DIGITALISIERUNG – Die Suche nach der einfachen Komplexität

Die Digitalisierung, Industrie 4.0 und das Internet der Dinge führen zu disruptiven Entwicklungen, die nach der Vereinfachung der Komplexität rufen. Dies erfordert von Anbietern für Intralogistiklösungen und deren Anwender jedoch ein Höchstmaß an Flexibilität: technisch, bei ihren Prozessen und in den eigenen Denkstrukturen. Das wird sich auch auf der heurigen CeMAT vom 31. Mai bis 3. Juni in Hannover zeigen. Ein Bericht von CR Hans-joachim Schlobach

Knapp AG in Hart bei Graz | Foto: Knapp
Knapp AG in Hart bei Graz | Foto: Knapp

Kaum ein Thema beschäftigt derzeit die Chefetagen der Wirtschaft mehr, als die Digitalisierung, und in diesem Zusammenhang Industrie 4.0 und das Internet der Dinge. Und das, obgleich dieser Themenkomplex schon seit Jahren mehr oder weniger intensiv diskutiert wird – allerdings zumeist nur punktuell. In der Vergangenheit ging es nämlich zumeist hauptsächlich um ERP- oder WMS-Systeme oder die Steuerung von Prozessen innerhalb eines Unternehmens. Die Diskussion rund um die Digitalisierung hat jedoch seit knapp zwei Jahren an Dynamik zugenommen, sodass ein regelrechter Hype entstanden ist.

Neue Business-Cases

Ein Grund dafür dürfte sein, dass mit der rasanten Entwicklung der IT, völlig neue Möglichkeiten für Geschäfte entstanden sind, welche die sogenannte „Old Economy“ bzw. etablierte Branchen massiv bedrängt und sie zwingt, darauf zu reagieren. Seither sind die Chefetagen fieberhaft auf der Suche nach Konzepten und Lösungen, welche die Unternehmen fit für die digitale Zukunft machen sollen. Betroffen sind dabei nicht nur Taxiunternehmen, welche etwa durch das Mitfahr-Portal Uber unter Druck stehen. Nein, der Druck nimmt quer durch alle Branchen zu. Selbst Unternehmen aus der digitalen Welt scheinen mit den sich rasant verändernden Märkten derzeit überfordert zu sein. So hat jetzt IBM angekündigt, weltweit Tausende Mitarbeiter zu entlassen, um das Unternehmen an die Zukunft anpassen zu können. Das US-amerikanische Analystenhaus Bernstein rechnet mit rund 14.000 Stellenstreichungen bei „Big Old Blue“. Unter dem harmlos klingenden Namen „Liquid“ will der IT-Konzern künftig Kundenprojekte stärker extern ausschreiben. Denn mit dem Know-how von Fremdfirmen könne man sich besser an die rasante technologische Entwicklung und die wechselnden Kundenbedürfnisse anpassen, so die offizielle Begründung.

Die Transparenz entlang der Wertschöpfungskette ist notwendig, damit (…) die vorhandenen Ressourcen effizient eingesetzt werden können, ganz im Sinne von Industrie 4.0. Gerald Hofer MBA, CEO Knapp AG

Straffe Prozesse, transparente Netzwerke. Auch beim Grazer Automationsspezialisten Knapp sieht man sich mit denselben disruptiven Entwicklungen konfrontiert. Im Gegensatz zu IBM zeigt sich das Unternehmen jedoch für die Zukunft gerüstet. So hat man vor allem die Entwicklungs- und Produktionsprozesse in den letzten Jahren erheblich gestrafft. Hierfür unterzog man sich nicht nur selbst einem Flexibilitäts- und Qualitätscheck. Auch das Lieferantennetzwerk wurde diesem Check unterzogen. Dabei wurde der Fokus aber nicht nur auf Flexibilität und Produktqualität gelegt, sondern auch auf die Bereitschaft zur Transparenz. „Diese Transparenz entlang der Wertschöpfungskette ist notwendig, damit einerseits rasch reagiert und andererseits die vorhandenen Ressourcen effizient eingesetzt werden können, ganz im Sinne von Industrie 4.0“, sagt hierzu Gerald Hofer MBA, CEO von Knapp, gegenüber blogistic.net.

