INVESTITIONEN 2021 – 18 Milliarden für die Zukunft der Industrie

Die Corona-Krise beherrscht die Medien. (Foto: Andreas Hersdorf / www.pielio.de)
Die Corona-Krise beherrscht die Medien, insbesondere in Österreich. Zurecht, denn gerade Tourismusbetriebe, die Gastwirtschaft, Freizeit- und im Kulturbereich sind nahezu alle von der Corona-Krise betroffen. (Foto: Andreas Hersdorf / www.pielio.de)

Investitionen 2021: Die Corona-Pandemie und die daraus entstehenden wirtschaftlichen Folgen haben österreichische Unternehmen vor große Herausforderungen gestellt. Zumindest vordergründig. Bei genauerer Betrachtung stellt sich jedoch heraus, dass die Entwicklung weder homogen noch dass sie alleine auf die Corona-Krise zurück zu führen ist. Darauf deutet auch hin, dass insbesondere Unternehmen aus der Industrie vielfach unbeeindruckt von der Krise in ihre Zukunft investieren. Zwei Investitions-Schwerpunkte sind dabei die Digitalisierung und Automation. (Ein Bericht von HaJo Schlobach)

Die Corona-Krise beherrscht die Medien, insbesondere in Österreich. Zurecht, denn vor allem Tourismusbetriebe, die Gastwirtschaft, Freizeit- und im Kulturbereich sind nahezu alle von der Corona-Krise betroffen. Sie haben seit März 2020 mit teilweise bis zu 100 Prozent an Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Betroffen sind hierbei vor allem Klein- und Mittelstands-Unternehmen (KMU) und Einpersonen-Unternehmen (EPU). Aber auch der Textil-Handel steht erheblich unter Druck. Sie blieben während der Lockdowns komplett auf ihrer vorfinanzierten Ware sitzen – und finden nur wenige Abnehmer dafür. Ihre Lager sind voll und können kaum mit Herbst- und Winterware befüllt werden. Und Beratungs- und Schulungsunternehmen wissen noch immer nicht, wie sie die Verluste der letzten Monate wett machen sollen. Aus der Logistik-Branche sind es vor allem Transportunternehmen, hauptsächlich Frächter, die mit dramatischen Umsatzrückgängen zu kämpfen haben.

Nichts ist fix, alles ist möglich. Aber selbst bei krisensicher geglaubten Global-Playern wie etwa aus der Erdöl-Industrie, macht sich Katerstimmung breit. Sie alle spüren jetzt den Druck nachgebender Märkte. So entlässt der niederländische Ölmulti Shell in den nächsten Jahren 9.000 Mitarbeiter. Der wesentliche Grund: dauerhaft niedrige Absätze bei fossilen Brennstoffen. In dieser Branche sucht man jetzt sein Heil in alternativen Energien.

Selbst bei krisensicher geglaubten Global-Playern wie etwa aus der Erdöl-Industrie,  macht sich Katerstimmung breit. Sie alle spüren jetzt den Druck nachgebender Märkte.

Pleitewelle wird rollen

Abgesehen von den Energie-Multis ist den KMU und EPU aus Tourismus, Gastronomie usw. gemein, dass sie kaum Perspektiven haben, in den nächsten Monaten nennenswert Business zu machen. Für diese Branchen ist die Krise also auch dann noch lange existenzbedrohend, wenn es einen Impfstoff gibt, so die Analysen von Wirtschaftsbeobachtern.  

2021 wir ein hartes Jahr. Österreichs größter Kreditversicherungsmakler A.C.I.C. sieht daher für 2021 eine hohe Insolvenzwelle auf sämtliche Industrienationen zurollen. Alleine in Österreich wird die Zahl der Insolvenzanträge um 15 Prozent steigen, so die Kreditversicherer. Ein Großteil dürfte dabei aus den Tourismus- und Gastro-Bereichen kommen. In Ländern wie den USA werden sogar 40 Prozent erwartet. Das ergibt sich aus der Tatsache, dass der Schuldenstand vieler Unternehmen während der Corona-Krise dramatisch gestiegen ist, wie etwa auch der österreichische Kreditschutzverband, KSV 1860, bestätigt. Und eine Rückkehr zur „Normalität“ ist bis dato noch nicht absehbar. Gleichzeitig treten die Banken bei Überbrückungskrediten massiv auf die Bremse, trotz der Zusagen von Staaten wie Österreich, die Haftung zu 100 Prozent dafür zu übernehmen.

Kein homogenes Bild

2021 dürfte eine hohe Insolvenzwelle auf sämtliche Industrienationen zurollen. (Foto: Thorben Wengert / www.pixelio.de)
2021 dürfte eine hohe Insolvenzwelle auf sämtliche Industrienationen zurollen. Alleine in Österreich wird die Zahl der Insolvenzanträge um 15 Prozent steigen. (Foto: Thorben Wengert / www.pixelio.de)

So weit, so schlecht. Trotzdem ist Österreichs Wirtschaft weit davon entfernt, in der Krise zu sein, obwohl vielfach in den Medien der Eindruck vermittelt wird. So ist vor allem Österreichs Industrie trotz etlicher Schwierigkeiten positiv für die Zukunft gestimmt. Darauf weist der jüngste UniCredit Bank Austria-Einkaufsmanager-Index hin, der sich wieder über der magischen 50-Punkte-Marke bewegt (siehe Berichterstattung unten in “Verwandte Themen”).

