FINANZKRISE 2009 – Jetzt erst recht

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Jetzt können sich Unternehmen vorbereiten auf die Zeit
nach der Krise. (Foto: RS Media World Archiv)

Die Finanzkrise 2009 macht auch vor den Flurförderzeugherstellern nicht halt. Anders als im Automobilbereich sehen sie sich jedoch gut gerüstet. Sie wollen verstärkt mit Services punkten, welche Unternehmen den Schritt zur Modernisierung erleichtern sollen. (Ein Bericht von CR Hans-Joachim Schlobach)

Es gibt nichts zu beschönigen“, sagt Dr. Helmut Limberg, Vertriebsvorstand von Jungheinrich bei einer Veranstaltung in Bad Sassendorf am 22. Januar 2009. „Der Weltmarkt für Flurförderzeuge ist dramatisch eingebrochen.“ Nach Statistiken der Weltbank (WITS) zufolge nahm das Marktvolumen 2008 im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf 872.000 Einheiten ab, teilte Limberg mit. Dabei erlebte Nordamerika mit 17 Prozent den stärksten Einbruch, während das Volumen in Europa um neun und in Asien um drei Prozent sank. Dabei sah es bis Mitte 2008 noch sehr gut aus für die Staplerbauer. „Nach der Intralogistikmesse CeMAT im Frühjahr 2008 waren wir noch optimistisch für das Jahr 2009“, bestätigte Limberg gegenüber blogistic.net. Bis dahin sind Märkte wie Osteuropa oder Asien zum Teil noch zweistellig gewachsen. „Erst ab der zweiten Hälfte ging das Geschäft zurück, wobei der Weltmarkt insbesondere im letzten Quartal 2008 faktisch implodierte. Neben der Finanzkrise 2009 in den westlichen Industrienationen trug die massive Abwertung des Rubels in Russland oder die Haushaltsprobleme in Ungarn usw. zur Misere der Staplerhersteller bei und wird ihnen auch künftig noch zu schaffen machen. Insbesondere im Osten werden derzeit Investitionen auf spätere Zeiten verschoben oder teilweise ganz abgeblasen. „Derzeit bewegen wir uns noch auf dem Niveau von 2004“, so Limberg weiter. Eine Prognose wollte der Hamburger für 2009 nicht abgeben. Er rechne jedoch damit, dass die Krise 12 bis 18 Monate andauert, jedoch das Tal in der zweiten Jahreshälfte erreicht sein wird. Seriös könne im Moment jedoch niemand Zahlen zur Marktentwicklung nennen. Aber der Rückgang könne im mittleren zweistelligen Prozentbereich liegen, erläutert der Manager. Entlassungen sind aber bei Jungheinrich wegen der Absatzkrise trotzdem nicht geplant. Man bereite hingegen Maßnahmen vor, um Kosten zu senken. Kurzarbeit sei dabei eine Möglichkeit, wobei nur solche Bereiche ins Auge gefasst werden, die besonders betroffen seien.

Der Zeitpunkt ist günstig

Trotz der allgemeinen Krisenstimmung blickt Limberg alles andere als pessimistisch in die Zukunft. Denn gerade jetzt machen sich Unternehmen auf die Suche nach Effizienz-Potenzialen. Genau hierin sehen viele Logistiklösungsanbieter wie Jungheinrich ihre Chance. Einziger Knackpunkt: In der gegenwärtigen Situation sind Banken kritischere Finanzierungspartner als noch vor einem Jahr und vergeben nur mit höheren Auflagen Kredite an Unternehmen. Eine Folge: Unternehmen verschieben ihre Investitionsvorhaben auf einen späteren Zeitpunkt. Dabei wäre die Zeit günstig für Investitionen – etwa in leistungsfähigere Stapler-Fuhrparks, die höhere Umschlagsleistungen bei weniger Geräten versprechen. Jetzt könnten Unternehmen sich vorbereiten auf die Zeit nach der Krise und die Grundlagen für einen Wettbewerbsvorsprung legen.

Staplermarkt 2009 (Foto: RS Media World Archiv)
Der Höhenflug bei den Herstellern von Flurförderzeugen
ist vorerst beendet. Für Katzenjammer
besteht jedoch kein Grund . (Foto: RS Media World Archiv)

Invest ohne Kredit

Damit sie das auch tun, warten Hersteller wie Jungheinrich, Linde, Still, Toyota usw. mit Angeboten und Services auf, die es investitionswilligen Unternehmen erlauben, Modernisierungen in ihrer Intralogistik – vom Lager bis hin zum Stapler – vorzunehmen:ohne Bank. Im Hinblick auf die sogenannte Kreditklemme bieten sie unterschiedliche Finanzierungsmodelle in Form von Leasing, Miete in verschiedenen Ausprägungen bis hin zur kompletten Flottenübernahme. Hier steht vor allem der Nutzungsgedanke im Vordergrund. Darüber hinaus beinhaltet zum Beispiel Still das Produkt Mietkauf. Mietkauf ist auf den Eigentumsgedanken ausgerichtet.

Leasing-Varianten

Diese Finanzierungsmöglichkeiten sind freilich nicht neu, bekommen aber im Hinblick auf die gegenwärtige Situation besondere Brisanz. Für Geschäftsführer und Finanzverantwortliche in Unternehmen stellt sich dabei die Frage, welche Möglichkeiten es gibt und welche Vorteile sie im Einzelfall bieten.