Acht Monate Zeit. Wie notwendig diese Transparenz ist, zeigt sich vor allem an der Tatsache, dass selbst im Industriegüter-­Sektor, in dem sich Knapp bewegt, immer kürzere Reaktionszeiten gefordert werden. Heimo Robosch, Executive Vice President bei Knapp bestätigt: „Noch vor ein paar Jahren gingen vom Erstkontakt, über die Planung bis zur Fertigstellung eines Projektes gerne einmal 18 Monate ins Land. Heute sind wir bei acht Monaten angelangt.“

Visualisierung und Simulation

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Virtuelle Wirklichkeiten werden bei Knapp Realität | Foto: Fotolia.com

Dass dies in der geforderten Geschwindigkeit gelingt, dafür setzt man in Graz ganz auf die Themen „Visualisierung“ und „Simulation“. So werden zum Beispiel Intralogistikanlagen noch vor deren Produktion und Implementierung von den Ingenieuren aus den dafür notwendigen Komponenten virtuell zusammengesetzt. Auf diese Weise entstehen systematisch ganze Anlagen am Bildschirm. Und da bei Knapp stets markttaug­liche Technologien verwendet werden, lässt sich so nicht nur die Funktionsweise, sondern auch die Wirksamkeit und Effi­zienz eines Gesamtsystems ermitteln und simulieren. Wie das im Einzelnen aussehen kann, davon können sich Besucher desKnapp-­Messestandes auf der CeMAT in Hannover (Halle 27, Stand 36) überzeugen. Mit Hilfe von Virtual Reality-Brillen (Oculus Rift-Displays) werden dort Interessenten nicht nur in die Lage versetzt, neueste Entwicklungen live am Messestand zu erleben. Sie werden auch die Möglichkeit haben, die dort gezeigten Exponate anzusehen, und zwar eingebettet in einer kompletten Lagersituation. Der Besucher kann somit virtuell durch das dort aufgebaute „Lager“ navigieren und das System in Interaktion mit anderen Lagerkomponenten erleben. Im Gegensatz zu herkömmlichen Virtual Reality-Brillen füllt das große Display der Oculus Rift dabei das gesamte Gesichtsfeld aus und gibt dem Benutzer das Gefühl, mitten im Lager zu sein.

Noch vor ein paar Jahren gingen vom Erstkontakt, über die Planung bis zur Fertigstellung eines Projektes, gerne einmal 18 Monate ins Land. Heute sind wir bei acht Monaten angelangt. Heimo Robosch, Executive Vice President Knapp AG

Making Complexity Simple

Gemäß dem eigenen Leitsatz „making complexity simple“ sollen solche Innovationen bei Knapp dafür sorgen, dass die zunehmende Komplexität und die immer höher werdenden Anforderungen, mit nachhaltigen Lösungen, hoher Investitionssicherheit und Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Geschäftsbedingungen, beantwortet werden können. In diesem Zusammenhang sollen daher auch die freifahrenden Open Shuttles, die von Knapp auf der CeMAT ebenfalls gezeigt werden, komplexe Transportnetzwerke innerhalb eines Lagers abdecken. Dass sie mit neuen Kommissionierverfahren, intelligenter Bilderkennungstechnologie, schnellen Sortern und neuerster Robotertechnik kombiniert werden können, trägt zur weiteren Flexibilisierung ganzer Systeme bei. Ganz nach dem Motto: „Der Schwarm ist dort, wo die Arbeit ist“, kommunizieren die Open Shuttles dabei untereinander und verteilen sich gegenseitig und völlig autonom Aufträge. Durch die flexible Bauweise ohne Schienen sind sie platzsparend und lassen sich einfach in bestehende Systeme in­tegrieren. In Kombination mit der Fördertechnik Streamline bietet das Open Shuttle so eine Balance zwischen Flexibilität und Leistung.

Innovation hat Tradition

Mit solchen Innovationen können Unternehmen fit für künftige Szenarien gemacht werden, die eine rasche und flexible Reaktion auf sich ändernde Marktbedingungen erfordern. Davon sind zumindest die Techniker von Knapp überzeugt. Dass dies so bleibt, dafür investiert man in Hart bei Graz jedes Jahr rund 30 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Mit dem richtigen Gespür für Trends und neue Marktanforderungen haben die Steirer mit ihren innovativen Lösungen bereits viele Male die Intralogistik mit geprägt. Heute gilt Knapp weltweit als Komplettanbieter in Sachen Logistik-Automation. Ein wichtiger Schritt dorthin war hierbei die Beteiligung an der deutschen KHT-Apostore-Gruppe. „Mit Apostore-Automaten für Apotheken und Pharmagroßhändler bieten wir nun auch für den gesamten Healthcare-Bereich ein komplettes Angebot – bis zur Apotheke und ins Krankenhaus“, betont G. Hofer abschließend.

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