EMI – Industrieproduktion in Deutschland weiter auf Talfahrt

EMI (Foto: Thorben Wengert / www.pixelio.de)
Deutschlands Wirtschaft bremst sich weiter ein. (Foto: Thorben Wengert / www.pixelio.de)

Am Ende des ersten Quartals 2019 sind Deutschlands Industrieproduktion, Neuaufträge und Exportorder im verarbeitenden Gewerbe weiter auf Schrumpfkurs. Das geht aus den jüngsten Umfrageergebnisse zum IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) hervor. Die Analysten sehen jedoch die Talsohle erreicht. Doch auch Asiens größte Volkswirtschaft, Japan, kämpft mit ähnlichen Problemen wie Deutschland. Dort plagen vor allem den Maschinenbau veritable Zukunftsängste.

Gebrüder weiss

Deutschlands Wirtschaft und Industrieproduktion bremst sich weiter ein. Das ergibt der jüngst veröffentlichte und saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index, kurz EMI. Dieser gab im März erneut deutlich nach und notierte bei 44,1 Punkten nach 47,6 im Februar. Dies markiert den niedrigsten Wert seit Juli 2012 als der Euroraum unter Staatsschuldenkrise und drohender Rezession litt. Darüber hinaus wirkten sich die schleppende Nachfrage sowie der unsichere Geschäftsausblick auf die Einstellungspolitik der Unternehmen aus. Denn erstmals seit drei Jahren wurde bei der Beschäftigung ein leichter Rückgang verzeichnet. Die Talfahrt dürfte sich, trotz bei der Veröffentlichung vorgetragenen Optimismus weiter fortsetzen.

„Beginnender Abschwung“

„Nachdem der EMI bereits den dritten Monat in Folge unter die magische 50-Punkte-Schwelle gerutscht ist, müssen wir uns auf den beginnenden Abschwung einstellen, interpretiert Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) am 4. April 2019 in Eschborn. Positiv stimme allerdings, dass die durchschnittlichen Einkaufspreise im März kaum angestiegen seien.  Dafür dürften sinkende Industriemetallpreise beigetragen haben. Sinkende Preise in diesem Bereich deuten jedoch auf eine geringere Nachfrage hin.

Industrieproduktion: „Tiefpunkt erreicht“

EMI (Foto: Matthias Bozek / www.pixelio.de)
Talsohle made in Germany erreicht. (Foto: Matthias Bozek / www.pixelio.de)

„Laut EMI hat sich die Stimmung in der deutschen Industrie zuletzt noch einmal verschlechtert. Gemessen an historischen Erfahrungen sollte damit der Tiefpunkt erreicht sein“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen die aktuellen EMI-Daten. Die Chancen für eine baldige Erholung seien hoch. Ähnlich wurde jedoch schon der letzte EMI kommentiert. Daher sind die gestellten Erholungsprognosen eher fraglich. Hohe Unsicherheiten wie der Brexit, weltweite Handelskonflikte führen zu einer Zurückhaltung innerhalb der Industrie.

Brexit und Handelskonflikte. G. Traud meint hierzu: „Zwar scheinen die Briten noch unentschlossen über die Art und Weise des Brexits, aber einen ungeregelten Austritt aus der Europäischen Union wollen sie offensichtlich auf jeden Fall vermeiden.“ Die Handelsgespräche zwischen den USA und China zeigten in die richtige Richtung. Die expansiven Maßnahmen aus Geld- und Fiskalpolitik in der Volksrepublik trügen bereits erste Früchte bei dortigen Konjunkturindikatoren. Die Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks hätten signalisiert, von Zinserhöhungen Abstand zu nehmen. „Einem baldigen Aufschwung steht somit kaum noch etwas entgegen. Die Aktienmärkte antizipieren dieses Szenario bereits schon“, teilte die Helaba-Bankdirektorin dem BME abschließend mit.

