E-COMMERCE – XXXL im virtuellen Möbelhandel

Der Durchbruch für das E-Commerce-Geschäft scheint 2015 im Möbelhandel geglückt. Für die Branche könnte damit die Abwärtsspirale bei den Margen im Filialgeschäft nun eingeläutet sein. Wohl auch deshalb, aber vor allem, um neue Kundensegmente zu gewinnen, investierte der österreichische Möbelhändler XXXLutz und ließ sich 2015 das erste, rein auf E-Commerce ausgerichtete Distributionszentrum bauen.

Seit Jahren schon prognostizieren Experten den E-Commerce-Hype auch im Möbelbusiness. 2015 dürfte das Jahr gewesen sein, in dem sich die Prognosen endlich erfüllten. Zwischen sieben bis zehn Prozent des Gesamtumsatzes im Möbelmarkt wurden 2015 im Internet erzielt, so die Analysen. Jeder vierte Einkauf ging dabei über den virtuellen Ladentisch.

Hohe Kaufbereitschaft

Jeder vierte Internet-Nutzer hat dabei schon einmal Möbel online gekauft, und nur 15 Prozent können sich einen Möbelkauf im Netz nicht vorstellen. Die Zeiten, in denen es hieß: „Möbel muss man anfassen und ausprobieren, bevor man sie kauf“, dürften also endgültig vorbei sein. Die Kunden schätzen dabei am Online-Möbelkauf vor allem die große Auswahl, die Filtermöglichkeiten sowie die schnelle Lieferung. Ganze Wohnlandschaften können so, wenn es sein muss, per Zwei-Mann-Lieferung durch die Republik gekarrt, vor Ort aufgebaut und – bei Bedarf – auch wieder zurückgenommen werden. Letzteres passiert allerdings nur selten: Die Retourenquote der meisten Online-Versender von Möbeln liegt zwischen drei und zehn Prozent, haben Nachfragen ergeben.

Geschäft und Margen winken

Für die österreichische Transportbranche winkt damit ein dickes Geschäft, wenn der Online-Möbelboom hierzulande so richtig einsetzt und man auf das richtige Pferd setzt. Für die Österreich-Tochter des schwedischen Möbelgiganten IKEA erledigt das zum Beispiel neuerdings die Morawa-Tochter cargoe. Und auch andere Logistiker werden sich das Business nicht entgehen lassen wollen.

Möbelhandel hebt Margen. Was bedeutet das für den hiesigen Möbelhandel? – Der sieht für sich im E-Business die Chance, endlich seine Abwärtsspirale bei den Margen stoppen oder gar ins Positive drehen zu können. Ein Grund für diesen Negativtrend im Filialgeschäft liegt nämlich darin, dass die Branche bis heute, trotz deutlicher Warnsignale, massiv in die Fläche geht und sich parallel dazu eine aggressiv geführte Preisschlacht liefert. Noch immer schießen österreichweit Möbelhausfilialen wie Pilze aus dem Boden oder werden bestehende massiv modernisiert und erweitert. Der Möbelkäufer soll dabei nicht nur mit teilweise aberwitzigen Niedrigpreisen in die Verkaufstempel gelockt werden, sondern den Einkauf als Shopping-Event wahrnehmen. Der logische Effekt dieser Entwicklung: Die Profitabilität auf der Fläche sinkt von Jahr zu Jahr dramatisch.

Erstes E-Commerce-Lager

Was Wunder also, wenn Händler wie die österreichische Möbelkette XXXLutz mit Sitz in Wels damit aufhören, noch weiter Hüpfburgen auf ihren Parkplätzen aufzublasen und beginnen, sich intensiv dem E-Commerce zu widmen. Zwar begannen die Oberösterreicher damit schon 2013, allerdings mehr oder weniger halbherzig. Denn sie setzten dabei vor allem auf Kleinteiliges. Hierfür wählte man eine Omnichannel-Strategie, welche die Distributionszentren der Möbelkette gut verkraften können. Doch der Kunde ist König, und der hat keine Lust auf Kleinteiliges. Der will die Möbelstücke nicht selber schleppen und aufbauen, sondern lieber frei Haus liefern und aufbauen lassen. König Kunde zieht es nämlich immer seltener in Möbel-Einkaufstempel. Er will von zu Hause aus Möbel schauen, bestellen und bezahlen. Und natürlich erwartet er den gewohnten Service.

