E- COMMERCE – Die Sache mit dem Klick

Obwohl 2015 die Investitionen in Industrie und Handel eher schleppend waren, konnte der Hersteller von Regalsystemen und Intralogistiklösungen, Bito Lagertechnik, in Österreich ein fulminantes Wachstumsjahr hinlegen. E-Commerce ist hier vor allem der Treiber, wobei das Onlineshopping für Lebensmittel einen weiteren Hype in Österreich auslösen könnte. Ein Bericht von CR Hans-Joachim Schlobach

(Foto: S. Hofschlaeger / www.pixelio.de)
Frische im Online-Shop: Gerade hier steht der Handel vor großen Logistikherausforderungen (Foto: S. Hofschlaeger / www.pixelio.de)

Die deutsche Wirtschaft ist weiter auf Wachstumskurs. Das bestätigt der Anfang Januar veröffentlichte Einkaufsmanagerindex des Bundesverbandes für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Deutschland, BME. Dieser wies das höchste Plus beim Auftragseingang seit knapp zwei Jahren auf, was den Markit/EMI auf 53,2 Punkte (November: 52,9) und somit auf ein Viermonatshoch trieb. „Der Aufschwung ist robust. Für seine Nachhaltigkeit spricht, dass der EMI bereits seit 13 Monaten über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten liegt“, betonte Dr. Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Deutschland (BME), gegenüber den Medien. Erfreulich für Einkäufer sei zudem, dass der anhaltende Preisverfall bei wichtigen Industrierohstoffen die durchschnittlichen Beschaffungspreise auch im Dezember 2015 kräftig sinken ließ. In diesem Jahr wird somit ein Wirtschaftswachstum für Deutschland um rund 1,7 Prozent prognostiziert. Österreichs Exportwirtschaft kann sich also auch 2016 über wachsende Absatzmengen in seinem wichtigsten Exportland freuen.

E- Commerce: Konsum treibt Deutschland

Soweit, so gut: Der Pferdefuß der positiven Entwicklung ist jedoch, dass die deutsche Konjunktur hauptsächlich vom Binnenkonsum der Deutschen getrieben ist. Laut EMI setzt sich die Dynamik in der deutschen Industrie auch 2016 fort. Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, bestätigt diesen Trend bei der Veröffentlichung des EMI. Sie weist darauf hin, dass die Wachstumsmotoren in Deutschland derzeit nicht bei den Investitionen oder Exporten zu finden sind, sondern vielmehr beim privaten Konsum. Sie warnt daher vor den möglichen Folgen einer einseitigen Wachstumspolitik und moniert die fehlenden Investitionsanreize für Unternehmen in der Fiskalpolitik Deutschlands. Gleichzeitig kritisiert sie die Geldpolitik der EZB. „Mit den extrem niedrigen bzw. teilweise negativen Zinsen liefert die EZB keine ökonomische Stimulanz, sondern trägt eher zur Verunsicherung bei den Investitionen bei“, so G. Traud abschließend.

Österreichs Industrieinvestitionen nehmen zu

Bito beschäftigt sich schon seit längerem mit Frischelogistik und hat auch schon einige Behälterlösungen implementiert. (Foto: Bito)

In Österreich sind hingegen die Industrieinvestitionen ab Mitte des Jahres 2015 angesprungen. Das zeigen die Prognosezahlen der Österreichischen Nationalbank. „Das Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen hat sich im Lauf des Jahres 2015 zum Positiven hin gewendet. Aufgrund eines steigenden Bedarfs an Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen werden die heimischen Unternehmen ihre Ausrüstungsinvestitionen in den Jahren 2016 und 2017 spürbar erweitern.“, heißt es im Prognosebericht der Nationalbänker, der Dezember 2015 veröffentlicht wurde. Aber auch der Binnenmarkt springt in der Alpenrepublik an, nicht zuletzt auch durch die Ausgaben für Flüchtlinge, so der OENB-Bericht. Für das Jahr 2016 rechne man daher – aufgrund stabiler Exporte, der in Kraft tretenden Steuerreform und der Wohnbauinitiative der Bundesregierung – mit einem Wachstum des BIP um 1,9 Prozent.

