EMI JULI 2020 – Abschwung im deutschen Industriesektor lässt nach

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EMI Juli 2020: Obgleich sich die Talfahrt der deutschen Industriekonjunktur abgeschwächt hat, ist ein nachhaltiger Aufschwung nicht in Sicht. (Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / www.pixelio.de)

Der durch die Coronavirus-Pandemie ausgelöste massive Produktionsrückgang in der deutschen Industrie hat sich im Juni abgeschwächt. Das zumindest signalisiert der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index vom Juli 2020 (EMI Juli 2020). Der EMI Juli 2020 notierte saisonbereinigt bei 45,2 Punkten und machte damit nach 36,6 im Vormonat einen kräftigen Sprung nach oben. Ob diese Entwicklung nachhaltig ist, bleibt jedoch ungewiss.

Wie die jüngsten Umfrageergebnisse von IHS Markit zeigen, nahmen mehr und mehr Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes ihre Geschäftstätigkeit wieder auf. Deshalb fielen die Rückgänge bei Produktion und Auftragseingang so gering aus wie seit Februar nicht mehr. Und sie entfernen sich damit weiter von den Allzeittiefs im April. „Die aktuellen Daten des EMI Juli 2020 zeichnen ein widersprüchliches Bild. Einerseits signalisieren sie eine deutliche Wiederbelebung der Industrie, andererseits bleibt die Nachfrage weiterhin verhalten“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Deutschland (BME) gegenüber den Medien in Eschborn. Trotzdem sei die einsetzende Konsolidierung des Verarbeitenden Gewerbes ein Hoffnungsschimmer für eine baldige konjunkturelle Erholung.

Erholung auf Pump

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EMI Juli 2020: Die Erholung ist stark von fiskalischen Maßnahmen beeinflusst. (Foto: Matthias Bozek / www.pixelio.de)

„Laut EMI zeichnet sich eine V-Erholung ab, oder dann, wenn der Anstieg wieder auf einem Plateau gelandet ist, ein Wurzelzeichen. Beides wäre ein gutes Zeichen für die Konjunktur“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen auf Anfrage den EMI Juli 2020. Nach einem schwachen ersten Quartal läge dann der Tiefpunkt im zweiten Quartal mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von geschätzt sieben Prozent im Quartalsvergleich. Ab dem dritten Quartal wären dann wieder positive Raten zu erwarten. „Im Jahresdurchschnitt ergäbe sich gemäß unserer Prognose ein Rückgang von fünf Prozent, fügte G. Traud hinzu. Damit wäre die Rezession in Deutschland weniger stark als in der Finanzkrise 2008-2009. Damals sackte das BIP um 5,7 Prozent ab. Der Grund dafür dürfte vor allem in den massiven fiskalpolitischen Maßnahmen  liegen.

Laut EMI zeichnet sich eine V-Erholung ab, oder dann, wenn der Anstieg wieder auf einem Plateau gelandet ist, ein Wurzelzeichen. Beides wäre ein gutes Zeichen für die Konjunktur.

Dr.Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin Helaba Landesbank Hessen-Thüringen

Rückkehr zum Wachstum. „Die Entwicklung der Einkaufsmanager-Indizes im Juni nährt daher die Hoffnung einer Rückkehr auf den Wachstumspfad“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Ernüchternd sei allerdings, dass vielfach diese Verbesserung noch nicht aus den tatsächlichen Verbesserungen des Geschäftsverlaufs, sondern aus Einschätzungen und Erwartungen gespeist werde. „Die Konjunktur muss diese hohen Erwartungen in den kommenden Monaten erst noch einlösen“, so Kater abschließend.

Vielleicht doch ein „L“

Genau hier liegt jedoch der Unsicherheitsfaktor, denn die Weltkonjunktur brach nach Analysen vom Juni sowohl des  Internationalen Währungsfonds (IWF) als auch der Weltbank um 5,2 Prozent ein. Sollte die Pandemie in der zweiten Jahreshälfte weitgehend unter Kontrolle gebracht werden können, könnte die Weltwirtschaft in 2021 um 4,2 Prozent wachsen. Falls die Folgen jedoch schlimmer ausfallen sollten, könnte die Wirtschaft heuer allerdings einen Wirtschaftseinbruch um bis zu acht Prozent gegenüber 2019 erleben und 2021 nur geringfügig wachsen. Dann wäre der Konjunkturverlauf kein „V“, sondern ein „L“

Umsatzrückgänge nicht kompensierbar

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EMI Juli 2020: Der Aufschwung findet nur unter bestimmten Voraussetzungen statt.(Foto: Dieter Schütz / www.pixelio.de)

„Die Lockerungen und Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit sind der Grund dafür, dass sich der Ausblick bei den Unternehmen leicht verbessert“, teilte Katharina Huhn, Leiterin des Referats Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen im DIHK bei der Veröffentlichung des EMI Juli 2020 mit. Es sei erfreulich, dass wieder Bewegung bei den Aufträgen zu verzeichnen ist. Aber: Die aktuelle DIHK-Blitzumfrage bei über 8.000 Unternehmen zeige, dass vier von fünf Betrieben massive Umsatzrückgänge verkraften müssen. Diese Rückgänge können laut Huhn im laufenden Jahr nicht mehr aufgeholt werden. Die Hälfte der Betriebe rechne frühestens 2021 mit einer Rückkehr zur geschäftlichen Normalität. Auf Basis der Unternehmensantworten erwarte der DIHK für das laufende Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandproduktes von zehn Prozent.

