KREISLAUFWIRTSCHAFT – Die neue Business-Policy von Renault Trucks

Kreislaufwirtschaft – Renault Trucks neue Gebrauchtwagenstrategie hat drei Säulen: Régénérer, Reconvertir und Recycler. (Foto: Renault Trucks / RS MEDIA WORLD Archiv)
Kreislaufwirtschaft – Renault Trucks neue Gebrauchtwagenstrategie hat drei Säulen: Régénérer, Reconvertir und Recycler. (Foto: Renault Trucks / RS MEDIA WORLD Archiv)

Getrieben von der Transformation in die Elektromobilität und während weltweit die Lieferketten durch die verschiedensten Krisen und Rohstoffknappheit weltweit ins Stocken geraten, entwickeln sich in der Automobilwirtschaft neue Business-Modelle. Diese setzen dabei auch auf die Kreislaufwirtschaft. So will jetzt beispielsweise der französische Nutzfahrzeughersteller Renault Trucks künftig verstärkt gebrauchte Trucks erneuern, umrüsten und/oder recyceln (Régénérer, Reconvertir und Recycler).

In Hinblick auf den Ressourcenverbrauch und der damit verbundenen negativen CO2-Bilanz ist es mit Sicherheit eine Option, vermehrt auf Gebrauchtes zu setzen – insbesondere in der Automobilwirtschaft. Darunter ist jedoch nicht einfach der Gebrauchtwagenhandel und die Verschrottung am Ende eines Produktlebenszyklus gemeint. Hier geht es um Erneuerung, das Umrüsten von Fahrzeugen und dann erst deren Recycling.  

7.500 qm in Saint-Priest 

Die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem ökologischen Wandel sowie das wachsende Kundeninteresse haben Renault Trucks daher dazu veranlasst, in den letzten vier Jahren in die Kreislaufwirtschaft zu investieren. Auf dem Gelände von Renault Trucks in Saint-Priest in der Nähe von Lyon wurden im Jahr 2020 daher 7.500 qm moderne, geräumige und funktionelle Räumlichkeiten für das neue und gleichzeitig tradierte strategische Unternehmensziel der Kreislaufwirtschaft eigerichtet. Der halbindustrielle Prozess beginnt hier grundsätzlich mit einer gründlichen Begutachtung der Gebrauchtfahrzeuge. Das Fahrzeug wird dabei zunächst einmal nach einem ausgeklügelten Verfahren an 200 Prüfpunkten kontrolliert. Dabei stehen insbesondere der Antriebsstrang und das Abgasreinigungssystem im Fokus. Prinzipiell werden im Rahmen des Prozesses auch vorbeugende Wartungsmaßnahmen durchgeführt sowie der Austausch von Komponenten. Hierzu zählen beispielsweise Turbolader etc. Schließlich wird die Software des Fahrzeugs aktualisiert. Auf diese Weise kann die Verbrauchsleistung auf den neuesten Stand, sprich: gesenkt werden. 

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Umrüstung in Bourg-en-Bresse 

Renault Trucks hat außerdem in seinem Werk in Bourg-en-Bresse in der Region Auvergne-Rhone-Alpes im Osten Frankreichs eine auf die Umrüstung von Gebrauchtfahrzeugen spezialisierte Werkstatt eingerichtet: die “Used Trucks Factory”. Hier werden vor allem Renault Trucks T-Sattelzugmaschinen in Träger-Fahrgestelle umgewandelt, die sogenannten Renault Trucks P-Road. Fernverkehrs-Lkw werden so zu Baustellen- und Zubringerfahrzeugen (Renault Trucks T X-Road). In Bourg-en-Bresse werden die gebrauchten Trucks der Euro-6-Klasse zudem für die Märkte in Afrika und im Nahen Osten nach Euro 3 zertifiziert (Renault T X-Port und T X-64). Aber auch Sonderserien wie der Renault Trucks T 01 Racing oder der T Robust 13L werden in Ost-Frankreich produziert.  

Lkw mit längerem Produktlebenszyklus  

Kreislaufwirtschaft – Die Used Tucks werden vor ihrer Auslieferung noch einmal einem Check unterworfen, um die Qualität der Geräte zu sichern. (Foto: Renault Trucks / RS MEDIA WORLD Archiv)
Kreislaufwirtschaft – Die Used Tucks werden vor ihrer Auslieferung noch einmal einem Check unterworfen, um die Qualität der Geräte zu sichern. (Foto: Renault Trucks / RS MEDIA WORLD Archiv)

Beim neuen Business verfolgen die Franzosen zwei ehrgeizige Ziele: die Sicherstellung der Qualität der Lkw, trotz Erweiterung der Langlebigkeit sowie die Verpflichtung zu einer Verringerung der CO2-Emissionen. Und sie dürften damit recht erfolgreich sein. Nach eigenen Angaben soll der Anteil der im Jahr 2021 erneuerten oder umgerüsteten Lkw immerhin sechs Prozent der vom Autobauer verkauften gebrauchten Lastkraftwagen ausgemacht haben. Tendenz steigend. “Die Kreislaufwirtschaft reduziert außerdem für jedes erneuerte bzw. umgerüstete Fahrzeug die CO2-Emissionen um 14,4 Tonnen”, so die Bilanz aus Paris. 

Die 3R – das Fundament der Kreislaufwirtschaft von Renault 

Für den auf dem französischen Markt führenden Hersteller richtet sich das Gebrauchtfahrzeugangebot an solche Flottenbetreiber, die sich aus wirtschaftlichen, taktischen oder auch ökologischen Gründen bewusst gegen ein Neufahrzeug entscheiden. Angesichts einer allgemeinen Angebotsknappheit auf den Fahrzeugmärkten, drückt es aber auch das Bedürfnis nach sofortiger Verfügbarkeit aus. 