Leasing. Diese Finanzierungsform ist die meist langfristig ausgerichtete, klassische Form der Fremd-Finanzierung. Die Grundidee des Leasing heißt „Nutzen statt Kaufen“. Der wesentliche Vorteil für den Leasingnehmer ist, dass Leasinggeräte nicht Bilanzwirksam werden und keine Kapitalbindung erfolgt, denn die Bilanzierung erfolgt beim Leasinggeber. Die Leasingraten decken, im Vergleich zum Kauf eines Gerätes, lediglich den tatsächlichen Werteverzehr des Leasinggerätes sowie die Verzinsung. Diese Variante findet insbesondere seine Begründung in dem Aspekt, liquide Mittel für z.B. Investitionen zu nutzen, deren Renditen höher sind als im Falle eines Staplerkaufs.

Full-Service-Leasing. Wesentlich weiter geht der Gedanke des Full-Service-Leasing. Dabei übernimmt der Flurförderzeughersteller sämtliche vorbeugende Instandhaltungs- sowie Wartungsarbeiten. Der Leasingnehmer hat – je nach Servicelevel-Agreement – die Garantie für die dauerhafte Verfügbarkeit seines Gerätes bzw. seines Fuhrparkes, und das zu einem kalkulierbaren Preisen. Wie beim Leasing ohne Full-Service entfällt die Kapitalbindung für das Fahrzeug; gleiches gilt für die Bevorratung der Ersatzteile. Insgesamt reduziert sich bei der Wahl des Leasing mit Full-Service der administrative Aufwand für den Leasingnehmer, da er nicht mehr jede einzelne Rechnung erfassen und prüfen muss.

Saison-Leasing. Die meisten Anbieter bieten zudem unterschiedliche Varianten der Nutzung, mit der zu zahlende Raten des Leasingnehmers saisonal schwankenden Einnahmen gerecht werden. Insbesondere Saison- Leasing wird dem Gedanken „pay-it-as-you-earn-it“ gerecht. D.h. die Kosten für die Nutzung orientieren sich an der Intensität des Einsatzes – je stärker die Nutzung, desto  höher die Raten.

Staplermarkt 2009(Foto: RS Media World Archiv)
Mit verbesserten Service trotzen die OEMs der Krise. (Foto: RS Media World Archiv)

Miete – der Klassiker

Faktisch alle Hersteller von Flurförderzeugen und Staplern bieten Interessenten die Möglichkeit, Geräte einfach zu mieten. Diese Variante bietet sich zum Beispiel an, wenn es darauf ankommt, Bedarfsspitzen zu decken. Die zumeist schnelle Verfügbarkeit und garantierte Einsatzbereitschaft der Geräte stellen weitere Trümpfe der Miete dar. Selbst wenn beim Kunden kein Fahrer für den gemieteten Stapler zur Verfügung steht, bieten manche Hersteller sogar die Vermietung von Geräten samt Fahrer an.

Mietkauf – eine Alternative zum Kredit

Möchte der Kunde automatisch Eigentümer werden und besteht für ihn die Möglichkeit, in den Genuss öffentlicher Fördermittel zu gelangen, für die oftmals die Bilanzierung der Investition bei ihm Voraussetzung ist, stellt der Mietkauf eine sinnvolle Option dar. Anbieter wie Jungheinrich, Still, Toyota, Linde usw. ermöglichen eine unkomplizierte Abwicklung dieser Investitionsfinanzierung ohne Mindestlaufzeit. Gleichbleibende Raten sorgen dabei für Planungs- und Kalkulationssicherheit. Mit der letzten gezahlten Rate geht das Eigentum letztendlich automatisch auf den Kunden über.

Stapler 2009 (RS Media World Archiv)
Flurförderzeughersteller
positionieren sich heute als Fullservice-Anbieter für Intralogistik-Lösungen. (RS Media World Archiv)

Die Flottenübernahme

Ein Feld mit verstärkt zunehmender Bedeutung ist die Flottenübernahme – vielen mehr bekannt unter dem Stichwort „Outsourcing“. Diese Variante ermöglicht es den Nutzern, sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren. Ziele von Unternehmen sind es u.a. Fixkosten auf niedrigem Niveau zu belassen und darüber hinaus liquide Mittel optimaler Verwendung zuzuführen. Zu der Kernkompetenz der Hersteller zählt es nicht nur, Geräte der Lagertechnik und Stapler zu entwickeln und konstruieren, sondern ebenso vorbeugend zu warten und somit vor allem die Geräte der Kunden einsatzfähig zu halten. Hierfür setzen die Anbieter entweder auf Spezialisten in ihren jeweiligen Werksniederlassungen oder sie bauen auf teilweise selbständige aber dafür kundennahe, mobile Kundendiensttechniker.

Ganzheitliche Lösungen

Damit bieten die Gerätehersteller ganzheitliche Lösungen, wenn es um innerbetrieblichen Transport geht. Durch die Vergabe der kompletten Lagertechnik- und Staplerflotte können Kunden einerseits eine kapitalschonende Verjüngung ihrer Geräte bei gleichzeitiger Erhöhung der Produktivität durch den Einsatz neuer Geräte mit aktueller Technik realisieren. Weitere Vorteile stellt die langfristige Planungssicherheit durch garantierte, maximale Pauschalen für die Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge sowie die Kostenreduktion durch das Flottenmanagement. Durch Verlagerung von Administrationsaufgaben an den Hersteller vermindert der Nutzer seinen Verwaltungsaufwand erheblich. Ein weiterer, positiver Faktor ist der entfallende Aufwand für die Gebrauchtgeräteverwertung.

jungheinrich.de/

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