Logistikindikator Juni 2022 – Stimmung in der Branche von Sorgen geprägt

Logistikindikator Juni 2022 – Der Vernichtungskrieg Russlands gegen die Ukraine führt weltweit zu einer Kettenreaktion der Probleme. (Foto: Kriegsmahnmal in Chatyn, Ukraine. Thomas Schaal / www.pixelio.de)
Logistikindikator Juni 2022 – Der Vernichtungskrieg Russlands gegen die Ukraine führt weltweit zu einer Kettenreaktion der Probleme. (Foto: Kriegsmahnmal in Chatyn, Ukraine. Thomas Schaal / www.pixelio.de)

Logistikindikator Juni 2022 – Nachdem die Russische Föderation ihren Vernichtungskrieg gegen die Ukraine entfesselte, haben sich die Geschäftsaussichten in der Gesamtwirtschaft erwartungsgemäß eingetrübt, nachdem die Coronakrise ökonomisch bereits nahezu überstanden war. So auch in der Logistikwirtschaft. Deren Stimmung lag zuletzt im von der BVL und dem Münchener ifo-Institut erstellten Logistikindikator bei einem Wert von 90,9. Ab einem Wert von 100 ist die Stimmung in der Logistikbranche überwiegend positiv.    

Die Stimmung in der deutschen Logistikwirtschaft ist nicht gut. Der Geschäftsklimaindex erhielt einen erneuten Dämpfer und notierte zuletzt nur noch bei einem Wert von 90,9. Dies geht aus dem Logistikindikator Juni 2022 hervor, die das ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik, BVL, im Rahmen seiner Konjunkturumfragen durchführt. Zurückzuführen war dieser Rückgang vor allem auf die erheblich pessimistischeren Geschäftserwartungen der Unternehmen. Auch die Geschäftslage wurde weniger häufig als noch zuvor als günstig beurteilt.

Logistikindikator Juni 2022 – Zukunftssorgen weiten sich aus

Und bei den Logistikdienstleistern breiteten sich Zukunftssorgen weiter aus, wodurch der Geschäftsklimaindikator auch in den nächsten Monaten weiter in den negativen Bereich rutschen dürfte. Allerdings: Die laufenden Geschäfte bewerteten die Unternehmen indes noch häufig positiv, denn die dynamische Nachfrage ließ den Auftragsbestand weiter ansteigen. Preispolitisch fassten die Unternehmen flächendeckend Anhebungen ins Auge.

In Handel und Industrie wächst die Skepsis

Auch die Betriebe aus Handel und Industrie zeigten sich nun häufig besorgt mit Blick auf die Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr. Die Zufriedenheit mit den laufenden Geschäften nahm ab, so dass auch der Klimaindikator der Wirtschaft erhebliche Einbußen zu verzeichnet hatte. Auch hier fiel die Kennzahl laut ifo in den negativen Bereich. Die bereits stark erhöhten Preise sollen im kommenden Quartal abermals angehoben werden.

Corona ist wirtschaftlich durch

Die jüngste Coronawelle hinterließ im zurückliegenden Winterhalbjahr nur geringfügige Spuren in der deutschen Konjunktur. Nachdem die Wirtschaftsleistung am Jahresende 2021 um 0,3 Prozent zurückgegangen ist, wurde zu Jahresbeginn 2022 bereits wieder ein Plus verzeichnet. Im ersten Quartal 2022 stieg das Bruttoinlandsprodukt – preis-, saison- und kalenderbereinigt – sogar um 0,2 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2021. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde dabei vor allem vom Dienstleistungssektor getragen, welcher vom Abflauen der Coronawelle profitieren konnte. Auch die Bauwirtschaft startete, nicht zuletzt als Folge der günstigen Witterung, kräftig ins neue Jahr.

Diktator Putin ist verantwortlich

Seit Ende Februar wird die konjunkturelle Entwicklung allerdings zunehmend durch den Vernichtungskrieg der russischen Föderation, den der faschistische Diktator W. Putin in der Ukraine entfesselte, beeinträchtigt. Dessen Auswirkungen sind aber in den Wirtschaftsindizes, also auch im Logistikindikator Juni 2022 noch nicht zur Gänze erfasst und eingepreist. So dürften der Nahrungsmittelkrieg, den die Russische Föderation führt, zu einer bis jetzt noch nicht erfassten Kettenreaktion mit weiter explodierenden Lebensmittelpreise in der ganzen Welt führen und somit die Nachfrage nach anderen Gütern weiter dämpfen, sondern zu Unruhen in den Entwicklungsländern führen, welche wiederum deren wirtschaftliche Entwicklung eingebremst oder sogar gestoppt wird. Aber auch der mehrwöchige Lockdown wichtiger Wirtschaftszentren in der VR China belastet die Wirtschaft und damit die Logistikwirtschaft. So sind die Staus der Hochseeschiffe vor China und den USA keineswegs abgebaut, sondern haben mittlerweile die nordeuropäischen Häfen erfasst und führen zu weiteren Lieferkettenproblemen.   