Die Lockerungen und Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit sind der Grund dafür, dass sich der Ausblick bei den Unternehmen leicht verbessert

Katharina Huhn, Leiterin Referat Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen, DIHK

Rohstoffe: Tiefpunkt erreicht

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank: „Bei den meisten Industrierohstoffen scheint der preisliche Tiefpunkt durchschritten. Insbesondere die Rohölpreise haben sich im Verlauf des Juni 2020 deutlich belebt. Die höheren Notierungen wurden in der Kunststoffwertschöpfungskette weitgehend durchgereicht. Dementsprechend verteuerten sich auch die wichtigsten Kunststoffe, mit Ausnahme von PET. Während die NE-Metalle fast durchgängig deutlich teurer wurden, kamen die Stahlpreise ab Mitte Juni nochmals unter Druck. Bei höheren Erzpreisen und weitgehend stabilen Schrottnotierungen verengten sich die Margen kräftig. Ursache ist hier neben einer schwächer als erwarteten Nachfrage vor allem der zunehmende Importdruck insbesondere aus Südeuropa.“

Die Entwicklung der Teilindizes des EMI Juli 2020

Industrieproduktion: Der saisonbereinigte Teilindex Leistung entfernte sich im Juni weiter von seinem historischen Tief im April und notierte auf dem höchsten Stand seit Februar. Der Rückgang der Produktionsrate schwächte sich damit erneut merklich ab. Dennoch, obwohl zunehmend mehr Umfrageteilnehmer von einer Belebung der Geschäftstätigkeit berichteten, drückt der Mangel an Neuaufträgen die Produktionsniveaus deutlich nach unten. Abermals schrumpften alle drei Teilbereiche der Industrie, wenn auch weniger stark als zuletzt. Am schlechtesten schnitt der Investitionsgüterbereich ab.
Auftragseingang insgesamt/Export: Das Minus beim Auftragseingang fiel im Juni so gering aus wie seit Februar nicht mehr, als die Coronavirus-Pandemie gerade anfing. Überall dort, wo ein Rückgang verbucht wurde (aktuell bei 38 Prozent der befragten Unternehmen gegenüber 61 Prozent im Mai), hing dies häufig mit der Verschiebung oder Stornierung von Aufträgen sowie hohen Lagerbeständen bei den Kunden zusammen. Den Daten zufolge war die Nachfrage nach Investitionsgütern besonders schwach. Im Gegensatz dazu verzeichneten Konsumgüterhersteller ein leichtes Umsatzplus nach starken Einbußen zu Beginn des zweiten Quartals.
Auch im Juni schrumpfte die Anzahl der Exportneuaufträge im deutschen Industriesektor. Der saisonbereinigte Teilindex entfernte sich zwar weiter von seinem Rekordtief im April und notierte auf einem Viermonatshoch, die Verbesserung fiel aber nicht so stark aus wie beim Gesamt-Auftragseingang. Laut einigen Umfrageteilnehmern gingen vor allem die Neuaufträge aus Europa stark zurück. Aus Asien (und insbesondere China) wurde dagegen mehrfach ein Nachfrageanstieg gemeldet.  
Beschäftigung: Der kräftige Personalabbau im Verarbeitenden Gewerbe setzte sich auch im Juni fort. Zwar verlangsamte sich die Rate gegenüber April und Mai etwas, sie blieb aber dennoch eine der stärksten seit Beginn der Datenerfassung 1996. Die Kürzungen wurden erneut durch betriebsbedingte Kündigungen, die Reduzierung von Leiharbeitern sowie die Nichtbesetzung von offenen Stellen erreicht.
 
Einkaufs-/Verkaufspreise: Der seit Mai 2019 anhaltende Trend der fallenden Einkaufspreise war auch im Juni zu beobachten. Die Rückgangsrate schwächte sich auf den niedrigsten Wert seit Februar ab, fiel aber dennoch insgesamt kräftig aus. Erneut war die schwache weltweite Nachfrage laut Umfrageteilnehmern der entscheidende Faktor für die Reduzierung. Dies führte zu Rabatten seitens der Zulieferer sowie zu niedrigeren Preisen auf den Weltmärkten für Rohstoffe wie Metalle (insbesondere Stahl), Kunststoffe und Produkte auf Ölbasis. Der Druck auf die Verkaufspreise war auch Ende des zweiten Quartals deutlich spürbar, denn der Wettbewerb um Neuaufträge blieb unvermindert hart. Im Vormonatsvergleich gab es keine Änderung, womit die Rate weiter eine der stärksten seit der globalen Finanzkrise war. Vor allem im Investitionsgüterbereich kam es zu Reduzierungen, während die Hersteller von Konsumgütern (im Durchschnitt) keine Veränderung meldeten.  
Jahresausblick: Die Erwartungen der Hersteller hinsichtlich ihrer zukünftigen Produktionsniveaus verbesserten sich im Juni signifikant. So schnellte der Teilindex Geschäftsausblick mit Rekordrate nach oben und signalisierte erstmals seit Februar wieder Optimismus. Auch wenn sich mehr und mehr Firmen grundsätzlich zuversichtlich zeigen, so gibt es doch immer noch eine ganze Reihe, die pessimistisch in die Zukunft blicken. Der Grad an Optimismus ist daher im historischen Vergleich betrachtet noch gering.

bme.de/emi

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