IFOY 2018 – Die Gewinner sind ermittelt

Nach dem sechsmonatigen Auswahl- und Testprocedere wurde es auf der Zielgerade des IFOY-Award 2018 so eng wie nie zuvor. Wie immer war der Jubel riesig, als die Laudatoren das traditionell gut gehütete Geheimnis um die Gewinner des IFOY 2018 auf der CeMAT-Eröffnungsfeier in Hannover lüfteten.

Am Eröffnungsabend der CeMAT 2018 in Hannover wurde es laut auf dem Messgelände in Hannover. Die Percussion Show läutete eine Award Night der Überraschungen ein und der Jubel war nicht zu überhören. Nach dem sechsmonatigen Auswahl- und Testprocedere wurde es auf der Zielgerade so eng wie nie zuvor. Wie immer war der Jubel riesig, als die Laudatoren das traditionell gut gehütete Geheimnis um die Gewinner auf der CeMAT-Eröffnungsfeier lüfteten. Mehr als 300 Ehrengäste waren gekommen, um mit den Siegern des International Intralogistics and Forklift Truck of the Year (IFOY) Award 2018 zu feiern.

Die Gewinner

Bei den „Integrated Warehouse Solutions“ holte sich die Witron Logistik + Informatik, Parkstein, den Sieg für das Migros Verteilzentrum Suhr in der Schweiz. Zum besten Stapler des Jahres wurde der neue RX 20 des Hamburger Intralogistikspezialisten Still gewählt.

Erstmals in der IFOY Geschichte gingen zwei Finalisten punktgleich über die Ziellinie: der weiterentwickelten ECE 225 von Jungheinrich und der Wegard Trail des Hamburger Startups Wegard. Sie gewannen den Award in der Kategorie Warehouse Trucks. Einen zweiten IFOY Award holte sich Jungheinrich auch in der Kategorie „Special of the Year“ mit dem technologieübergreifenden SLH300 Ladegerät für Flurförderzeuge. In der Kran-Kategorie wurde der Turmdrehkran MK 140 der Liebherr-Werk Biberach  mit einem IFOY Award prämiert.

Best Warehouse Solution

Der IFOY Award 2018 in der Kategorie “Integrated Warehouse Solutions” geht an die Witron Logistik + Informatik für das Migros Verteilzentrum Suhr AG in der Schweiz.

Die Jury-Entscheidung. „Witron ist es als bisher erstem Logistik-Systemintegrator weltweit gelungen, eine ganzheitliche Omnichannel-Lösung zu entwickeln. Die Verschmelzung der volatilen Kleinmengen-Kommissionierung bei migrolino mit dem Migros-Filialgeschäft ist eine Meisterleistung“, begründet die Jury ihr Urteil.

Die migrolino AG, Tochter des Migros-Genossenschafts-Bundes, gehört zu den führenden Anbietern im Schweizer Convenience-Markt. Das Omnichannel-Logistikzentrum versorgt heute an einem Spitzentag mehr als 600 Migros-Filialen mit über 300.000 Handelseinheiten sowie die migrolino-Shops an Tankstellen und Bahnhöfen mit mehr als 118.000 Pickeinheiten

Die Lösung. Witron hat unterschiedliche Vertriebskanäle (Filial-, Kleinmengen-, Wholesale-Logistik) sowie verschiedene Produktgruppen (Trocken-, Frische, temperaturgeführt) in einem integrierten mechanisierten System zusammengeführt. Dies hat nicht nur zu kanalübergreifenden Synergien und einer wirtschaftliche Gesamtlösung geführt, sondern darüber hinaus ein Plus an Flexibilität gebracht.

Insbesondere die Pickleistung wurde um den Faktor 3 im Vergleich zu einem manuellen Lager erhöht. Zudem ist eine Mengensteigerung von 9 bis auf 20 Millionen Picks pro Jahr in den kommenden Jahren berücksichtigt.

Automatisierung und Integration. Dazu hat der Logistiksystemintegrator die bis dato manuelle migrolino-Logistik in einem zweigeschossigen, 14.000 qm großen Lager bei laufendem Betrieb automatisiert und so integriert, dass sich beide Bereiche wechselseitig unterstützen und vor allem weitestgehend selbst optimieren. Highlight der Lösung ist das Zusammenwirken von IT und Mechanik. Alle Anlagenteile und Sortimente sind miteinander vernetzt und werden durch das Witron-WMS-System 4.0 gesteuert. Zum Einsatz kommen verschiedene Logistikmodule, darunter das „Order Picking Machinery (OPM)“ zur vollautomatischen Kommissionierung von Handelseinheiten, das „Dynamic Picking System (DPS)“ für kleinvolumige Artikel, das „Automated Tote System (ATS)“ für Kisten und Behälter sowie der vollautomatische Warenausgangspuffer. Versorgt werden alle Bereiche aus einem automatischen Palettenhochregallager.