„Kein freier Fall“

EMI (Foto: lichtkunst.73 / www.pixelio.de)
Die Wirtschaft befindet sich (noch) nicht im freien Fall. (Foto: lichtkunst.73 / www.pixelio.de)

„Trotz der schlechten Zahlen in der in Wirtschaft und Industrieproduktion ist dies jedoch kein freier Fall; die Binnenwirtschaft bleibt weiter stark und auch in der Industrie sollten die Daten im kommenden Monat wieder besser ausfallen“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Donnerstag dem BME. Andere Analysten sehen das jedoch anders. Ob so oder so: Die Herausforderungen für die Industrie werden größer. Die weltweite Verunsicherung hat in den vergangenen Wochen – gerade mit Blick auf den Brexit – noch einmal zugenommen. Umso dringender werden Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hierzulande. Um wieder Rückenwind zu bekommen, sollten wir uns noch intensiver Themen wie dem Ausbau der digitalen Infrastruktur, steigenden Energiepreisen sowie einer Unternehmenssteuerreform zuwenden“, teilte Ilja Nothnagel, Mitglied der DIHK-Hauptgeschäftsführung, am Donnerstag dem BME mit.

„Rohstoffpreise tendieren fester“

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank dem BME: „Obwohl sich die Zeichen für eine konjunkturelle Abschwächung mehren, tendierten die Rohstoffpreise zuletzt fester. Bei Rohöl belastet die Krise in Venezuela, während sich die Förderung im Iran stabilisiert hat. Die Eisenerzpreise haben sich nach dem Dammbruch in Brasilien auf dem erreichten Niveau seitwärts bewegt. Die Schrottpreise zogen infolge knappen Angebots an. Dadurch entsteht Druck auf die Rohstahlpreise, der mittelfristig Preisanhebungen zur Folge haben dürfte.“

Japans Wirtschaft mit ähnlichen Problemen

Doch auch Japans Wirtschaft stehen offenbar schlechte Zeiten bevor. Zu diesem Ergebnis kommt die „tankan“, eine jedes Quartal stattfindende Umfrage der Bank of Japan, die sich mit dem wirtschaftlichen Erfolg heimischer Erzeugerfirmen beschäftigt. Es wurden Manager von etwa 10.000 Unternehmen befragt. Der Umfrage zufolge klagen die Hersteller über mangelnde Nachfrage, sowohl im Inland als auch im Ausland. Ein Hauptgrund dafür sei die konjunkturelle Abkühlung in China. Vor allem im Maschinenbau bestehen Zukunftsängste.

Auch in Japan fallende Indizes

Industrie. Der Index der Fabrikanten ist zwischen Dezember 2018 und März 2019 von 19 auf zwölf gesunken, wie Pressetext Austria vermeldet. . Dieser Index rechnet sich aus der Prozentzahl der mit ihren Konditionen zufriedenen Unternehmen abzüglich der Prozentzahl der unzufriedenen Unternehmen zusammen. Die Zahl war seit sechs Jahren nicht mehr so niedrig.

Handel & Dienstleistungen. Auch Nicht-Hersteller haben Schwierigkeiten. Der Index ist zwischen Dezember 2018 und März 2019 von 24 auf 21 gefallen. Diese Firmen nennen vor allem einen Mangel an Arbeitskräften als Problem. Große Unternehmen rechnen für das Geschäftsjahr 2019 mit einer Steigerung der Kapitalausgaben, jedoch nur um 1,2 Prozent. 2018 fand hier noch eine Steigerung von 13,9 Prozent statt.

Neuer Kaiser. Diese Entwicklungen kommen vor dem Hintergrund des Anfangs einer neuen Ära in Japan. Am 30. April soll Kaiser Akihito zugunsten seines Sohnes Naruhito abdanken. Dadurch kommt die „Heisei-Ära“ zu einem Ende, die mit dem Platzen einer ökonomischen Blase in den 1980er-Jahren begann und bis in die frühen 2000er-Jahre von ökonomischen Flauten geprägt war.

