INVESTIEREN – Trotz globaler Risiken realistisch wachsen lernen

Investieren – Es reicht heute nicht mehr aus, dass Unternehmen in Innovationen investieren. Der Blick muss dabei auf den Weltmarkt gerichtet sein. (Foto: Rieke / www.pixelio.de)
Investieren – Es reicht heute nicht mehr aus, dass Unternehmen in Innovationen investieren. Der Blick muss dabei auf den Weltmarkt gerichtet sein. (Foto: Rieke / www.pixelio.de)

Investieren – Wie die LogiMAT 2022 in Stuttgart in diesem Frühjahr zeigte, ist die Logistik-Automationsbranche gut durch zwei Jahre Coronapandemie gekommen. Die Auftragsbücher sind voll und einige, wie etwa die Schmalz Gruppe, haben in 2021 sogar ihr umsatzstärkstes Jahr in ihrer Unternehmensgeschichte erwirtschaftet. Dennoch steht die Branche die nächsten Jahre vor großen Herausforderungen, die nicht unbedingt mit dem gegenwärtigen Krieg Russlands mit dem Westen zu tun haben, sondern vielmehr mit Megatrends wie etwa Klimakrise und digitale Transformation etc. Wie Mittelständler trotz Krisen zukunftsfit bleiben können, darüber sprach Dr. Kurt Schmalz, geschäftsführender Gesellschafter der deutschen J. Schmalz Group (Baden-Württemberg), mit blogistic.net.

Die Schmalz Group ist ein typisches deutsches Mittelstandsunternehmen aus dem Investitionsgüter-Bereich. Es gilt als einer der Marktführer weltweit in der Automatisierung mit Vakuum sowie für ergonomische Handhabungssysteme. Die Produkte des international aufgestellten Technikunternehmens kommen in Anwendungen der Logistik genauso zum Einsatz wie in der Automobilindustrie, der Elektronikbranche oder der Möbelproduktion. Zum breiten Spektrum im Geschäftsfeld Vakuum-Automation zählen dabei einzelne Komponenten wie Sauggreifer oder Vakuum-Erzeuger, komplette Greifsysteme und Spannlösungen zum Festhalten von Werkstücken, beispielsweise auf CNC-Bearbeitungszentren. Im Geschäftsfeld Handhabung bietet Schmalz mit Vakuumhebern und Kransystemen zudem innovative Handhabungslösungen für Industrie und Handwerk. Und mit dem Geschäftsfeld Energiespeicher baut das Unternehmen ein weiteres Standbein im Bereich der stationären Energiespeicher auf.

Investieren – „Wir setzen auf Innovation, Akquisition und internationale Expansion“

Dr. Kurt Schmalz ist der geschäftsführender Gesellschafter der J. Schmalz Group. Ihm ist es gelungen, sein Unternehmen sicher durch unruhige Zeiten zu führen. Die Schmalz Gruppe mit Sitz in Glatten (Baden Württemberg) ist nach wie vor weltweit erfolgreich und steuert einen Rekordumsatz an. Wie Dr. Schmalz das Wachstum des vergangenen Jahres toppen will, verrät er hier im Interview.

blogistic.net: Mit einem Jahresumsatz von 213,6 Millionen Euro hat die Schmalz Gruppe 2021 einen Bestwert erreicht. 2022 gehen Sie von einer Steigerung auf rund 270 Millionen Euro aus. Was gibt Ihnen die Zuversicht, den globalen Herausforderungen zu trotzen und den Rekord des vergangenen Jahres zu knacken?

K. Schmalz: Wir sind trotz globaler Krisen nach wie vor Marktführer in der Automatisierung mit Vakuum sowie für ergonomische Handhabungssysteme. Damit das so bleibt, investieren wir nachhaltig und setzen dabei auf Innovation, Akquisition und internationale Expansion. Innovative Ansätze können für uns dabei auf struktureller oder auf Produktebene stattfinden. Beispielsweise entwickeln wir ein eigenes Kamera-Vision-System, damit Anwender Bin-Picking- und Kommissionieraufgaben noch effizienter automatisieren können. Ebenso wichtig ist für uns das Thema Digitalisierung, dem wir mit smarten Produkten Rechnung tragen.

blogistic.net: Stichwort „Innovation“. Was bedeutet das für Sie?

K. Schmalz: Innovation bedeutet für mich nicht nur, neue Produkte auf den Markt zu bringen, sondern auch, branchenorientiert zu denken. Um den Markt mit seinen Bedürfnissen gänzlich zu verstehen, sind wir daher stets auf Augenhöhe mit unseren Kunden, fokussieren uns auf deren Branche und lösen gemeinsam die gestellten Handhabungsaufgaben. Dabei versuchen wir, höchste Qualität zu liefern, auch auf allen netzbasierten Kommunikationskanälen. So ist etwa unser Online-Shop eine state-of-the-art E-Ccommerce-Plattform, die den Ansprüchen der Kunden an schnelle und unkomplizierte Bestellungen Rechnung trägt. Über all dem schwebt jedoch ein drängendes To-do, das alle Branchen betrifft: Klimaschutz. Branchenübergreifend müssen dabei die Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette reduziert werden. Auch hier unterstützen wir unsere Kunden mit Know-how und entsprechenden Produkten.

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Investieren – „Beide Akquisitionen ergänzen unser Portfolio perfekt“

blogistic.net: Das Thema Akquisition ist derzeit präsenter denn je. Immerhin ist die Schmalz Gruppe dieses Jahr auch durch den Zukauf von zwei Firmen aufgefallen und gewachsen. Was bedeutet die Übernahme von Binar Handling und Palamatic für Ihr Unternehmen?