Best Counter Balanced Truck: Der RX 20

Der IFOY Award 2018 in der Kategorie “Counter Balanced Truck” ging heuer an den neuen RX 20 des Hamburger Intralogsitikspezialisten Still. Die internationale IFOY-Jury wählte den erst im Januar vorgestellten 1,6-Tonner zur besten Neuerscheinung unter den Gegengewichtsstaplern.

Die Jury-Entscheidung. Ausschlaggebend für die Entscheidung der Jury war das innovative Gesamtpaket des Allrounders für den Innen- und Außeneinsatz. „Der Still RX 20 setzt einen neuen Benchmark im Premium-Segment. Er ist schnell an der Rampe, präzise im Handling, punktet durch einen ergonomischen Arbeitsplatz und das neue Antriebsmodul garantiert hohe Umschlagleistungen. Einen Batterieraum für die wahlweise Nutzung von Blei-Säure-Batterien mit Schaltung A oder Schaltung B in einem kompakten Gegengewichtsstapler vorzusehen, ist zudem eine bemerkenswerte technische Leistung“, heißt es in der Begründung der Jury.

Und in der Tat: Der Stapler deckt mit einer Hubhöhe von 7,5 Meter nahezu alle typischen Aufgaben ab, ist perfekt für schmale Gänge geeignet und mit 20 km/h Spitzengeschwindigkeit ein Sprinter. Mit nur einem Knopfdruck kann der Fahrer zwischen Energieeffizienz und maximaler Umschlagleistung wählen. Auch Geschwindigkeit, Beschleunigung und elektrisches Bremsverhalten lassen sich für jedes Fahrprogramm beliebig einstellen.

Leicht bedienbar. Der Stapler zeigte sich im IFOY-Test zudem äußerst leise und leicht zu bedienen. Trotz seiner kompakten Maße ist der Arbeitsplatz großzügig; die Sicht durch und entlang des Mastes sowie die Rundumsicht ist hervorragend. Die neu entwickelte Anzeige- und Bedieneinheit Still EASY Control setzt ebenfalls Maßstäbe. Das vollgrafische Farbdisplay mit automatischer Helligkeitsregelung liefert dem Fahrer alle notwendigen Informationen auf einen Blick.

Antriebstechnik. Die serienmäßigen 48 Volt Elektro-Gabelstapler können jetzt mit 625 Ah Batterien in A- oder B-Schaltung ausgestattet werden, so dass sich bestehende Batteriepools weiter nutzen lassen. Wie bei den Vorgängermodellen ist der schnelle und einfache seitliche Batteriewechsel mit einem Gabelhubwagen ein großer Anwendernutzen. Lithium-Ionen-Batterien können ebenfalls integriert werden. Mit der großen 931 Ah Li-Ionen Batterie sind im Maximalbetrieb nahezu 14, im Eco-Betrieb 18 Stunden möglich.

Bis zwei Tonnen. Insgesamt bietet die neue RX 20 Serie über 13 Varianten und ist für Lasten von 1,4 bis 2 Tonnen mit einem Lastschwerpunkt von 500 mm ausgelegt. Seine platzsparende Bauweise macht den RX 20 interessant für Branchen, in denen es auf geringe Arbeitsgangbreiten in engen Fahrwegen ankommt, etwa in Getränke- und Baustoffmärkten, in der Lagervorzone bei der Be- und Entladung von LKW oder Containern sowie in Blocklagern. Der Innovation Check bescheinigt der neuen Generation der RX 20-Familie eine konsequente Verbesserung der Technik in dieser Klasse und stuft aufgrund der hohen Marktrelevanz den Kundennutzen als entsprechend hoch ein.

Gleich zwei „Best Warhouse Trucks“

Eine Überraschung bei den IFOY Awards gab es in der Kategorie „Warehouse Truck of the Year“. Den dürfen sich nämlich gleich zwei Fahrzeuge teilen. Mit dem weiterentwickelten ECE 225 mit easyPILOT Follow von Jungheinrich und dem Wegard Trail des Hamburger Startups Wegard gingen erstmals in der IFOY Geschichte zwei Finalisten im entscheidenden Voting punktgleich über die Ziellinie.

Die Jury-Entscheidung. Der neue Horizontal-Kommissionierer ECE 225. von Jungheinrich ist ausgestattet mit der neuen easyPILOT Follow Remote-Bedienoption und folgt seinem Bediener automatisch und äußerst genau zum nächsten Pickplatz. Der Nutzer kann sich so voll auf die Kommissionierung konzentrieren.

