CORONA-VIRUS – Die umgefallenen Reissäcke der VR China

Corona-Virus: Buddha hat wenig zu lachen. (Foto: Rosel Eckstein / www.pixelio.de)
Corona-Virus: Buddha hat derzeit weenig zu lachen. (Foto: Rosel Eckstein / www.pixelio.de)

Wie das vergleichsweise harmlose Corona-Virus die halbe Weltwirtschaft lahmlegen kann, das wurde im Rahmen einer Veranstaltung an der FH des bfi Wien deutlich, zu dem FH-Direktor Breinbauer und der Verein Netzwerk Logistik (VNL) einluden. Der aufmerksame Beobachter wurde dabei den Eindruck nicht los, dass Europa die Hysterie der VR China importiert. (Ein Bericht von CR HaJo Schlobach)

Das Corona-Virus schickt sich an, die halbe Welt lahm zu legen. Ausgehend von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei, breitet es sich rasant aus und sorgte in sehr kurzer Zeit für Tausende Infizierte und Hunderte Tote. Für die Regierung der VR China war das Grund genug, ein gewaltiges Antiviren-Programm in Gang zu setzen, das die Quarantäne ganzer Landstriche sowie die Stillegung von Schlüsselindustrien in den betroffenen Provinzen Chinas mit einschloss.

Corona-Virus: In China fallen Reissäcke um und Europa bekommt Schnappatmungen

China versorgt die Welt. Diese Maßnahmen sind teilweise noch immer in Kraft sind. Mit erheblichen Konsequenzen für die Weltwirtschaft. China versorgt die ganze Welt mit Komponenten, welche beispielsweise die Automotive-Branche, der Maschinenbau, die IT-Industrie beheimatet sind. Umgekehrt ist die VR China einer der wichtigsten Absatzmärkte für Fertigprodukte dieser Industrien. Wenn die VR China also eine Grippe hat, kommt die Weltwirtschaft zum Handkuss.

Corona-Virus: Für Europas Wirtschaft bedeutsam

In welchem Umfang das etwa für Europa bedeutsam ist, war auf einer eilig organisierten Informationsveranstaltung zu hören, zu dem Prof. Dr. Breinbauer, Direktor der FH des bfi Wien und intimer Kenner der weltweiten Supply Chains, gemeinsam mit dem Verein Netzwerk Logistik (VNL) veranstaltete. Im Rahmen der Veranstaltung war etwa von Alexander Till, Managing Direktor der Repräsentanz des Hafen Hamburg, beispielsweise zu erfahren, dass die Schiffe der Reedereien, die derzeit aus der VR China nach Hamburg unterwegs sind, nur zu einem Viertel beladen sind. Mit anderen Worten: Waren 24.000-TEU Containerschiffe noch vor der Corona-Epidemie nahezu voll beladen nach Hamburg unterwegs, sind dieselben Schiffe mit nur noch 6.000 TEU beladen. „Wir werden die Auswirkungen in rund drei Wochen in Hamburg zu spüren bekommen“, sagt A. Till hierzu. Die Auswirkungen für das Hinterland, welches auf die Waren aus Fernost warten, lassen sich bis dato nicht abschätzen, so A. Till weiter. Fakt sei aber, dass die Epidemie in der VR China rasch in den Griff bekommen werden müsse, um ernste Auswirkungen auf Europa zu vermeiden. „Wenn das Corona-Virus in drei bis vier Wochen nicht in den Griff bekommen wird, dann bekommen wir in Europa ernsthafte Probleme“, wird A. Till konkret.

Wenn das Corona-Virus in drei bis vier Wochen nicht in den Griff bekommen wird, dann bekommen wir in Europa ernsthafte Probleme

Alexander Till, MD Hafen Hamburg in Wien

Container fehlen dem Welthandel

Der Grund dürfte allerdings nicht alleine darin liegen, dass die Räder etlicher Schlüsselunternehmen in der VR China in den letzten Wochen still gestanden sind. Viel wesentlicher für den Handel zwischen Europa und Asien sind die in Umlauf gebrachten Container. Millionen dieser Container sind derzeit in den Häfen Chinas gestrandet, weil die Schiffe aus Sicherheitsgründen nicht auslaufen dürfen. „Rund 24 Millionen Container sind regelmäßig zwischen der EU und China unterwegs. Derzeit kann die Wirtschaft die Ausfälle dadurch kompensieren, indem sie Container etwa aus Saudi Arabien oder den Emiraten ordert. Das reicht jedoch nicht mehr als für drei Wochen. Ab dann wird es eng“, erläutert A. Till die Situation.  

