iw.hub – Vollautonomer, leicht implementierbarer, automobiler Robot

AGV iw.hub (Foto: IDEALworks / RS MEDIA WORLD Archiv)
iw.hub: Das AGV kann mit seiner cloudbasierten Steuerungsplattform AnyFleet innerhalb von zwei Tagen ohne strukturelle Anpassungen implementiert werden. (Foto: IDEALworks / RS MEDIA WORLD Archiv)

Dass ein Automobilhersteller sich auch als Intralogistikanbieter nicht verstecken muss, zeigt eine Nominierung für den IFOY 2021 für die neu gegründete BMW-Tochter IDEALworks. Ihr vollautonomer, mobiler Roboter iw.hub kann mit seiner cloudbasierten Steuerungsplattform AnyFleet innerhalb von zwei Tagen ohne strukturelle Anpassungen implementiert werden – auf Basis des VDA 5050-Standards auch mit Drittgeräten.

IFOY Testbericht

Mit dem iw.hub geht ein autonomen mobilen Roboter (AMR) ins Rennen um den IFOY Award – nach Herstellerangaben zu einem wettbewerbsfähigen Preis. Denn diese Lösung sei angeblich bei gleicher Funktionalitäten bis zu 50 Prozent günstiger als bestehende Lösungen am Markt. Ob diese Angaben stimmen, konnte von der IFOY-Jury nicht nachgeprüft werden. Fakt ist jedoch, dass sie bereits bei der Konzernmutter BMW zum Einsatz kommt.

Leistung

Der AMR misst 641 x 1440mm (BxL) und hat eine Mindestunterfahrhöhe von 22 Zentimetern. Im Mischverkehr – mit anderen, manuell betriebenen und/oder autonomen Fahrzeugen – erreicht der iw.hub eine Geschwindigkeit von etwa 2,2 m/s (knapp 8 km/h). Damit gehört der iw.hub zu den schnelleren AMRs. Die maximale Nutzlast beträgt 1.000 kg.

Navigation

Mindestens genauso wichtig für den Einsatz ist die Flexibilität des AMR, der völlig autonom mit Hilfe der Simultaneous Localization and Mapping (SLAM) Navigationstechnologie fährt. Eine Startposition und die gewünschten Übernahmeorte reichen aus, danach erstellt der Roboter eigenständig eine Karte der Umgebung.

Sensorik. Sensoren auf dem AMR scannen kontinuierlich die Umgebung und optimieren die Route in Echtzeit. Mögliche (temporäre) Hindernisse werden vom AMR erkannt und selbstständig umfahren.

Auch wenn eine Last nicht richtig positioniert ist, erkennt der Roboter dies mit Hilfe einer 3D-Kamera an der Vorderseite. In diesem Fall korrigiert der iw.hub automatisch seine Position, so dass die Lasten immer korrekt aufgenommen werden.

Steuerung

Der iw.hub verfügt über eine cloudbasierte Steuerungsplattform (AnyFleet), die eine standardisierte Einbindung von Fremdgeräten basierend auf der VDA 5050 Schnittstelle ermöglicht.

Die Steuerungsplattform wird für Mapping, Auftragssteuerung, Flotten- und Verkehrsmanagement eingesetzt und verfügt über eine intuitive Benutzeroberfläche. Das macht es neuen Anwendern und Logistikern leicht, das System zu erlernen und zu bedienen.

Energie

Eine Lithium-Ionen-Zelle aus dem BMW i3 treibt den iw.hub an. Ein voll aufgeladener Akku reicht für mindestens acht Stunden Betrieb. Eine Zwischenladung ist über jede Standard-220-V-Steckdose möglich. Der AMR ist so programmiert, dass er nur lädt, wenn die Batteriekapazität weniger als 50 Prozent beträgt und keine Transportaufträge geplant sind. Bei der Annäherung an die Ladestation prüft der iw.hub selbstständig seine Position und korrigiert sie falls nötig mit Hilfe von Reflektoren, die in der Ladestation montiert sind. Ein Ladezyklus beträgt 1,5 Stunden.

Implementierung

Nach Angaben des Hersteller kann das System in etwa zwei Tagen implementiert werden, ohne bauliche Veränderungen. Damit rückt eine Factory-in-one-Day in greifbare Nähe, bei der in kürzester Zeit eine Fabrik mit Robotern aufgebaut werden kann. Der Einsatz in einer neuen Umgebung wird durch die Unterstützung eines KI-basierten digitalen Zwillings verkürzt.

IFOY Innovation Check

Marktrelevanz. Die Materialversorgung von Palettengrößen mit Rollunterbauten als klassisches Unterfahr-AGV ist ein sehr weit verbreiteter Transportfall.

Kundennutzen. Das BMW-Tochterunternehmen idealworks kann mit dem autonomen Transportfahrzeug eine optimal und flexibel einzusetzende Lösung anbieten. Besonders die Flexibilität bei der Ladungsübernahme und bei der Routenfindung erlauben sehr betriebssichere Einsatzfälle. Ebenso ist die Robustheit und damit eine klare Industrietauglichkeit zu nennen.

Neuheitsgrad. Vor allem der sehr hohe Grad von „Autonomie“ im Fahrzeug sowie die überzeugende Nutzung von Perzeption, statt reiner Sensornutzung, überzeugen. Das dezentrale Steuerungskonzept und die sehr niedrige Bauhöhe sind ebenfalls als wichtige Innovationen hervorzuheben.

Funktionalität / Art der Umsetzung. Das Fahrzeug zeigt sich robust und industrietauglich. Es macht optisch wie technisch einen sehr hochwertigen Eindruck. Pluspunkte sind das sehr innovatives Steuerungskonzept mit hoher Flexibilität sowie eine beeindruckende Performance, vor allem hinsichtlich Aufnahme schlechtpositionierter Lasten und in puncto Geschwindigkeit. Die Optik ist indes nicht besonders ansprechend.

IFOY Testfazit

Der mobile Roboter iw.hub von idealworks ist schnell, völlig autonom und passt seine Route bei Bedarf automatisch an. Eine besonders flexible, in wenigen Tagen installierte, attraktive Lösung, die eine Factory-in-one-Day in greifbare Nähe rückt. Sogar die Batterieladestationen können schnell und flexibel installiert werden. Alles was dazu benötigt wird, ist eine Standard 220V Steckdose.


Marktrelevanz ++
Kundennutzen +
Neuheits- / Innovationsgrad ++
Funktionalität  / Art der Umsetzung ++
++ sehr gut / + gut / Ø ausgeglichen / weniger / – – nicht vorhanden

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