Innovative Ortung. Ausschlaggebend für die Entscheidung der Jury waren das innovative Ortungssystem des 2,5 Tonnen-Kommissionierers, die Benutzerschnittstelle mit Fernbedienung und optischer Anzeige der Fahrzeugfunktion, die in dieser Kombination vom IFOY Innovation Check als hochinnovativ bewertet wurden. „Mit der für alle ECE-Modelle nachrüstbaren automatischen Fahrsteuerung macht Jungheinrich den Übergang zur Autonomisierung einfach“, urteilt die Jury.

Im Gegensatz zu der seit 2015 erhältlich manuellen Fernbedienung ist das easyPILOT Follow weit angenehmer und einfacher zu bedienen. Auch ein Seitenwechsel im Gang ist problemlos möglich. Der Bediener trägt die Steuereinheit in der Tasche oder am Gürtel und das System verbindet die Fernbedienung automatisch mit dem Fahrzeug. Für eine 100 Prozent sichere Verbindung unabhängig von optischen Hindernissen oder anderen Störquellen zwischen Fahrzeug und Bediener kommt Funktechnologie zum Einsatz. Für die Sicherheit sorgen zwei Scanner an der Vorderseite des Staplers, wobei einer der beiden Scanner auch die Navigation übernimmt. Im IFOY Test war das System zudem äußerst robust und zuverlässig. Die Testdaten bestätigten die optimierte Pick-Performance durch das Mitgehen.

Wegard Trail. Der zweite IFOY in der Kategorie „Warehouse Truck“ ging an den Wegard Trail. Der modulare Routenzug des Hamburger Start-ups Wegard ist der erste Routenzug, der autonom elektronisch gelenkte Achsen mit autarker Lenkwinkelerfassung verwendet. „Wegard löst mit seiner neuartigen Achse konsequent das Problem der Spurtreue von Routenzuganhängern. Erstmals sind Fahrmanöver wie seitlich Einparken, Rangieren und Rückwärtsfahren möglich, die insbesondere für die Automatisierung von Routenzügen wichtig sind“, heißt es in der Begründung. Der IFOY Innovation Check bestätigt dem System eine deutlich bessere Anpassungsfähigkeit und Flexibilität gegenüber mechanischen Lenkkopplungen.

Einzelne Achsen. Die Basis des Routenzuges ist die Lenkung der einzelnen Achsen. Diese nutzt nur Sensorinformationen, die direkt an der Achse gemessen werden. Dazu sind drei Sensoren installiert, die die linke und rechte Radbewegung sowie den Lenkwinkel ermitteln. Mit Hilfe eines Algorithmus wird die genaue Position der vorderen und hinteren Deichselpunkte berechnet. Aus diesen Werten errechnet das System schließlich die zu fahrende Route. Die Genauigkeit in den IFOY Testreihen war bemerkenswert, ebenso der einfache Anschluss ohne Datenkabel. Dank dieser modularen Achse ist keine zentrale Steuerung notwendig, wodurch das System an alle Schlepper sowie Anhänger mit einer Transportkapazität von bis zu 1.000 Kilogramm pro Anhänger angeschlossen werden kann.

Special of the Year 2018

Die Internationale Fachjournalisten-Jury wählte das technologieübergreifende Ladesystem SLH300 von Jungheinrich zum Sieger in der IFOY Kategorie “Special of the Year”. Damit holten sich die Hamburger den zweiten Award in diesem Jahr.

Die Jury-Entscheidung. „Die neue SLH300-Plattform ist eine einfach zu bedienende Plug & Play-Lösung zum Laden von Blei-Säure- und Lithium-Ionen-Akkus für Flurförderzeuge. Die Möglichkeit, technologieübergreifend mit nur einem System und in dieser Leistungsklasse zu laden macht Unternehmen flexibler, denn die Notwendigkeit, sich für eine der beiden Batterietechnologien zu entscheiden entfällt“, begründet die Jury ihre Entscheidung.

Für Mischflotten. Geeignet ist ein solches System insbesondere für Unternehmen mit Mischflotten oder für den Umstieg von der herkömmlichen Blei-Säure- auf die zukunftsweisende und effizientere Lithium-Ionen-Technologie. Die gesamte Fahrzeugflotte auf den neuen Batterietyp umzustellen ist meistens nicht möglich. SLH300 ermöglicht eine schrittweise Anschaffung von neuen Lithium-Ionen Fahrzeugen ohne gleichzeitig zwei Ladestationen für unterschiedliche Batterietypen zu unterhalten. Im Marktvergleich stuft der IFOY Innovation Check ein Kombiladegerät nicht nur als innovativ, sondern auch in puncto Funktionalität und Leistung als äußerst positiv ein.

