EJQ 325 – Das Ladegerät von Jungheinrich

EJQ 325 | Grafik: Jungheinrich
EJQ 325: Speziell für die deutsche Bahn angefertigter Deichsellader für den raschen Wechsel der IC/ICE-Radsätze auf engem Raum. | Grafik: Jungheinrich

Der EJQ 325 von Jungheinrich ist ein deichselgeführte Lagergerät ist ein Sonderbau von Jungheinrich im Auftrag der Deutschen Bahn für den Wechsel der IC/ICE-Radsätzen auf engem Raum. Damit ging der Intralogistikkonzern ins Rennen um den IFOY Award 2016.

Als international aufgestellter Hersteller von Intralogistiklösungen entwickelt Jungheinrich Sonderbaugeräte von der Kleinserie bis zum Einzelfahrzeug in dem speziell dafür ausgelegten Sonderbauwerk in Lüneburg. Denn besondere Aufgaben, wie betriebsspezifische Transporteinsätze, ungewöhnliche Lagergüter oder komplizierte Raumverhältnisse, erfordern besondere Flurförderzeuge. Die Deutschen Bahn in Dortmund stellte eine besondere Aufgabe an den Jungheinrich-Sonderbau: die Entwicklung und Realisierung eines Geräts zum Wechsel der IC/ICE-Radsätze.

Vorteile auf einen Blick:

  • Präzises Positionieren des Fahrzeuges zur Aufnahme der Last.
    Aufnahme und Vereinzelung der ICE-Radsätze sowie des Radsatzwechslers mit einem Gewicht von je 2,5 t über einen Hub von 550 mm.
  • Die besondere Herausforderung besteht in der Längs- und Querfahrt mit einer 2,4 m langen Last in einem nur 2,9 m breiten Arbeitsgang.

jungheinrich.de

Hard Facts

MarktrelevanzØ
Kundennutzen++
Neuheits- / Innovationsgrad++
Funktionalität / Art der Umsetzung+
++ sehr gut / + gut / Ø ausgeglichen / – weniger / – – nicht vorhanden
PDF herunter laden: Datenblatt-Jungheinrich-EJQ-325

Testbericht

Für die Deutsche Bahn in Dortmund entwickelte Jungheinrich den EJQ 325, ein maßgeschneidertes Fahrzeug zum Aufnehmen und Bewegen von ICE-Radsätze. Die Lösung besteht aus Standardkomponenten, die Jungheinrich weitgehend selbst produzierte. So sind die 2,8 kW-Antriebsmotoren zum Beispiel aus dem Junior-Bereich bekannt und die Deichsel kommt unter anderem bei Elektro-Hubwagen zum Einsatz.

Problemstellung der DB

Das Hauptproblem für die DB ist der begrenzt zur Verfügung stehende Raum. Die Gangbreite, in dem die Radsätze mit einer Länge von 2,40 Meter gehandelt werden beträgt nur 2,90 Meter. Darüber hinaus befinden sich verschiedene Hindernisse im Gang. Präzises Manövrieren ist damit nicht nur wünschenswert, sondern notwendig. Um dies zu ermöglichen, ist die von Jungheinrich maßgeschneiderte Lösung mit vier verschiedenen Fahrmodi vorgesehen: Geradausfahrt, Querfahrt, Kreisfahrt und Hundefahrt. Die Modi werden über eine Anzeige auf der Steuereinheit ausgewählt und angezeigt.

Präzise Manöver. Die verschiedenen Fahrprogramme garantieren maximale Wendigkeit. Zur genauen Positionierung auf den letzten Millimetern bei der Querfahrt sind zwei Tasten (eine für linkshändige Bedienung und eine für rechtshändige Bedienung) auf der Deichsel vorgesehen. Sobald diese gedrückt werden, ist nur eine der beiden Antriebseinheiten aktiv.

Die Bedienung

Für den Einsatz des EJQ 325 stehen dem Bediener zwei Bedieneinheiten zur Verfügung. So kann immer die Position mit dem besten Blick auf Last und Umgebung ausgewählt werden. Die Bedienung selbst ist proportional und feinfühlig, aber bei der zweiten Bedieneinheit ist eine ganz kurze Verzögerung bei der Steuerung der Mastfunktionen spürbar.