Erneuerung. Die von Renault Trucks entwickelte Kreislaufwirtschaft stützt sich dabei auf drei Säulen. So geht es einerseits um die Erneuerung (frz. Régénérer). Fahrzeuge, die drei oder vier Jahre lang intensiv genutzt wurden, werden hierbei in einem der Used Trucks Center von Renault aufbereitet und mit der neuesten Software ausgestattet. Anschließend werden sie zur erneuten Nutzung weiterer drei Betriebsjahre bzw. zum Wiederverkauf an ihre Besitzer zurückgegeben. Diese erneuerten Lkw sind für den zweiten Produktlebenszyklus ausgerüstet, sodass Renault Trucks den vollen Betrieb weit über die Millionen-Kilometer-Marke hinaus gewährleisten kann. 

Umrüstung (frz. Reconvertir). Hier werden gebrauchte Renault Trucks nach strengen industriellen Verfahren für einen neuen Zweck umgebaut. In der Used Trucks Factory, einer Spezialwerkstatt für gebrauchte LKW am Industriestandort Bourg-en-Bresse (Frankreich), werden beispielsweise Sattelzugmaschinen für den Fernverkehr zu Träger-Fahrgestellen bzw. zu Baustellen- und Zubringerfahrzeugen umfunktioniert. 

Recycling (frz. Recycler). Bei diesem Verfahren werden erneuerbare Teile der Gebrauchtfahrzeuge ausgebaut, geprüft und anschließend in den After-Sales-Kreislauf zurückgeführt. Heute erfolgt das Remanufacturing von Motoren, Getrieben, Einspritzdüsen und Partikelfiltern im Werk des Herstellers in Limoges (Frankreich). Renault Trucks erwägt außerdem die Einrichtung einer Recycling- und Wiederverwendungskette für Lkw-Teile. Der Vorteil ist, dass Renault Trucks dank dieser Vorgehensweise den Lebenszyklus seiner Fahrzeuge erheblich verlängern kann durch die Verwendung neuer, aber auch erneuerter Teile, die Lebensdauer seiner Fahrzeuge. Das sei ein “nachhaltiger Ansatz in doppelter Hinsicht also, da das Recycling sowohl zur Erneuerung als auch zur Umrüstung beiträgt”, wie Renault Trucks in einer Pressemeldung betont. 

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Tragfähiges Konzept für mehrere Jahrzehnte

 Kreislaufwirtschaft – Gebrauchte Ersatzteile finden bei Renault ihren Weg wieder in die Nutzfahrzeuge. Das spart Ressourcen. (Foto: Renault Trucks / RS MEDIA WORLD Archiv)
Kreislaufwirtschaft – Gebrauchte Ersatzteile finden bei Renault ihren Weg wieder in die Nutzfahrzeuge. Das spart Ressourcen. (Foto: Renault Trucks / RS MEDIA WORLD Archiv)

Damit dürfte Renault Trucks Flottenbetreibern, die nicht sofort auf alternative Antriebe wie Elektroantriebe mit Lithium-Ionen oder Brennstoffzellen sowie Flüssiggas umsteigen wollen, eine Alternative anbieten, ihre Fahrzeuge für einige Jahre länger zu nutzen. Auf diese Weise lassen sich Ressourcen einsparen, ohne dass sofort ein Umstieg notwendig wäre. Gleichzeitig öffnet das Konzept der Franzosen Märkten in der dritten Welt die kostengünstige Möglichkeit, ihre Flotten „sauberer“ zu machen, ohne dass diese in den kompletten Umbau ihrer Infrastruktur investieren müssen. Insofern ist das auch ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.

Renault Trucks in Kürze 

Renault Trucks verfügt über ein mehr als 100-jähriges französisches Know-how im Lkw-Bereich und stellt den Transportunternehmen eine Palette von Fahrzeugen (2,8 bis 120 t) sowie passende Serviceleistungen für die Tätigkeitsbereiche Vertriebslogistik, Bauwesen und über lange Strecken zur Verfügung. Die Lkw von Renault Trucks sind widerstandsfähig, zuverlässig, haben einen sparsamen Kraftstoffverbrauch, sorgen für eine gesteigerte Produktivität und geringere Betriebskosten. Renault Trucks vertreibt und wartet seine Fahrzeuge mit Hilfe eines Netzwerks von mehr als 1 500 Servicestellen weltweit. Die Entwicklung und die Montage der Lkw von Renault Trucks sowie die Herstellung der wesentlichen Bestandteile erfolgt in Frankreich. 

Teil der Volvo-Gruppe. Renault Trucks ist Teil der Volvo-Gruppe, einem der weltweit wichtigsten Hersteller von Lkw, Reise- und Autobussen, Baumaschinen sowie Industrie- und Schiffsmotoren. Die Gruppe bietet auch komplette Finanzierungs- und Servicelösungen an. Die Volvo-Gruppe beschäftigt ungefähr 105 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verfügt über Produktionsanlagen in 18 Ländern und vertreibt ihre Produkte auf mehr als 190 Märkten. Die Verkäufe der Volvo-Gruppe haben 2020 zu einem Umsatz von 33,4 Mrd. Euro (338,4 Mrd. Schwedische Kronen) geführt. Die Volvo-Gruppe ist ein an der Börse notiertes Unternehmen mit Hauptsitz in Göteborg, Schweden. Die Volvo-Aktien sind an der Nasdaq-Börse Stockholm notiert. 

renault-trucks.com

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