2.000 am Tag. Um diesem Trend zu begegnen, richtete XXXLutz in seinem Zentrallager in Vorchdorf (OÖ) das erste E-Commerce-Lager Österreichs ein. Von hier aus machen sich seit Oktober 2015 sämtliche Online-Bestellungen auf den Weg – und zwar aus den Sortimenten Kleinmöbel, Deko, Baby sowie sämtliche Großmöbel. In das E-Commerce-Lager wurde aber auch die Marke Mömax integriert. Bestellt wird nun bequem im Onlineshop und innerhalb von 24 Stunden ab Bestelleingang dem Versand zugeführt. Dabei können auch Aufbau und Montage mitbestellt werden. Auf diese Weise will XXXLutz bis zu 2.000 Aufträge täglich generieren, so der Plan.

Das Zentrallager in Vorchdorf

Die Erstellung des Konzepts für das reine E-Commerce-Lager und die Softwarerealisierung wurde von SSI Schäfer in nur 5 Monaten vorgenommen. Und da kein Umbau notwendig war, konnte man sich ganz auf die Prozess-optimierung und die Schnittstellen konzentrieren. Herzstück für die kundengerechte Auslieferung bildet dabei die Kommissionierung. Der Kommissionierprozess wurde hier über zwei Stufen ausgelegt. Diese Konzeption ist vor allem bei manuellen Intralogistiksystemen von Vorteil, weil sie hilft, Wege in der Kommissionierung zu einzusparen. Ob so oder so: In Vorchdorf werden nun die Artikel zuerst in einem Batch zusammengefasst und danach den jeweiligen Kunden zugeordnet.

Software ist Herzstück

Gesteuert wird das E-Commerce-Lager durch das Warhouse-Managementsystem (WMS) von SSI Schäfer, Wamas. Es ermittelt hierbei die optimale Route sowohl hinsichtlich der Kommissionierung als auch des Transports innerhalb des Lagers. So wird gewährleistet, dass die Kommissionierer und Stapler keine unnötigen Wege zurücklegen müssen. Nach Abschluss des Kommissioniervorgangs bietet das WMS dem Benutzer die Möglichkeit, die Transporteinheiten zu verdichten, bevor diese in einen Packprozess in postversandfähige Pakete aufgeteilt werden.

Leitstand bietet Überblick. Eine nicht unwesentliche Aufgabe kommt dem Leitstand zu. Er sorgt für das jederzeitige Reagieren auf aktuelle Situationen und kümmert sich vor allem um die Steuerung und Überwachung. Verschiedenste Leistungsdaten bzw. Statistiken können vom Leitstand aus kontrolliert werden.

Die Software, die mitdenkt

Insgesamt verwaltet Wamas derzeit über 3.700 Artikel, verteilt auf über 6.000 Fachbodenplätze und ebenso viele Palettenplätze. Damit die Fachbodenplätze optimal ausgenutzt werden, ermöglicht das System eine Lagerplatz-teilung. Dadurch ergeben sich über 12.000 Fachbodenplätze innerhalb nur eines Lagers. Hierfür werden kleine und größere Boxen verwendet. Die dynamische Berechnung in der Logistiksoftware ermöglicht verschiedene Lagerungen der Boxen. So erlaubt das System auch das Stapeln zweier kleiner Boxen. Damit wird jeder Lagerplatz perfekt genutzt und die Lagerfläche so auf ein Optimales ausgenutzt.

Schnittstellen

Die Logistiksoftware Wamas ist durch eine Schnittstelle an das ERP von XXXLutz und an eine Versandsoftware angebunden. Die Paketdaten werden von Wamas an die Versandsoftware sowie das ERP-System geschickt, um so eine punktgenaue Frachtführerermittlung zu gewährleisten. Das Besondere ist jedoch, dass die Software komplett im Standard implementiert wurde, das heißt für die E-Commerce-Funktionalitäten ist sie optimal einsetzbar. Zudem waren in Vorchdorf keine Zusatzimplementierungen notwendig.

ssi-schaefer.com

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