Die EMI-Teilindizes im Überblick

EMI 2019  (Foto: Tim Reckmann / www.pixelio.de)
Brexit und Handelskonflikte bremsen die Wirtschaft ein. (Foto: Tim Reckmann / www.pixelio.de)

Industrieproduktion. Im März ist die Leistung des Verarbeitenden Gewerbes erneut geschrumpft. Der Rückgang fiel so deutlich aus wie seit Juli 2012 nicht mehr. Alle drei von der Umfrage erfassten Teilbereiche verzeichneten niedrigere Produktionsraten. Dabei schnitten die Hersteller von Vorleistungsgütern am schlechtesten ab, gefolgt von den Produzenten von Konsumgütern.

Auftragseingang insgesamt. Das Abwärtstempo beim Auftragseingang hat sich sowohl bei Großunternehmen als auch bei Klein- und Mittelbetrieben abermals verschärft. So rutschte der Teilindex noch weiter unter die Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten und notierte auf dem tiefsten Stand seit April 2009. Die Produzenten von Vorleistungsgütern und Konsumgütern verzeichneten besonders starke Abnahmen ihrer Neuaufträge. Dies lag vor allem an der anhaltenden Unsicherheit in der Branche, die sich auf die Umsätze auswirkte sowie an der nach wie vor schleppenden Nachfrage in der Automobilindustrie.

Auftragseingang Export. Der Rückgang des Gesamt-Auftragseingangs spiegelte zumindest teilweise die erneute Schrumpfung der Auslandsnachfrage wider. Damit wurde im März das siebte Minus beim Export hintereinander verzeichnet, welches zudem so stark ausfiel wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr. Überall dort, wo eine Schrumpfung verzeichnet wurde (fast ein Drittel der Umfrageteilnehmer), wurde dies niedrigeren Umsätzen in Großbritannien, Kontinentaleuropa und Asien zugeschrieben.

Beschäftigung. Der saisonbereinigte Teilindex stürzte im März regelrecht ab und zeigte erstmals seit drei Jahren ein Minus an. Es war der größte Rückgang im Vormonatsvergleich seit Umfragebeginn im Jahre 1996. Auch wenn der Personalabbau nur sehr marginal ausfiel, steht er doch in starkem Gegensatz zu den soliden Zuwachsraten der vergangenen Monate. Leichte Stellenreduzierungen bei den Herstellern von Konsum- und Vorleistungsgütern überkompensierten ein minimales Wachstum im Investitionsgüterbereich.

Einkaufs-/Verkaufspreise. Die durchschnittlichen Einkaufspreise stiegen im März kaum an. Bereits zum fünften Mal hintereinander schwächte sich die Inflationsrate ab und fiel so gering aus wie seit über zweieinhalb Jahren nicht mehr. Ein Teil der Befragten gab an für einige Elektronikteile und rohölbasierte Produkte mehr bezahlt zu haben. Zur Reduzierung der Kosten führten jedoch vor allem die billigeren Metallpreise und hier insbesondere Stahl.

Inflation. Die Inflationsrate der Angebotspreise in der Industrie fiel im März auf ein 28-Monatstief, was zum einen am geringeren Kostendruck sowie an der nachlassenden Preismacht der Unternehmen lag. Beim Blick auf die Teilbereiche zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. Einem kräftigen Anstieg der Verkaufspreise im Konsumgüterbereich stehen eine nur geringe Anhebung im Investitionsgüterbereich sowie eine deutliche Senkung der Preise im Vorleistungsgüterbereich gegenüber.

Jahresausblick. Der Pessimismus der Einkaufsmanager hinsichtlich der Produktionsaussichten binnen Jahresfrist hat sich im März erneut vergrößert. So fiel der Teilindex noch tiefer in den Negativbereich auf den tiefsten Stand seit November 2012. Nach wie vor sorgen vor allem der Konjunkturabschwung, die Unsicherheiten beim Brexit und den zukünftigen Handelsbeziehungen sowie die anhaltenden Probleme im Automobilsektor für Kopfzerbrechen in den Führungsetagen der Industrieunternehmen.

Der EMI in Kürze  
Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des BME. Er wird vom Anbieter von Unternehmens-, Finanz- und Wirtschaftsinformationen IHS Markit mit Hauptsitz in London erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).  

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