Mehrere Modelle. Die neue SLH300-Serie umfasst mehrere Modelle, von einem kompakten Ladegerät (24V/15A) bis hin zu einem 80V/170A-Ladegerät. Seine Intelligenz sorgt für ein effizientes und lebensdaueroptimiertes Laden beider Batterietypen: bei Blei-Säure-Batterien mithilfe des Batteriemoduls und bei Lithium-Ionen-Batterien über das integrierte Batteriemanagementsystem. Das Ladesystem überwacht den Zustand der Batterien und passt Art und Dauer der Ladung entsprechend an. Sobald die Batterie an das Ladegerät angeschlossen ist, erkennt diese den Akku sowie seine Kapazität und Spannung. Das Ladegerät registriert außerdem, welche optimalen Ladeeigenschaften zum angeschlossenen Akku gehören, so dass eine fehlerhafte Aufladung ausgeschlossen ist. Darüber hinaus bieten die Ladegeräte eine Energieeffizienz, die mit einem Wert von mehr als 90 Prozent zur Spitze des Marktes gehört.

Konstante 300 Ampere. Auch bei Spitzenwerten im Ladevorgang wurden im Test konstant 300 Ampere über den gesamten Ladebereich gemessen. Dies ist für die Zwischenladung von Lithium-Ionen-Akkus essentiell, um eine Schnellladung von bis zu 85 Prozent zu gewährleisten.

Crane & Lifting Appliance

Und last but not least wählten die internationalen IFOY-Juroren den Liebherr MK 140 Turmdrehkran zum Sieger in der IFOY Kategorie “Crane and Lifting Appliance”. Damit hat ein echtes Schwergewicht den Award mit nach Hause genommen.

Die Jury-Entscheidung. Vor der Wahl war insbesondere der Innovationswert des vollelektrisch bedienbaren Green Cranes unter die Lupe genommen worden. Den Ausschlag für die Entscheidung der Jury gab das VarioJib-Konzept, mit dem Liebherr einen neuen Standard im Segment der Mobilbaukrane setze. „Mit dem MK 140 erfüllt das Unternehmen seine Vorreiterrolle in Sachen Effizienz und Innovation und bietet darüber hinaus einen deutlichen Mehrwert im Vergleich zum Wettbewerb“, urteilt die Jury.

Erster mit Katzmodus. Das 5-Achs-Modell ist nur 15,97 Meter lang und der erste Kran, der mittels VarioJib den Katzmodus für schnellen und vollelektrischen Umschlagbetrieb und den Wippmodus für Spezialeinsätze vereint. Mit dieser äußerst innovativen Lösung sind für Traglasten bis 1.900 Kilogramm wesentlich größere Hubhöhen bis 94 Meter und Ausladungen bis 65 Meter möglich, die bislang nur mit größeren oder rüstintensiven Geräten erreicht wurden. Die Qualität der Umsetzung stuft der Innovation Check in jeder Hinsicht als mustergültig ein.

Nur eine Person. Zum Auf- und Abbau ist dabei nur eine Person erforderlich. Im Test benötigte der IFOY Sieger für den gesamten Aufbau weniger als 20 Minuten. Umbauten, wie zum Beispiel eine Erhöhung des Gegengewichts oder der Wechsel von Katz- auf Wippausleger lagen ebenfalls unter 20 Minuten. Mit einem Wenderadius von nur 11,5 Metern ist das Fahrzeug zudem sehr wendig. Zum Vergleich: Der Wendekreis eines VW Golf beträgt 11,1 m.

Automatische Rüstzustandserfassung. Ebenfalls eine Marktneuheit ist die automatische Rüstzustandserfassung, die vor allem auf eine höhere Betriebssicherheit einzahlt. Als erster Mobilbaukran kennt der MK 140 seinen kompletten Rüstzustand und unterstützt den Kranfahrer bei der Auswahl der richtigen Lastkurve. Falscheingaben bei der Konfiguration gehören damit der Vergangenheit an.

Kundennutzen. Herausragende Bewertungen erhält der Kran für seinen hohen Kundennutzen. Vor allem in innerstädtischen Bereichen, den klassischen Einsatzgebieten von Mobilbaukranen, sind die kompakten Abmessungen und schnellen Rüstzeiten von großem Vorteil, hält der Innovation Check fest. Das geringere Fahrzeuggewicht, verbunden mit einer geringeren Achsanzahl und das separat fahrbare Zusatzgewicht ermöglicht zudem eine äquivalente Traglast zu deutlich schwereren Kranen, Handling, Genehmigungsfragen sowie die Wegeplanung sind jedoch wesentlich einfacher.

(Die Tests und Ergebnisse sämtlicher IFOY-Award Teilnehmer und .Gewinner 2018 sowie über 50 weitere Stapler- und Logistiklösungen-Tests finden Sie auf blogsitic.net (www.blogistic.net im Bereich „Testatlas“.)

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