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Logistikindikator Juni 2022 – Preise dämpfen Nachfrage

Logistikindikator Juni 2022 -  Die Stimmung der Logistikbranche ist dauerhaft getrübt. (Foto: Andreas Hermsdorf / www.pixelio.de)
Logistikindikator Juni 2022 – Die Stimmung der Logistikbranche ist dauerhaft getrübt. (Foto: Andreas Hermsdorf / www.pixelio.de)

Dennoch hat sich in den vergangenen Monaten an der positiven Einschätzung der wirtschaftlichen Lage durch die deutschen Unternehmen insgesamt noch nichts geändert. Allerdings ließen eine Verschärfung der Lieferengpässe, die notwendigen Sanktionen gegen Russland und die durch den Putin-Krieg verursachten sprunghaften Anstiege der Energie- und Nahrungsmittelpreise die Erwartungen der Unternehmen bis zum Stichtag des Logistikindikator Juni 2022 einbrechen und sowohl Produzenten- als auch Verbraucherpreise kräftig steigen. Während Lieferengpässe und Sanktionen die Produktion und den Absatz im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe hemmen, dämpfen die hohen Preise vor allem die Nachfrageseite. Bereits seit einigen Monaten schwächen sich die Auftragseingänge in der Industrie ab, und im Baugewerbe nehmen die Auftragsstornierungen zu. Auch die Umsätze im Einzelhandel gaben zuletzt kräftig nach, nachdem die Inflationsrate im April erstmals seit dem Jahr 1981 auf über sieben Prozent stieg.

Steigende Kosten dämpfen Gewinnaussichten

Zusätzlich dürften die hohen Kosten die Gewinne und damit die Investitionstätigkeit der Unternehmen in der Zukunft belasten. So gaben in der Aprilbefragung des ifo Instituts die Industrieunternehmen an, nur gut 50 Prozent der gestiegenen Kosten an ihre Kunden weitergeben zu können. Bei den Bauunternehmen und den Dienstleistern liegt die Weitergabe bei gerade einmal 25 Prozent. Schließlich dürfte der pessimistische Ausblick der Unternehmen auch auf einen kräftigen Anstieg der allgemeinen Unsicherheit zurückzuführen sein. Da der weitere Verlauf des russischen Vernichtungskrieges gegen die Ukraine und die damit verbundenen wirtschafts- und geopolitischen Entscheidungen schwer abzuschätzen sind, fällt den Unternehmen ein Ausblick auf den weiteren Geschäftsverlauf schwer.

Logistikindikator Juni 2022 zeigt eingetrübte Aussichten

Insgesamt haben sich also die konjunkturellen Aussichten der Wirtschaft im Allgemeinen und der Logistikwirtschaft im Besonderen eingetrübt. Fakt ist jedenfalls: Das gesamtwirtschaftliche Wachstum fällt in diesem Jahr niedriger aus als noch zu Jahresbeginn erwartet. Allerdings dürften die Auftriebskräfte, die im Zusammenhang mit dem Abflauen der Coronawelle stehen, ein Abgleiten der Wirtschaft in eine Rezession verhindern. Dafür sprechen auch die bis zuletzt rückläufige Kurzarbeit und nur geringfügige Existenzängste der Unternehmen. Die Inflationsraten dürften im weiteren Jahresverlauf hoch bleiben. Eine überwiegende Mehrheit der vom ifo Institut befragten Unternehmen plant auch in den kommenden Monaten die Preise weiter anzuheben.

Logistikindikator in Kürze

Der Logistikindikator wird vom ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. berechnet. Er geht aus den monatlichen Konjunkturumfragen für den Zeitraum ab 2015 hervor. Zur Ermittlung des Indikators werden mehr als 4.000 Antworten von Anbietern von Logistikleistungen (60 Prozent Güterverkehr (ohne Luftfracht); 40 Prozent Speditionen und Logistik) bzw. von Unternehmen aus den Bereichen des Verarbeitenden Gewerbes (66 Prozent) und des Handels (Großhandel: 17Prozent; Einzelhandel: 17 Prozent) als Anwender von Logistikleistungen herangezogen.

Ergebnisse aus drei Antwortalternativen

Der Gesamtindikator wird zu gleichen Teilen aus den Ergebnissen der Anbieter und der Anwender berechnet. Das Fragendesign zielt auf die konjunkturelle Beurteilung der aktuellen Geschäftssituation, den Entwicklungen in den letzten Monaten und den Erwartungen in den kommenden Monaten ab. In der Regel stehen den Befragungsteilnehmern je Frage drei Antwortalternativen zur Wahl, die sich jeweils als positiv-expansiv, durchschnittlich-neutral und negativ-kontraktiv kennzeichnen lassen.

Der Saldo ist die Antwort

Aus den Prozentanteilen positiv-expansiver und negativ-kontraktiver Antworten wird ein Saldo gebildet. Entsprechend kann der Saldo Werte zwischen -100 (alle Unternehmen haben eine negativ-kontraktive Antwort gegeben) und +100 (alle Unternehmen haben eine positiv-expansive Antwort gegeben) annehmen. Bei einem Saldenwert von 0 halten sich negative und positive Antworten die Waage. Sämtliche Fragen beziehen sich auf eine jahreszeitlich übliche Einschätzung. Zusätzlich werden alle berichteten Zahlen mit einem statistischen Standardverfahren zur Saisonbereinigung (X13-ARIMASEATS) von dem verbleibenden saisonalen Muster bereinigt. Zur Berechnung der Indexwerte des Geschäftsklimas und der beiden Komponenten Geschäftslage und Erwartungen werden die Salden jeweils um 200 erhöht und auf den Durchschnitt eines Basisjahres (derzeit 2015) normiert.

bvl.de | ifo.de

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