FRAUENPOWER – Deutschlands Vorstandsetagen vor Transformation

Frauenpower (Foto: Thomas Jüling / www.pixelio.de)
Frauenpower – Von Frauen erwartet man immer noch Akrobatenakte in den Vorständen. In Deutschlands Vorstandsetagen liegt der Frauenanteil daher bei nur 12 Prozent. Eine Gesetzesinitiative der deutschen Bundesregierung soll hier nun endlich international Bewegung bringen. (Foto: Thomas Jüling / www.pixelio.de)

Frauenpower – In Deutschlands börsennotierten Unternehmen beträgt der Frauenanteil lediglich zwölf Prozent. Mit anderen Worten: 38 Prozent der Gesellschaft sind nicht in Top-Positionen in Unternehmen vertreten. Das ergab die jüngste Untersuchung „Faktencheck Vorstandsstrukturen 2021“ der Managementberatung Horvath & Partners. Eine Gesetz der Kabinetts der deutschen Bundesregierung bringt jetzt international Bewegung in den Transformationsprozess der Vorstandsetagen.

Frauenpower ist in den Vorstandsetagen deutscher börsennotierter Unternehmen offenbar noch immer ein Randphänomen. Lediglich 12 Prozent der aktuell etwa 730 Vorstandspositionen in den deutschen börsennotierten Unternehmen sind derzeit nämlich durch Frauen besetzt. Dies ergab der „Faktencheck Vorstandsstrukturen 2021“ der Managementberatung Horváth & Partners. Die Managementexperten haben die aktuelle Aufstellung der Vorstände in den deutschen börsennotierten Unternehmen unter die Lupe genommen. Analysiert wurden dabei die Führungsetagen der Gesellschaften im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX.

Frauenpower – Gesetze notwendig für Veränderungen

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass es neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen bedarf, damit Bewegung in die Vorstandsbesetzungen kommt. Deswegen hat das Kabinett der deutschen Bundesregierung, rechtzeitig vor dem internationalen Frauentag, einen Gesetzentwurf beschlossen, welcher konkrete Auswirkungen auf Deutschlands Unternehmensvorstände hat. Das am vergangenen Mittwoch verabschiedete Gesetz zur Erhöhung des Frauenanteils in deutschen Vorständen wirkt dabei zwar unmittelbar nur auf eine verhältnismäßig kleine Anzahl der großen Unternehmen. Es dürfte allerdings eine Signalwirkung für die gesamte DACH-Region und ganz Europa haben.

Konkrete Auswirkungen. Wie sich dieses Gesetz auswirkt, darüber gibt die Untersuchung „Faktencheck Vorstandsstrukturen 2021“ ebenfalls Auskunft. So bedeutet eine Ausrichtung an dem verabschiedeten Gesetz eine deutliche Transformation der Vorstandsstrukturen: In gut 60 Prozent der betroffenen Unternehmen (101 der 169 börsennotierten Unternehmen) ist nämlich bisher keine Frau im Vorstand.

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Druck auf Aufsichtsräte wächst

Dr. Oliver Greiner, Partner für Strategie und Transformation bei Horváth & Partners, weist gegenüber den Medien daher darauf hin, dass durch das neue Gesetz vor allem der Druck auf die Aufsichtsräte bei der Neuvergabe von Vorstandsposten wächst. „Die Aufsichtsräte der Unternehmen sind aufgerufen, Lösungen zu finden. Die Erfüllung wird in vielen Fällen nicht allein durch Nach- oder Neubesetzungen erfolgen können. Stattdessen müssen auch zweckmäßige Vorstandserweiterungen oder Neustrukturierungen in Betracht gezogen werden“, ist der Berater gegenüber blogistic.net überzeugt.

„Die Aufsichtsräte der Unternehmen sind aufgerufen, Lösungen zu finden. Die Erfüllung wird in vielen Fällen nicht allein durch Nach- oder Neubesetzungen erfolgen können.

Dr. Oliver Greiner, Horvath & Partners

Besondere Herausforderungen bei Neubesetzungen

Die besondere Herausforderung wird dabei jedoch vor allem in der Besetzung von Vorstandspositionen außerhalb der Bereiche Finanzen und Personal liegen. Das zeigt die aktuelle Verteilung der Vorstandsaufgaben. Die meisten weiblichen Vorstände (24) finden sich nämlich im Finanzressort, dicht gefolgt vom Personalressort, wo es 22 weibliche Vorstände gibt. Dies sind immerhin knapp 45 Prozent aller Personalvorstände. Allerdings haben aktuell nur 49 Unternehmen einen dezidierten Personalvorstand, so der Faktencheck.

Mangelbesetzung im operativen Bereich. In anderen Funktionen lassen sich Frauen hingegen deutlich seltener finden. So gibt es für den operativen Betrieb lediglich sechs designierte weibliche Vorstände, aber 57 männliche Vorstände. Und gerade einmal drei Frauen leiten als Vorstand Technologie- oder Entwicklungsbereiche. Dem stehen 35 Männer gegenüber. Selbst als Vertriebs- und Marketingvorstände ist die Anzahl der Frauen verschwindend gering. Hier stehen zwei Frauen 32 Männern gegenüber. Eine Veränderung in diesen Bereichen dürfte daher durchaus mit Verwerfungen in der gesamten Vorstandsetage verbunden sein, wenn nicht planvoll vorgegangen wird.

Kaum Frauen in direkter Geschäftsverantwortung. Besonders selten haben Frauen derzeit auch Funktionen mit direkter Geschäftsverantwortung inne. Lediglich sechs Frauen leiten Vorstände in den großen börsennotierten Unternehmen als Vorstandsvorsitzende. Als Bereichsvorstände mit direkter Verantwortung für Geschäftseinheiten lassen sich aktuell ebenfalls nur sechs Frauen finden – im Gegensatz zu 117 männlichen Kollegen. Das dürfte der dickste Brocken für Deutschlands börsennotierte Unternehmen werden und die größten Auswirkungen international haben.

Frauenpower – „Neue Gesetze führen zu Transformationsprozessen“

O. Greiner ist daher überzeugt, dass das neue Gesetz nicht nur zu einer Transformation der Vorstände in großen börsennotierten Unternehmen führen wird. Er sieht das künftige Gesetz auch als Katalysator für die Erhöhung des Frauenanteils über alle Führungsebenen hinweg. Er plädiert dafür, dies aktiv zu fördern. „Natürlich muss es bei der Besetzung von Führungspositionen immer um die beste fachliche Eignung gehen. Doch für die kommende Zeit sollte die Maxime gelten: im Zweifelsfalle für die Frau“, so der Berater gegenüber blogistic.net abschließend.

Horváth & Partners in Kürze

Horváth & Partners ist eine international tätige, unabhängige Managementberatung mit Sitz in Stuttgart. Die Kernkompetenzen liegen dabei in der Unternehmenssteuerung und Performanceoptimierung, sowohl für das Gesamtunternehmen wie für die Geschäfts- und Funktionsbereiche Strategie, Innovation, Organisation, Vertrieb, Operations, Controlling, Finanzen und IT. Das Beratungsunternehmen beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter an Standorten in Deutschland, Österreich, Rumänien, Saudi-Arabien, der Schweiz, Ungarn, USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Unternehmen ist zudem Mitglied der internationalen Beratungsallianz „Cordence Worldwide“

horvath-partners.com


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