Corona-Virus: Die Lage entspannt sich in China

Corona-Virus: Der Virus beeinträchtigt die Weltwirtschaft unverhältnismäßig. (Foto: I. Rasche / www.pixelio.de)
Corona-Virus: Der Virus beeinträchtigt die Weltwirtschaft unverhältnismäßig. (Foto: I. Rasche / www.pixelio.de)

Allerdings dürfte sich die Lage an der Corona-Virus Front in der VR China mittlerweile entspannen, weist Harald Nitschinger, Co-Founder und Managing Director des Wiener Startups Prewave hin. Sein Unternehmen befasst sich u.a. mit der Ermittlung von Wirtschaftsrisiken für Branchen auf der Basis von Bericherstattungen in der Welt und sozialen Netzwerken. Demnach stagnieren die Corona-Neuinfizierungen in China. Gleichzeitig beginnen für die Weltwirtschaft wichtige Unternehmen in der VR China wieder zu produzieren – allerdings nicht auf dem Niveau von vor der Corona-Epidemie. Der Grund liegt darin, dass während Chinese New Year, das zeitgleich zum Ausbruch der Epidemie stattfand, rund 350 Millionen Wanderarbeiter in ihre Heimatorte zogen. Diese müssen nun, aufgrund der Maßnahmen der chinesischen Regierung in Peking, , in ihren Heimatorten verharren, bis die Epidemie vorbei ist. Dabei sind sie für die Aufrechterhaltung der vollen Produktion notwendig gebrauchte Arbeitskräfte. H. Nitschinger interpretiert die ihm zur Verfügung stehenden Daten jedoch so, dass sich auch hier die Lage zu normalisieren beginnt. Er gibt jedoch keine Entwarnung, weil sich die Situation in China bzw. auch in anderen asiatischen Ländern wie etwa Süd-Korea negativ verändern kann. Er rät zur weiteren Wachsamkeit.

Hysterie statt Krisenbewältigung

Vor diesen Hintergründen stellt sich jedoch die Frage, ob die an Hysterie grenzende Krisenbewältigung in China und Europa gerechtfertigt ist. Mittlerweile ist bekannt, dass das Corona-Virus harmloser ist als das in Europa bekannte Influenza-Virus, dem im deutschsprachigen Raum jährlich Hunderte direkt zum Opfer fallen. Geht man davon aus, dass das Influenza-Virus für eine „Übersterblichkeit“ sorgt, dann gehen die Todesfälle alleine in Deutschland pro Saison in die Zehntausende. Von einer „Übersterblichkeit“ spricht man, wenn Patienten schon ein, aus verschiedenen Gründen geschwächtes Immunsystem haben und eine zusätzliche Infektion zum Tode führt. In Hinblick auf den Großteil der bekannten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Corona-Virus, kann man von einer solchen Übersterblichkeit ausgehen.

Epidemien sind normal. Kritiker der Krisenbewältigung der Corona-Virus Epidemie sprechen daher von einer Hysterie und verweisen darauf, dass solche Epidemien normal sind. Sie weisen darauf hin, dass die Menschheit laufend mit neuen Krankheitserregern konfrontiert ist und über normale Schutzmechanismen im Körper verfügt, mit solchen Erregern fertig zu werden. Gerade weil der Virus vergleichsweise harmlos sei, hätte es einen Sinn, den Virus sich ausbreiten zu lassen und – wie bei einem Schnupfen – den natürlichen Abwehrmechanismen auszusetzen. Im kommenden Jahr wäre der Corona-Virus dann genauso Geschichte wie der Influenza-Virus. Außerdem gewönne man so die Zeit, Impfstoffe zu entwickeln.

Reaktionen nicht gerechtfertigt. Ein Ergebnis der Veranstaltung an der FH des bfi Wien war demnach auch, dass die Auswirkungen des Corona-Virus auf Patienten kaum für die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft stehen könnten. Etwas mehr Gelassenheit wäre angebracht.  

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