Wandel im Handel. Dass die Industrie- und Ausrüstungsinvestitionen im Jahr 2015 angesprungen sind, das kann auch Roland Seebacher, Geschäftsführer des mittelständischen Spezialisten für Regalbau und Intralogistiklösungen, Bito Lagertechnik Austria in Asten (OÖ) bestätigen. Er registrierte für sein Unternehmen ein überproportional starkes Wachstum von über 20 Prozent. Ein Schwerpunkt der Aufträge lag dabei vor allem im Handel und hier vor allem im Regalbau. So realisierte man im vergangenen Jahr das Distributionszentrum des größten britischen Sportartikelhändlers Sportsdirect (wir berichteten in BUSINESS+LOGISTIC 2/2015, S. 14 ff). Derzeit sind die oberösterreichischen Intralogistikspezialisten mitten in der Finalisierung eines Distributionslagers eines österreichischen Möbelhändlers. Und auch für das Jahr 2016 blickt R. Seebacher optimistisch in die Zukunft.

E- Commerce: Getrieben vom Konsum

Frische-Behälter: (Foto: Bito)
Bito: Eine große Herausforderung in der Frischelogistik sind die Behälter (Foto: Bito)

Den Haupttreiber für die Investitionen sieht R. Seebacher vor allem im Konsum im Allgemeinen, und hier im E-Commerce-Hype im Besonderen. Denn sämtliche großen Installationen, welche Bito in Österreich im vergangenen Jahr implementierte, waren auf E-Commerce ausgerichtet. Dabei sind es nicht nur die klassischen Produktsegmente wie Kleidung, Bücher und Elektronik, als neues Betätigungsfeld des E-Commerce identifiziert R. Seebacher nun auch in Österreich den Bereich Food- und Frischelogistik. Hier hatten bereits im Jahr 2014 der Lebensmittelhänder Pfeiffer und die Österreichische Post eine Online-Shoppinglösung für frische Lebensmittel mit Hauszustellung realisiert, und den Blick des Handels verstärkt auf diesen Bereich gelenkt. Seither wird viel darüber diskutiert, wie man mit solchen Distributionslösungen beispielsweise dem demographischen und den strukturellen Wandel sowohl in ländlichen als auch urbanen Gebieten begegnen kann.

„Letzte Meile“ als Herausforderung

Die große Herausforderung ist bei dieser Form der Frischelogistik vor allem die „letzte Meile“ – und damit die Verlängerung der Kühlkette bis zur Haustür. Bito beschäftigt sich schon seit längerem mit diesem Thema und hat auch schon einige Behälterlösungen implementiert, welche die Frische der Waren über einen langen Zeitraum garantieren – beispielsweise bei LeShop.ch. Der Schweizer Online-Supermarkt beliefert etwa 50.000 Kunden mit Lebensmitteln inklusive Tiefkühlkost. Sobald ein Kunde online eine Bestellung aufgibt, erfolgt die auftragsbezogene Kommissionierung. „Die Waren werden zunächst in Papiertüten verpackt und kommen anschließend in stabile Bito-Mehrwegbehälter. Diese schützen die Waren während des Transports gegen äußere Beschädigungen, Lichteinfall und Temperatureinflüsse. Auf Paletten gestapelt versendet die Schweizer Paketpost die gefüllten Behälter. Nach der Auslieferung der Waren an die Endkunden werden die Bito-Boxen gesammelt und an LeShop zurückgeführt“, schildert R. Seebacher die Lösung in der Schweiz. Für den Schweizer Online-Supermarkt reduziert das die Fracht- und Lagerkosten um bis zu 75 Prozent, weil diese sich ineinander stapeln lassen.

Frische & Zeit. Eine weitere Herausforderung gibt es jedoch: Was ist, wenn der Zusteller den Kunden nicht sofort zu Hause antrifft? Viele Dienstleister arbeiten im Moment daran, die Lieferung der Waren zeitlich von der Warenannahme durch den Kunden zu entkoppeln. Die besonderen Herausforderungen hierbei sind die Erfüllung aller Hygiene- und Temperaturanforderungen sowie der effektive Schutz der Ware vor Diebstahl und Beschädigung. Prädestiniert für solche Behälterlösungen sind hierbei jedoch nicht alleine der Lebensmittelhandel, auch KEP-Dienstleister, welche Frischelogistik flächendeckend für Onlineshops anbieten wollen, könnten hierfür in Frage kommen. „Wir unterstützen auf jeden Fall die Unternehmen mit unserem mittlerweile umfangreichen Know-how für Behälter und realisieren hierfür individuelle Behälterlösungen“, bringt es der österreichische Bito-Chef abschließend auf den Punkt.

www.bme.de | www.oenb.at | www.lechop.ch | www.bito.at

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