K. Schmalz: Die englische Palamatic. ist seit Januar 2022, die schwedische Binar Handling AB seit März 2022 Teil der Schmalz Gruppe. Beide Unternehmen entwickeln ergonomische Hebe- und Handhabungslösungen. Beide Akquisitionen ergänzen damit unser bestehendes Portfolio der Handling-Systeme perfekt. Palamatic ist zudem in Branchen stark, in denen wir bis dato weniger präsent waren, wie zum Beispiel in der Chemie- und Pharmaindustrie und bei Anwendungen im Reinraumumfeld (Anm.: Reinräume sind möglichst staubfreie Fertigungsbereiche). Beide Tochterfirmen agieren auch weiterhin als eigenständige Marken und können ihr bestehendes Vertriebsnetz mithilfe unserer globalen Strukturen weiter ausbauen. Wir sehen zudem zahlreiche Möglichkeiten für Synergien indem wir etwa Schmalz-Komponenten für die Handhabungs-Lösungen von Binar Handling und Palamatic adaptieren. Jetzt gilt es allerdings zunächst einmal, beide Firmen mit den Prozessen und Strukturen der Schmalz Gruppe zu synchronisieren.

„Unter internationaler Expansion verstehen wir Investitionen in unsere Tochterunternehmen“

K. Schmalz: „Dass der Höhenflug nicht permanent andauern wird, ist anzunehmen, denn dafür sind die globalen Risiko-Themen zu drückend. Dennoch rechnen wir nach derzeitigem Stand auch für 2022 mit zweistelligem prozentualem Wachstum.“ (Foto: Schmalz / RS MEDIA WORLD Archiv)
K. Schmalz: „Dass der Höhenflug nicht permanent andauern wird, ist anzunehmen, denn dafür sind die globalen Risiko-Themen zu drückend. Dennoch rechnen wir nach derzeitigem Stand auch für 2022 mit zweistelligem prozentualem Wachstum.“ (Foto: Schmalz / RS MEDIA WORLD Archiv)

blogistic.net: Damit wären wir beim dritten von Ihnen genannten Schwerpunkt, der internationalen Expansion…

K. Schmalz: Fast, denn natürlich erhoffen wir uns durch die strategische Übernahme einen besseren Zugang zu den Märkten, die wir noch nicht so stark bedienen. Was wir jedoch unter internationaler Expansion verstehen, ist nicht alleine die Akquisition diverser Unternehmen, sondern wir investieren in unsere Tochterunternehmen. So zog Schmalz China vergangenen März in einen Millionen-Neubau ein, der auf der grünen Wiese mit zunächst 7.600 Quadratmetern Nutzfläche in Taicang, Shanghai, geplant wurde. Wie immer spielt auch hier für uns die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. So handelt es sich unter anderem dank Geothermie und Photovoltaikanlagen um ein „ZERO CO2“-Gebäude. In den USA erweitern wir derzeit die Produktions- und Logistikflächen um circa 150 Prozent und modernisieren gleichzeitig die bestehenden Gebäudeteile. Auch hier darf eine entsprechend dimensionierte Photovoltaikanlage nicht fehlen. Die Investitionskosten beider Projekte liegen jeweils im hohen einstelligen Millionen-Bereich.

„Wir liefern keine Produkte mehr nach Russland und Belarus“

blogistic.net: Da sind die Weichen klar auf Wachstum gestellt. Was könnte Schmalz ausbremsen? Und wie lösen Sie diese Bremse?

K. Schmalz: Das stimmt. Die Wachstumskurve hält bisher weiter an und wir mussten, bedingt durch die globalen Ereignisse, lediglich kleinere Knicke hinnehmen. Wir liefern seit einiger Zeit keine Produkte mehr nach Russland und Belarus. Für starke Umsatzeinbrüche ist zudem der Lockdown in China verantwortlich. Hier ist es ungewiss, wann die dortige Wirtschaft wieder Tempo aufnehmen wird, hält die dortige Regierung doch konsequent an ihrer Null-Covid-Strategie fest. Dazu kommt die Problematik hinsichtlich Material. Trotz eines hohen Auftragseingangs sind wir im Vergleich zu Marktbegleitern zwar relativ lieferfähig, jedoch sind die Materialknappheit und die Materialpreiserhöhungen ein Thema, das uns, wie anderen Unternehmen auch, zu schaffen macht. Ein weiterer Stolperstein ist die Inflation. Diesen Treiber der Personalkosten werden wir vor allem in Asien nicht kompensieren können. Dem gegenüber steht jedoch die derzeit sehr robuste Konjunktur, die sich positiv auf unseren Umsatz und den Auftragseingang auswirkt.

blogistic.net: Hört sich gut an. Wird das so bleiben?

K. Schmalz: Das ist bei der heutigen globalen Situation ein Blick in die Glaskugel. Aber dass dieser Höhenflug nicht permanent andauern wird, ist anzunehmen, denn dafür sind die globalen Risiko-Themen zu drückend. Dennoch rechnen wir nach derzeitigem Stand auch für 2022 mit zweistelligem prozentualem Wachstum. Dafür halten wir für die kommenden Jahre die richtigen Antworten parat, investieren in unsere Standorte, Mitarbeiter und in die Nachhaltigkeit – für einen mittelfristig anhaltenden Erfolg.

blogistic.net: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

schmalz.com

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