KEP – Paketzustellung macht Zusteller mehr krank als normal

Zusteller sind häufiger Krank. (Foto: Rainer Sturm / www.pixelio.de)
KEP: Die zusteller von KEP-Dienstleistern sind von Krankheitsausfällen besonders betroffen (Foto: Rainer Sturm / www.pixelio.de)

Der Gesundheitsreport 2019 der Techniker Krankenkasse (TKK) in Deutschland, bestätigt letztlich die Untersuchungen der Arbeiterkammer in Österreich aus dem Jahr 2018. Körperliche Belastungen und überdurchschnittlich hoher Stress machen Zusteller von KEP-Dienstleistern krank und führt bei ihnen zu mehr und längeren Krankheitsausfällen.

Offenbar werden Personen in Transport- und Lagerberufen häufiger krank als der durchschnittliche Arbeitnehmer. Das geht zumindest aus dem Gesundheitsreport 2019 der deutschen Techniker Krankenkasse (TKK) hervor, welcher blogistic.net vorliegt. Auch sind die Krankenstände in diesen Berufsgruppen deutlich länger als beispielsweise in in Verwaltungsberufen. Ganz besonders betroffen sind nach dieser Studie die Zusteller der KEP-Branche. Neben der körperlichen Belastung dürfte auch der psychische Druck ein Grund dafür sein. Gerade bei der Zustellung von Lieferungen stehen die KEP-Mitarbeiter unter einem sehr hohen Zeitdruck.

Zusteller: Bis zu fünf Tonnen Gewichtheben

Bestätigt wird das u.a. durch eine Studie der österreichischen Arbeiterkammer vom Oktober 2018. Demnach wächst die Anzahl und das Gewicht der täglich zuzustellenden Pakete ständig. Heute werden von einem Zusteller zwischen 130 und 150 Pakete pro Tag zugestellt. Dabei bewegen die Zusteller zwischen drei und fünf Tonnen. “Damit und mit ständig steigendem Druck (durch ansteigenden Verkehr, Suche nach geeigneten Parkplätzen, Einhaltung der Straßenverkehrsordnung auch hinsichtlich rechtskonformer Telefonate und Geschwindigkeit bzw. Vermeidung von Strafmandaten) geht eine immer stärker werdende psychische Belastung einher, insbesondere dann, wenn man einem ständigen Monitoring unterliegt”, heißt es in der AK-Studie.

Überdurchschnittliche Fehltage durch überdurchschnittliche Belastungen

(Foto: Bubi / www.pixelio.de)
Freundlichkeit hilft Zustellern beim Stress-Abbau. (Foto: Bubi / www.pixelio.de)

Das führt dazu, dass Zusteller von Paketen und Postsendungen im Jahr 2019 zumindest in Deutschland im Durchschnitt 25,2 Fehltage pro Kopf durch Krankheit ansammelten. Für Österreich liegen keine konkreten Ergebnisse vor. Da die KEP-Branche in der Alpenrepublik ähnlich strukturiert ist, wie in Deutschland, dürften die Krankheitstage bei den zustellern ein ähnlich hohes Niveau haben. Damit waren Angestellte dieser Berufsgruppe rund zehn Tage und 13 Tage in Österreich länger krankgeschrieben als Beschäftigte aus anderen Branchen. „Besonders die körperliche Belastung und das Verletzungsrisiko sind in den Zustellberufen hoch“, sagt Albrecht Wehner von der TKK gegenüber Heise Online. Er bestätigt letztlich auch die Ergebnisse der AK-Studie von 2018: „Zeitdruck, hohes Verkehrsaufkommen auf den Straßen und teilweise auch unzufriedene Kunden sind alles Faktoren, die für ein hohes Stresslevel sorgen und die Psyche angreifen können.“

Freundlichkeit hält gesund

Die KEP-Branche verlangt von ihren Mitarbeitern an der Zustellfront viel ab. Muskel- und Skeletterkrankungen sind hier offenbar branchenspezifische Erkrankungen, wegen denen die Arbeitnehmer heuer rund sieben Tage zu Hause bleiben mussten. Bei Beschäftigen aus anderen Branchen liegt dieser Wert mit 2,7 Tagen deutlich niedriger, so der Gesundheitsreport der TKK. Kurios: Aufgrund von Verletzungen oder Vergiftungen fielen Mitarbeiter aus der Paketbranche 3,8 Tage aus, das sind gut zwei Tage mehr als bei anderen (1,6 Krankheitstage im Schnitt). Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Belastungsstörungen ab: Hier lag der Durchschnitt bei 2,8 Tagen, Zusteller kamen allerdings auf 3,5 Tage weiß.

Mehr Investitionen in die Gesundheit

Die TKK fordert, wie die Arbeiterkammer Österreich auch, von den Arbeitgebern daher, mehr in die Gesundheit der Angestellten, aber auch deren Subunternehmer ui investieren. „Das können strukturelle Veränderungen zur Stressreduktion sein, wie zum Beispiel ausreichend Zeit für Lieferungen einzuplanen oder durch Tracking Transparenz für Kunden zu schaffen“, sagt A. Wehner gegenüber Heise Online. Aber auch die Empfänger von Paketlieferungen könnten den KEP-Zustellern den Job etwas erleichtern. So sind freundliche Worte und ein Dankeschön für die enorme Leistung für die Mitarbeiter stresslösend und sorgen für ein gutes Klima. Das motiviert die Zusteller und fördert letztlich auch deren Gesundheit.

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