – “Diese makroökonomischen und geopolitischen Veränderungen werden Spuren in den Unternehmensergebnissen hinterlassen.“ (Foto: EY / RS MEDIA WORLD Archiv)

Bei der Anzahl der Transaktionen lag der Industriesektor 2022 mit 89 Deals vorne, gefolgt von Unternehmen aus dem Immobiliensektor mit 68 Deals sowie dem Technologiesektor mit 60 Transaktionen. Bei den veröffentlichen Transaktionsvolumina rangiert der Immobiliensektor mit 1,5 Milliarden Euro auf Platz eins vor dem Industriebereich mit 0,5 Milliarden Euro. Das ist vor allem auf den Kauf der Anteile der IMMOFINANZ AG durch die CPI Property Group S.A. zurückzuführen.  

EY in Kürze 

Ernst & Young ist ein unter dem Kürzel EY global operierendes Netzwerk rechtlich selbstständiger und unabhängiger Unternehmen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Transaktionsberatung, Risk Advisory, Financial Advisory sowie Unternehmens- bzw. Managementberatung und klassische Rechtsberatung. Die internationale EY-Organisation unter dem Dach von Ernst & Young Global Limited (EY Global) mit Sitz in London, beschäftigte im Geschäftsjahr 2020/21 312.250 Mitarbeiter an über 700 Standorten in über 150 Ländern. Der Gesamtumsatz des Netzwerks belief sich im Geschäftsjahr 2020/21 auf 40 Milliarden US-Dollar. 

ey.com

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