Investitionen in 2021. Gleichzeitig verhalten sich viele Unternehmen azyklisch und investieren in die Krisenzeiten hinein – trotz hoher Volatilität der Märkte und problematischer Planbarkeit der Zukunft.

Das hat beispielsweise die jüngste Umfrage des internationalen Umfrageinstituts OnePoll für reichelt elektronik ergeben. Rund 1.500 Teilnehmer aus Europa, davon 125 aus Österreich, gaben dabei über ihr Investitionsverhalten in 2021 Auskunft.

Rund sieben Prozent

So plant Österreichs Industrie durchschnittlich rund sieben Prozent ihres Jahresumsatzes im kommenden Jahr zu investieren. Dabei sagten sogar 95 Prozent der Befragten aus, dass sie im Vergleich zum Vorjahr mehr für Investitionen einplanen. Nur fünf Prozent fahren ihre Investitionen für 2021 zurück. Damit zeigt sich ein positiveres Bild als von vielen erwartet. Im Vergleich zu deutschen Unternehmen hat Österreich hier sogar die Nase vorn: In Deutschland gaben nur 71 Prozent an, dass mehr Budget für Investitionen geplant ist als in diesem Jahr.

Österreichs Industrie plant im Jahr 2021 durchschnittlich rund sieben Prozent ihres Jahresumsatzes im kommenden Jahr zu investieren.

Investitionen 2021 in die Wettbewerbsfähigkeit

Die Investitionen werden vor allem in den Bereichen IT (49 Prozent), neue Technologien (37 Prozent), technische Ausstattung wie Maschinen und Werkzeuge für die Produktion (34 Prozent) sowie Forschung und Entwicklung (26 Prozent) getätigt. Auch in der gegenwärtigen Krise blicken die Befragten nach vorne und machen ihr Unternehmen zukunftsfähig. Die größte Motivation hinter den Investitionen ist die Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs (67 Prozent). Immer noch 53 Prozent sagen, dass Investitionen notwendig seien, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Immerhin 35 Prozent geben an, dass die Corona-Pandemie positive finanzielle Auswirkungen für sie hatte und deshalb höhere Investitionen möglich sind.

Nur wenige von Pandemie beeindruckt. Auf der anderen Seite stehen Unternehmen, die bei Investitionen im nächsten Jahr den Rotstift ansetzen müssen. Die meisten von ihnen investieren etwa fünf Prozent weniger als heuer. Die Gründe dafür sind die Pandemie und ihre Auswirkungen (1,6 Prozent) ebenso wie eine erwartete geringere Wirtschaftsleistung im nächsten Jahr (2,4 Prozent).Die Mehrheit der österreichischen Unternehmen, die nächstes Jahr Einsparungen vorsieht, gab allerdings an, dass die Investitionen 2020 überdurchschnittlich hoch waren (3,2  Prozent).

Investitionen 2021: Digitalisierung im Fokus

Österreichs Industrie durchschnittlich rund sieben Prozent ihres Jahresumsatzes im kommenden Jahr zu investieren. (Dieter Poschmann / www.pixelio.de)
Österreichs Industrie durchschnittlich rund sieben Prozent ihres Jahresumsatzes im kommenden Jahr zu investieren. (Dieter Poschmann / www.pixelio.de)

Dabei hat die Digitalisierung in allen Bereichen des Unternehmens bei den meisten Unternehmen einen hohen Stellenwert. Die große Mehrheit der Befragten geben diese Aufgabe als oberste Priorität an (53 Prozent) Immerhin bei 37 Prozent steht die Digitalisierung auf Platz zwei für ihre Investitions-Motivation. Deshalb planen 67 Prozent der Teilnehmer Neuanschaffungen in diesem Bereich, während 33 Prozent bestehende Lösungen ausbauen und verbessern möchte.

Automatisierung wichtig. Einen ebenfalls hohen Stellenwert hat die Investition in Automatisierungslösungen. Auch hier planen 30 Prozent Neuanschaffungen, während 62 Prozent Bestehendes upgraden will. Ähnlich ist es bei dem Ausbau von Robotiklösungen: Hier planen sogar 53 Prozent Neuanschaffungen. Dicht gefolgt von fast 50 Prozent, die angeben, dass sie Neuanschaffungen für den 3D-Druck einplanen.