Der Mast

Wenn der EJQ 325 in die richtige Position gebracht ist, wird der Mast ausgefahren. Wegen der spezifischen Last bei DB erfolgt das relativ langsam. Insgesamt dauert es etwa 40 Sekunden, bis der Mast vollständig ausgefahren ist. Der Vorgang stoppt automatisch, sobald Kippgefahr droht. Erst nachdem die Stützen über die Deichsel ausgeschoben sind kann die Last weiter mit reduzierte Geschwindigkeit ausgeschoben werden.

Die Hublast und -höhe

Der Stapler hebt Radsätze mit einem Maximalgewicht von 2,5 Tonnen bei einem Lastschwerpunkt von 1000 mm, glatt bis zur gewünschte Hubhöhe (maximal 550 mm). Dabei verwendet Jungheinrich zwei synchron funktionierende Hydraulikmotoren. Für eine sichere und genaue Positionierung ist der Stapler weiterhin ausgestattet mit einem Seitenschieber, mit einer Reichweite von bis zu 700 mm, und einem integrierten Gabelversteller.

Die Übersichtlichkeit

Die Verwendung der Standardkomponenten macht die Bedienung des EJQ einfach und übersichtlich. Der gewünschte Fahrmodus kann per Knopfdruck gewählt werden. Das Umschalten zwischen den Modi dauert verhältnismäßig lange, was jedoch bei einem Präzisionsgerät wie dem EJQ keinen Nachteil darstellt.Dank der übersichtlichen Tasten und Schalter lasen sich die Funktionen gut und genau dosieren. Der Stapler zeigt eine leichte Abdrift während der Fahrt, diese sich jedoch durch die Feinpositionierung einfach lösen lässt.

IFOY Testfazit

Sonderausführungen wie der EJQ sind für spezielle Anwendungen entwickelt. Jungheinrich ist es im Sonderfahrzeugbau gelungen, eine Maschine zu produzieren, die dem Kundenwunsch nach absoluter Genauigkeit nachkommt und exakt auf den Millimeter ihre Arbeit erledigt. Geschwindigkeit spielte bei der Aufgabenstellung keine Rolle. Dass die Verwendung bewährter Standardkomponenten im Ganzen mehr ergibt als Summe der Teile zeichnet dieses Gerät aus.

IFOY Innovation Check

Marktrelevanz: Bei dem Jungheinrich EJQ 325 handelt es sich um ein hochspezialisiertes Flurförderzeug zur Lösung einer komplexen kundenspezifischen Transport- und Handhabungsaufgabe, bei der ein einzelnes spezielles Stückgut (ICE Radsatz) ohne Ladehilfsmittel horizontal transportiert und für die Montage/Demontage der Radsätze hochgenau positioniert werden muss. Dieses spezielle Flurförderzeug wird daher kaum für einen größeren Kundenkreis infrage kommen, so dass die Marktrelevanz als gering einzustufen ist. Dieses gilt allerdings für die meisten Special Vehicle. Das zu Grunde liegende technische Konzept, aus mehreren kleineren Seriengeräten ein größeres Spezialgerät aufzubauen, kann jedoch für die Herstellung diverser Sonderbaugeräte verwendet werden. Die Philosophie des Jungheinrich Sonderbaus, individuelle Kundenlösungen in Serienqualität durch die weitgehende Verwendung von Serienfahrzeugen und deren Komponenten ökonomisch zu entwickeln und herzustellen, könnte durch dieses Konzept in einem noch größeren Umfang umgesetzt werden.

Kundensicht: Der Kundennutzen ist sehr hoch einzustufen, da das Gerät speziell auf die Anforderungen und Einsatzverhältnisse des Kunden zugeschnitten ist. Die Allradlenkung ermöglicht eine hervorragende Manövrierfähigkeit des Fahrzeugs, so dass der Betreiber die ICE-Radsätze trotz beengter räumlicher Verhältnisse sicher transportieren kann. Außerdem kann das Fahrzeug von zwei gegenüberliegenden Positionen aus bedient werden.
Das hochgenaue Positionieren für die Montage/Demontage wird durch das Hubgegüst zum Anheben und Senken der Last, einem Mastvorschub, einer Mastneignung, einem Seitenschieber mit großem Verschiebeweg sowie einer Zinkenverstellung ermöglicht.

