FRACHTPREISE – So hoch wie schon lange nicht mehr

Dramatisch sinkende Frachtraumraten und akuter Fahrermangel bei gleichzeitig starker Konjunktur in Europa, treiben die Frachtpreise für die Wirtschaft im Straßengüterverkehr in die Höhe. Spediteure und Frächter können nach Jahren fallender Preise und steigenden Kosten wieder aufatmen.

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Die Ampeln stehen für den Straßengüterverkehr auf Grün. (Foto: Gabi Schönemann / www.pixelio.de)

Wer derzeit mit Vertretern der Transportbranche im Straßengüterverkehr spricht, erntet zumindest ein Aufatmen, bei manchen Unternehmen herrscht sogar regelrechte Goldgräberstimmung. Der Grund: Der Transportmarkt im Straßengütersegment hat sich von einem Käufermarkt zu einem Verkäufermarkt gewandelt. Damit dürfte für die Branche eine lange Zeit der Durststrecke seit der Krise im Jahr 2008 zumindest über die nächsten Monate vorbei sein. „Zurzeit werden von Industrie und Handel nahezu alle Frachtpreise bezahlt, die verlangt werden“, freut sich ein Vertriebsmitarbeiter einer Spedition, der nicht namentlich genannt werden möchte, bei einem Gespräch mit BUSINESS+LOGISTIC. Und in der Tat ist es augenfällig: Auf den Fernverkehrsstraßen ist so viel los wie lange nicht. Und das nicht erst seit Herbst, sondern schon längere Zeit.

Transport Market Monitor bestätigt Entwicklung

Bestätigt wird die Entwicklung der Frachtpreise nun durch den jüngsten „Transport Market Monitor“, den Capgemini Consulting und Transporeon quartalsmäßig erheben. Demnach verbleiben die Kapazitäts- und Preis-Indizes der letzten Quartale auch im dritten Quartal auf extremen Niveaus. So stieg auch im dritten Quartal 2017 der Transportpreisindex wieder um 0,6 Prozent auf 101,8 Punkte. Real ist das ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal 2016. Der „Transport Market Monitor“ zeigt gleichzeitig einen dramatisch sinkenden Kapazitätsindex auf 67,4 Punkte gegenüber dem Vergleichsquartal 2016 (minus 20 Prozent), und das, obwohl die Branche insgesamt mehr Frachtraum zur Verfügung stellt.  „Wie bereits in den vergangenen Jahren haben wir nach dem Sommer im September einen Einbruch bei den Transportkapazitäten gesehen. In diesem Jahr ist der Rückgang im September jedoch besonders stark ausgefallen, was zu den höchsten Preisen des Jahres führte. Typischerweise würden wir damit rechnen, dass sich das Kapazitätsangebot ab Oktober wieder normalisiert, aber es wird interessant, ob sich dies am aktuellen Markt verwirklicht”, sagt Ralph Schneider-Maul, Leiter des Bereichs Supply Chain Management bei Capgemini Consulting DACH, gegenüber den Medien.

Im September haben wir den niedrigsten Kapazitätsindex seit Januar 2008 verzeichnet. Daher sind auch die Transportpreise sehr hoch.  (Oliver Kahrs, Director Strategic Initiatives, Transporeon)

Diesel wird Frachtpreise weiter befeuern

Oliver Kahrs, Director Strategic Initiatives bei Transporeon, ergänzt: „Im September haben wir den niedrigsten Kapazitätsindex seit Januar 2008 verzeichnet. Daher sind auch die Transportpreise sehr hoch. Zwar sind die Kapazitäten im dritten Quartal insgesamt leicht gestiegen, im September jedoch eingebrochen. Es ist schwer vorherzusagen, ob sich die Situation im vierten Quartal wieder erholt. Grundsätzlich bleibt das Niveau zu gering.“

Engpässe und Dieselpreis. Tatsächlich dürften Kapazitätsengpässe auch künftig das dominierende Thema der Branche sein und für weitere Preissteigerungen sorgen. Deshalb würden sich auch die aktuellen Dieselpreise nicht in den Transportpreisen widerspiegeln, so O. Kahrs weiter. Er vermutet jedoch, dass dies nicht so bleibt und die weltpolitischen Entwicklungen den Preis für Erdöl und damit Diesel bald wieder anzieht und damit das Steigen der Frachtpreise weiter befeuern wird.

Fahrermangel akut

Ein Grund für die Kapazitätsengpässe dürfte jedoch weniger technischer denn personeller Art sein. So führen die starken Zuwächse zu einem akuten Fahrermangel in ganz Europa. Schon lange klagen ja Interessensvertretungen über die rückgehende Zahl an Interessenten, Berufskraftfahrer zu werden. Gleichzeitig erfüllen immer weniger Berufsanwärter die immer strenger werdenden regulatorischen Anforderungen. Zudem habe die während Krisenzeiten erfolgte Marktbereinigung dazu geführt, dass es immer weniger kleineren Frachtfuhrunternehmen auf dem Markt gibt, so die Einschätzung bei Capgemini Consulting. DAs mache sich jetzt in Boomzeiten bemerkbar.

(Foto: Jetti Kuhlemann / www.pixelio.de)
Kapazitätsengpass: Zurzeit werden von Industrie und Handel nahezu alle Preise bezahlt, die verlangt werden. (Foto: Jetti Kuhlemann / www.pixelio.de)

Eurozone wächst robust

Hauptursache für den Kapazitätsmangel sind jedoch die positiven Wirtschaftsentwicklungen in der Euro-Zone, insbesondere in Deutschland. Laut den jüngsten Zahlen von Statista wuchs das reale BIP im 3. Quartal 2017 saison- und arbeitstäglich bereinigt geschätzt um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Bestätigt wird diese Schätzung durch OECD-Zahlen. Der jüngsten OECD-Prognose zufolge wird die Euro-Zone in diesem Jahr die USA beim Wachstum einholen. In beiden Regionen werde das Bruttoinlandsprodukt um 2,1 Prozent zulegen, prognostiziert die Inustriestaatenorganisation für das Gesamtjahr 2017. Noch im Juni hatte sie für die Währungsunion noch ein Plus von lediglich 1,8 Prozent erwartet. Der Hauptschwerpunkt des Wachstums liegt dabei in der Industrieproduktion.

Frachtpreise: Chance für Bahn

Von den steigenden Preisen im Bereich des Straßengüterverkehrs könnten die Rail Cargo-Unternehmen profitieren, und wieder zu wettbewerbsfähigen Preisen Fracht auf die Schiene bekommen. Die Frage ist, ob man die sich bietenden Chancen auch tatsächlich nutzt. Die ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria (RCA) konnte jedenfalls bislang vom Aufschwung in der Eurozone und steigenden Preisen im Straßengüterverkehr kaum profitieren. Bis Ende August konnte der österreichische Platzhirsch zwar ein Plus von 7,5 Prozent bei seinen Umsatzerlösen verzeichnen (1,45 Milliarden Euro), lag damit aber weit unter den selbst gesteckten Zielen. DAs ist umso bemerkenswerter, weil das Jahr 2016 zu den schwächeren Jahren nach der Krise 2008 zählte.

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