Investieren um flexibel zu sein

„Die Lockdowns haben auch bei uns für einen Stopp einiger laufenden Investitionen geführt. Wir mussten Kurzarbeit anmelden, wie viele andere auch und verlegten viele unserer Aktivitäten ins Home Office“, sagt Roland Seebacher, CEO von BITO Austria gegenüber blogistic.net im Interview. Er führt weiter aus: „Doch wir sind danach gut aus den Startlöchern gekommen und bewegen uns mittlerweile fast schon wieder in Richtung Normalität.“ Die Ergebnisse des Boom-Jahrs 2019 werde man zwar nicht erreichen, doch stimmen R. Seebacher die Neubestellungen für 2021 sehr optimistisch. „Die Unternehmen investieren in Automatisations- und Logistiklösungen, wie sie beispielsweise BITO anbietet. Dabei spielt die Integration der Lösungen in komplexe Systemlandschaften sowie deren Skalierbarkeit nach oben und unten eine Rolle. Die Lösungen müssen sich rasch und flexibel an sich verändernde Marktbedingungen anpassen können“, so der besonnene Geschäftsmann.

Wir sind danach (Anm.: nach dem ersten Lockdown) gut aus den Startlöchern gekommen und bewegen uns mittlerweile fast schon wieder in Richtung Normalität.“

Roland Seebacher, GF BITO Austria

Mehr Beratung gefragt. Gefragt nach den Konsequenzen, die er als Geschäftsführer für sein Unternehmen sieht, antwortet R. Seebacher: „Die Beratungsleistung und Systemkompetenz war bei BITO schon immer ein Teil des Geschäfts. Dies wird heute noch stärker gefordert. Die Unternehmen wollen wenigstens in ihrem eigenen Umfeld eine gewisse Planungssicherheit herstellen, wenn schon die Märkte eine solche kaum hergeben. Sie benötigen daher Lösungen, welche die entsprechende Flexibilität und Skalierbarkeit weitgehend sicherstellen. Und dafür bedarf es einer noch besseren Planung und daher Beratung.“

Maßnahmen der Regierung greifen

Die zwei Milliarden Euro, die durch die gegenwärtige türkis-grüne Bundesregierung beschlossen wurden, werden aktiv genutzt. (Foto: Timo Klostereier / www.pixelio.de)
Die zwei Milliarden Euro, die durch die gegenwärtige türkis-grüne Bundesregierung beschlossen wurden, werden aktiv genutzt. Wie Berechnungen von Wirtschaftsinstituten ergeben, führt diese Investitionsprämie bereits jetzt zu 18 Milliarden Euro Investitionen durch Vorzieheffekte. (Foto: Timo Klostereier / www.pixelio.de)

Befragt nach den Konsequenzen, die er in Hinblick auf die Corona-Krise zieht, antwortet R. Seebacher: „So eine Pandemie und ein weltweiter Lockdown ist nicht planbar. Man kann daher Unternehmer beispielsweise im Bereich des Tourismus oder der Gastronomie nicht für die wirtschaftlichen Konsequenzen daraus verantwortlich machen. Doch haben viele Veränderungen, die wir jetzt beispielsweise in der Industrie sehen, eher wenig mit der gegenwärtigen Krise zu tun. Diese setzten lange vor Corona ein und stellten die Unternehmen schon seit Jahren vor Herausforderungen.“

Industrie 4.0 und digitale Transformation. R. Seebacher meint dabei vor allem die vierte industrielle Revolution (Industrie 4.0) und die damit einsetzende digitale Transformation der Wirtschaft. „Corona befeuert die Transformation und beschleunigt die Digitalisierung“, ist der BITO-Geschäftsführer überzeugt. Als ein Indiz dafür sieht er die Tatsache, dass das Home Office innerhalb weniger Wochen zur Normalität geworden ist. „Wurde das Home Office vor Corona in den Chefetagen eher misstrauisch beäugt, ist es innerhalb Monatsfrist integraler Bestandteil bei der Reorganisation von Unternehmen“, spricht R. Seebacher auch aus eigener Erfahrung. Er sieht das Home Office als Möglichkeit, mehr Mitarbeiter-Zufriedenheit herzustellen und die Work-Lifetime-Balance zu verbessern. Gleichzeitig können sich so auch völlig neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Politik in der Pflicht. R. Seebacher sieht daher auch die Politik in der Pflicht, hier Impulse für Investitionen in die Transformation und Automatisierung zu geben, etwa durch Investitionsprämien. Und in der Tat: Die zwei Milliarden Euro, die durch die gegenwärtige türkis-grüne Bundesregierung beschlossen wurden, werden aktiv genutzt. Wie Berechnungen von Wirtschaftsinstituten ergeben, führt diese Investitionsprämie bereits jetzt zu 18 Milliarden Euro Investitionen durch Vorzieheffekte. Davon profitieren auch Anbieter von Automations- und Logistik-Lösungen wie BITO. „Das ist hervorragend investiertes Geld, welches die Wirtschaft belebt und gleichzeitig Österreichs Industrie wettbewerbsfähig für die Zukunft macht“, weiß R. Seebacher. Um das Investitionsklima weiter zu verbessern, wäre für ihn daher die Erhöhung der Prämie in der nächsten Zeit opportun.

bito.com

onepoll.com


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