Neuheits-/Innovationsgrad: Der Innovationsgrad ist sehr hoch, da eine derartige Kombination mehrerer Fahrzeuge mit jeweils eigenem Fahrantrieb, eigener Lenkung und Bremse technisch sehr anspruchsvoll ist und in dieser Form bei Flurförderzeugen bisher noch nicht realisiert worden ist. Die Allradlenkung ist zwar von den Mehrwegestaplern wie z.B. dem ETVQ von Jungheinrich bekannt; für Sonderbaugeräte ist sie dennoch innovativ. Eine echte Besonderheit stellt auch die Möglichkeit dar, das Fahrzeug von zwei gegenüberliegenden Positionen aus bedienen zu können.

Funktionalität / Art der Umsetzung: Das innovative technische Konzept ist professionell umgesetzt worden. Dennoch gibt es einige kleinere Abstriche. So ist das Umschalten zwischen den unterschiedlichen Lenkmodi umständlich und es dauert relativ lange. Außerdem driftet das Fahrzeug in der Linkspartie aufgrund des einseitigen Antriebes etwas zur Seite, was aber durch die Lenkung problemlos ausgeglichen werden kann.

Innovationen

Minimale Arbeitsgänge zum Transport von langen Lasten lassen sich über das „Side-Loader“ Prinzip realisieren. Im Gegensatz zu konventionellen Side-Loadern verfügt der EJQ über zwei separate Antriebseinheiten auf Basis der Jungheinrich-Mitgängerfahrzeuge EJE der Baureihe 3. Für optimale Sicht kann der Bediener wahlweise das Fahrzeug von der linken oder rechten Antriebseinheit bedienen. Dank Vierwegetechnik kann der EJQ auf engstem Raum manövrieren:

  • Fahren in Längs- oder Querrichtung zum seitlichen Anfahren an das Gleis.
  • Kurvenmodus zum Umfahren von Hindernissen im Arbeitsgang.

Der Mastvorschub zur Aufnahme der Radsätze erfolgt über Kugelrollenspindeln in den Radarmen. Zur Aufnahme ist eine millimetergenaue Positionierung erforderlich. Alle vier hydraulischen Funktionen lassen sich feinfühlig und proportional über den Deichselkopf bedienen:

  • Heben / Senken
  • Mastvorschub
  • Erweiterter Seitenschub (+/- 350 mm)
  • Zinkenverstellung

Hauptziele der Entwicklung

Beim Jungheinrich-Sonderbau in Lüneburg entwickeln eigene Sonderbau-Konstrukteure Tag für Tag neue Fahrzeuge entsprechend der logistischen Aufgabenstellungen der Kunden.
Die Konstrukteure arbeiten universell und flexibel; sie vereinen das Wissen über Jungheinrich-Serienfahrzeuge und neue Technologien mit den Gegebenheiten bei den Kunden.
So kreativ und individuell auch entwickelt wird – in puncto Prozesssicherheit zählen allein Standards.
Dank der intelligenten Kombination aus den Komponenten der Großserie wird diese Prozesssicherheit erreicht.

Kundennutzen

Allein die Jungheinrich Sonderbau-Lösung EJQ ermöglicht der Deutschen Bahn, ICE-Radsätze prozesssicher und kostensparend zu wechseln.

  • Beste Manövrierbarkeit auf engstem Raum.
  • Beste Sicht für hohe Arbeitssicherheit.

Der Jungheinrich-Sonderbau bietet individuelle Kundenlösungen in Serienqualität. Einschließlich EU-Sicherheits-anforderungen, Qualitätsstandards, Testroutinen und ISO-Zertifizierungen aus der Großserie.

Sonderausstattung (IFOY Test-Gerät)

Keine, denn Sonderbauten werden immer kundenindividuell konfiguriert.

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